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Hallo, guest. Mein Name ist Phantomdrache. Nett, dass du meine PP besuchst. Vermutlich bist du hier um meine Geschichten zu hören, aber klaue weder die Geschichten, noch die Bilder!
Die Pets, die die Hauptrollen in diesen Geschichten spielen gehören alle Lenoragirl, aber wundere dich nicht, wenn sie hier mit Farben beschrieben werden, die sie noch nicht haben. So werden wir jedenfalls mal aussehen. Falls du mehr darüber erfahren willst, schau hier.




1. Teil: Phantomdrache der Wächterdraik
2. Teil: Der Rubinstab
3. Teil: Lenoragirls Pets
4. Teil: Flagge klauen
5. Teil: Eine geniale Idee
6. Teil: Der Krawk und das Untier
7. Teil: Die Geschichte des Knochenprinzen
8. Teil: Der Plan
9. Teil: Gefährliche Gassen
10. Teil: Ein unerwarteter Verbündeter
11. Teil: Die Maske der Angst
12. Teil: Wildniss
13. Teil: Der wilde Lupe
14. Teil: Der Kampf um den Wald
15. Teil: Geschichtennacht
16. Teil: Wie ein Welpe
17. Teil: Machtkampf
18. Teil: Die Legende des Ozeans



Die Hauptrollen:

Alternativtext,wenn bild nicht angezeigt Name: Phantomdrache
Spitzname: Phantom/Dark
Geschlecht: Männlich
Größe: 157 cm
Gewicht: 47kg
Fell-/Hautfarbe: Sandfarben/Hellgelb
Augenfarbe: Hellblau
Waffen: Rubinstab (Draik-Stab), Säbel
Stärken: Sehr gute Kampfausbildung, sehr guter Feuerspeier
Schwächen: Nicht sehr guter Flieger, handelt unüberlegt
Petpet: Noch keins




Royalboy Draik Name: Oraishio
Spitzname: Mac
Geschlecht: Männlich
Größe: 160 cm
Gewicht: 45kg
Fell-/Hautfarbe: Azurblau/Himmelblau
Augenfarbe: Saphirblau
Waffen: Rillionstab (Draik-Stab), Dolch
Stärken: Sehr guter Flieger, behält immer kühlen Kopf
Schwächen: Kein ausdauernder Kämpfer
Petpet: Tinky, geflecktes Puppyblew




halloween Uni Name: Kaniaba
Spitzname: Kana
Geschlecht: Weiblich
Größe: 126 cm (Stockmaß)
Gewicht: 47kg
Fell-/Hautfarbe: Schmutzgrün/Schwarz
Augenfarbe: Rot, pupillenlos
Waffen: Keine
Stärken: Schneller, ausdauernder Läufer, ausgezeichnetes Sehvermögen, heftiger Tritt
Schwächen: Aufbrausend
Petpet: Joulan, Gruslen




schatten Krawk Name: Caliscunn
Spitzname: Bone
Geschlecht: Männlich
Größe: 155 cm
Gewicht: 56kg
Fell-/Hautfarbe: Schwarz/Azurblau
Augenfarbe: Orange
Waffen: 2 Breitschwerter, 2 Kurz-Armbrüste
Stärken: Gut im Umgang mit sämtlichen Waffen, sehr schnell
Schwächen: Kann nicht springen
Petpet: Nighjel, Niptor


geflecktes Lupe Name: Andirin
Spitzname: Wild
Geschlecht: Männlich
Größe: 88 cm Schulterhöhe
Gewicht: 58kg
Fell-/Hautfarbe: Weiß-braun-schwarz gefleckt/grau
Augenfarbe: braun
Waffen: Zähne und Krallen
Stärken: Sehr schnell und ausdauernd im Laufen, guter Springer, gut im Verstecken und Hinterhaltsangriffen
Schwächen: lässt sich nicht helfen
Petpet: Windbreaker, Quilin



braunes Hissi mit Diebeskleidung Name: Schattenkaempferin
Spitzname: Storm
Geschlecht: Weiblich
Größe: 51 cm Komplettlänge
Gewicht: 30kg
Schuppen-/Hautfarbe: dunkelbraun/hellbraun
Augenfarbe: grün
Waffen: Mehrere Dolche und Wurfsterne
Stärken: Kann sich nahezu unsichtbar machen, lautlos anschleichen, gut in Blitzangriffen, überaus wendig
Schwächen: wenig Kampfkondition, wird bei längeren Kämpfen schnell schwach, ebenso bei längeren Flügen
Petpet: Feuerflügel, Vaeolus




Die Nebenrollen:

Kajatza, Eyrie, darigan
Kurz Kaja, Pet von Leno
Anführer, stets recht gelassen, wirkt manchmal kühl, kann aber sehr wütend werden, weise
außerordentlich guter Kämpfer, keine Waffen

Celongil, Eyrie, rot
Kurz Klick, Pet von Leno
Sehr klug, guter Schwimmer, meisten ruhig, aber für den ein oder anderen Spaß zu haben
kämpft nicht gerne, keine Waffen

Leopardenauge, Kougra, fleckig
Kurz Lion, Pet von Lenoragirl
listig und kühl, extrem schnell und flink, gut im Klettern, überschätzt sich aber leicht
Kämpft nicht vorrausschauend, ist für viele Gegner aber viel zu schnell, keine Waffen

Talathar, Ogrin, blau
Kurz Tal, Pet von Leno
Einzelgängerhaft, ruhig, meidet großen Trubel und lässt sich nur schwer zu etwas überreden
kämpft, als Ogrin, kaum, kann aber mit der Armbrust umgehen

Kaprimani, Lupe, tyrannisch
Kurz Kaps, Pet von Leno
Wild, oft verspielt, aber stark und behält im rechten Moment immer einen kühlen Kopf
sehr gut im Nahkampf, keine Waffen

Cetaro, Lupe, piratisch
Kurz Cet, Pet von Leno
Liebt es zu Segeln, Kapitän, Energiegeladen, gut im Umgang mit Schiffen und im Einschätzen von Situationen und sich ihnen anzupassen
gut im Nah- und Waffenlosen Kampf, manchmal Säbel

Tayroan, Kougra, piratisch
Kurz Tay, Pet von Leno
Verspielt, liebt es zu segeln, etwas überheblich, manchmal voreilig, sehr gut im Klettern
Wilder Kämpfer, kann Gegner oft nicht einschätzen, keine Waffen

Silithcelon, Cybunny, rot
Kurz Swamm, Pet von Leno
Ausgezeichnete Schwimmerein, sehr Energiegeladen, gewitzt, verspielt, sitzt gerne im Ausguck eines Schiffes
Kämpft kaum, kann mit den Hinterpfoten aber kräftig austeilen, selten Säbel

Varad, Draik, maraquanisch
Kurz Varad, Pet von Funkentanz
Freundlich und Hilfsbereit, eher ruhig, liebt Sterne
keine Erfahrung im Kampf, keine Waffen

Segeltuch, Hissi, piratisch
Kurz Segeltuch, Pet von Cooltari
meistens sehr ruhig, gut im Navigieren und Karten lesen
vorsichtig, aber selbstsicher im Kampf, Schwert

Ryrador, Eyrie, piratisch
Kurz Ryrador, Pet von amaterasu__
verschlossen, aber entschlossen, guter Kapitän
sehr stürmisch trotz großer Erfahrenheit im Kampf, keine Waffen

Aphadia, Poephin, darigan
Kurz Dia, Pet von cati777
eher unerfahrene Kämpferin, die dennoch im richtigen Moment richtig reagieren kann, Wassermagie

Chanyba, Xweetok, feurig
Kurz Flame, Pet von Leno
Unübertroffen im Klettern, junges Benehmen, sehr verspielt, manchmal etwas eitel
kämpft ungern, keine Waffen

