Anfang - Friedhof - Tagebuch - Steckbrief - Links Ende


er helle Vollmond hinter den Wolken bricht hervor, während du langsam und vorsichtig deinen Weg durch den Wald fortsetzt und endlich an eine Lichtung kommst. Dennoch bemerkst du schnell, dass dieser Ort nicht dein eigentliches Ziel deiner Wanderung ist, denn er sieht nicht danach aus, als ob du hier nächtigen könntest.

icke, rauchige Nebelschwaden, schmiegen sich wie Katzen um deine Beine und kräuseln sich leicht mit jeder deiner Bewegung, als ob sie Angst haben, von dir umgerannt zu werden. Ein leises Rascheln in einem nahe liegenden Gebüsch lässt dich aufschrecken und du setzt deine Schritte nun langsamer fort, während du dir einredest, es wäre nur ein kleiner Nager, der sich dort versteckt hält. Aber ganz wohl fühlst du dich nicht mehr in deiner Haut.

it jedem weiteren Schritt bemerkst du einen immer größer werdenden Schatten im Nebel, der, je näher du kommst, immer klarere Umrisse erhält. Dir wird klar, dass du dich eine Art Metalltor näherst, zu dessen Seiten ein dunkler Gusszaun langsam vom Nebel verschluckt wird.

eugierig geworden bleibst du vor dem alten Eisentor stehen und lässt deine Hand über das schwarze, kalte Metall streichen, doch kaum berührst du das dunkle Tor, bewegt es sich fast wie von selbst und öffnet sich vor deiner Nase laut quietschend einen Spalt breit. Der Nebel hinter dem Tor wurde mit jedem Meter dicker und du siehst dich unsicher noch einmal um, bevor du, von der Neugierde besiegt, durch den Spalt trittst und dich weiter schleichst.



unkle Wolken decken den Mond wieder zu und der Ort, der bis eben noch in silbriges Licht getaucht wurde, wird finster, sodunkel, dass du für einen Moment lang darüber nachdenkst, obes nicht besser ist, wieder zurück zu gehen und von Neuem versuchst, den Weg ins Hotel zu finden, das irgendwo in der Nähe sein muss.

ann bemerkst du, nicht weit von dir, kleine rote Lichtkegel, die kaum gegen den dicken Nebel ankommen, der sich über sie legt. Grablichter.
Du schellst dich stumm, diesen Ort nicht gleich als Friedhof erkannt zu haben und gehst nun entschlossen auf das schwache Licht zu und bleibst vor dem Grab stehen, dessen Stein langsam aus dem weißen Schleier auftaucht ist.

emächlich gehst du in die Hocke und merkst, wie die Luft um dich herum feuchter und dicker wird, doch interessiert dich gerade eher der Name, der auf dem Grabstein steht, der nicht mehr wirklich als Name zu erkennen ist.
Die einst eingravierten Buchstaben, sind zerkratzt und an manchen Stellen sogar aus dem Stein herausgerissen worden. Der ganze Grabstein macht einen sehr zerfallenen Eindruck und steckt sogar schon schief in der dunklen Erde, die einen fauligen Geruch absondert, der an altes Laub erinnert.

nttäuscht möchtest du dich wieder aufrichten, als du plötzlich ein kleines Buch bemerkst, dass auf dem Grab liegt, von dem du schwören könntest, dass es bis eben noch nicht da lag. Kurz lässt du deinen Blick über die anderen schwachen Lichter auf dem Friedhof gleiten, bevor du deine Hand nach dem kleinen Büchlein ausstreckst und aufhebst.

m silbrigen Licht des Mondes, der wieder aus den Wolken hervor lugt, musterst du den dunklen, zerschlissenen Ledereinband und drehst den Gegenstand in deinen Händen. Auf dem Buchrücken bemerkst du eine kleine Zahl, eine sieben, die in den Einband hineingeritzt worden war und öffnest das Buch vorsichtig.

uf einem vergilbten und sehr zerfetzten Blatt steht in schwarzer Tinte und geschwungener Schrift das Wort ‚Tagebuch'. Beim näheren Hinsehen fällt dir noch etwas Geschriebenes auf, vermutlich der Name des Besitzers. Doch an dieser Stelle ist die Tinte so verschwommen, dass es unmöglich ist, die kleinen Buchstaben zu erkennen. Nur der erste macht den Eindruck, als hätte er vor langer Zeit einmal ein C sein sollen.

eugierig siehst du dich noch einmal um, bevor du die dünne Seite umblätterst und anfängst zu lesen…





