: . r u m o ~ ♠ ♥ ♣ ♦
..kennen wir uns, guest? Ich schätze nicht. Daraus schließe ich, dass du hier bist, um etwas über mich zu erfahren. Nur zu, ich erzähle gerne meine Geschichten über die Zeit im Spielfeld der Verbannten, über mein letztes Spiel mit Mr. Risk. Aber ich will nicht vorgreifen! Lies doch selbst in meinen Schriften, wenn dir danach ist.
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. ♣ über rumo

.{name}. Rumo (Chess)
.{alter}. Unbekannt
.{geburtstag}. 7. August
.{mag}. Mora, die Nacht, Mr. Risk, Würfel, Ketten, Schachtürme, Sterne, Krawatten, Karomuster, alte Tapeten
.{hasst}. Unruhe, aufdringliche & nervige Leute, Helligkeit, bunte Artgenossen, Pseudofreundlichkeit

. ♣ story - teil 1
T E I L 1
Teil 2 befindet sich weiter unten.
I. Eine Partie Pallere ![]() II. Das Spielfeld der Verbannten Ich schlug die Augen auf. War ich todmüde umgefallen nach der Partie mit Mr. Risk? Oder sogar noch während des Spielens? Vielleicht hatte ich ja gar nicht gespielt - es war ja auch schlichtweg unmöglich, dass jemand gegen mich bei Pallere eine Chance hatte. Wahrscheinlich! Ich war bloß übermüdet eingenickt und hatte alles geträumt. Ich hatte also gar nicht verloren. Erleichtert seufzte ich. Doch wo befand ich mich nun? Es war ein riesiges, weites Feld, das aus abwechselnd gepflasterten Steinen, mal weiß mal schwarz, bestand. Es reichte so weit ich sehen konnte. Mitten in der Gegend stand manchmal eine riesige Karte, ein Dominostein oder eine Schachfigur aufrecht herum. Das war definitiv nicht die Kneipe und auch nicht mein Haus. Ich starrte wie vereist umher. Was war das hier? Das Spielfeld der Verbannten Stand es plötzlich dick und fett in meinen Gedanken. Was sollte das? Was hatte das zu bedeuten? Ich musterte weiter die ungewöhnliche Gegend. Moment mal - War das nicht das, wovon Mr. Risk gestern Nacht gesprochen hatte? Kein Zweifel. Plötzlich wurde mir mulmig zu mute - Erstens: Weil mir auf einmal klar wurde, dass es gestern kein Traum gewesen sein konnte und zweitens: Dass ich mir schlagartig völlig unbeholfen und einsam fühlte, da ich mich tatsächlich in dieser neuen, unbekannten Welt befand. Mein Gefühl schien sich nur noch zu bestätigen, als mit einem Mal ein dreiäugiger Bär auf allen vieren, wie ein Affe, an mir vorbeihopste. Er schien mich gar nicht wahr zu nehmen, anscheinend war er zu sehr damit beschäftigt, seinen Speichel, der aus dem riesigen Mund lief, wieder einzufangen. Ich schauderte. »He!« schrie plötzlich eine Stimme. Ich drehte meinen Kopf in alle Richtungen. Da war niemand. Nur die Schachfiguren standen rustikal auf den Platten. »He, ein Neuer!« rief sie plötzlich wieder. Ehe ich mich versah, war ich umzingelt von den verschiedensten Tieren - Stinktiere, Füchse, Wölfe, Katzen (ja, auch so welche wie ich), Ratten, Vögel und sogar Kaninchen hatte ich welche gesehen. Doch sie alle hatten eines gemeinsam - sie ähnelten alle einem Kartenspiel. Jeder hatte eine andere Fellstruktur, der eine übersät von Würfelzahlen, der andere mit einem großflächigen Karo-Muster. »Armer Kerl« schluchzte ein Vogel, jener bedeckt von Zacken war. »Wie ist denn dein Name? Pallere?« Ich starrte den Vogel fassungslos an. »Ich heiße Rumo.« Er musterte mich von oben bis unten. »Hier heißt du Pallere!« bestimmte der Vogel. Plötzlich wälzte sich eine dicke Ratte nach vorne. »Dummerchen, es gibt schon einen, der Pallere heißt. Beziehungsweise Pallera. Wie wäre es mit Pallero? Klingt das nicht reizend?« krähte sie wichtigtuerisch. »Entschuldigt mich bitte«, unterbrach ich das Geschwätz der seltsamen Tiere. »Mir geht es nicht gut, ich bin gerade erst hier her gekommen und total verwirrt. Es macht euch doch nichts aus, wenn ich einen Moment lang alleine...« »Genau!« unterbrach mich ein großer, schwarzer Schäferhund. »Lasst ihn doch in Ruhe. Er ist neu hier. Euch ging es doch genauso, ihr müsstet Respekt haben.« »Oh, Schacho...« stöhnte die Ratte mitfühlend. »Du musst wissen, Pallero, er ist auch erst vor drei Tagen hier her gekommen.« »Rumo!« zischte ich finster und warf einen bösen Blick in die Runde. Ich wusste nicht, wo ich war, wer ich war, und warum ich war - und alle anderen schien es nichts aus zu machen. Ich zwängte mich zwischen den Tieren hindurch und flitzte davon. Völlig aus der Puste lehnte ich mich an einen der riesigen Würfel. Ich nutzte die ruhige Gelegenheit, um mich erst ein mal zu sammeln. Was war in letzter Zeit passiert? Ich hatte eine Partie Pallere gegen Mr. Risk verloren, er hatte mich (das konnte ich nur vermuten) in das Spielfeld der Verbannten gesperrt. So weit so gut - oder sollte man eher sagen so schlecht? Doch hier begann die Verwirrung: Ich befand mich auf einem schachähnlichen Spielfeld, auf dem anscheinend unzählige Tiere wohnten, die alle nach einem Spiel benannt waren - anscheinend das, gegen das sie mit Mr. Risk zuletzt gespielt (verloren) hatten. Doch wieso kam die Ratte auf den Namen Pallero? Sah man etwa auch mir an, dass ich die Partie Pallere gegen Mr. Risk verloren hatte? Warum war ich eigentlich fort gelaufen? Die Tiere konnten mir schließlich allerlei Auskunft über meine Verwirrung geben - sie hatten dies alles schon mal durch gemacht. Ich rappelte mich auf und stolzierte zurück auf die schwarze Schach-Platte, auf der ich ihnen zum ersten Mal begegnet war. Doch da stand nur noch ein großer, stämmiger Wolf. »Pallere« seufzte er mitfühlend. »Ich hasse dieses Spiel. Es ist fies.