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Chapter00
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Chapter06 I Chapter07
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Wie wird man ein richtiger Pirat? Wenn Warfarir eines wusste, dann das, dass es ihm bestimmt war, Pirat zu werden. Über das Wie war er sich noch nicht im Klaren, doch er konnte den lockenden Ruf des Meeres hören, der jeden Tag lauter wurde. Wie konnte es da anders sein, als dass ihm dieser Weg bestimmt war. War hing oft in der Taverne des Hafens rum, immer ein scharfes Auge auf die Gestalten, die sich dort versammelten. Unter ihnen waren auch Piraten, da musste er nicht fragen, das sah man. Und so studierte er, was einen richtigen Piraten ausmachte. Gut, so grimmig und Furcht einflößend sah er noch nicht aus (noch nicht, wohl bemerkt), aber er übte sich in ihrer Sprache.
War ließ sich ein Tuch um den Kopf und Lederstreifen um Schweif und Vorderbein binden und ein Loch in sein Ohr stechen, durch das er einen goldenen Ring schob. Später kamen auch noch ein Knochentattoo und ein Mal unter dem linken Auge hinzu. Als er sich sicher war, dass er bald aufbrechen würde, legte er sich seinen größten Schatz, einen Goldreif mit Federn verziert um sein rechtes Hinterbein. Er sollte die Narbe am anderen Hinterbein, die er von einer Auseinandersetzung im Meer mit einem hungrigen Grarrl hatte, als er noch klein war betonen. Das war damals kein schönes Erlebnis gewesen, aber heute konnte er stolz damit angeben.
Was ihm jetzt noch fehlte, war das Wichtigste ohnehin, ein Schiff. Was war ein Pirat ohne Schiff. Nur woher sollte er eines bekommen? Gold hatte er bis auf den Reifen um sein Bein keines und von dem würde er sich niemals trennen. So machte er sich auf zum Hafen, wo wäre die Antwort auf seine Frage näher als dort? Klar, er könnte zuerst auf dem Schiff eines anderen Piraten anheuern und in der Crew mitarbeiten, bis er sich sein Gold verdient hatte. Doch er, Warfarir, war ein Captain, kein Handlanger. Dass er selbst ebenfalls eine Crew benötigte, sollte er in See stechen wollen, kehrte er elegant unter den Tisch. IHM war es jedenfalls nicht bestimmt, dem Befehl eines anderen hörig zu sein. So in Gedanken versunken lief er Schnabel voran in eine Meute laut schnatternder Dorfbewohner. Es dauerte ein Bisschen, bis er Wortfetzen aus dem Gewirr heraushören konnte. Wie war das, ein Wettbewerb und der Preis war ein Schiff? Wenn das kein Zeichen war. Grob drängte er sich vor, bis er endlich vor dem laut rufenden Lupe stand, der anscheinend Werbung machte. „Hey, du! Was muss man machen, um das Schiff zu gewinnen?" Der Lupe sah ihn verärgert an. „Kannst du nicht lesen?!" Er deutete ein knappes Nicken zu dem Schild, das neben ihm aufgestallt war an. Doch, das konnte er, aber er wollte keine Zeit verlieren und rasch eine Antwort. Dennoch wand er sich dem Schild zu und begann zu lesen. Ein Wettrennen, bei dem jede Fortbewegungsart erlaubt war. War grinste siegessicher. Keiner war schneller als er, erst recht nicht, wenn es ihm erlaubt war zu fliegen. Man sollte ihn ‚den Blitz' nennen, das wäre doch auch ein toller Titel, wenn er endlich Captain war. Warfarir, der goldene Blitz.

