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Willkommen Fremder. Diese Petpage handelt von Krieg und Elend, von Schandtaten und Reue - Sie ist nichts für schwache Nerven!
Solltet ihr ein zartes Gemüt haben, empfehle ich euch daher dringend diese Seite wieder zu verlassen. Allen anderen wünsche ich viel Spaß und Gänsehaut beim Lesen und Mitfühlen. |
Du weißt selbst nicht mehr so recht, wie Du hier gelandet bist, doch eine unbekannte Kraft zwingt Dich weiter zugehen. Scheinbar befindest Du Dich in einem Schloß. Du siehst verblichene Teppiche an der Wand hängen, die sicherlich mal mehr wert waren als alles, was Du je besessen hast. Du stolperst vorbei an einem Berg von Gold und Geschmeide, der von einem Spyder mit irrem Blick bewacht wird - fast als hätte es alle Reichtümer selbst angehäuft. Schließlich erreichst Du einen großen Ballsaal. Da fällt Dein Blick auf die Mitte des Raumes, dort befindet sich etwas. Du kannst nur einen Schatten erkennen und doch läuft es Dir kalt den Rücken hinunter, aber die innere Macht schickt Dich weiter.
Schließlich stehst Du vor dem Schatten, der sich als riesiger Thron aus reinem Gold entpuppt. Auf ihm sitzt ein alter Lupe - er ist ganz grau und übersät von alten und frischen Wunden. Der Lupe erhebt seinen ausgemergelten Körper und sieht Dich direkt an. Er hat einen so traurigen Blick, dass Du meinst, er vereine alles Elend vieler Welten in seinen Augen. Dann beginnt er ohne Aufforderung und mit unendlich gequälter Stimme zu sprechen..
Höre mir gut zu und lerne, auf dass Dir nicht dasselbe wiederfahre wie mir:
Ich war vor langer Zeit ein mächtiger Kriegsherr. Ich habe große Heere in den Kampf geführt und viele unschuldige Pets geopfert um meinen Erfolg und meinen Mythos zu nähren. Viele sind gestorben, weil mir ein Sieg niemals reichte - stets wollte ich meine Gegner endgültig vernichten. Auch das Wort Gnade war mir unbekannt und ich beschmutzte weiße Flaggen mit frischem Blut.
Ich trennte junge Neopets von ihren Familien, um aus ihnen herzlose Krieger zu formen und verriet meine Verbündeten, wenn es mir nutzte. Ich war trunken vom Blutrausch, von den Lobhymnen, die in meinem Namen erklangen, und den niederen Pets, die mir zu Füßen lagen - wer hätte mich noch aufhalten sollen?
Doch auch ich wurde alt und so raffte mich das Leben dahin. Meine Energie schwand und mit ihr der Ruhm. All jene, die mir geschmeichelt hatten, vergaßen mich, während mein Reich langsam zerfiel.
Und während ich allein in meinem Schloß saß, in dem nur noch die Erinnerung an die berauschenden Siegesfeiern hallte, überkamen mich die grausamen Andenken an meine Opfer.
Ich sah kriechende Tote, denen ich ihr Innerstes genommen hatte, ich sah brennende Körper auf mich zukommen und ich sah all die verratenen Freunde und Brüder aus ihren Gräbern steigen. Jede Nacht suchten sie mich heim und allein der Gedanke an den erlösenden Tod, bewahrte mich davor den Verstand zu verlieren. Ich flehte den Tod an mich endlich zu holen, doch er kam nicht. Auch jetzt, nach 700 langen Jahren, kommt der Tod nicht - ich glaube, er hat mich vergessen, genauso wie die Welt mich vergaß.
So sitze ich noch immer in der Ruine meines Lebens und jede Nacht quälen mich die Schatten meiner Vergangenheit.