Cryptoss, Eyrie, mutantisch
Kurz Cat, Pet von Cati, ehemals Leno
Sehr jähzornig, aber auch sehr intelligent. Führlt sich in der Dunkelheit m wohlsten, sieht kaum was, hört aber so ausgezeichnet, dass er es damit verbergen kann.
Sehr wilder Kämpfer, beherrcht ungewöhnliche magische Anriffe, keine Waffen

Leopardenauge, Kougra, fleckig
Kurz Lion, Pet von Leno
Extrem schnell und recht ausdauernd, sehr flink, schlau, vorrausschauend
flinke Kämpferin bei der man das Gefühl hat gegen ein ganzes Rudel Kougras anzutreten, keine Waffen

Torikim, Aisha, stinktier
Kurz Ti, Pet von Leno
Sehr verspielt, selten ernst
kämpft nicht, keine Waffen

Rixyu, Kougra, feurig
Kurz Sun, Pet von Leno
Energiegeladen, verspielt, schüchtern, etwas Einzelgängerhaft, leicht aufbrausend
Kämpft selten, aber wenn, dann richtig, keine Waffen

Sathassa, Hissi, blau
Kurz Sath, Pet von Leno
Sehr frech, sarkastisch, überheblich, aber in gefährlichen Fällen vorsichtig und feige
Kämpft kaum, selten Schwert

Lotusstaub, Xweetok, blau
Kurz Fey, Pet von Leno
Immer ruhig, sehr freundlich, gut im Umgang mit Pets aller Charaktere, wie Petpets, gut im Geschichten erzählen
Kämpft äußerst ungern, keine Waffen

Corracu, Kougra, mutant
Kurz Coco, Pet von Leno
Sehr verspielt und voreilig, meistens Taktlos, kindisch, Energiegeladen
Kämpft zwar gerne, aber nicht gut, zu überheblich im Kampf, keine Waffen




1. Teil: Phantomdrache, der Wächterdraik

Die Sonne brannte heiß vom Himmel und der kochende Sand rann ihm in die Sandalen. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und doch war weit und breit kein Schatten in Sicht, geschweige denn ein Stadt.
Keuchend fiel er auf die Knie. Kurz bevor er ohnmächtig wurde, sah er noch, wie etwas wuscheliges über ihn trat.

Als er wieder zu sich kam fiel ihm als erstes auf, dass es recht kühl um ihn war. Das zweite war, dass er auf einer weichen Matratze lag.
Er öffnete die Augen. Er befand sich in einem Zelt. Vermutlich war er noch immer in der Wüste. Langsam drehte er den Kopf. Neben dem Bett stand ein königliches Draik, das einen goldenen Stab hielt.
Er richtete sich auf. *Endlich aufgewacht, Schlafmütze*, sagte der Draik. Er grinste. *Wer bist du?*
*Ich...*, seine Stimme klang, als wäre sein Hals voller Sand. *Ich heiße... Phantomdrache.*
Der fremde Draik sah ihn überrascht an. *Eindrucksvoller Name*, murmelte er. *Ich bin Oraishio.*
Plötzlich trat ein Lupe durch den Zelteingang. Es war ein tyrannisches Lupe mit kurzen Stoßzähnen. *Das ist Kaprimani*, stellte Oraishio den Neuankömmling vor. *Er hat dich gefunden.*
Kaprimani stellte sich neben das Bett. *Du bist zwar ein Wüstendraik, aber was hast du ohnmächtig mitten in der Wüste gemacht?*
Phantomdrache erbleichte, als er sich erinnerte. *Die Grarrls. Der Rubinstab!*
*Der Rubinstab?*, fragte Oraishio.
Phantomdrache hielt sich erschrocken das Maul zu. Mist, habe ich das laut gesagt?, dachte er und legte sich wieder auf die weiche Matratze. Eine ganze Zeit herrschte Stille. Phantomdrache wusste, dass die beiden anderen Pets ihn anstarrten und versuchte zwanghaft ihren bohrenden Blick nicht zu erwidern. Doch er schaffte es nicht und drehte schließlich den Kopf zur Seite. *Was?*, fragte er unschuldig.
*Was ist mit dir passiert?*, wollte Kaprimani wissen.
Phantomdrache starrte wieder an die Zeltdecke. Der Stoff war dunkelgelb und orange gestreift. Vielleicht ein Tarnzelt, dachte er. Nach einer weiteren Zeit drückender Stille drehte der Draik erneut den Kopf und starrte den Stab des fremden Draiks an. Woher kannte er diesen Stab? Er konnte sich nicht erinnern.
*Ich habe schon von dem Rubinstab gehört*, sagte der fremde Draik. Das hatte Phantomdrache befürchtet. Dieser Oraishio machte den Eindruck eines Abenteurers. Bestimmt war er schon viel herumgekommen.
*Das ist ein Draik-Stab, nicht wahr?*, fuhr Oraishio fort.
Phantomdrache starrte wieder an die Decke und antwortete nicht. *Was ist mit dir passiert?*, wiederholte Kaprimani in scharfem Ton. Der Wüstendraik seufzte und richtete sich auf. *Ich... ich weiß es nicht genau.*
Konnte er diesen fremden Pets erzählen was passiert war? Dieser Oraishio war ein Stabträger, aber machte ihn das vertrauenswürdig? Andererseits würde er allein nicht zurecht kommen, seine Heimat war zerstört, seine Freunde tot oder verschwunden.
Dann beschloss er dem fremden doch zu erzählen, was passiert war. Immerhin hatten sie ihn gerettet und er war nicht bei einer wilden Karawane auf ein Uni gebunden, sondern lag in einem weichen Bett in einem kühlen Zelt.
Phantomdrache seufzte erneut. *Ich war Wächter des Rubinstabes in einer versteckten Stadt irgendwo in der Wüste. Ich habe diese Stadt bisher nur selten verlassen. Vor einigen Tagen wurden wir von einer Überzahl Grarrlräuber überfallen. Sie gruben sich unter der Stadtmauer hindurch, ohne dass wir es bemerkten, mitten in der Nacht. Und sie plünderten unsere Stadt. Ich weiß nicht genau, was passiert ist, ich bin geflohen, als die Situation aussichtslos erschien. Aber bestimmt haben sie den Stab gestohlen, auf den sie es schon länger abgesehen hatten.
Die anderen Pets schwiegen wieder für eine Weile.
*Was bedeutet es, dass die Grarrls den Stab haben?*, fragte Kaprimani schließlich.
*Wenn sie ein Draik auf ihrer Seite haben und herausfinden wie er funktioniert... . Garantiert nichts gutes für Sakhemt und Qasala. Spione haben vor einiger Zeit erfahren, dass sie es schon länger auf die großen Städte der Wüste abgesehen haben.*
Phantomdraches Blick blieb an dem Stab hängen, den Oraishio trug. *Oraishio...*, sagte er, doch der Draik hob die Klaue und unterbrach ihn. *Bitte, nenn mich Mac, das tun alle.* *Ich werde Kaps genannt*, fügte zögerlich Kaprimani hinzu. Phantomdrache schien es, als traue auch der Lupe ihm nicht.
*Gut, dann könnt ihr mich Phantom nennen*, sagte Phantomdrache zögerlich. Er wandte sich wieder an Mac. *Der Stab den du trägst...* *Ja, das ist auch einer der zwölf Draik-Stäbe*, beantwortete Mac die unvollendete Frage. Er sah Kaps an. *Ich weiß, was diese Stäbe anrichten können, wenn sie in den falschen Händen sind*, sagte er.
Kaps nickte nachdenklich. *Also wäre es das beste wenn wir den Stab zurück hohlen*, schloss Kaps.
Phantom starrte die beiden an. Konnte er ihnen trauen. Die Geschichte zu erzählen war eine Sache, aber sich auf eine höchst gefährliche Mission zu begeben, eine ganz andere. Zudem konnte es immer noch sein, dass die fremden den Gewinn für sich beanspruchten. Zweifellos war Phantom gut ausgebildet, aber ohne Waffe gegen ein Draik mit einem mächtigen Stab und einen wilden Lupe mit Armdicken Hauern anzutreten, das grenzte doch irgendwo an Selbstmord.
Mac lächelte beim Anblick von Phantoms erschrockener Miene. *Du traust uns nicht*, sagte er gelassen.
Phantom antwortete wieder nicht. Kaps fing an zu lachen. *Hey, du bist doch jetzt Obdachlos, oder?*, sagte er zu Phantom. Dieser nickte. *Also entweder kannst du wieder in die Wüste spazieren, bis du ohnmächtig wirst, oder du hilft uns eine gefährliche Waffe aus der Hand von Feinden zu befreien, die sowieso nur du tragen kannst, da, wie Mac mir einmal berichtete, kein Draik zwei Stäbe tragen kann, eh nur du behalten kannst und kommst anschließend mit uns mit. Wenn du willst kannst du auch danach in die Wüste Spazieren und dich erneut von Banditen plündern lassen, obwohl ich das nicht unterstützen würde.*
Phantom war verdutzt. Wirklich genommen hatte Kaps ihm seine furcht vor den fremden nicht, aber er hatte es doch sehr auf den Punkt gebracht, was Phantoms Möglichkeiten waren. *Okay*, sagte er schließlich und atmete einmal tief durch.
Zufrieden verließ Kaps das Zelt, während Phantom aufstand. Erst jetzt viel ihm auf, dass er seine Sandalen nicht trug. Er sah sich im Zelt um. Es war vollgestopft mit allerlei Kisten, Krügen und Tontöpfen, auf einer der Kisten Saß ein geflecktes Puppyblew und wedelte aufgeregt mit dem Schweif. Aber seine Sandalen waren nirgends zu sehen.
*Du musst sie irgendwo in der Wüste verloren haben*, sagte Mac, der seine Gedanken zu lesen schien und ihm einen Kelch Wasser und ein Stück Omelett reichte. Gierig verschlang der hungrige Phantom die Mahlzeit.
*Wo sind wir eigentlich?*, fragte Phantom, als sie anschließend das Zelt verließen. *In der Nähe von Sakhemt*, antwortete Mac.