Fast wäre er vor Begeisterung in Gedanken abgedriftet, doch er rief sich noch rechtzeitig zurück in die Realität. Zuerst galt es, ein Schiff zu gewinnen. „Wann findet das Rennen statt?", fragte er den Lupe aufgeregt. „LIES, MANN!", brüllte dieser ihn an. War wohl nicht von der freundlichen und geduldigen Sorte. Also wand sich War wieder dem Schild zu, und stellte verzückt fest, dass das Rennen bereits an diesem Tag war und ihm gerade noch genug Zeit blieb, sich dafür anzumelden. Gesagt, getan, er ließ sich registrieren und begann sich aufzuwärmen. Währenddessen warf er einen prüfenden Blick zu seinen Konkurrenten rüber. Keiner von ihnen sah so aus, als könnte er ihm das Wasser reichen. Das Schiff war so gut wie seines. Ungeduldig wartete er den Rennbeginn ab. Kaum war das Zeichen zum Start gegeben preschte er los, sein Ziel und seinen Traum dabei fest vor Augen. Und wirklich, er hängte sie alle ab und fegte nur so ins Ziel. Stolpernd bremste er ab. Er hatte gewonnen, das Schiff, der Hauptpreis war sein. Man überbrachte ihm die Besitzurkunde und einen Pokal, aber das war alles nur Nebensache für ihn, er wollte sein Schiff sehen. Endlich führte man ihn zum Dock. Doch Zweifel hatten sich bei Warfarir breit gemacht. Ein Schiff einfach so leicht gewinnen, da musste doch ein Haken dran sein. Ihm wurde mulmig zumute, doch als endlich sein Schiff vor ihm lag, mit ausgeworfenem Anker und gut angezurrt, war er sich sicher, dass er träumte.
Es war nicht groß, noch kein richtiges Schlachtschiff, wie es die alten Piraten hatten, aber es war dennoch prächtig und mehr, als er sich zu erhoffen wagte. Fast hätte er sich kopflos gleich drauf los gestürzt, das Meer lockte ihn mit seinem betörenden Salzgeruch, als er sich gerade noch zur Besinnung rief. Es war leichtsinnig ohne Vorräte loszufahren. Also nickte er dankend dem Veranstalter, der ihm das Schiff gespendet hatte zu und machte sich auf, das Nötigste zu besorgen. Viel konnte er sich sowieso nicht leisten, ein paar Silberduplonen waren sein ganzer Reichtum. Doch sie würden ausreichen, bis er beim nächsten Hafen ankam und er hatte vor, bis dahin schon einen hübschen Schatz zu erplündern. Er ließ sich seine Besorgungen auf den Rücken schnallen, überdachte noch schnell, ob er das Wichtigste hatte und kaufte noch schnell einen Kompass dazu. Fast wäre er ohne losgezogen. Selbst der beste Pirat brauchte seinen Kompass, wie konnte er den nur um ein Haar vergessen? Sich sicher, dass er nun an alles gedacht hatte, machte er sich wieder auf zu seinem, ja SEINEM Schiff, welches er gleich belud und anschließend ablegte. ‚Leb wohl, kleines Dorf, nun liegt mir die Welt zu Füßen.' Er warf einen letzten Blick zurück und wandte dann seinen Kopf nach vorne. War würde nicht mehr zurückblicken, seine Zukunft lag vor ihm.

Als die Nacht hereinbrach und er sich daran machte, seine Einkäufe in seiner Kabine zu verstauen, hörte er ein Knacken und Scharren. Hatten sich etwa Meercas in seinem Schiff eingenistet? Das würde ihm nicht gefallen. Sie nagten alles an, auch wenn es keine Früchte waren. War das der Haken, vor dem er sich fürchtete? Er lauschte angestrengt und näherte sich leise der Quelle der Geräusche. Schnall fuhr er mit dem Schnabel hin und bekam etwas zu fassen. Er packte es und zerrte es hervor. Es war gar kein Meerca, es war ein Gallion, dass ihn fast zu Tode erschrocken anstarrte. Warfarir war erleichtert, dennoch wunderte er sich, was der kleine Kerl hier zu suchen hatte, also fragte er ihn einfach. „Was machst du hier? Das hier ist mein Schiff. Und wie ist dein Name?" Zögernd begann es mit leiser Stimme: „Mein Name ist Marevan. Ich habe mich hier versteckt…Ich wollte das Meer sehen, nicht vom Strand aus, sondern von…Mitten vom Meer." So war das also, ein blinder Passagier. Den Wunsch, das Meer zu sehen, konnte er dem Kleinen nicht übel nehmen. „Ich dulde nicht, dass sich jemand auf meinem Schiff versteckt. Soll ich dich über Bord werfen?", dabei blickte er grimmig. Er wollte seine Drohung gar nicht in die Tat umsetzten, aber er wollte deutlich machen, dass man auf seinem Schiff nicht einfach tun und lassen konnte, was man wollte; es sei denn, man ist der Captain und der war nun mal er. Das Gallion zuckte zusammen. „Es geschah nicht aus böser Absicht, ehrlich. Bitte, werft mich nicht einfach ins Meer." Es sah ihn furchtsam an. „Also gut, du kannst bleiben. Aber du wirst Teil meiner Crew, freu dich, du bist der Erste, den ich anheuere. Du unterstehst meinem Befehl und solange du keinen Mucks von dir gibst, darfst du bleiben." Es war ein tolles Gefühl, so als Captain zu reden. Das Gallion sah ihn mit großen Augen an. In der Crew eines Piraten zu sein, war nicht schlecht. Und im Meer wollte es nun wirklich nicht landen. Also nickte es eifrig und wartete auf den ersten Befehl seines Captains.