« Ich sah den Wolf lange an. Man sah mir also tatsächlich, wie allen anderen, an, dass ich Pallere gegen Mr. Risk gespielt hatte?! Wie dem auch sei. »Ich werde es nie wieder spielen«, ächzte ich. »Jedenfalls nicht nach diesem letzten Spiel.« Der Wolf starrte herrschend auf mich herab. »Du hast lange nichts mehr gegessen, kann das sein?« fragte er plötzlich unerwartet - Ich hätte eher damit gerechnet, er würde mir den Kopf abreißen und zwischen seinen spitzen Zähnen zerfleischen. »Hm«, machte ich. Er hatte recht. Wann hatte ich eigentlich zuletzt etwas zu mir genommen? Ich wusste ja nicht mal, wie lange ich schon hier war. »Das ist gut möglich. Mein Magen knurrt wie verrückt.« »Also« sagte der Wolf und schenkte mir ein kurzes Lächeln. »Ich lade dich auf ein Essen im Steinernen Turm ein. Was hältst du davon?« »Gerne!« rief ich, weil ich es für sinnlos erachtete, zu hinterfragen, was denn überhaupt der Steinerne Turm sei - Wobei der Name ja schon mehr als genug verriet. Stumm trabte ich hinter dem Wolf her, dessen Namen ich noch nicht mal wusste. Plötzlich hielt er vor einer riesigen Schachfigur an. Was wollte er hier? Wollten wir nicht zum Steinernen Turm? Er folgte meinen irritierten Blicken und klärte mich auf: »Das hier ist der Steinerne Turm.« Ich schaute hoch. Der schwarze Schach-Turm ragte bis in den Himmel (in wiefern man das als einen Himmel bezeichnen könnte) hinein. Tatsächlich, ein kleines Törchen befand sich direkt vor uns in den Stein gehauen. Der Wolf schubste die Tür auf und ich folgte ihm ins Innere des Turms. Es war dunkel darin und ich musste mich anstrengen, nicht irgendwo gegen zu laufen. Der Wolf, jener sich hier anscheinend bestens auskannte, griff nach einer Fackel an der kahlen Wand und entzündete sie. Die feuchten, steinernen Turmmauern flackerten kurz auf. Eine Ratte flitzte quer durch den Gang und verschwand in einer Rinne. Ich folgte meinem Führer eine Wendeltreppe aus robusten Steinen hinauf. »Wir sind da.« Er hatte recht - man konnte es zu deutlich hören. Das Scheppern der Krüge auf den Tresen, das klackende Geräusch, wenn man einen Würfel den Tisch hinunter fallen lässt, die laut johlende Gesellschaft. Der Wolf stieß die Tür auf und der Geräuschpegel stieg deutlich. Plötzlich jedoch - was mich sehr irritierte - wurde es still. Keiner wagte es mehr, auch nur ein Wort zu sprechen, alle Blicke waren auf mich gerichtet und jeder fror in seiner Bewegung ein. Der Wolf stupste mich an. »Er ist neu.« Ich lächelte verlegen. Was sollte das? Warum führte er mich vor allen so vor? Allgemeines Tuscheln erfüllte den schäbigen Raum, auf dessen dunkelbraunem Holzboden unzählige runde Tische standen. »Komm« forderte der Wolf mich auf und ging mit eleganten Bewegungen auf einen freien Tisch zu. Ich hingegen bewegte mich vorwärts wie ein gelähmter Elefant. Endlich erreichte ich den stützenden Stuhl, den ich auch sogleich umklammerte - nicht, ohne von allen Blicken verfolgt zu werden - und mich darauf setzte. Abrupt wandten sich die Tiere wieder ab und der schützende Lärm begann vom Neuen. Niemand starrte mich mehr an. »Wie ist eigentlich dein Name?« fragte der Wolf, als er sich gesetzt hatte. Er schob ein Häufchen Asche vom Tisch. »R-rumo« stotterte ich. Der Wolf sah mich einen Moment lang durch dringlich an. »Was, äh, möchtest du denn?« fragte er und reichte mir eine verschmutzte Speisekarte, die an der Ecke des Tisches lag. In goldenen Lettern stand auf dem dunkelgrünen Umschlag Zum Steinernen Turm. Ich klappte die Karte auf und begann das Angebot an Gerichten zu studieren. Garnierte Würfelsuppe, Frisches Karten-Omelette, Schach-Auflauf mit Kräutern, Mikado-Cracker mit Soße, ... - Plötzlich schreckte ich auf. Preis: 3 mal Schach - Was hatte das zu bedeuten? »Womit bezahlt man denn?« vergewisserte ich mich unsicher. »Man muss lediglich gegen einen der Kellner gewinnen - Aber Achtung: Es sind keine gewöhnlichen Kellner, eigentlich gar keine. Sie sind bloß äußerst professionelle und ausgebildete Spieler. Wenn du die bestimmte Anzahl von Spielen gewinnst, wird dir das Essen serviert.« Der Wolf räusperte sich und winkte einen der Kellner zu sich. Ich versteckte meinen Kopf hinter der Speisekarte. Was sollte ich nehmen? Auf einmal fiel mir ein Gericht ins Auge: Pallere-Braten. Das war es! Den wollte ich! Dann dachte ich nach - hatte ich mir nicht geschworen, niemals wieder dieses Spiel anzurühren? Ich schaute verunsichert auf die Karte. Sollte ich, sollte ich nicht? Alles andere klang so öde. »Der junge Herr zu erst« sagte der Wolf höflich und schaute auf mich. »Was hätten Sie gerne?« fragte der Kellner und gähnte gelangweilt. »Ich, ähhh...« eine lange Pause entstand. Sollte ich - sollte ich nicht? Die Pause zog sich peinlich lange hin. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich musste dem ein Ende setzen! »Ich nehme Nummer siebzehn, den Pallere-Braten!« Puh. Geschafft. Der Kellner kritzelte etwas auf seinen schmalen Block. »Nummer siebzehn...« murmelte er. »Und Sie?« Er deutete auf den Wolf. »Ich hätte gerne einen klassischen Schach-Auflauf. Aber mit Fleisch statt Kräutern, falls das geht«, antwortete er und trampelte dabei aufgeregt mit der Hinterpfote auf den Fußboden. ![]() III. Mora Es dauerte nicht lange, da bewegte sich ein dickes, aufrecht gehendes Schwein auf unseren Tisch zu und nahm wie selbstverständlich Platz. »Einmal Schach-Auflauf, hab ich gehört?