Draußen vor dem Zelt stand ein weiteres Pet. Ein halloween Uni, das Heu vom Boden fraß. *Auch endlich wach*, murrte die Unidame mit vollem Maul. Ihre Stimme klang so silberhell, dass es fast unheimlich war. *Das ist Kaniaba*, erklärte Mac, *wir nennen sie Kana.*
*Wie weit ist es zu der verborgenen Stadt?*, fragte Kaps.
Phantom kratzte sich unsicher unter dem Turban. *Ein halber Tagesflug*, sagte er schließlich.
*Gut*, meinte Kaps und verschwand wieder im Zelt. Kurze Zeit später kam er mit einigen vollgepackten Satteltaschen auf den Stoßzähnen wieder heraus und reichte sie Mac, der sie geschickt auf Kanas Rücken befestigte.
Sie zogen los. Kana und Kaps liefen mit rasender Geschwindigkeit, während Mac und Phantom über ihnen dahinflogen.
Doch Phantom war noch immer erschöpft und sackte hin und wieder ab. Schließlich erreichten sie die Stadt, die sich am Horizont nur als große Düne abzeichnete. Je näher sie kamen umso mehr glich sie einer verfallenen Ruine.
*Sie haben alles zerstört*, murmelte Phantom verbittert sich selbst zu.
Kaps und Kana wurden am Rand der Stadt langsamer, doch Phantom flog bis zur Mitte, wo einst ein hoher Turm gestanden hatte in dem der Stab verwart worden war. Auch der Turm war völlig zerstört. Er traf Kaps und Kana am Rand der Turmruine. Die beiden Pets hatten sich durch die Überreste der verfallenen Stadt gekämpft und nichts als Zerstörung gefunden. Auch Mac stieß zu ihnen hinab. *Ich habe keine Ahnung, wo sich die Grarrls aufhalten*, gab Phantom schließlich zu, nachdem die vier eine ganze Weile nur auf die Überreste des einstmals prächtigen Turmes gestarrt hatten.
*Dann finden wir es eben heraus*, rief Kaps und nahm die halb verwischten Spuren am Boden genauer in Augenschein. Die großen Grarrlklauen waren leicht von Draiktatzen und anderen Spuren zu unterscheiden.
Kaps schnüffelte und folgte den Spuren bis zum Rand der Stadt. *Sie sind Richtung Süd-Osten verschwunden*, sagte Kaps schließlich.
*Dann nichts wie los!* Phantom und Mac schwangen sich wieder in die Lüfte, während Kaps und Kana am Boden liefen.
Das Land, das unter ihnen dahinzog schien sich überhaupt nicht zu verändern. Meile um Meile ließen sie hinter sich, doch immer tauchten am Horizont nur neue Dünen auf, neue Meilen voller Sand. Phantom wunderte sich wie schnell und ausdauernd die beiden Pets unter ihm laufen konnten.
Phantom spürte seine Schultern bald, als wären sie verletzt und schließlich drohte er abzustürzen. Mac fing ihn gerade noch auf und setzte ihn am Boden ab. *Du solltest bescheid sagen, wenn du nicht mehr fliegen kannst*, brummte Mac. Phantom stöhnte nur.
Mac wandte sich Kana zu, die mit Kaps etwas vor ihnen stehen geblieben war. *Kann er auf dir reiten?*, fragte Mac sie. Eine Zeit herrschte Stille. Dann nickte sie wiederwillig. Mac löste die Gurte, die die Satteltaschen hielten und befestigte sie auf Kaps Rücken. Phantom kletterte unbeholfen auf Kanas Rücken und verkrallte seine Klauen in ihre strähnige Mähne.
Sie setzten ihren Weg fort, noch immer in sehr zügigem Tempo, während die Sonne sich dem Horizont näherte. Immer öfter musste Kaps die Fährte neu aufnehmen. Als es schließlich so dunkel wurde, dass sie Mac über sich nicht mehr sehen konnten kam der Draik zu ihnen hinab und lief zwischen Kana und Kaps, die ihr Tempo zum Schritt verlangsamt hatten.
Hunger und Durst nagten an Phantoms Kraft. Doch als hätte Mac seine Gedanken gelesen holte dieser Omeletts aus den Satteltaschen und verteilte sie. Schließlich zog er auch Wasserschläuche hervor und gab einen erst Phantom, bevor er einen anderen Kana über den Kopf hielt, damit diese sich strecken und trinken konnte. Bei Kaps machte er das gleiche.
Bald war es so dunkel, dass nur noch die funkelnden Sterne und Kanas Hufe ihnen eine Lichtquelle darboten. *Ich kann überhaupt nichts mehr sehen*, knurrte Kaps, als er mit der Vorderpfote gegen einen vertrockneten Ast stieß. Kana kicherte. Sie konnte nicht nur in völliger Dunkelheit sehen, ihre Hufe spendeten auch noch nicht zu ihren Füßen. Kaps knurren wurde tiefer.
*Reg dich ab, Kaps*, meinte Mac und griff erneut in die Satteltaschen um eine Hand voll Holzstäbe heraus zu ziehen. Er wiegte die Fackeln in der Hand und steckte dann alle bin auf zwei zurück. Eine davon gab er Phantom, die andere hielt er Kana an die Füße. Phantom beobachtete verwundert, wie die Fackel Feuer fing. Als Mac sie in die Höhe hielt, damit Phantom seine daran anzünden konnte sah der Wüstendraik ihn nur überrascht an. *Kannst... kannst du kein Feuer speien?*, fragte Phantom schließlich. Mac schüttelte den Kopf.
Phantoms Maul blieb vor Überraschung offen stehen. Er hielt seine Fackel vors Gesicht. Eine kleine Flammenzunge schoss aus seinen kaum geöffneten Maul und entzündete die Pechfackel.
Kana und Kaps waren stehen geblieben um ihm dabei zuzusehen. *So was lernt man doch als erstes*, sagte Phantom dann. Mac blieb stumm und starrte zu Boden. Sie setzten ihren Weg fort. Nach einer weiteren Stunde sagte Kana plötzlich: *Seht ihr das?*
Alle folgten ihrem Blick, doch niemand konnte etwas erkennen. *Dort erhebt sich ein Felsen*, sagte sie.
Erst als sie näher kamen konnten auch die anderen die dunklen umrisse eine großen, viereckigen Steines sehen. *Das muss ihr Unterschlupf sein*, sagte Kaps.
Je näher sie kamen desto bedrohlicher wirkte der riesige Stein, der sich zwanzig Meter über ihre Köpfe hob. Noch etwas entfernt versteckten sie sich hinter einer großen Düne und löschten die Fackeln.
*Außen stehen keine Wachen*, sagte Kana. *Ok. Ihr beide bleibt hier draußen*, sagte Mac zu Kana und Kaps. Sie nickten. Mac bedeutete Phantom ihm zu folgen und lautlos flogen sie zum flachen Gipfel des Hügels. Auch hier oben standen keine Wachen, doch sie fanden einen Eingang. Es war nicht mehr, als ein Loch im Boden, durch das sie sich nur mit Mühe zwängten.