So zogen sie über das Meer, plünderten und wurden ein eingespieltes Team. Warfarir wunderte sich ein Wenig darüber, dass Marevan seit dem Tag ihrer Begegnung kein Wort mehr gesprochen hatte, doch war er sich zu fein, ihn danach zu fragen, schließlich war ihm sein Schweigen und stiller Gehorsam ganz recht.

Es war ein fürchterlicher Sturm, der über Neopias Meere tobte und das Meer zu einer reißenden Bestie machte. Die Tage der friedlichen Seefahrt waren mit einem Donnerschlag vorbei. War hatte seine liebe Mühe, das Schiff zu navigieren und es durch die turmhohen Wellen zu steuern. Selbst als er erschöpft war und sowohl er als auch sein Schiff an ihre Grenzen stießen, von Marevan ganz zu schweigen, zeigte sich das Meer erbarmungslos und trachtete weiter danach, sie alle zu verschlingen. Wie sie dieses Unwetter überlebten und sogar einigermaßen heil überstanden, war ihnen nicht ganz klar. Doch für Warfarir war es ein Zeichen, dass das Meer ihn auf die Probe gestellt und er sich würdig erwiesen hatte. Noch wollte ihn die See nicht holen, das spürte er. Als sich langsam der Himmel klärte und ein wundervoller Sternenhimmel zum Vorschein trat, so wundschön und klar, rollte sich War zufrieden ganz vorne auf seinem Schiff zusammen und betrachtete die Sterne. Marevan kümmerte sich indes um die Aufräumarbeiten, ohne sich zu beklagen. Sowohl das Meer als auch der Nachthimmel lagen friedlich und unberührt da, als hätte es den Sturm zuvor nie gegeben. Und dann sah War den tollsten Sternenregen, von dem er sich sicher war, dass es so einen wie diesen in ganz Neopia noch nie gegeben hatte. Staunend betrachtete er, was der Himmel ihm für ein Schauspiel darbot. ‚An manchen Tagen ist der Himmel so unendlich weit wie das Meer.' Er war sich wohl bewusst, dass das Meer ein Ende hatte, aber so mitten auf hoher See fiel es manchmal schwer, das zu glauben. Außerdem musste der Himmel auch wo ein Ende haben, da war er sich sicher. Mit dem Gefühl, dass sich Meer und Himmel ganz nahe waren, schlief er ein.

Am nächsten Morgen machte er sich daran, das Schiff zu überprüfen und kam nicht umhin, Marevan zu loben, der echt ganze Arbeit geleistet hatte. Zu seinem Ärger musste er aber feststellen, dass er weit vom Kurs abgekommen sein musste und die Koordinaten stimmten nicht mehr überein. Ihm blieb also nur noch übrig, sich nach dem Kompass zu richten. Seine scharfen Augen machten plötzliche etwas aus, das zwischen den sanften Wellen trieb.