« grunzte es lustlos und knallte ein Schachbrett auf den Tisch, dass er nur so schepperte. Der Wolf antwortete nicht, griff stattdessen in seine Manteltasche und zog ein kleines Kästchen hervor. »Ich spiele mit meinen Figuren, falls gestattet« sagte er höflich, klappte den Karton auf und sortierte seine Holzfiguren auf dem schmutzigen Brett. Ich starrte gebannt auf das Spielfeld und beobachtete die Züge, die der Wolf mit großer Konzentration ausübte. Das Schwein hingegen setzte seine Figuren wahllos Feld über Feld, ohne wirklich darüber nachzudenken - so kam es auch, dass er die meisten Figuren direkt am Anfang verlor. »Verzeihung« sagte plötzlich eine sanfte, wunderschön klingende Stimme. »Verzeihung wegen der Verspätung. Sie haben einen...« Ich drehte mich um. Dort stand eine Katze, so traumhaft schön, wie ich noch nie eine gesehen hatte. Ihr seidiges Fell funkelte nur so in dem Licht der Kerzenleuchter. Sie starrte mit ihren hinreißenden Augen in mein Gesicht und schien für einen Moment entsetzt. Was war so schlimm an mir? Sah ich merkwürdig aus? War mein Fell schmutzig? Nein, nichts dergleichen. Ich war leicht irritiert. »Äh, Sie... haben einen Pallere-Braten bestellt« beendete sie schließlich ihren Satz und setzte sich zu mir an einen Tisch, wobei sie das Schwein neben sich angeekelt anstierte. Sie saß einen Moment lang da und musterte den Tisch, als läge dort ein abgelutschter Menschenknochen. Ruckartig hob sie ihren Kopf und fixierte wieder mein Gesicht. »Nun, ich...« stammelte sie. »Es ist seltsam...« »W-was denn?« ächzte ich und spürte, dass mein Hals plötzlich wie ausgetrocknet war. »Als ich dich zum ersten Mal gesehen habe, ist mir mein Name auf einmal wieder eingefallen. Direkt als ich in deine Augen sah stand Mora in meinen Gedanken« erklärte mir die Katze und blickte immer wieder auf den Boden. Ich überlegte eine Weile, ob sie mir nur möglichst unauffällig und geschickt ihren Namen mitteilen wollte, statt einfach ich heiße Mora zu sagen, oder ob sie mir wirklich die Wahrheit sagte. Dann kam ich zu dem Entschluss, dass es eigentlich völlig gleichgültig war. »Das ist in der Tat... seltsam.« »Nun! Möchten wir spielen?« Mora fischte mit ihren zarten Fingern die Karten aus ihrer Hülle und mischte sie gründlich durch. »Also los!« antwortete ich und nahm die Karten entgegen, die sie in meine Richtung ausstreckte. Dabei wurde mir so schwindelig, dass ich beinahe vom Stuhl gerutscht wäre. Was war das für ein Gefühl im Magen? Warum benahm ich mich wie ein Vollidiot? Es war, als hätte ich einen Balken vor meinem Kopf, der mir verbot, mich normal zu verhalten. Mein Magen knurrte und drehte sich um, als würde ein Mann darin herumspazieren. Das gesamte Spiel verlief wortlos, außer das jemand mal »Ja!« oder »Mist!« schrie, wenn ihm etwas besonders gut oder besonders schlecht gelungen war. Allerdings sollte ich noch hinzufügen, dass ich es nicht leicht hatte, gegen Mora zu spielen. Sie war besonders gut, was das Spielen von Pallere betraf. Der Wolf hatte bereits seinen Auflauf verdrückt und wartete ungeduldig darauf, bis der Kellner ihm das Geschirr vom Tisch räumen würde und er endlich gehen konnte. Das Schwein hatte sich bereits vom Acker gemacht, sicher schon am nächsten Tisch und schob lustlos die Figuren hin und her. »Gewonnen!« rief ich überglücklich und war erstaunt über mich selber, dass ich es gewagt hatte, so laut zu jubeln. Aber wirklich - ich war heilfroh, gegen Mora gesiegt zu haben. Was wäre das bloß für eine Niederlage gewesen! Mora lächelte und ich hatte den leisen Verdacht, dass sie mich extra hatte gewinnen lassen. Schließlich erhob sie sich und verschwand hinter einer Tür, wo wahrscheinlich die Küche lag. Ich knallte meinen Kopf auf den Tisch. Was war nur mit mir los? Gut, ich hatte gewonnen - Prima, ich bekam nun essen - Aber wieso fühlte ich mich so seltsam? Ich konnte mir einfach keine relativ sinnvolle Erklärung für dieses Verhalten zusammen basteln. Plötzlich stand Mora direkt vor meinem Tisch. Ich hatte es gar nicht mitbekommen, während ich so vor mich hin träumte. Zwischen ihren Pfoten balancierte sie eine riesige Schale in der ein knuspriger Braten dampfte, umgeben von brauner Bratensoße, einigen Pallere-Karten und auch Salatblättern. Mir lief das Wasser im Mund zusammen, als sie den köstlichen Braten auf meinen Tisch platzierte und meine schwummrigen Gefühle hatte ich für einen Moment vergessen. Ja, für einen Moment. Nämlich genau, bis Mora sich mit an meinen Tisch setzte und fragte: »Dürfte ich mich vielleicht etwas zu dir setzen, bis du fertig bist?« Natürlich nickte ich. Wie könnte ich auch nein sagen? Ich schnitt mit dem glänzenden Messer etwas vom Braten ab und deponierte es vorsichtig auf meinem Teller. Zu Hause hatte ich gelernt, wie man mit Messer und Gabel aß - Zum Glück, sonst wäre ich jetzt ziemlich schlecht dran. Mora drehte sich kurz um und unterhielt sich flüsternd mit einem Kellner. Das war meine Chance! Ich stopfte den Braten in mich hinein, kaute hektisch darauf herum und führte schon wieder das nächste Stück in mein Maul hinein. Schon die Hälfte des köstlichen Bratens hatte ich verschlungen. Mora wandte sich wieder an mich. »Wie lange bist du eigentlich schon hier?« »Seit gerade eben« antwortete ich und schluckte schnell das durchgekaute Stück hinunter. »Wobei ich es ja nicht so genau sagen kann.« »Seit eben?« fragte Mora und sah mich erstaunt an. »Soll ich dich nachher ein wenig durch die "Stadt" führen?« Nicht das noch! Ja, ich hatte die leise Vermutung, dass mein seltsames Gefühl mit Mora zusammen hing. Wie sollte ich mit ihr noch den ganzen Tag verbringen? Das war unmöglich. »Ich, ähhh...« krähte ich und rang nach Worten, »es ist sooo... Ich bin schrecklich erschöpft und müde und würde mich gerne erst einmal hinlegen.