Als Phantom neben Mac auf dem Boden eines steinernen Ganges landete, hörten sie Schritte und Klirren näher kommen. *Da hinein*, zischte Phantom und öffnete eine nahestehende Tür. Es war eine Art Kleiderschrank in der Rüstungen der Grarrls verstaut waren.
*Das ist gut*, murmelte Phantom und griff nach einer Rüstung. Mac begriff was er vorhatte, als Phantom sie anzog und griff ebenfalls nach einer. Sie verbargen die Flügel in den breiten Brustpanzern und stülpten sich große Helme über um die großen Ohren zu verbergen. Phantom fand außerdem einen seltsamen Umhang, der von der Mitte abwärts geteilt war und dessen Enden spitz zuliefen. Er gefiel ihm, also warf er ihn sich über.
Als die Schritte auf dem Gang verstummt waren verließen sie so leise wie möglich die Waffenkammer. *Jetzt müssen wir nur noch rausfinden, wo sie den Stab verstecken*, sagte Mac im Flüsterton.
*Das ist nicht schwer*, erwiderte Phantom, *Es ist der Ort, den sie am besten bewachen.*
Trotz ihrer Tarnung waren sie darauf bedacht niemandem zu begegnen, während sie durch die zahlreichen Gänge des Bauartigen Hügels schlichen. Schließlich kamen sie in eine große Halle. Sie standen auf einem Geländergang. Die Mitte des Hügels schien hohl zu sein und jede Etage war mit einem Geländergang an diesen Hohlraum angeschlossen. *Sieh mal, da oben*, flüsterte Phantom und deutete hinauf.
Mehrere verschiedene Petpets kreisten in der Nähe der obersten Etage schräg über ihnen. *Das sollten wir uns ansehen.*
Sie gingen in den Gang zurück und liefen an zahlreichen Türen vorbei bis sie etwas wie ein Treppenhaus fanden und hinaufstiegen.
Als sie endlich das Ende der langen Treppe erreichten, waren sie wieder auf dem Geländergang, diesmal nur auf der obersten Etage. *Na toll, da hätten wir ja gar nicht erst nach unten steigen müssen*, knurrte Phantom leicht außer Atem. Rechts von ihnen Kreisten die Petpets vor einer Tür, die von zwei Grarrls bewacht wurde.
*Was macht ihr hier oben?*, fauchte der eine, der sie entdeckte.
*Wach... Ablösung*, antwortete Mac zögerlich.
*Na endlich*, knurrte der Grarrl, *Ihr seit mal wieder viel zu spät.*
Er stapfte mit seinem Kumpan an ihnen vorbei und schlug Mac dabei gegen den Helm. Mac atmete erleichtert aus. Phantom warf ihm einen Blick von der Seite zu. *Das hätte leicht schief gehen können*, sagte er.
*Hättest dir ja was besseres einfallen lassen können*, zischte Mac zurück.
Sie näherten sich der Tür. *Was werden wohl die Petpets tun, wenn wir sie öffnen?*, zischte Mac.
*Nur ein Weg das rauszufinden*, erwiderte Phantom und öffnete die Tür. Es war ungewöhnlich genug, dass sie nicht verschlossen war. Die Petpets schenkten ihnen keine Beachtung.
Sie sahen in den Raum. Er war völlig leer, bis auf ein Podest in der Mitte, auf dem der Rubinstab platziert war. Rubinstab Phantom keuchte ehrfürchtig und ging darauf zu. Mac blieb auf halbem Weg stehen und sah sich zum Gang um, der bis auf die Petpets ausgestorben war. *Das war viel zu einfach*, sagte er misstrauisch.
Phantom ergriff den Stab. Der Schaft war aus dunklem Holz, dennoch erglühte er, als der Draik ihn ergriff und von seinem Sockel hob. Das Glühen ging auf den breiten goldenen Reif über und dann auf den glänzenden Rubin an der Spitze, der erstrählte und Phantom und Mac einen Moment blendete. Dann verstummte das Leuchten wieder. Beide Draiks starrten gebannt auf den Stab, als erwarteten sie, dass noch mehr geschah.
Phantom stellte die scharfe Spitze auf dem Boden ab, als Plötzlich: *Hey! Was macht ihr da?!*
Zwei Wachen standen an der Tür und zückten ihre Schwerter.
Mac zögerte keine Sekunde, hob seinen eigenen Stab, ein Blitz fuhr aus der Kugel zwischen zwei gebogenen Haltern und in den einen Grarrl hinein, der augenblicklich ohnmächtig zusammen sackte. Der andere jedoch kam mit lautem Gebrüll auf Mac zu. Dieser parierte den Schwerthieb mit seinem Stab und stieß das andere Ende in eine Ungeschützte Stelle zwischen die stählernen Panzerplatten der Rüstung. Der Grarrl jaulte auf, griff jedoch erneut an. Macs Arme erzitterten unter dem mächtigen Schwerthieb auf den Schaft seines Stabes, doch dieser trug keinen Kratzer davon. Die Wache schlug wieder und wieder auf den Stab ein, als glaubte er ihn zerschlagen zu können. Also besonders gut werden die hier nicht ausgebildet, dachte Mac, machte einen Ausfallschritt nach rechts und stiß erneut zu. Die scharfen geteilten Spitzen trafen den Grarrl in die Seite. Mac murmelte etwas und wieder fuhr ein Blitz aus der Kugel. Schließlich sackte auch dieser Grarrl ohnmächtig zu Boden.
Laute Schritte und Rufe näherten sich vom Gang und das Gekreische der Petpets wurde immer lauter. *Nichts wie weg hier!*, rief Mac und warf die Rüstung ab.
Phantom tat es ihm nach, der Umhang jedoch blieb an seinem Halsreif hängen. Aber er hatte keine Zeit sich darum zu kümmern. Sie erhoben sich in die Luft und schossen aus dem leeren Raum.
Die Wachen, die die Tür fast erreicht hatten brüllten erschrocken und wütend auf. Mit einem einfachen Schlenker umrundeten sie die Petpets, doch diese folgten ihnen. Dann hörten sie Armbrüste klicken und im nächsten Moment schossen Pfeile um sie herum. Mac wehrte einige mit dem Stab ab, die anderen verfehlten sie.
Bei einem komplizierten Überkopf-Ausweich-Manöver um den Pfeilen zu entgehen verlor Phantom seinen Turban. *Mist*, fauchte er, doch auffangen konnte er ihn nicht mehr. Mac richtete bereits den Stab auf die dicke steinerne Decke und sprengte ein Loch hinein. Dann flohen sie, gefolgt von wütenden Petpets, ins Freie.
Steil rasten sie an der Steinwand hinab und dann nur Knapp über dem Sandboden zu der Düne hinüber, wo sich Kaps und Kana versteckten. Kaum sausten sie über die Düne hinweg, da sprangen die beiden Pets hervor und griffen die Petpets an. Noch bevor Phantom gewendet hatte flogen die kleinen fauchend zum Steinhügel zurück.
Keuchend landeten die Draiks im Sand. *Schnell zurück zum Meer*, sagte Mac.
Phantom ritt auf Kanas Rücken, während Mac auf Kaprimani saß und sich erholte. Rasend schnell liefen die beiden Vierbeiner über die sandige Ebene.
*Was willst du jetzt mit dem Stab machen?*, fragte Mac schließlich.
Phantom grinste. *Ich habe keine Ahnung wo die anderen ehemaligen Wächter des Stabes sind. Ich denke er hat mich vorhin berechtigt ihn zu tragen. Ich werde ihn behalten.*
Mac nickte. *Und sonst? Was hast du vor?* *Keine Ahnung*, erwiderte Phantom ehrlich, *was hast du denn vor?*
*Ich denke wir fahren erst mal nach Hause zurück. Ich sollte so langsam mal lernen Feuer zu speien. Warst du schon mal auf einem Piratenschiff?*