Ich hatte lange Zeit nachzudenken und ich bereue - Ich bereue jede einzelne meiner Taten. Ich habe sie wieder und wieder im Traum gesehen. Ich habe das Elend gespürt, mit anderen Augen gesehen und am eigenen Körper erlebt, was ich den Opfern angetan. Und ich versuche sie zu ändern, sie ungeschehen zu machen. Jede Nacht kämpfe ich erneut gegen mich selbst - ich will sie retten, will mein Leben hingeben, um das glückliche Gelächter zurückzuholen, das ich habe erlöschen lassen. Doch ich bin machtlos gegen die Vergangenheit.
Aber was würde es nutzen aufzugeben? Ich selbst bin der Erschaffer meines Alptraums, aus dem ich nicht mehr erwachen kann, und auch wenn ich nichts rückgängig machen kann, so treibt mich meine Reue und meine Verzweiflung doch, es immer wieder zu versuchen.
Und vielleicht werde ich das Geschehene eines Tages ändern können, vielleicht..
Das Wort hallt erbarmungslos in der großen Halle wieder und Du weißt in diesem Moment, dass der Lupe sich bis in alle Ewigkeit quälen wird..

Name: Todesfluch
Alter: 782 Jahre
Spezies: Alter, grauer Lupe-Kriegsherr
Charakter: sorgenvoll, schmerzverzerrt, verzweifelt
Fell: grau
Augenfarbe: braun
Besonderheit: Frische und alte Wunden, trauriger Blick, ausgemergelter Körper mit herausstechenden Knochen.
Stärke: Die Zuneigung zu Tirachna
Schwäche: Endlose Reue

Leise schleichst Du durch die alten Gemäuer der Burg, die Du nur aus Träumen kennst. Und doch ist alles so wirklich. Die Traurigkeit und das vergangene Leid, das noch immer wie ein Schatten über allem liegt, lässt Deine Knochen schwer wie Blei werden und panisch geht Dein Blick immer wieder in alle Richtungen.
Da entdeckst Du plötzlich ein Faellie auf dem Boden. Erleichtert gehst Du auf das zarte Feenpetpet zu, aber als der volle Schein der Kerze auf das kleine Wesen fällt, ziehen sich Dir alle Gedärme zusammen. Das Faellie sieht erbärmlich aus; sein Fell ist verdreckt, grau und verfilzt. Doch es ist nicht das dürre Petpet, das Deinen Blick auf sich zieht, sondern das Häufchen von Zähnen vor ihm. Hunderte von Zähnen liegen dort übereinander. An vielen klebt noch immer verwesendes Fleisch und kleine Maden krabbeln fressend über den gesamten Haufen. Überall bewegt es sich und ein leichter Geruch nach Verwesung schlägt über Dich zusammen. Du taumelst ein paar Schritte zurück und ein trockenes Würgen entflieht Deiner Kehle. Da dreht sich das kleine Faellie um und die kleinen traurigen Augen schauen Dich fragend an.
Möchtest Du mir einen Zahn schenken? Panisch schlägst Du die Hände vor den Mund und die Knie versagen Dir ihre Dienste vollends. Ängstlich rutschst Du an der kargen Mauer zu Boden und fragst Dich, was Dich an diesen grauenvollen Ort verschlagen hat.
Das Faellie schleicht auf Dich zu - seine kleinen Flügelchen sind total verkümmert und können es wohl kaum noch tragen - und setzt sich neben Dich.
Wahrscheinlich nicht.. meint das Kleine nachdenklich und scheint nicht zu merken, dass es Dich in Todesangst versetzt,
Weißt Du, die Lebenden hängen irgendwie an ihren Zähnen. Aber die Toten.. die haben nichts dagegen, wenn ich ihre sammle, obwohl die manchmal wirklich noch sehr fest im Fleisch sitzen. Aber ich bin ziemlich stark für ein Petpet - auch wenn man es mir nicht ansieht. Stolz streckt das Faellie seinen ausgemergelten Körper und zeigt sich von allen Seiten, doch Du kannst Deinen Blick nicht von den blutverschmierten Pfötchen lassen. Panisch überlegst Du, wie Du aus der Sache wieder rauskommst, aber es will Dir nichts einfallen. Um Zeit zu gewinnen, bittest Du das Kleine mit bebender Stimme
zu erzählen, wie es hierher gelangt ist. Schließlich ist es mit Todesfluch und dem goldfiebrigen Spyder das einzig lebende Wesen hier - ein bisschen neugierig bist Du wirklich.