Es war Stellamos scheinbar leblosen Körper. Mehr um sich einen Überblick darüber, in welchem Gebiet er sich gerade befand zu verschaffen, zog er Stellamo aus dem Wasser. War konnte nicht leugnen, dass er überrascht war, als er den leisen, aber rasenden Herzschlag vernahm. 'Hat dich das Meer also verschont,' dachte er und stupste Stellamo an, um ihn wieder zurück in die Welt der Lebenden zu holen. Es dauerte eine Weile, ehe sich Stellamo röchelnd und Wasser spuckend langsam aufrichtete. Natürlich, wie es eben seine Art war, fragte ihn War gleich ohne Umschweife, von wo der Fremde kam und in welcher Gegend sie sich hier befanden. Marevan war ebenfalls zur Stelle. Stellamo sah ihn nur schweigend an, denn er verstand War's Worte und seine Sprache nicht. Verwirrt sah er sich um. Wo war er nur gelandet? Seine Erinnerungen waren ebenfalls ganz aufgewühlt und verschwommen. Er hatte über den Himmel getanzt, zusammen mit seinem Volk…der Himmel! Stellamo riss den Kopf hoch. Da war er, so weit über ihm. Er schien ihm unerreichbar. Nein, hier konnte und wollte er nicht bleiben. Hier gehörte er nicht hin. Schnell breitete er die Flügel aus und wollte sich in die Lüfte schwingen, War's missmutigem Blick zum Trotz. Doch seine Schwingen waren nass und es gelang ihm nicht, sich auch nur ein winziges Stück über die Blanken des Schiffes zu erheben. ‚Sie sind nass geworden, die Magie, sie…Nein, das kann nicht sein!' Verzweifelt schlug er weiter wie wild mit den Flügeln, sie mussten ihn einfach tragen. War und Marevan verfolgten das Ganze mit schief gelegtem Kopf. Der Fremde musste sich im Meer den Kopf gestoßen haben (nach dem Unwetter trieb alles Mögliche im Wasser) und jetzt nicht mehr klar bei Sinnen sein. ‚Trocknet! Trocknet meine Schwingen!', rief Stellamo indes in Gedanken. Der Wind und die Sonne taten langsam ihre Wirkung und seine Flügel waren bald nur noch leicht feucht, ausreichend trocken zum Fliegen. Doch immer noch wollten sie ihn nicht tragen, verwehrten ihm den Heimweg. Sehnsüchtig blickte er in den Himmel und begann eine leise, traurige Melodie zu singen, ein Lied seiner Heimat. Noch nie war er unter den erdgebundenen Wesen gewandelt, das war wider der Natur seines Volkes, von dem er noch nie getrennt war. War schüttelte nun etwas missbilligend den Kopf. Er war ein Pirat und auf seinem Schiff wurden nur Lieder von Raubzügen und Heldentaten gesungen. Noch dazu verstand er kein Wort. „Hey, was auch immer dir widerfahren ist, es kümmert mich nicht. Gib mir die Auskunft, die ich brauche und ich lasse dich am Leben. Vergeude meine Zeit weiter mit deinem Gesinge und ich werfe dich wieder über Bord!" Er wusste selbst nicht, ob er das fertig bringen würde. Er wollte schon grimmig klingen, so wie die alten Piraten, aber in seinem jungen Leben, so ungern er es sich eingestehen wollte, hatte er bis jetzt noch keine nennenswerten Gräueltaten vollbracht. Das würde schon noch kommen, warum also nicht heute damit anfangen? Stellamo zeigte sich jedoch unbeeindruckt und wob mit seiner Stimme weiter den sehnsüchtigen Traum des Himmels.