2. Teil: Der Rubinstab

Die Sonne ging auf und wanderte langsam über den Himmel. Phantom war fast zu müde um sich darüber zu wundern, wie Kaps und Kana unermüdlich ihr rasendes Tempo beibehalten konnten.
Sie durchquerten die Wüste ohne auch nur einmal eine Pause zu machen. Phantom wusste von Kana, dass sie auf direktem Weg zum Meer waren.
Die Sonne neigte sich bereits wieder dem Horizont, als Phantom halbwegs zu sich kam und sich umsah. Die Landschaft hatte sich nicht im geringsten verändert. Müde blickte Phantom auf den Stab in seinen Händen hinab, der quer über Kanas Wiederrist lag.
Er sah zu Mac. Mit Erschrecken bemerkte er, dass der dösende Draik seinen Stab nicht in den Händen hielt. *Mac!*, rief Phantom laut und erschrocken blieben Kana und Kaps stehen um sich zu den Draiks umzusehen.
Mac schrak aus dem Halbschlaf und sah Phantom mit müden Augen an. *Was ist?*, fragte er überrascht.
*Wo ist dein Stab?*, entgegnete Phantom.
Kaps und Kana wirkten jetzt besorgt. Mac sah Phantom noch noch eine kurze Zeit verwirrt an, dann griff er in die Innenseite seiner Weste und zog einen kleinen goldenen Stock von der Größe eines Zahnstochers heraus und hielt ihn dem verdutzten Phantom unter die Nase.
Als Phantom den Draikprinzen nur verwirrt anstarrte, griff dieser mit zwei Klauen an den Zahnstocher und drehte sie in entgegengesetzte Richtungen. Der Stab begann zu wachsen, wurde länger und dicker, bekam Farbe und Ringe und der Edelstein zwischen den gebogenen Haltern an der Spitze wuchs, bis der Stab des Draikprinzen in voller Größe in seiner Klaue lag.
*Soweit ich weiß hat jeder Draik-Stab diese Eigenschaft*, sagte er ungerührt zu Phantom, packte seinen Stab mit beiden Händen und drehte sie in entgegengesetzte Richtungen, sodass der Stab wieder schrumpfte, bis er so groß war wie ein Zahnstocher.
Noch immer verwirrt tat Phantom ihm die Bewegung nach, griff den brauen Schaft mit beiden Klauen und drehte sie. Nichts passierte.
Mac schien genauso verwirrt, wie Phantom. Dieser wiederholte die Bewegung ein paar mal, doch der Stab blieb unverändert.
Kaps und Kana standen stumm da, die Köpfe nach hinten gedreht und sahen ihre Reiter an, während Phantom immer und immer wieder versuchte seinen Stab zu verkleinern.
*Versuch mal den Goldreif mit dem Schaft zu drehen, oder nur den Reif*, schlug Mac schließlich vor.
Phantom versuchte es. Nichts passierte. Wütend drehte er so gut er konnte an allen möglichen Stellen, aber der Rubinstab gab nicht nach.
Schließlich seufzte Phantom und wollte schon aufgeben, da packte Kana den Goldreif plötzlich mit den Zähnen und zog daran. Überrascht und wütend hielt Phantom dagegen und plötzlich schrumpfte der Stab in sich zusammen, wurde immer kleiner und kleiner, bis er schließlich nur noch so groß war wie ein Zahnstocher mit einem Stecknadelkopf großen Rubin an der Spitze.
Keiner sagte ein Wort. Alle, außer Kana schienen zu überrascht wegen dem, was gerade passiert war. Schließlich griff Phantom den Zahnstocher mit zwei Klauen und Zog daran und der Stab wuchs wieder. Dann packte er den Goldreif mit einer Tatze, den Schaft mit einer anderen und zog wieder und wieder schrumpfte der Stab in sie zusammen.
Phantom grinste. *Wer hätte das gedacht. Es muss bei jedem Stab anders funktionieren.*
Sie setzten ihren anstrengenden Weg durch die Wüste fort. Obwohl Phantom und Mac jetzt wach waren blieben sie auf den Rücken der anderen beiden sitzen und diese liefen unermüdlich Richtung Meer.
Die Sonne sank, als eine kühle Briese endlich den Duft des Meeres zu ihnen trug. Kaps hatte es schon vor Stunden wahrgenommen. Sie waren nicht in der Nähe irgendeiner Hafenstadt, doch scheinbar lag das Schiff, von dem Mac geredet hatte, direkt am Ufer vor Anker.
Schließlich verlangsamten Kaps und Kana ihr Tempo zum Trab, dann zum Schritt und schließlich blieben sie ein paar Meter von einem hölzernen Steg entfernt, an dem das Schiff geankert hatte, stehen.
Auf dem Steg stand ein Piraten Lupe, der gerade ein dickes Tau löste. Er trug, abgesehen von dem normalen Piratenhemd und dem Kopftuch, einen ledernen Gürtel in dem ein Säbel steckte. Das Puppyblew, das Phantom schon in dem Zelt gesehen hatte, in dem er erwacht war, lief vor dem Steg auf und ab. Als es Mac bemerkte blieb es stehen und wedelte mit dem Schweif.
Auf der Reling des hoch aufragenden Schiffes hockte ein Piratenfaellie und zückte einen winzigen Säbel. Black Shadow Der Piratenlupe sah auf und grinste. Mac sprang mit einem Satz von Kaps Rücken und ging auf den Lupe zu. *Na Cet, hast du uns wieder im voraus gerochen?*, fragte er laut.
*Ist bei euch wirklich nicht schwer*, erwiderte der Lupe mit tiefer Stimme.
Auch Phantom stieg ab und betrachtete das Piratenschiff. Es war schlank und wirkte schnell und wendig. Die Segel, aus schmutzig weißem, schweren Stoff waren gerafft. Die prächtige Galionsfigur stellte ein Mutantendraik dar, mit aufgerissenem Maul und herausgestreckter Zunge. Als Augen besaß es zwei Faustgroße Rubine. Sie waren größer, als der an der Spitze von Phantoms Stab. Unsicher sah sich der Wüstendraik um.
*Phantom, das ist Cetaro, Kapitän und Steuermann auf seinem selbstgebauten Schiff.* Mac deutete auf den Dreimaster.
Plötzlich hörten sie laute Schritte, die über das Deck des Schiffes donnerten und kurz darauf beugten sich zwei weitere Pets über die Reling. Eines davon war ein Piratenkougra mit jungen Zügen, das andere ein rotes Cybunny über dessen Kopf ein Buzzer schwirrte.
Die beiden Pets sagten nichts, starrten Phantom nur an und verschwanden kurz darauf, als Cetaro ihnen ein Zeichen gab. Wenig später wurde eine hölzerne Planke von der Reling gelassen und landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Holz des Landungssteges.
Mac sprang mit zwei Flügelschlägen über die hoch aufragende Reling. Kana, die noch immer entfernt vom Steg stand, schlug nun ebenfalls mit den viel zu klein wirkenden Flügeln und landete kurz darauf an Bord. Kaps ging an Phantom vorbei auf die Planke zu, die Cet bereits hoch gestiegen war.
Phantom zögerte kurz, doch dann flog auch er an Deck des Schiffes.
Mit einigen kruzen Befehlen wurde die Planke wieder an Bord gezogen und die Segel gesetzt. Mit lautem Flattern entrollten sich die mächtigen Stoffpakete.
Phantom stand am Heck und sah zurück auf die Wüste. Es schien, als wäre ein Teil seines Lebens abgeschlossen. Nun würde ein neuer beginnen, bei anderen Pets, die ihm noch sehr fremd waren. Und wer wusste, was Phantom in diesem neuen Leben alles erleben würde. Er nahm Abschied von der Wüste, die ihm Heimat gewesen war, für so lange Zeit. Würde er sie wiedersehen?
*Hey Phantom!* Der Ruf ließ den Draik herum fahren. Es war Mac, der ihm lächelnd entgegen kam. Er warf einen kurzen Blick auf die sich entfernende Wüste, dann packte er seinen neuen Freund bei der Klaue und zog ihn mit sich. *Ich stell dir die anderen vor. Du wirst eine Menge neuer Gesichter bei uns antreffen.*