Ich weiß selbst nicht mehr wie ich hierherkam. Das Letzte, woran ich mich erinnere, ist, dass mich ein riesiger Werelupe verfolgte - Varulven nennt sich dieses Ungetüm. Er war schneller als mich meine Flügel tragen konnten und erwischte mich mit seiner Pranke. Danach war alles schwarz und erst hier in dieser alten Burg wachte ich auf. Ich weiß nicht, ob ich tot bin oder überlebt habe.. Wahrscheinlich beides. Gedankenverloren ist das Faellie, während es sprach, zu seinen Zähnen zurückgelaufen und beginnt sie zu sortieren.
Hier begegnete ich Todesfluch, der sich meiner annahm, und er erzählte mir von seiner Vergangenheit, aber ich spürte, dass er mir immer etwas verschwieg. Er verbot mir, ihn nachts aufzusuchen und hat nie etwas zu den frischen Wunden am Morgen zu sagen gehabt.
Weißt Du, ich habe ihn so lieb gewonnen. Obwohl seine Seele in Traurigkeit ertrinkt, hatte er stets einen Gedanken für mich übrig. War besorgt um mich und hat mir die wenige Nahrung überlassen. Ich wollte ihm doch helfen, wollte auf ihn aufpassen und ihm ein Stück seines Leidens abnehmen! Die kleinen Augen des Faellie füllten sich mit bitteren Tränen, als sie sich an die Nacht erinnerte..
Lautlos setzte Tirachna eine Pfote vor die andere. Sie war fest entschlossen den nächtlichen Schmerz ihres Gefährten zu beenden.
Ziemlich mutig für ein kleines Faellie sagte sich Tirachna immer wieder.
Ziemlich dumm für ein kleines Faellie tönte es irgendwo in den Tiefen ihrer Seele..
Endlich stand sie vor der Königshalle. Nochmal die Flügel zurechtgerückt, das mutige Herz befragt und den Plan überdacht, da stieß Tirachna auch schon die schwere Eisentür

Der Anblick, der sich ihr bot, legte sich wie Ketten um ihren kleinen Körper und bohrte sich schmerzvoll in ihre Gedanken. Eine weite Ebene lag vor ihr, auf der noch vor kurzer Zeit ein Kampf gewütet haben mußte. Überall waren tote und sterbende Krieger in Rüstungen zu sehen und am Himmel kreisten hungrige, schwarze Raben. Inmitten dieses traumahaften Schlachtfeldes stand der goldene Thron. Todesfluch wand sich darauf in endlosen Qualen und jaulte markerschütternd.
Der Kriegsplatz erstreckte sich unendlich weit in die verrottete Halle und Tirachna glaubte, irgendwo am Ende des nächtlichen Horizonts Berge zu erkennen. Das ganze Bild war durchscheinend wie eine Nebelschwade und besaß doch die Farbgewalt und Wirklichkeit aller Welten. Sie sah zuckende Körper, sie hörte die flehenden Schreie und schmeckte den eisernen Geschmack des Blutes mit jeder Faser ihres Körpers. Benommen sackte sie in sich zusammen und konnte doch den Blick nicht von diesem grausamen Schauspiel abwenden. Da sah sie ihren Gefährten Todesfluch durch die gefallenen Reihen schreiten - er war jung und kraftvoll, doch in seinen Augen lag bereits endlose Reue.
Tirachna wurde klar, dass sie eine vergangene Szenerie vor sich hatte. All dies war bereits geschehen und nahm durch Todesfluchs Verzweiflung im endlosen Kampf gegen sich selbst Gestalt an.