Wütend stampfte War mit der Hinterpfote, um die sein schwerer Reif geschwungen war auf und es klirrte laut. Das riss Stellamo wieder zurück in die Wirklichkeit, mit der er sich im Moment so gar nicht abfinden wollte. Widerwillig wand er den Kopf seinem Gegenüber zu, weg vom Himmel, der nach ihm rief. Er schnaubte und lies War sein Missfallen deutlich spüren. Was glaubte dieses Wesen, es war doch nur eine niedrige Kreatur, die an die Erde gebunden war. Er verleugnete die Tatsache, dass er im Moment selbst nicht viel mehr als das war. Stellamos Arroganz reizte War, denn er spürte sie deutlich. Schließlich war das hier SEIN Schiff und ER war der Captain. Oh, es würde ihm nicht schwer fallen, ihn über die Blanke gehen zu lassen. Innerlich grinste er vor sich hin und seine Augen blitzen. „Also gut, letzte Chance. Sprich!" War gab sich große Mühe, richtig raubeinig zu klingen, das hatte er schließlich oft genug geübt. Stellamo schüttelte sich nur, woher sollte er eine derart niedere Sprache kennen? War überlegte kurz, ob ihn der Fremde wohl nicht verstand. Also rief er Marevan an seine Seite, er war schließlich sein einziger Untergebener und es machte ihm Spaß, ihn ein wenig rum zu kommandieren, ungeachtet dessen, dass Marevan schon treu an seiner Seite stand. „Hol mir Karte und Kompass!" Marevan nickte und machte sich eilig davon, nur um kurz darauf mit den angeforderten Dingen wieder zu erscheinen. Zufrieden mit sich, wie schnell er seine Aufgabe erfüllt hatte, überreichte er War Karte und Kompass. „Hier, wenn du schon nicht reden oder verstehen kannst, dann zeig es mir so. Du bist doch nicht dumm, oder?" Dabei sah er Stellamo herausfordernd an. Stellamo machte ein schnalzendes Geräusch, woraufhin War ihm die Karte vor die Pfoten schmiss. Marevan breitete sie schnell und geschickt auf und nahm von War den Kompass entgegen um ihn daneben hinzulegen. War tat nun selbst ein paar Schritte bis zu seiner Kabine und holte sich mit dem Schnabel seinen Lieblingsspeer, welchen er dann kraftvoll an der Stelle, die er als Ziel markiert hatte, durch die Karte in das Holzbrett darunter rammte. Stellamo legte den Kopf zur Seite. Irgendwas schien diese Kreatur von ihm zu wollen. Die Stelle, auf die sie anscheinend zeigte, war jedenfalls nicht die, an der sie sich gerade befanden. Das spürte er. Das Himmelsvolk hatte für so etwas ein sehr stark ausgeprägtes Gespür. War es das, was von ihm verlangt wurde? Er sollte zeigen, wo der momentane Aufenthaltsort war? Also gut, wenn er dann seine Ruhe hatte. Stellamo fuhr die Krallen seiner rechten Vorderpfote aus und schlug eine davon in die Karte. ‚Und nun lass mich in Ruhe.' War begutachtete die die Stelle und berechnete die Koordinaten. Dann nickte er. Das könnte hinkommen. Also gut, scheinbar wusste der Fremde ja doch, wo sie sich befanden. „Woher kommst du?", dabei zeigte er mit einem angedeuteten Nicken zuerst auf die Karte und dann auf Stellamo. ‚Noch mehr Fragen?' Widerwillig hob Stellamo wieder den Kopf in Richtung Himmel. War folgte seinem Blick. „Gut, du bist geflogen, aber von wo?" Stellamo starrte stur weiter zu den Wolken hoch. „Niemand kann die ganze Zeit in der Luft bleiben, irgendwo musst du her sein." Doch der Fremde wandte seinen Blick nicht mehr vom Himmel ab. ‚Jetzt starrt er wieder wie ein dummes Usul den Himmel an.' War hatte besseres zu tun, als sich die ganze Zeit mit ihm abzugeben und machte sich auf, den Kurs wieder auszurichten. Marevan blieb zurück, um ein Auge auf Stellamo zu haben.

Das Schiff wieder auf den richtigen Kurs gebracht, bekamen sie guten Fahrtwind und sie schossen nur so über die Wellen. Stellamo blieb unverändert, den Blick zum Himmel gerichtet. War beschloss, ihn einfach zu ignorieren. Dem war ohnehin nicht mehr zu helfen. ‚Vielleicht ist er ja im Feenland von einer Wolke gefallen.', dachte er mit einem fiesen Grinsen, nicht wissend, dass er gar nicht so falsch lag mit einer zynischen Vermutung. Der Tag verging und Marevan schrubbte die Blanken um Stellamo herum, der sich immer noch nicht rühren wollte. Er war in einen Zustand des Verleugnens geraten, in dem er sich weigerte, sich mit der Realität abzufinden. Einer Realität, in der er so weit weg vom Himmel war, unendlich weit weg, so unendlich, wie ihm das Meer schien. War hingegen war guter Dinge, der Kurs stimme wieder und bald würde Land in Sicht kommen. Das wurde langsam ohnehin Zeit, die Vorräte neigten sich dem Ende zu. Die Vorräte…ob er dem Fremden etwas zu Essen anbieten sollte? Nein, eher nicht, Piraten waren nicht gerade für ihre Gastfreundschaft bekannt, da wollte er keine Ausnahme bilden. Also genehmigte er sich alleine eine Mahlzeit in seiner Kabine und teilte dann Marevan seinen Anteil zu.