« »Oh, wie unsensibel von mir - Natürlich! Du musst dich erst einmal ausruhen! Hast du denn überhaupt eine Bleibe?« fragte Mora besorgt. »Nein... darüber habe ich noch gar nicht nach gedacht« ächzte ich. »Hm. Also wir haben hier im Steinernen Turm auch eine kleine Kammer, nämlich unten im Keller. Ich glaube, es ist der einzige Ort, wo du ungestört schlafen kannst. Unsere Städte sind überfüllt und da draußen laufen die merkwürdigsten Gestalten herum.« Mora räusperte sich. »Ich könnte dir den Platz reservieren, wenn du möchtest.« »Das wäre klasse!« rief ich, obwohl mir das Wort Keller nicht so behagte. Nun, immerhin eine Unterkunft. Ich musste ja nicht lange bleiben. »Alles klar. Allerdings muss ich mich beeilen, normalerweise sind die Plätze da unten immer schon lange vorher reserviert - Aber ich kriege das schon irgendwie hin, ich bin ja hier Mitarbeiter. Macht es dir etwas aus, wenn ich jetzt gehe?« fragte Mora. »Mach du nur« gab ich etwas verlegen zurück. Ich war es nicht gewohnt, dass man sich so um mich kümmerte. »Alles klar! Wir treffen uns dann in ungefähr einer Stunde in der Nebelgasse. Lass dir am besten von anderen Leuten erklären, wo sie ist.« Damit stand Mora auf und verließ den Raum. Ich seufzte, schaufelte den letzten Bissen des Bratens in mich hinein und erhob mich ebenfalls. Wie viel Uhr war es eigentlich? Gab es hier überhaupt eine Uhrzeit? ![]() IV. Dunkelheit »He, du da!« sagte ein dickes Schwein und schubste mich von der Tür weg. Ich erkannte es: Es war das Schwein, das gegen den Wolf gespielt hatte. Ich sah es verwirrt an. »Was wollen Sie von mir?« »Bring es mir bei!« flehte das Schwein plötzlich ganz deprimiert. Diese Reaktion kam so unerwartet, dass ich einen Schritt zurück wich. »W-was soll ich dir beibringen?« fragte ich verständnislos. »Das Spiel. Pallere.« Ich dachte nach. Es würde ein Schweres sein, so einem dämlichen Schwein etwas klar zu machen. Sollte ich meine Zeit damit verschwenden? »Ähhh... Aber... ich habe im Moment wirklich keine Zeit« redete ich mich raus. »Dann wirst du sie dir eben nehmen müssen.« »Was?« fragte ich und kam mir plötzlich dümmer als das Schwein vor. »Die Zeit.« Das Schwein wurde langsam ungeduldig. »Hör mal, Bübchen - Das ist kein Kinderkram hier. Es ist für eine wichtige Angelegenheit. Es geht um Leben und Tod.« Ja ja, dachte ich, das sagen sie immer, wenn alles andere nicht zieht. Aber ich hatte ja keine Wahl. So wie es aussah, musste ich hier erst mal eine Weile leben und ich konnte mir nicht direkt am Anfang einen schlechten Ruf einhandeln. »Also gut« seufzte ich ergeben. »Nun, weißt du...« fing das Schwein an. »Soll ich mich vielleicht erst einmal vorstellen? Ich heiße Corten Mey. Ich bin einer der ältesten Gefangenen hier im Spielfeld. Aber nun zum Wichtigen: Wir planen den Untergang Mr. Risks.« Ich war schockiert. »Was? Wie wollt ihr das denn anstellen?« »Ganz einfach: Wir schlagen ihn mit seiner eigenen Methode.« »Wie soll das bitte gehen?« fragte ich verwirrt. »Mein Gott, du Dummerchen - Wir schlagen ihn in einer Partie Pallere. Es ist das Spiel, dass er erfunden hat. Damit werden wir ihn in seine eigene Welt verbannen und alle frei sein.« Corten räusperte sich. »Das ist unmöglich. Nur er kann Wesen in sein Reich verbannen. Ich selbst habe ihn unzählige male geschlagen und es ist nichts passiert. Mich hat er mit einem einzigen gewonnenen Spiel fangen können!« Ich zweifelte so langsam wieder am Verstand des Schweins. War er so naiv? Corten verdrehte die Augen. »Es kommt nicht auf die Anzahl oder auf die Macht an - Es liegt an der Zeit.« »Wie meinst du das?« vergewisserte ich mich. »Ganz einfach: Exakt zur siebten Halbmondsnacht und genau 27 Uhr.« »Moment mal - 27 Uhr?« fragte ich verdutzt. Was meinte er damit? »Das ist eine von Risks brillanten Erfindungen - 27 Uhr das ist genau dann, wenn es stockfinster ist und nur der Mond leuchtet. Wann genau das ist, weiß niemand - aber nach all unseren Berechnungen und Erfahrungen müsste es ungefähr gegen 24 Uhr und drei Minuten handeln. Was übrigens auch die 27 erklären würde (denn 24 plus drei ergibt exakt 27).« Ich war verblüfft von den - mehr oder weniger - wissenschaftlichen Kenntnissen des dümmlich ausschauenden Schweins. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Ich verstand allerdings immer noch nicht so ganz, was Corten mir damit mitteilen wollte. »Mal in der Zusammenfassung: Das heißt, ungefähr um Mitternacht möchtet ihr Mr. Risk zu einer Partie Pallere herausfordern und du bittest mich, es dir bei zu bringen. So weit alles richtig?« »Kann man so sagen. Also was ist - bist du bereit, zu helfen?« fragte Corten. »Helfen inwiefern? So lange ich dir nur das Spielen beibringen muss, alles klar« gab ich zurück und wurde langsam ungeduldig. Mora wartete sicher schon Ewigkeiten auf mich. Corten sah mir meine Ungeduld an. »Nun. Wir haben noch knapp zwei Tage Zeit, dann ist die besagte Nacht - also morgen. Bis dahin müssen alle Pläne diskutiert und vollendet sein. Du bist jetzt offizielles und eingeweihtes Mitglied unseres Flucht-Teams. Morgen bist du pünktlich zur Mittagszeit hier - wenn der Würfel drei zeigt. Wir sehen uns dann.