16. 04

tändig dieser Regen. Schon seid einiger Zeit habe ich das Gefühl, dieses Wetter hört einfach nicht mehr auf. Es ist einfach unangenehm aufzuwachen und sofort umgeben von Matsch zu sein. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich früher einmal sogar darin gespielt habe. Aber früher war ich anscheinend sowieso jemand ganz Anderes. Vielleicht war dem damals auch so. Wer weiß das schon..

ch bin heute einer suchenden Seele begegnet, der ich ein Stück gefolgt bin. Er hat sich mit jemanden Fremden unterhalten und schien nicht sonderlich begeistert. Es schien mir, als ob er die Nähe anderer scheut.. Verständlich..

an konnte genau spüren, dass er sich am liebsten umgedreht hätte um zu gehen und trotzdem hat er die Fragen des Anderen beantwortet.. Nicht nur das, er erzählte auch über seine Vergangenheit.. Beängstigend, Genau bei solchen Dingen erkenne ich erst wie viel ich vergessen habe..
Ich hoffe nur, dass ich nicht auch einmal nach jemanden gesucht habe, so wie der, der sich dem Fremden als Zadrian vorgestellt hatte.. Allein die Geduld hätte ich sicher nicht aufbringen können.. und wenn.. es wäre eh alles umsonst gewesen..



20. 07

ie Nächte sind mittlerweile fast schon zu kurz, um überhaupt aufstehen zu können.. Ständig vergesse ich die Zeit und gerate in die Dämmerung.. Wenn ich nicht aufpasse, schaffe ich es irgendwann gar nicht mehr rechtzeitig zurück.. Es ist schon lachhaft sich in meinem Zustand um Zeit kümmern zu müssen, als ob ich davon nicht genug hätte..

uch heute wieder war ich ziemlich knapp dran.. Und das obwohl ich dieses Mal gar nicht weit weg gewesen bin. Doch auch in der kleinen Stadt am Waldrand gab es ein paar der wenigen Dinge, die mir die Zeit etwas schneller haben vorbeiziehen lassen..

arunter war zum Beispiel ein Dieb, der in eines der Häuser eingestiegen ist und sich lautlos wieder davon stehlen wollte. Voll gepackt mit Gold und anderen Wertgegenständen schlich er sich durch ein paar enge Gassen und verschwand mit einem seeligen Grinsen auf dem Gesicht in einem Keller.

erständlich.. Seine Beute war groß und niemand, außer ihm, hatte ihn gesehen.. Sollte er sich an seinem Fang erfreuen, etwas dagegen tun, konnte ich ja nicht.
Dennoch frage ich mich, wie man so unachtsam mit seinem Leben umgehen kann.. Auch wenn es gerade irrsinnig ist, dass gerade ich mich das frage.. Vielleicht bin ich in der langen Zeit doch etwas schlauer aus allem geworden, oder erhoffe es mir nur..

rotzdem.. der vierbeinige Dieb schien mit seinem Leben zufrieden, obwohl er ein ständiges Risiko im Nacken sitzen hat..

ufrieden.. Das wäre ich auch gerne..



teckbrief


u schlägst erneut eine der vergilbten Seiten auf und sutzt verblüfft, als du einen kleinen Steckbrief entdeckst, der sicherlich dem Besitzer dieses Tagebuches gehört. Auch wenn du dir nach den Einträgen sicher bist, dass der Besitzer gar nicht mehr am leben ist. Wieso sonst liegt dieses Buch auf einem Grab, ganz alleine auf einem Friedhof?

nteressiert ließt du Auch diese Seite des Tagebuches, ohne auch nur das kleinste bisschen an Anstand. Wenn der Schreiber nicht mehr am leben ist, dann würde es ihn auch wohl kaum stören können, wenn du dich einfach mal über sein Leben schlau machst. Und wenn doch, groß etwas dagegen tun kann er auch nicht und wenn er noch so grummelig drein schauen würde, wie auf dem kleinen Bild über dem Steckbrief.