Plötzlich riss der junge Kriegsherr sein Schwert hoch und mit einem Streich nahm er das Leben eines um Gnade flehenden Kriegers. Die Schreie des jungen Neopets verklangen, doch stattdessen schrie der alte Todesfluch erbärmlich. Er konnte seine Taten nicht aufhalten, obwohl er sich nichts mehr wünschte. Sein Körper versagte ihm die Dienste und handelte eigenwillig - handelte nach dem Vorbild des Vergangenen. Doch während die Geschichte gleich blieb, hatte der Lupe sich verändert und mit jedem Schlag seines Schwertes starb ein weiterer Teil in ihm selbst. Während sich heiße Tränen in seinem Fell den Weg bahnten, schritt der mächtige Schlächter auf sein nächstes Opfer zu. Plötzlich streckte sich hilfesuchend eine Pfote ihm entgegen. Ein junger Cybunny lag dort, sein Schädel war mehrfach gespalten und wurde nur noch durch den Helm zusammengehalten. Er hatte bereits das Augenlicht verloren und würde den Morgen nicht überleben. Verzweifelt klammerte er sich an Todesfluchs Mantel und sprach tapfer:
Ich weiß nicht, ob Freund oder Feind, aber wie Du siehst bin ich ein lebender Toter - ich werde nicht mehr lange hier weilen und bin keine Gefahr für Dich. Aber zuhause in Neopia wartet Familie auf mich und ich kann meine Gedanken nicht von ihnen lassen. Ich bitte Dich, bring' ihnen diese Nachricht von mir auf dass sie wissen, dass ich bis zu meinem letzten Atemzug nur für sie lebte.. Zitternd zog der Krieger eine verknitterte Schriftrolle aus der Rüstung und hielt sie in die Luft.
Ein grausiges Lächeln umspielte Todesfluchs Lippen als er mit dem Knauf seinen Schwertes ausholte.. Tirachna sprang auf - unfähig weiter zuzusehen - und eilte auf den Lupe zu, der ihr gleichzeitig so vertraut und fremd war. Doch sie war zu langsam.. Der Schwertknauf sauste durch die Luft und fand totsicher sein Ziel. Der Schädel des Cybunnys wurde erschüttert, die Wucht des Schlages ließ ihn zerbersten und Teile wurden davon geschleudert. Tirachna erzitterte, während ihr Knochensplitter und Blut entgegenflogen, und blieb stehen.. Endloser Schrecken ließ sie bewegungslos werden und brennende Tränen trafen auf den blutgetränkten Boden. Sie sah ihren Freund, der sich teilsnahmlos umdrehte. Da wußte Tirachna alles.. jede Schandtat lief an ihrem inneren Auge vorbei, alles Leid der Opfer ertränkte ihre unschuldige Seele und dieses Wissen drängte sie erbarmungslos an den Rand eines dunklen Abgrund. Sie drohte zu fallen, drohte vom Elend verschluckt zu werden.
Da blickte der junge Todesfluch sie mehr zufällig an und durch diesen kurzen Moment des Erkennens wurde der alte Lupe aus dem Schlaf gerissen. Benommen schüttelte er den Kopf und kam nur langsam in die Wirklichkeit zurück. Er sah das kleine Faellie mitten in seiner Halle stehen und gepeinigt schluchzen. Sofort wußte er wieder was geschehen war, sprang von seinem Thron und lief auf seinen Schützling zu. Tirachna wich einen Schritt zurück, als sie ihn auf sich zukommen sah und wußte selbst nicht, ob sie seine Berührung ertragen konnte. Doch Todesfluch ließ keinen Widerspruch zu - er konnte sie nicht mit diesem Schmerz allein lassen und riss sie an sich. In seiner Umarmung ließ Tirachna allen Gefühlen freien Lauf und sie weinte sich im grauen Fell ihres Vertrauten aus.