« Damit verschwand das Schwein. Flucht. Stimmt eigentlich - Wieso hatte ich es noch nie in Erwägung gezogen, diese Grauenstadt zu verlassen? Wieso hatte ich mich einfach so damit abgefunden, hier zu sein? Wieso ließ ich mir das alles gefallen? Flucht. Das war von nun an mein Ziel. Gedankenverloren stieß ich dir Tür auf und torkelte die Treppe des Steinernen Turmes herunter. Beinahe wäre ich gestolpert, da erreichte ich den festen Boden. Ich verließ den Turm mit gemischten Gefühlen. Draußen war es schon unheimlich dunkel - ich hätte nicht gedacht, dass hier tatsächlich so etwas wie ein Wetter existierte, aber nun sah ich es ja selbst. Ich schaute mich um. Wo sollte ich noch mal hin? Nebelgasse - Genau. Was hatte Mora gesagt, wo sie lag? Hatte sie überhaupt einfach gesagt? Nein, hatte sie nicht. Sie hatte lediglich gesagt, ich solle jemanden aus der Stadt fragen. Aber hier war keiner auf der Straße und es war stockfinster. Niemand hielt sich mehr auf dem Feld auf. Mit der Dunkelheit stieg auch die Angst und meine Unsicherheit. Wo sollte ich denn nun hingehen? Zurück in den Turm? Ob da überhaupt noch jemand war? Mora war fort, das Schwein war fort - viel mehr hatte ich doch auch nicht gesehen. Als ich das Restaurant verließ, saß niemand mehr an einem der Tische, also konnte ich auch diese Hilfe ausschließen. Ansonsten kannte ich mich hier nicht aus. Frustriert irrte ich umher, durch die trübe Landschaft und mit jedem Schritt wurde mir noch unwohler zu mute. Die Angst krabbelte hinab in meine Beine und ließ sie für einen Moment erstarren. Manchmal versagte mitten im Gang eines meiner Beine und ich setzte meinen Weg mit Humpeln fort. Es war keine schöne Wanderung, aber mir blieb schließlich nichts anderes übrig. Ich konnte nur darauf hoffen, bald wieder etwas zu sehen und ein Lebewesen an zu treffen. Da draußen laufen die merkwürdigsten Gestalten herum. Stand Moras Satz plötzlich dick und fett in meinen Gedanken. War das eine Warnung? Ich zitterte und plötzlich versagte jedes meiner Beine. Ich klappte zusammen wie ein nasser Kartoffelsack und mir wurde schwarz vor Augen. ![]() |

. ♣ bilder
Bilder sind alle verkleinert dargestellt. Die ersten sind Bilder, die von Zo und Ben, oder nur einem von beiden, gezeichnet wurden. c:galerie



fanart




. ♣ story - teil 2
T E I L 2
V. Endlich Ruhe ![]() VI. Mr. Risk Was ich da sah, war Mr. Risks Macht. Es war sein Zepter, mit dem er uns alle in diese furchtbare Welt verbannt hatte und gefangen hielt. Er bestimmte nicht nur unser Schicksal, sondern auch unseren Tod, solange wir uns hier aufhielten. Wir waren seine Marionetten - seine Spielfiguren. Jetzt verstand ich auch, was er damals mit dem Anhänger meinte: Von dem Zepter baumelten lauter kleine Figuren, die ich alle sofort erkannte. Es waren in Holz geschnitzte Lebewesen - es waren wir. Ich fuhr zusammen wie unter einem Peitschenhieb als ich mich an einer Kette baumeln sah. Und daneben Mora. Ungebändigter Zorn überkam mich, als ich uns als kleine, lächerliche Figuren sah - Wir waren bloß sein Werkzeug, sein Werkzeug zur Macht. Ich musste dem ein Ende setzen! Ich musste es ihm heimzahlen! Ich musste mich rächen. Plötzlich durchfuhr mich ein eiskalter Wind, der meine Adern blitzartig gefrieren ließ. Ich hielt den Atem an und drehte mich um. Er stand da, die Hände gefalten, im Türrahmen lehnend, als stünde er schon eine Ewigkeit da, und würde mich beobachten und auf mich herablachen. »Ich wusste doch, dass wir uns mal wieder sehen« raunte er und ein höhnisches Lächeln umspielte seine Mundwinkel. »Aber das es so früh schon seien würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Schön, dich wieder zu sehen, mein Freund.« Seine ruhige, gelassene und doch irgendwie gruselig klingende Stimme machte mich wütend und ängstlich zu gleich. Wie konnte er es wagen, so leichtfüßig darüber zu reden? Wie konnte er mich einen Freund nennen? Ich wollte etwas erwidern, doch brachte keinen Ton heraus. Mr. Risk trat mit großen, eleganten Schritten auf mich zu. »Was? Hat dich mein Spielzeug so fasziniert?« höhnte er und brach in fürchterliches Gelächter aus. »Sie... Sie Basdard!« röchelte ich außer mir vor Wut. Plötzlich kam all das hoch, was sich während meines Aufenthalts auf dem Spielfeld angestaut hatte. Ich hasste Mr. Risk. »Na na na. Wir wollen doch nicht gleich ein Spielverderber sein! Verstehst du - Spielverderber!« Mr. Risk lachte. Und verstummte so gleich. »Sag mir, was suchst du in meinem Turm?« »Ich suche Sie, Mr. Risk. Ich suche Ihre Leiche.« Mir kam es vor, als würden die Worte sich ohne mein Einverständnis über meine Zunge schwingen. In normalen Zuständen hätte ich so etwas nie formulieren können. »Hah! Du suchst den Kampf? Den Kampf mit mir, Mr. Risk? Wie albern du doch bist!« Er lachte verkniffen. »Du willst es doch tatsächlich nach dieser Niederlage noch einmal wagen? Doch was bringt es dir, außer eine weitere Niederlage?« Ich sah ihn hasserfüllt an. »Was ist es, worauf du dir soviel einbildest? Kann ein Mensch überhaupt so viel Böses auf einmal von sich geben? Bist du überhaupt ein Mensch? Oder etwa ein Monster?« Mr. Risk starrte mich an. Er riss das Zepter aus der Kiste und wühlte hektisch durch die tausend Figuren. Plötzlich - und es ging so schnell, dass ich es fast gar nicht gemerkt hätte - riss er eine Figur ab. Ich wusste, es war Moras. Ein stechender Schmerz durchzuckte mich. Ich brach in Tränen aus. Ich konnte es nicht stoppen, meine Wut verwandelte sich urplötzlich und Frust und Angst - ja, furchtbare Angst. Ich spürte, wie ich am ganzen Körper zitterte. Hatte ich etwa Angst vor Mr. Risk? »Oh, Rumo - hat es dich getroffen? Alles, was du noch hast, ist von dir gegangen? Spürst du, wie sich der Schmerz langsam durch deine Adern hinein in dein Herz bohrt?« Wäre ich dazu fähig, hätte ich Mr. Risk am liebsten direkt eine verpasst. Aber ich konnte nicht. Mein Atem wurde schwer und ich spürte, dass ich jetzt auf der Stelle verschwinden musste. »Ich hoffe du hast deine Lektion gelernt - Denke niemals, es wäre richtig, sich dem König zu widersetzen. Hier herrschen meine Regeln, mein Lieber! Du bist hier in meinem Land!