Name: Caeku
Spitzname: Ku
Geschlecht: männlich
Spezies: Bori
Farbe: Blau

Alter: 47682 Stunden
Größe: 37 cm
Gewicht: 41 kg





inks


achdenklich und vertieft in das Tagebuch blätterst du erneut um und blickst verwirrt auf die leeren Seiten, zwischen denen nur ein kleiner Briefumschlag gesteckt worden ist. Neugierig zupfst du ihn aus dem Schlitz und öffnest ihn vorsichtig. Doch enthält dieser Umschlag kein Brief, wie du erwartet hast, sondern mehrere kleine Bilder, die vollkommen identisch sind. Leicht nervös blickst du dich um, doch noch immer war der Friedhof vollkommen still und vernebelt. Selbst wenn in weniger Entfernung jemand direkt hinter dir stehen würde, könntest du ihn nicht sehen.

unkle Wolken verdecken für einen Moment den Himmel und du steckst eines der Bilder schnell in deine Jackentasche, bevor du den Umschlag wieder zu machst und ihn zurück steckst..








ulmig zu Mute schlägst du die Seite um und erschreckst dich fast zu Tode, als dir plötzlich weitere Bilder entgegen kommen.
Mit wild klopfenden Herzen, beobachtest du, wie sie langsam gen Boden segeln und dort lautlos auf dem Moos landen. Bevor du dich jedoch nach ihnen bückst, bemerkst du ein paar weitere Bilder, die fest in den Buchschlitz geklemmt sind. Vorsichtig zupfst du eines von ihnen heraus und betrachtest es eine kurze Weile, bis dir der kleine Schriftzug auf der Rückseite auffällt, den du nach näherem hinsehen als eine Adresse erkennst.
Nach und nach betrachtest du dir alle nacheinander und manchmal kommen dir einige der Orte sogar bekannt vor.







o vorsichtig, wie du die Bilder herausgezogen hast, klemmst du sie wieder ein und beugst dich zu den am Boden liegenden vor, um sie wieder ein zu sammeln. Auch hier erkennst du auf jedem eine Adresse.






chnell legst du sie zurück zwischen die Seiten und blätterst vorsichtig um, damit sie nicht noch einmal hinaus fallen konnten und fängst einen weiteren Eintrag zu lesen an, der jedoch ohne Datum versehen ist..


etzte Ruhe.. Die sollte man eigentlich haben und auch ich habe sie verdient. Und wenn nicht ich, dann all die hier, die ruhen, oder es zumindest versuchen.. Ich mag keine Wesen, die sich in das Leben von anderen einmischen.. Oder auch in den Tod..

tändig sehe ich Dinge, die sich so einfach vermeiden ließen, doch gibt es immer wieder jemanden, der sich von den schlechten Eigenschaften treiben lässt. Oftmals Eifersucht oder Egoismus.. Jeder trägt die Schattenseiten in sich. Auch du…



u schreckst zusammen und starrst auf das letzte kleine geschwungene Wort. Schnell blickst wieder umher, doch schon wie die ganze Zeit, gibt es niemand, den dein Blick treffen würde. Trotzdem wird dir ganz flau im Magen. Wer würde einen Fremden schon in seinem eigenen Tagebuch ansprechen? Es sei denn..

u schluckst einmal stark und dir wird bewusst, dass, wer immer dieser Caeku war, den du, nach all diesen Einträgen, nicht als lebendig einschätzt, genau weiß, dass man dieses Tagebuch lesen wird.

ögerlich wartest du einen Moment, doch dann entschließt du dich zum weiter lesen. Auch wenn dir dein Verstand rät, das Buch wieder weg zu legen und zu gehen.



ie schlimmste aller bösen Eigenschaften wird meist von allen unterschätzt, dabei gibt es sie überall und in jeden. Neugierde..

ar es nicht auch die, die dich mein Tagebuch hat lesen lassen, obwohl man dies eigentlich nicht tut? Nun, es wird dich sicherlich erfreuen nicht der einzige gewesen zu sein. Vielleicht ist es an der Zeit für dich zu gehen..


erwirrt blickst du auf die letzten Buchstaben, bevor du deine Aufmerksamkeit den Zahlen widmest, die unter dem Text geschrieben stehen. Doch kaum hast du sie gelesen, sinkt dir dein Herz in die Hose. Du lässt das Buch geschockt fallen und starrst auf die Zahlen, die vor deinen Augen zu verschwinden beginnen und eine Neue erscheint, zu der eine Eins hinzugezählt worden ist.




ur noch kurz lässt du deinen Blick auf der Seite verweilen, bevor du dich ruckartig umdrehst und in Richtung Gusstor rennst, durch das du den verfluchten Ort betreten hast, um endlich an den Ort zu kommen, den du in Wirklichkeit anstrebst. Dein warmes Bett, in das du um diese nächtliche Zeit hingehörst...



er ganze Mist geht auf mein Konto (Rykiu). Das heißt von Text, Hintergrund und sonstige Grafiken sind die Griffel wegzulassen, sonst darf man den Geist mal von seiner üblen Seite erleben.

in ganz lieben Dank geht an Kairilein, die mir wie immer eine antreibende und helfende Kraft war. xD






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