Am nächsten Morgen blickte Tirachna ein fremdes Wesen im Spiegel entgegen. Das graugewordene Fell glanzlos und die tiefliegenden Augen schauten sie mit derselben Traurigkeit an, die sie von Todesfluch kannte. Sie wußte, dass sie nun ein Teil dieser Geschichte war und ihr Zuhause gefunden hat.
Während sie ihr verfilztes Fell kämmte, bemerkte sie, dass etwas an ihrem Bäuchlein klebte. Es war ein Cybunnyzahn, der sich samt Fleisch in ihrem Fell verfangen hatte. Gedankenverloren schaute Tirachna den Zahn an, drehte ihn in der kleinen Pfote hin und her. Sie mußte an die Schriftrolle denken und dass der Cybunny wollte, dass seine Familie nicht vergisst, wie sehr er sie geliebt hatte. Sie fand, dass er es verdient hatte, dass sich überhaupt jemand an ihn erinnerte und beschloß den Zahn zu behalten.. und vielleicht würden ja noch ein paar dazukommen.

Schwarz. Überall. Ein Wald. Skeptisch schaute Todesfluch sich um. Er hatte viele Wälder gesehen, viele abgeholzt um Kriegsmaschinen bauen zu lassen, doch erstaunlicherweise kam ihm diese Umgebung nicht bekannt vor. Sollte er etwa endlich von etwas Anderem als seinen furchtbaren Taten träumen? Hoffnung entbrannte irgendwo tief in seinem Inneren, doch zwischen all den Zweifeln und dem Selbsthass war es nicht mehr als ein einsames Licht in einem Meer von Dunkelheit.
Gedankenverloren schaute Todesfluch auf die starken Pfoten seines jüngeren Lebens, während dieser sich seinen Weg durch das Geäst bahnte. Plötzlich hörte er ein Rascheln und entdeckte ein kleines Wocky-Mädchen, das sich in einem Laubhaufen versteckt hatte. Es schien in einem einzelnen Lupe keine Gefahr zu sehen und trat furchtlos aus seiner Festung aus zarten Blättern.
Du siehst müde aus und hungrig. Komm' mit mir, ich werde Dich zu meinem Dorf bringen. Dort kannst Du Dich erholen und bist sicher vor den Schlachten und der Armee dieses schrecklichen Kampfherren, der überall gefürchtet ist! Ohne eine Antwort abzuwarten nahm das Kleine Todesfluchs Pfote in die ihre und lief zielsicher quer durch den Wald.
Nach einem halben Tagesmarsch kam das ungleiche Paar auf eine große Lichtung, wo sich ein Dutzend Häuser dicht an dicht aneinanderschmiegten - überschattet von einer großen Scheune, die wohl zur Nahrungslagerung genutzt wurde.
Schlagartig bohrte sich ein Gedanke schmerzhaft in Todesfluchs Bewußtsein. Er erkannte die Scheune, erkannte das kleine Mädchen und erkannte die liebevoll gepflegten Gärten der wenigen Häuser. Panik stieg in ihm auf, während in seinem Kopf eine Erinnerung die andere jagte. Sein Heer, das ihm in sicherer Entfernung folgte und in wenigen Minuten eintreffen würde, die Verwüstung des Dorfes und die Scheune.. die Scheune, die lichterloh brannte. Mit grausamer Wucht verwandelte sich der kleine Hoffnungsfunke in ein Flammenmeer aus erstickender Verzweiflung.
Todesfluch wollte schreien, doch kein Laut entfloh seiner Kehle. Todesfluch wollte fortrennen, doch er ging unbeirrt weiter. Todesfluch wollte das Mädchen warnen, doch stattdessen verzog sich seine Schnauze zu einem Grinsen voll ekelhafter Vorfreude..
Nicht weit entfernt vom Thronsaal saß Tirachna zusammengekauert in einer dunklen Ecke und weinte bitterlich. Nie hatte sie Todesfluch so grauenvoll schreien gehört und als wäre das nicht genug gewesen hatte sich in der ganzen Burg ein ekelhafter Gestank ausgebreitet ..der Gestank von brennendem Fleisch.