3. Teil: Lenoragirl Pets

Sie folgen den Topmast des Schiffes hinauf und trafen die beiden fremden Pets auf der obersten Rahe. Oder besser: der Kougra saß auf der Rahe, das Cybunny im Krähennest, den Buzzer neben sich.
Die zwei sahen ihnen neugierig entgegen. Es schien Phantom, als ob sie gerade über ihn geredet hatten.
*Das ist Tayroan*, stellte Mac nun den Kougra vor, nachdem er sich neben ihm auf der Rahe niedergelassen hatte. Phantom kletterte etwas umständlich mit ins Krähennest.
*Wir nennen ihn alle Tay. Er wurde durch Cet vom Piratenfieber angesteckt und ist seither fast genauso oft auf diesem Schiff, wie Cet. Er ist praktisch Cets erster Maat und auf das Klettern in den Segeln besonders spezialisiert, könnte im Notfall aber auch alle von Cets Jobs hier übernehmen.* Tay lächelte Phantom schwach an.
*Und das ist Silithcelon*, sagte Mac und deutete auf die Cybunnydame, *mit ihrem Buzzer Bluzi. Sie wird Swamm genannt, weil sie überaus gut schwimmen kann. Ihr Buzzer seltsamerweise auch.* Der Buzzer flatterte kurz auf. *Deswegen ist sie so gern auf dem Schiff, hier kommt man oft ins Wasser.*
Phantom lächelte die Pets an. Sie wirkten etwas nervös. Silithcelon. Der Name erinnerte Phantom an etwas. *ist das nicht elbisch?*, fragte er die Cybunnydame. Diese nickte verwundert. Auch Mac zog eine Augenbraue hoch.
*Es bedeutet... Silberfluss, wenn ich mich nicht irre.*
Wieder nickte Swamm.
Tay sah zu Phantom und fragte: *und wie heißt du?*
Seine Stimme klang wirklich sehr kindlich. *Phantomdrache*, antwortete Phantom.
Die beiden Pets fingen plötzlich an zu lachen und auch Mac musste schmunzeln. Phatom sah sie etwas verärgert an, bis Mac erklärte: *Wir, also Lenos Pets, Lenoragirl ist übrigens unsere Besitzerin, haben fast alle Fantasienamen, wenn man die beiden Elben dazuzählt, da ja nicht jeder weiß, dass es elbisch ist. Das heißt du und Lotusstaub seid jetzt die einzigen mit zusammengesetzten Namen.*
*Fey wird sich freun*, kicherte Tay.
Wenig später flogen Phantom und Mac wieder zum Deck runter und kurz darauf kam auch Tay hinab geklettert, denn Cet hatte ihm einen Befehl zugerufen.
Phantom sah das gefleckte Puppyblew auf Mac zulaufen. *Gehört es dir?*, fragte er den Draik, der das Tierchen empfing und auf den Arm nahm. Mac nickte. *Er heißt Tinky.*
Phantom lächelte. *Ich hatte nie ein Petpet*, seufzte er dann.
*Was hättest du denn für eins haben wollen?*, fragte Mac.
Phantom zuckte mit den Schultern. Einige der höherraningen Wachen hatten Gruslens. Aber ich fand Gallions schon immer süß. Habt ihr alle Petpets?*
*Noch lange nicht*, erwiderte Mac. *Viele wünschen sich eins, aber Leno will bei den meisten zunächst auf die Pinsel sparen. Wir sind ja noch nicht alle bemalt.*
*Wie viele seid ihr?*, wollte Phantom wissen.
Mac überlegte kurz. *Bisher waren wir 15. Es kommen und gehen oft welche.*
Phantom schwieg. Das waren ja eine ganze Menge. Wie sie wohl alle so waren? *Am besten lernst du sie persönlich kennen*, sagte Mac, als hätte er Phantoms Gedanken gelesen. Dann ging er zum Heck, wo sich Kaps mit Cet unterhielt und sein Puppyblew lief ihm freudig hinterher.
Seufzend stützte Phantom sich auf die Reling. Er hatte noch immer nicht richtig realisiert, das nun ein ganz neuer Lebensabschnitt auf ihn warten würde. Wie es wohl war mit so vielen Pets zusammen zu leben, die bestimmt nicht alle ausschließlich Draks und Kacheeks waren? Phantom hatte noch nie vorher ein Cybunny gesehen. Diese Pets schienen so grundlegend anders, als die, mit denen er in der verborgenen Stadt gelebt hatte.
Gedankenverloren blickte er ins glitzernde Wasser. Die letzten Strahlen der Sonne spiegelten sich auf der rasch dahinrauschenden, klaren Flüssigkeit. Lange Zeit nahm er nicht wahr, was um ihn herum geschah. Doch plötzlich viel ihm etwas im Wasser auf, das rasch neben dem Bod herzuschwimmen schien. Oder war es nur Einbildung? Nein! Irgendetwas glitt mit ihnen unter Wasser dahin. Phantom konnte nur einen fahlen Umriss erkennen. Black Shadow Er kniff die Augen zusammen um genauer hinzusehen, doch da verschwand der Schattenm, als hätte er Phantoms Blick bemerkt.
Dark zeigte ihm, einige Zeit später, eine Koje und er schlief die Nacht durch. Der nächste Tag verging sehr ereignislos. Phantom versuchte den Schatten erneut zu finden, doch er schien nun entgültig verschwunden. Cet zufolge würden sie am Abend am Ankerplatz der *Black Shadow* ankommen und so war es auch.
Die Landschaften, die Phantom hier sah, waren etwas gänzlich neues für ihn. So viel grün hatte er nie zuvor auf einmal gesehen. Hohe Berge, deren spitzen mit weißem Etwas bedeckt worden, das sich Mac zufolge Schnee nannte und es wäre dort wohl sehr kalt.
Die Berge waren auch nicht gelb, so wie die in der Wüste, sondern braun bis grau. Kaum etwas hier war gelb, außer der Strand, wie sich das Ufer an manchen Stellen nannte. Die Sonne schien am Ende das Einzige zu sein, die immer noch die gleiche war. Doch nicht wirklich für Phantom, denn sie war längst nicht so warm, wie in der Wüste.
Als es dämmerte ankerten sie schließlich in einer Bucht an einem Anlegesteg. Sonst war weit und breit kein Schiff zu sehen. Müde verließen die Pets das große Piratenschiff. Eher unsicher betrat Phantom den Rasen hinter dem Anlegesteg. Unter seinen sandalenlosen Klauen fühlte er sich merkwürdig weich an, aber auch irgendwie Pieksieg.
*Dann sehen wir uns morgen?*, fragte Cet scheinbaren Kaps und Mac gewandt, die nickten.
*Wieso?*, wollte Phantom wissen.
*Wir gehören zwar alle zu Leno, leben aber in entfernten Häusern*, erklärte Mac knapp. *Du gehst mit Cet, Kana und Tay mit. Morgen wirst du dann alle beim Spiel kennen lernen.*
Phantom war zu müde um zu fragen, was Mac mit *Spiel* meinte.
Sie trennten sich. Mac flog allein los. Kaps ging zu Fuß in die gleiche Richtung, während Swamm sie das erste Stück begleiten würde. Doch nach einiger Zeit bog auch sie in einen anderen Weg und erst, als es schon stockdunkel war, erreichten die vier ein kleines Haus, betraten es, wodurch sie in ein geräumiges Gemeinschaftszimmer kamen und trennten sich dann, da jeder einen eigenen Raum hatte, in dem er schlief. Cet zeigte Phantom den einzig freien Raum, wo dieser sich sofort auf das Bett fallen ließ und in einen unruhigen Schlaf versank.