« Mr. Risk schmiss die Hände herrschend in den Himmel und lachte auf. Dann wandte er sich wieder mir zu. »Tut es weh? Tut es weh, jemanden zu verlieren, den man liebt?« Ja, es tat weh. Es tat ungeheuer weh. Mora war tot. Und ich war an allem Schuld! Meine Neugier hatte Besitz ergriffen und mich in dieses Irrenschloss geführt! Wegen mir war Mora tot. Ich hatte sie getötet. »Nicht doch!« lenkte Mr. Risk ein, als könne er Gedanken lesen. »Hast du vergessen, dass ich Mora das Leben genommen habe? Sicher, du bist der Grund, der mich dazu veranlasst hat. Deine ungebändigte Frechheit.« Ich wollte ihn töten. Auf der Stelle. Das Problem lag nicht an mangelnden Waffen - ich würde es mit allem versuchen, was ich hatte; sei es mit den Zähnen -, nein, es war meine Kraft. Ich war am Boden zusammen gesackt und hatte nicht Energie, mich hoch zu stemmen. »Na, Rumo? Wie gefällt dir das Gefühl der Hilflosigkeit?« raunte Mr. Risk mir zu. »Möchtest du dich rächen? Möchtest du, dass ich genauso leide wie du?« Er wollte mich provozieren - und natürlich klappte es. Meine Nerven waren am Ende und die Beherrschung hatte ich schon lange verloren. Gut überlegen konnte ich zwar nicht mehr, aber ein Gedanke viel mir sofort ein - heute ist die besagte Nacht. Ich wusste nicht, wie viel Zeit bereits vergangen war, ob wir noch mittags oder schon abends hatten, aber etwas anderes blieb mir zur Zeit nicht übrig. »Ich fordere...« ächzte ich mit leerer Stimme. »... eine Revanche. Hier und jetzt. Bis in die Nacht hinein und tiefer. So, wie du es mir angetan hast.« Mr. Risk zeigte sich unbeeindruckt, doch ich spürte es - wie üblich - an seiner unruhigen Augenbraue, dass es ihm nicht ganz geheuer war. »So?« fragte er neugierig. »Und um was spielen wir?« »Um dein Leben...« krähte ich. »Und um unseres.« »Das heißt, wenn ich verliere, dann willst du mich töten und ich soll euch frei lassen; Und wenn du verlierst, soll ich dich töten und du lässt mich frei?« Mr. Risk lachte höhnisch. »Mich - frei lassen! Haha!« Er dachte einen Moment lang nach. »Also gut: Wenn ich verliere lasse ich dich frei und wenn du verlierst, dann bleibt alles beim Alten. Wir müssen ja fair sein. Allerdings hast du dann nie wieder die Chance, mich heraus zu fordern.« »Also gut« sagte ich einverstanden. Langsam kam ich wieder zu Kräften, ich konnte mich mittlerweile wieder auf meinen Beinen halten. Sogar einen Plan hatte ich mir schon überlegt: Ich würde mit... Mora... - »Moment mal!« rief ich. »Was ist mit Mora?« »Ui, mit deiner Geliebten? Keine Sorge. Ich habe bloß ihre Seele getötet. Von mir aus kannst du sie auch haben, falls du gewinnen solltest...« Mr. Risk betonte dabei das letzte Wort am deutlichsten. Ich seufzte erleichtert. Er hatte sie nicht getötet. Ich hatte erneut die Chance, ihr entweder das Leben zu retten, oder sie zu töten. Ihr Leben lag in meinen Händen. »Du solltest nicht vergessen, dass dein Leben auch noch eine Rolle spielt« sagte Mr. Risk und riss die Tür auf. Ich musterte ihn verstohlen. Mein Leben? Das war mir in diesem Moment hundertprozentig egal. Mora. Mora. Mora. Mora. Ich musste sie retten! Mora! ![]() VII. Rache Mr. Risk führte mich in einen kleinen, finsteren Raum, in dessen Mitte bloß ein Tisch und zwei Stühle Platz fanden. Wie an dem Tag, als wir die letzte Partie Pallere gegeneinander spielten (das Wort spielten klang mittlerweile schon zu harmlos. Mr. Risk sollte sich wohl mal daran geben, ein neues Wort für diese Tätigkeit zu erfinden). Der Raum war nur von einem Kerzenleuchter erhellt, sodass man gerade die Wände erahnen konnte. Mr. Risk schloss die Tür hinter uns und mischte die Pallere-Karten. Sein Blick war starr auf die Karten in seiner bleichen Hand gerichtet. Plötzlich hob er seinen Kopf und durchbohrte mich mit einem langen, rätselhaften Blick. Seine kalten Augen ließen mir einen Schauder über den Rücken laufen. »Bist du bereit, Rumo?« fragte Mr. Risk und irgendwie verwirrte mich seine Stimme - sie klang sanft, gedämpft und ja, sogar etwas besorgt. Ich nickte entschlossen. Ja, ich war bereit; ja, ich würde gewinnen. Ich würde mir Mora erkämpfen, koste es, was es wolle. Ich nahm mir sieben Karten von dem perfekt geraden Stapel, den Mr. Risk präzise am Tisch angeordnet hatte, und sortierte sie in meiner Hand. Mr. Risk warf mir erneut einen sorgevollen Blick zu. Ich würde zu gerne wissen, was gerade in ihm geschah. Hatte er Angst? Vor mir etwa? Doch er zögerte nicht lange und begann wortlos seine Karten-Paare auf dem Tisch zu platzieren. Als er seinen Zug beendet hatte, blickte er zu mir. Ich wusste nicht, wie viel Uhr es bereits war - aber eines stand fest: Es war noch nicht die besagte Zeit. Von daher zog ich es vor, zunächst etwas sch-blocked- zu spielen und erst bei den letzen Spielen alles zu geben. Das war eine gute Strategie, fand ich. Ansonsten verlief das Spiel eher sehr ruhig und monoton - ich merkte, wie auch er sich zurück hielt. Wir waren beide meist gut dran, und wenn es schlechter um uns war, dann wurde dies schnell wieder ausgeglichen. »Mr. Risk?« wagte ich es plötzlich, die eiserne Stille zu durch brechen. »Wenn du doch schon alles über mich weißt und mich in meiner Kindheit begleitet hast, wieso darf ich dann nicht auch etwas von dir erfahren?« Mr. Risk schaute verwirrt auf. »Du möchtest meinen Lebenslauf erfahren?