Name: Tirachna
Alter: unbekannt
Spezies: Graues Faellie
Charakter: unbeschwert, gefühlvoll, bemüht
Fell: grau
Augenfarbe: rot
Besonderheit: Verkrüppelte Flügelchen und blutverschmierte Pfötchen
Liebt es: Zähne zu sammeln
Hasst es: Todesfluch leiden zu sehen

Das war nun schon das fünfte Mal, dass Du durch diesen Flur voller Gerümpel gehst und so langsam fragst Du Dich, ob Tirachna wirklich weiß, was sie tut. Das kleine Ding steht ein paar Meter vor Dir und wirkt gleichermaßen entschlossen und hoffnungslos verirrt. Sie wollte Dir nur schnell etwas zeigen und es würde auch nur ein paar Minuten dauern und nun wanderst Du seit einer Stunde durch diese uralten Gemäuer und frierst ganz erbärmlich.
Mhmmm, reißt es Dich aus den Gedanken heraus.
Gestern war hier aber noch keine Mauer - die muß ganz neu sein murmelt Tirachna und kratzt enttäuscht an der robusten Steinmauer, die ganz offensichtlich schon seit Jahren an Ort und Stelle verwittert.
Laut seufzend lehnst Du Dich an die Wand und schaust aus einem Loch, das wohl einst ein Fenster war. Draussen ziehen Nebelschwaden ihre Bahnen und nur schemenhaft kannst Du die Umgebung ausmachen. Dort ist ein verwilderter Garten und ein Tümpel - Nein, es ist doch eher ein See.
Tirachna ist inzwischen mühsam auf die Fensterbank, oder was davon übrig ist, geklettert.
Das ist ein ganz böses Gewässer flüstert sie leise, als könnte der See sie hören. Ihr ist auch kalt und sie zittert am ganzen Körper. Ihren kleinen Flügel beben und sie hat ihre Pfötchen fest um sich geschlungen.
Einmal war ich da draussen und es hat versucht mich zu holen.. Nun bist Du Dir gar nicht mehr so sicher, ob das Kleine wirklich nur vor Kälte zittert und während Du sie weiter sorgenvoll anschaust, schweifen Tirachnas Gedanken zurück zu jenem Tag am See..

Vorsichtig setzte Tirachna eine Pfote vor die andere. Der Boden war sumpfig und mit jedem Schritt gab er ein schmatzendes Geräusch von sich. Doch Tirachna richtete ihren Blick fest auf ihr Ziel und ignorierte die Umgebung und diesen widerlichen Gestank nach Verwesung. Die Beerenbüsche am Rand des Sees waren nicht mehr weit und sie war sich sicher, dass sie Todesfluch eine große Freude mit frischen Beeren machen würde.
Da gab plötzlich der Boden unter Tirachna nach, sie verlor das Gleichgewicht, fiel und rutschte in das eiskalte Wasser. Panisch versuchte das Kleine sich wieder aus der stinkenden Brühe herauszuziehen, grub ihre Pfoten verzweifelt in den aufgeweichten Boden, doch fand keinen festen Halt. Ihr Fell sog sich rasend schnell mit Wasser voll und zog Tirachna erbarmungslos nach unten. Und als wäre das nicht alles schon schlimm genug, trieb sie trotz ihrer Gegenwehr immer weiter auf die Mitte des Sees zu.