Am nächsten Tag strahlte die Sonne schon früh durch das große Fenster an der Wand, doch Phantom wurde durch dieses Phänomen zum ersten Mal geweckt. Aus der Wüste war er so sehr an die Sonne gewöhnt worden, dass er selbst bei hellstem Tageslicht hatte schlafen können. Aber heute war er schlagartig wach geworden und hatte sich erst einmal orientieren müssen, wo er eigentlich war. Das Bett fühlte sich viel weicher an, als er es kannte.
Nach einiger Zeit der Besinnung verließ er den Raum, ging leise die Treppe hinunter und kam so in den gemütlichen Gemeinschaftsraum des Hauses. Vor einem kleinen Kamin standen zwei Sofas, ein Sessel, etwas abseits vom Kamin befand sich noch ein Tisch mit ein paar Stühlen. Der Boden war mit einem flauschigen Teppich ausgelegt.
*Da ist aber jemand schon früh wach*, erklang Kanas unnatürliche Stimme im Raum.
Phantom zuckte herum. Die Unidame stand in die Terrassentür gelehnt und sah ihn lässig mit ihren pupillenlosen, roten Augen an.
*Äh...*, machte Phantom unsicher.
*Danke, ebenfalls guten Morgen*, sagte Kana und schlenderte geradezu ins Haus.
Auf dem Wüstenboden war es Phantom nicht aufgefallen, aber jetzt wunderte es ihn, dass der Teppich durch ihre Schritte kein Feuer fing.
*Ich bin sicher die anderen kommen gleich*, sprach Kana weiter. *Mac wollte dich schon vorher abholen.*
*Wofür?*, fragte Phantom nun neugierig.
*Zum Spiel heute*, antwortete Kana, als hielt sie ihn für dumm. *Allesamt. Mit dir haben wir endlich mal eine gerade Zahl für beide Mannschaften.*
*Was für ein Spiel?*, fragte Phantom weiter, doch in dem Moment kamen Cet und Tay die Treppe herunter.
*Auch schon wach?*, fragte Cet freundlich, bevor er sich an Kana wandte. *Wann fangen wir an?*
*Ich denke ich darf euch beide wieder allein rüberfliegen. Also wir ziehen in spätestens einer halben Stunde los, bis zum Wald könnt ihr wohl noch selber laufen.*
Cet nickte. Wieder wollte Phantom etwas fragen, doch da hörten sie ein Klopfen an der Haustür.
*Das muss Mac sein*, sagte Kana und ging Phantom voraus zur Tür, die von Mac schon geöffnet worden war.
*Wir sehen uns dann später*, sagte Kana zu Mac, ehe dieser Phantom ohne ein Wort aus dem Haus zog.
*Hey, gut geschlafen*, grüßte der Draik, als Kana die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. Doch er wartete nicht auf eine Antwort. *Heute wirst du alle richtig kennen lernen. Komm mit!*
Er stieß sich vom Boden ab und schwebte kurz darauf schon vier Meter über dem Boden. Phantom folgte ihm und sie flogen über eine malerische, grüne Landschaft, die Phantom völlig fremd war. Zu fasziniert war er davon um Mac zu fragen wovon Kana geredet hatte. Sie waren seit etwa einer halben Stunde in der Luft, als Mac das erste Mal wieder sprach, denn er hatte Phantoms verwunderte und faszinierte Miene bemerkt und beschlossen vorerst nicht zu sprechen.
*Wir müssen jetzt in die Richtung, sonst kommen wir noch zu spät.*
Da viel es Phantom wieder ein. *Was geht eigentlich vor?*, wollte er wissen.
*Wir treffen uns heute alle zum Spielen und anschließend grillen wir zusammen.*
*Zum spielen?*
*Sag bloß du hast noch nie gespielt.* Macs Stimme klang ein wenig vorwurfsvoll.
*Doch*, gab Phantom sofort zurück. *Was spielt ihr?*
*Es nennt sich Flagge klauen*, antwortete Mac erleichtert.
Phantom sah ihn überrascht an. *Das ist eigentlich ganz einfach*, fuhr Mac fort. *Aber ich erklär es am besten erst, wenn wir dort sind. Wir spielen auf einer großen Lichtung, deren Umgebung so dicht bewachsen ist, dass man nur durch die Luft dorthin kommt. Daher sind wir recht ungestört.*
Einige Zeit später flogen sie über einen dichten Wald, bis besagte Lichtung kam, auf der ein paar Pets zu sein schienen und sie zum Landeanflug ansetzten.
Phantom sah einen roten und einen darigan Eyrie. Außerdem ein blaues Ogrin, das gerade mit seinem Petpet, einem Rashpit kämpfte und ein schwarzes Gallion, das am Rand der Lichtung im Schatten der Bäume bei einigen Picknicktaschen lag.
Kana, Cet und Tay waren auch bereits da.
Der darigan Eyrie kam zu ihnen herüber gelaufen, als sie gelandet waren.
*Ich dachte schon es kommt keiner mehr*, sagte er, sobald Phantom und Mac in Hörweite waren. Dann blieb er vor ihnen stehen, bedachte Phantom mit einem kurzen, eher uninteressierten Blick und wandte sich wieder an Mac.
*Wo sind Sath, Sun und Fey?*, wollte er wissen.
Die Stimme des Eyrie war sehr tief und furchteinflößend. Seine ganze Erscheinung jagte Phantom einen leichten Schauer über den Rücken. Der Eyrie war sehr muskulös, der Hals unter dem dichten schwarzen Kragengefieder verschwunden und die Augen blitzten gefährlich rot. Über die rechte Seite seines Gesichtes zog sich eine lange Narbe und obwohl sie direkt durch das Auge verlief schien sie die Sehkraft des Eyries nicht beeinträchtigt zu haben.
Mac zuckte soeben mit den Schultern. *Ich bin nicht mit ihnen losgeflogen*, antwortete er knapp. *Aber ich glaube Fey wollte sich mit Flame treffen um hierher zu laufen.*
Der Eyrie stöhnte und verdrehte die Augen. *Dann können wir ja noch lange warten.*
Mac kicherte leise.
Gerade hoben der rote Eyrie und Kana ab und verschwanden rasch hinter den Bäumen.
*Die Vorstellungsrunde machen wir lieber erst, wenn alle da sind*, sagte Mac nun zu Phantom, *aber ich kann dir mal die Regeln des Spiels erklären.*
Er ging mit Phantom auf die Mitte der Lichtung zu, durch die sich ein Bach zog. *Das ist die Grenze*, begann er und deutete auf den Bach. *Wir teilen uns in zwei Teams auf. Jedes Team bekommt eine kleine Fahne, sie sind schon aufgestellt.* Er deutete auf die roten Flecken, die gegenüberliegend auf beiden Seiten im Wind leicht wehten. Es schien sich um kurze Stöcke zu handeln, an die man ein rotes Tuch gebunden und die Stöcke anschließend in den Bäumen platziert hatte.