« fragte er mit gedämpfter Stimme. Ich nickte aufmerksam, konzentriere mich aber dennoch hauptsächlich auf das Spiel. »Damals« krähte Mr. Risk und holte tief Luft, »als ich noch jung war, war ich ein gewöhnlicher, kleiner Junge. Nun, man kann eigentlich niemanden auf dieser Welt für gewöhnlich bezeichnen, doch für meine heutigen Verhältnisse war ich damals wirklich noch normal« - er sah also ein, dass mit ihm nicht alles okay war - »Nun, ein alter Mann holte mich damals von der Straße und pflegte mich. Damals war es üblich, dass ungewollte Kinder auf der Straße ausgesetzt wurden. So war es auch mit mir.« Mr. Risk unterdrücke mit ganzer Kraft ein Schluchzen. »Doch dieser Mann, der mich damals aufnahm, war besser als alles, was mir je hätte passieren können. Er war so gutherzig zu mir. Doch nach einer Weile starb er und ich fand mich erneut auf der Straße wieder. Dies Mal war kein alter Mann da, der mich pflegte, nein. Ich war ganz auf mich alleine gestellt.« Während er erzählte, war er dennoch komplett auf unsere Partie konzentriert, was mich sehr wunderte. »Eines Tages kam ein Mann vorbei. Er sah unheimlich aus, trug einen Umhang und war kreidebleich. Sein finsteres Lachen verriet nichts Gutes, doch er schaffte es dank meinem naiven Auftreten, mich mit zu nehmen. Sein Name war Mr. Risk - nein, es war nicht ich, keine Angst. Mr. Risk wohnte in einer riesigen Villa, wo er mich und noch einige andere Menschen gefangen hielt« - Mr. Risk stockte der Atem für einen kurzen Moment und auch seine Hände begangen zu zittern - »Er behandelte uns wie seine Marionetten! Ließ uns putzen, bauen, kochen - wobei das alles noch zu den angenehmen Tätigkeiten gehörte. Das Schlimmste war, wenn jemand sich widersetzte - derjenige wurde umgehend zum Tode verurteilt, allerdings bestimmte Mr. Risk jemanden, der diese Person tötete.« Mr. Risk machte eine lange Pause, um sich zu sammeln. »Er hatte die grausamsten Todesinstrumente in seinem Keller stehen, die man nicht mit bloßen Worten hätte beschreiben können. Er erfand die bestialischsten Mordarten, die nur ein Irrer hätte sich vorstellen können - er setzte sie um. Mr. Risk sah das Töten als eine Kunst an, eine Kunst, die man nichts erlernen kann. Vielleicht sogar eher eine Begabung. Nicht jeder kann eine dahergelaufene Person ermorden. So etwas kostet Überwindung und Erfahrung.« Mr. Risk schien sich in das Thema so sehr hinein zu fühlen, dass er sogar vergaß, wann er an der Reihe war. »Mr. Risk war vernarrt in den Tod - vor allem aber in den Mord. Deswegen sollten seine Gefangenen für ihn schuften - sie sollten ihm die Mordinstrumente bauen und sie ausprobieren« erzählte Mr. Risk und hatte eine bedrohliche Stimme angenommen. »Eines Tages da dachte ich zum ersten mal richtig nach. Gab es etwas Schlimmeres als den Tod? Nein, im Gegenteil: Es war die einzige Erlösung. Es war sogar etwas Schönes, wenn man es so betrachtete. Lieber tot als hier zu schuften. Also plante ich jahrelang einen Fluchtplan, von dem niemand - nicht mal meine Mitarbeiter - etwas mitbekamen. Und er war eigentlich ganz schlicht: Ich wollte Mr. Risk sagen, dass ich den Müll hinaus bringen würde und dann die Villa durch das große Tor verlassen. Soweit so gut, dachte ich, und begann mit der Durchführung meines Plans.« »Ich verbrach den Rest meines Tages am Eingangstor, sah zu, wie der Müll im Eimer immer mehr wurde und schließlich beschloss ich, dass ich nun gehen konnte. Ich teilte einem meiner Kollegen mit, dass ich den Müll hinaus bringen war, falls jemand fragen würde. Also marschierte ich hinaus, den Müllbeutel über der Schulter baumelnd. Ich war gerade damit beschäftigt, den Müll möglichst unauffällig in der Tonne zu verstauen. Geschafft! Nun ging ich zum riesigen, eisernen Zaun. Ich hatte den Schlüssel für das Tor - er war mir in all den Jahren Pflicht anvertraut worden. Also schloss ich das Tor ohne Bedenken auf. Doch plötzlich durchfuhr mich ein eiskalter Schauer und ich hörte Schritte...« Mr. Risk verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen. »Und Mr. Risk stand vor mir. Er starrte herrschend auf mich herab und ich blieb wie angewurzelt stehen. Ich konnte nicht fliehen, dafür war es jetzt zu spät. Nicht nur weil ich mich nicht bewegen konnte, sondern auch, weil ich keine Chance gegen ihn gehabt hätte. Ich fühlte mich schlecht, denn ich hatte meinen Meister hintergangen. ›Mein Sohn‹ sagte er plötzlich mit kühler Stimme und ich erschrak. ›Ich habe dir fürchterliches Unheil angetan - es war falsch von mir. Ich sehe, dass du zu weitaus mehr in der Lage bist, als dass ich dich eingeschätzt hätte.‹ Und plötzlich verstand ich - er nannte mich nicht ohne Grund seinen Sohn - ich war sein Sohn! Er hatte mich damals verstoßen und ausgesetzt! Mir wurde plötzlich alles furchtbar klar und ich musste weinen. Weinen, über die Wahrheit. ›Würdest du mir noch einen letzten Gefallen tun?‹ bat Mr. Risk mich und sah mich aus seinem blassen Gesicht an. ›Würdest du mich bitte töten?‹ ›Ja, Vater. Mit Vergnügen‹ antwortete ich und zückte ein Messer aus meiner Gürteltasche. Ich war fest entschlossen, ihn zu töten. Er hatte mir furchtbares angetan.« Ich lauschte Mr. Risks Erzählungen und hatte selber schon seit einer Ewigkeit meine Hand nicht mehr geregt, außer dem ständigen Zittern, dass sie durchzuckte. Mr. Riskt fuhr fort: »Verzeih mir bitte, wenn ich nicht in allen Einzelheiten erzähle, was ich danach mit dem Messer anstellte. Nun - als Mr. Risk tot war - schlüpfte ich in sein Gewand, nahm Zylinder und Stab und schwor mir, allen das Leben so schwer zu machen, wie er es mit mir getan hatte - doch nicht so, wie er, nein! Viel schlimmer sollte es sein! Viel extremer! Meine Rache war mit dem Tod meines Vaters noch lange nicht beendet. Von nun an war ich Mr. Risk.