Tirachna zwang sich ruhig zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren nicht unterzugehen. Ihre Lunge brannte und ihr Blut raste, aber irgendwie schaffte sie es sich über Wasser zu halten. Gehetzt schaute sie sich um. Sie wußte, dass sie das nicht lange aushalten würde und fragte sich, was passieren wird, wenn ihre Glieder schwer und müde werden. Da rankte sich gierig eine Alge um ihre Hinterpfoten und zog sie hinab. Reflexartig tauchte Tirachna kurz unter, riss die Alge ab und war auch schon wieder an der Oberfläche. Weiterschwimmen. In Bewegung bleiben. Da fiel ihr Blick nochmal auf die Alge, die nur eine handbreit von ihr entfernt auf dem Wasser lag. Es war eine sehr merkwürdige Alge, sehr dünn und lang und mit einem Ende, das aussah wie ein Hautfetzen.. Tirachna schrie vor Schreck, als ihr klar wurde, dass es ein Haarbüschel war. Sie verschluckte sich, fing an zu würgen und zu husten und schaffte es nicht mehr über Wasser zu bleiben. Immer mehr Flüssigkeit drang in ihre Lunge ein, während sie verzweifelt versuchte nach Luft zu schnappen. Nach wenigen Minuten Todeskampf gaben ihre Glieder auf, ihr Geist schrie ein letztes Mal aus voller Kraft und ihr Körper begann hinab zu sinken.
Tirachnas Augen brannten, doch sie war zu veränstigt, um sie zu schließen und blind in den Abgrund zu sinken. Schließlich hatte sie das Haarbüschel noch nicht vergessen und so sah sie auch in ihren letzten Augenblicken noch den Schrecken den Todesfluch verbreitet hatte. Der Grund des Sees war ein einziges Grab. Überall lagen große Felsbrocken, um die gusseiserne Ketten gelegt waren. Am anderen Ende der Ketten schwammen aufgedunsene Leiber und tanzten geisterhaft im trüben Wasser.
Alle Körper waren grauenvoll entstellt, vielen fehlten Gliedmaßen und obwohl die Gesichter bis zur Unkenntlichkeit aufgequollen waren, konnte man deutlich die erlittenen Qualen sehen. Fische und andere Bewohner des Sees hatten sich an den sterblichen Überresten sattgefressen und Tirachna fragte sich, ob sie das wohl überlebt hatten, denn alle Körper schien eine Aura von Pest und Verderben zu umgeben.
Trotz dieses grauenvolles Bildes galten Tirachnas letzte Gedanken Todesfluch. Ihrem Todesfluch, so wie sie ihn kannte, ihrem Todesfluch, dem sie doch nur eine Freude mit einer handvoll Beeren machen wollte, ihrem Todesfluch, den sie so lieb gewonnen hatte, und sie hoffte inständig, dass er sie nicht eines Tages aufgedunsen und angefressen am Seeufer finden müsste. Dann wurde es dunkel um sie herum und die tanzenden Körper schienen sie mit ihren offenen Mündern auszulachen..
Schmerzen drangen aus jeder Pore ihres Körpers als Tirachna erwachte. Sie lag in einem Zimmer, eingewickelt in ein paar alte Lumpen und am Fenster stand Todesfluch. Er sah noch niedergeschlagener aus als sonst, obwohl Tirachna das nie für möglich gehalten hätte.
Als er bemerkt, dass das kleine Faellie wach war, kam er herüber. Er humpelte und konnte kaum auftreten - Tirachna ahnte, dass er sich diese Verletzung bei ihrer Rettung zugezogen hatte. Bei ihrem Lager angekommen, verbot er ihr mit strenger Stimme jemals wieder die Burg zu verlassen, dann nahm er sie zärtlich in den Arm und flehte sie an, ihn nie wieder so zu erschrecken. Dann ging er, damit sie sich in Ruhe erholen könne. In der Tür dreht er sich nochmals um und flüsterte:
Ich weiß, wie gern Du Zähne hast, deshalb habe ich Dir ein paar von da unten mitgebracht. Er deutete mit einem Kopfnicken auf einen kleinen Haufen Zähnchen neben der Tür und verließ den Raum humpelnd. Tirachna sah ihm liebevoll hinterher, krabbelte zu den Zähnen und fing leise summend an, sie zu inspizieren.
To be continued..
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Die Luft beginnt zu vibrieren und Du merkst wie Du der Traumwelt langsam entrissen wirst. Schließlich verschwimmt Dein Blick völlig und Du erwachst in der Dunkelheit Deiner eigenen Welt.
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