Als es Nacht wurde, machte er es sich gemütlich, studierte noch einmal die Karte, glich den Kurs ab und bettete dann zufrieden den Kopf auf die Vorderpfoten. In seinen Träumen befand er sich schon an Land und plünderte ein Dorf, begleitet vom Wehklagen seiner Bewohner die allesamt nicht fähig waren ihn aufzuhalten. Sein Schweif peitschte wild, denn es war einer dieser realistischen Träume. Dabei fegte er ein kleines Tischchen um, auf dem er einen Bücherstapel abgelegt hatte, welcher ihm nun krachend und schmerzhaft auf den Schweif fielen. War riss es aus seinen Träumen und er sprang verwirrt mit einem Satz auf. Wer hatte ihn da so hinterhältig angegriffen? Er sah sich um und bemerkte seinen unter Büchern vergrabenen Schweif, schüttelte sich und zog ihn schnell hervor. Mitleidig sah er an sich selbst herab. Er war gar unsanft aus dem Schlaf gerissen worden. Wieder einschlafen war ihm nicht möglich, da ihm der Schreck noch zu sehr in den Gliedern saß. Also machte er sich auf, das Schiff zu inspizieren. Er tat es gerne, es beruhigte ihn und diente der Sicherheit. Das Schiff war schließlich der ganze Stolz eines Piraten, noch mehr als alle Schätze, die es zu erbeuten galt und es musste ordentlich in Schuss sein. Nicht ganz ohne Erstaunen musste er feststellen, dass der Fremde, den er aus dem Meer gefischt hatte, immer noch starr zum Himmel hochblickte. Was er wohl dort sah? Mit dem Kerl war anscheinend wirklich was nicht in Ordnung. Außerdem schien von ihm ein leichtes Leuchten auszugehen, gerade wahrnehmbar aber so schwach, dass War Anfangs dachte, seine Augen würden ihm einen Streich spielen. Er ging auf ihn zu und das Klingen seines Reifens war gut hörbar und verriet sein Herannahen. Ein paar Kumpels im Hafen hatten ihn deshalb schon des Öfteren ausgelacht. Welcher Pirat machte schon so viel Krach, es sei denn, er hatte ein Holzbein. Warfarir ignorierte ihr Gespött, das war sein Tick, er fand, dass er dadurch einen sehr Piratenhaften Gang bekam. Außerdem stand ihm der Reif. Jedenfalls zeigte Stellamo keinerlei Reaktion. Auch nicht, als War ihn schon anstupste. ‚Ich glaubs ja nicht, der ist mitten im Stehen und Starren mit offenen Augen eingeschlafen.' Leise lachend rief er schließlich nach Marevan, der verschlafen dem Ruf seines Captains folgte. „Bring ihm eine Decke, eine Schale mit Wasser und ein Bisschen von dem geräucherten Schinken." Sofort huschte Marevan wieder davon. Er würde jedes Teil einzeln bringen müssen, die Dinge waren zu groß für ihn, um sie zusammen tragen zu können. In besagter Reihenfolge brachte er nun, was War ihm aufgetragen hatte. War nahm ihm die Decke ab, breitet sie recht unordentlich aus und versetzte Stellamo anschließend einen gezielten Stoß mit der Schulter, woraufhin dieser einfach umkippte und stocksteif liegen blieb. „Wenn ich nicht sicher wäre, dass er noch am leben ist…Ich hab Leichen gesehen, die lebendiger aussahen als der Kerl hier." Natürlich hatte er noch keine Leichen gesehen, aber ihm gefiel der Spruch. Aus ihm würde ein exzellenter Pirat werden, nein er WAR ein exzellenter Pirat. Stolz auf sich selbst machte er sich auf, das Schiff fertig zu inspizieren, um sich dann wieder seinem erholsamen Schlaf widmen zu können, den Rest würde Marevan schon machen.
~to be continued~
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