« Ich war während seines Berichtes erstarrt. Mein Gesicht hatte längst die Farbe verloren und war kreidebleich geworden. Mr. Risks Lebenssinn bestand also nur aus Rache. Deswegen tat er mir das alles an - deswegen war sein Hass so groß. ![]() VII. Unverzeihlich Mr. Risk lächelte. »Du wirst mich nun noch mehr für ein Monster halten. Du wirst mich verabscheuen und noch mehr hassen, als du es sowieso schon tust. Wir sollten eigentlich Freunde sein, nach dem wir uns schon so lange kennen. Doch ich habe alles kaputt gemacht, durch meinen unendlichen Hass und mein verschobenes Weltbild. Dadurch, dass ich nichts als Rache verspüre!« Er erhob sich und schmiss die Karten auf den Tisch. Doch nicht als Zeichen dafür, dass er sein Deck anpreisen wollte, sondern dafür, dass er hiermit das Spiel beendete. Er hätte gewonnen - locker. Doch er tat es nicht. Mir zur Liebe, da war ich mir sicher. »Es läuft so viel falsch in meinem Leben! Ich mache so viel falsch in meinem Leben! Willst du wissen, was geschah, als ich meinen Vater getötet hatte? Ich vereinsamte. Ich wurde unglücklich. Doch das Sterben und Quälen anderer heiterte mich immer wieder auf. Eines Tages liefst du mir über den Weg und ich begriff, dass ich nicht wie mein Vater war. Ich wusste, dass nicht das Sterben und Quälen anderer das war, was ich wirklich wollte. Doch ich ließ es mir nicht anmerken, da ich nichts anderes hatte. Ich lebte weiter so, mit dem Ziel, immer grausamer und furchtbarer zu werden - und es gelang mir.« Mr. Risks Stimme war mittlerweile flüsternd und bedrohlich. »Ich wurde gehasst. Von allem und jedem, dass mich kannte. Ich versuchte, all das zu genießen und mir meine Vorteile davon zu ziehen. Sehr lange lebte ich mit dieser Einstellung. Doch als ich dich eines Abends verlieren ließ und somit auch deinen Hass auf mich zog, traf es mich, wie einen Schlag. Du warst damals der einzige, den ich hatte. Der einzige, der (verhältnismäßig) zu mir hielt. Und plötzlich warst auch du komplett gegen mich und ich hatte niemanden mehr.« Mr. Risks Rede rührte mich sehr. Ich konnte sehr gut nachempfinden, wie es ihm damals gegangen haben muss. »Ich weiß nicht, ob du dir das so wirklich vorstellen kannst - es war das furchtbarste, was ich jemals fühlte. Ich musste quälen und töten, doch ich wollte nicht. Ich wollte dir nicht wehtun. Aber ich konnte einfach nicht anders. Du wirst mir all das nie verzeihen, das weiß ich auch. Aber ich möchte, dass du weißt, wie sehr es mir Leid tut, auch wenn ich es nicht zeigen kann. Ich kann nichts mehr mit meinem Leben machen, ich habe es mir selbst verbaut. Meinetwegen bin ich so grausam und das kann ich nie wieder rückgängig machen.« Mr. Risk lief aufgeregt in dem finsteren Raum auf und ab, als schien ihm noch irgendetwas auf der Zunge zu brennen, was er noch nicht ausgeplaudert hatte. »Ich kann das nicht alles wieder gut machen, was ich dir und allen anderen angetan habe. Es ist nicht wieder gut zu machen. Deswegen habe ich mir schon länger etwas überlegt...« Mr. Risk machte eine lange Pause und ließ den Satz so im Raum stehen. Ich brannte vor Neugier. »...Ich will sterben.« Ich wollte etwas erwidern, ihn mit Fragen durchlöchern und ihm dringend davon abraten, doch mein Zustand ließ es nicht zu. Ich brachte keinen Laut über die Lippen. »Ich weiß, dass du dieses Spiel Pallere gegen mich gewinnen könntest. Und ich wollte es dich auch gewinnen lassen, falls es nicht so wäre - doch warum soll ich es solange hinaus zögern? Es wäre dasselbe.« Mr. Risk lächelte mild und hob die Hand, als würde er winken. »Leb wohl, Rumo. Ich hoffe, dass ich wenigstens damit etwas wieder gut machen kann.« Mr. Risk fasste sich an seinen Gürtel und zückte ein blitzendes Messer hervor. Daran klebte trockenes Blut - wahrscheinlich das seines Vaters. Mir lief es kalt den Rücken herunter. Ich wusste was jetzt geschah, als er das Messer auf sich zu schnellen ließ und ich wusste, dass er nicht mehr zu stoppen war. Ich sah weg. Eine Träne lief meine Wange hinunter und zerplatzte am Holzboden, als ich die Augen zusammen kniff. Ich hörte einen lauten Knall und wusste, dass Mr. Risk im Reich der Toten angekommen war. Seine Leiche lag leblos am Boden. ![]() VIII. Vereint Ich wusste nicht, wie lange ich noch so starr da stand und Mr. Risks toten Körper musterte - es kam mir vor, wie eine Ewigkeit. Die Tränen kullerten unaufhaltsam über meine Wangen. Plötzlich klopfte es an der Tür. Ich zuckte zusammen, wie unter einem Peitschenhieb und zitterte noch stärker, als zuvor. Mein Blick löste sich schmerzhaft von der Leiche und ich musterte die Tür. Plötzlich flog sie auf, und eine Lichtflut schien hinein. Ich blinzelte. Da stand Mora. Ich fiel ihr ohne Worte in die Arme und weinte. Obwohl wir uns noch nicht sehr lange kannten, wussten wir, dass wir für einander bestimmt waren und nichts uns mehr trennen könnte. Warme Tropfen landeten auf meinem Fell - Auch Mora weinte. Es schien mir, als wüsste sie nur zu genau, was alles abgelaufen wäre, als wüsste sie über alles Bescheid. Als hätte sie mich die ganze Zeit über beobachtet und begleitet - in meinem Herzen. |

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Werden wohl in Bälde folgen, sobald sich jemand der Oberen dazu bequemt, sie zu kreieren..Hab Geduld, du wirst sie brauchen. 8D

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Petpage by Ben & Zo
(Moonvee & Herzlose)