*Das Ziel des Spiels ist es der gegnerischen Mannschaft die Flagge zu stehlen. Aber sobald du über diesen Bach gesprungen bist, kannst du gefangen werden indem dich einfach jemand aus der gegnerischen Mannschaft berührt. Dann musst du ins Gefängnis und zwar selbstständig. Das Gefängnis ist der Bereich, der auf beiden Seiten durch gelbe Ringe um die Bäume markiert ist. Man sieht sie nicht besonders gut, da sie etwas weiter hinten im Wald sind, aber bis dort hin ist es nicht so unwegsam, wie wenn man noch weiter in die Richtungen gehen würde.
Wenn du im Gefängnis bist kannst du erst wieder weiter spielen, wenn dich jemand befreit. Dazu muss dieser Jemand aus deiner Mannschaft ungefangen den Gefängnisbereich betreten oder einen der gelb Markierten Bäume berühren. Es kann immer nur einer auf einmal befreit werden. Aber sobald jemand aus deiner Mannschaft eine dieser Anforderungen erfüllt hat, bekommt ihr beide ein Freiticket auf eure Seite zurück und solange könnt ihr nicht gefangen werden.
Spielfeld Es gibt noch einen Ort auf der Gegnerischen Seite, auf der du nicht gefangen werden kannst und das ist der Flaggenbaum. Wenn du ihn berührst bist du geschützt. Die Wächter des Baumes müssen immer mindestens einen Meter abstand halten. Wenn du jemanden berührst, der den Flaggenbaum berührt bist du ebenfalls geschützt. So kann auch eine Kette gebildet werden, aber ihr könnt die Flagge nicht über den Bach werfen. Jemand muss sie in der Hand halten und mit ihr zusammen den Bach überqueren. Erst dann ist die Runde vorbei. Du kannst die Flagge aber innerhalb der gegnerischen Seite werfen und wenn du Glück hast schnappt sie sich einer aus deinem Team und huscht mit ihr über den Bach. Alles so weit verstanden?*
Phantom nickte etwas unsicher.
*Ach ja, eine wichtige Regel gibt es noch. Es herrscht ein striktes Flug-Verbot. Wer fliegt, dem werden die Flügel festgebunden. Nur für Sath gilt das nicht, da er ein Hissi ist, aber er darf auch höchstens ein einhalb Meter über dem Boden fliegen.*
Phantom nickte wieder. *Die Petpets spielen nicht mit*, fügte Mac dann noch hinzu.
In dem Moment hörten sie ein seltsames Schnauben und keuchen und der blaue Ogrin rief laut: *MAC! HELFT IHM MAL!*
Mac und Phantom fuhren herum. Über den Baumwipfeln, noch etwas von der Lichtung entfernt schlingerte ein unförmiger, fliegender Klumpen gewaltig hin und her und es schien, als würde er jeden Moment abstürzen.
Sofort stießen sich die beiden Draiks vom Boden ab. Jetzt konnte Phantom erkennen, dass es sich um einen blauen Hissi handelte, der ein Feuerkougra umschlungen hatte und es schien, als würde er jeden Moment unter dessen Gewicht zu Boden gehen.
Rasch flogen die Draiks zu ihm hinüber und nahmen ihm den Kougra, der auch schon fast aus der Umklammerung rutschte, ab. *Was hat dich denn mal wieder geritten diesen Blödsinn zu versuchen?*, keuchte Mac, denn auch er hatte zusammen mit Phantom Probleme den Kougra zu transportieren. *Wieso habt ihr nicht auf Kana oder Klick gewartet?*
*Ssunnyboy hatte mal wieder Angsst, dass wir zsu sspät kommen, weil keiner der beiden aufgetaucht isst*, zischte der Hissi mit Tonloser Stimme und flog dann rasch voraus um auf der Lichtung zu landen. Mac und Phantom stießen nur wenig später zu ihm, der jetzt keuchend neben dem blauen Ogrin im Gras lag, der ihn offenbar anmeckerte. Doch der Hissi überging es geflissentlich.
*Wer isst denn diesse Wüsstenratte?*, fragte Sath, sobald der Kougra am Boden abgesetzt war.
Phantom sah, wie der Ogrin die Augen verdrehte und anstatt ihm zu antworten wandte sich Mac an Phantom und sagte: *Hör nicht auf ihn, der ist zu allen ziemlich fies.*
Phantom konnte sich ein kichern nicht verkneifen.
Doch der Hissi, vermutlich Sath, konnte kein zweites mal nachfragen, denn in dem Moment tauchten Kana und der grüne Eyrie wieder auf und landeten wenig später bei ihnen. Auf dem Rücken des Eyrie drängten sich ein mutanten Kougra und Swamm, während Kana Kaps und einen kleinen stinktier Aisha getragen hatte. Kurz darauf stieß auch Kaja wieder zu ihnen, der am Waldrand bei dem Gallion gewesen war.
*Gut, jetzt fehlen scheinbar nur noch Fey und Flame*, sagte er in die Runde.
*Was ist mit Fey? Hat die keiner abgeholt?*, fragte Kaps überrascht.
*Sie wollte mit Flame hierher klettern*, erklärte Mac knapp.
*Der Aisha stöhnte. *Dann können wir ja noch ewig warten.*
Auch Tay nickte zustimmend. *Da hat Flame ihr ja mal wieder nen schönen Floh ins Ohr gesetzt*, sagte Kaps. *Für Flame ist es kein Problem, aber ich bin selber schon geklettert. So einfach, wie sie sagt ist es bei weitem nicht.*
Der mutanten Kougra grinste. *Du hast fast sechs Stunden gebraucht.*
*Dann sollten wir sie vielleicht mal suchen. So unklar ist die Route ja nicht, die Flame immer benutzt*, schlug Kaja vor.
Kana und der rote Eyrie warfen sich einen unsicheren Blick zu. *Ich fürchte nur Sath ist der einzige, der klein genug wäre durch die Baumwipfel fliegen zu können und wenn er nicht mal Sun tragen kann...*, hob Kana an.
Sath ließ ein grimmiges Zischeln verlauten.
*Er müsste sie ja nur über die Bäume heben*, sagte Kaps.
Der darigan Eyrie stöhnte. *Und wenn wir weiter darüber streiten kommen wir heute auch nicht mehr weiter*, sagte er dann, stieß sie kurzerhand vom Boden ab und verschwand mit zwei Flügelschlägen hinter den Bäumen.
Wortlos sahen die anderen Pets sich an.
*Ob er sie findet*, durchbrach der mutanten Kougra schließlich die Stille.
*Phalasis ist verschwunden*, viel Kana plötzlich auf und starrte in die Richtung unter den Bäumen, wo kurz zuvor noch der schwarze Gallion gelegen hatte.
Plötzlich schlug sich der blaue Ogrin mit einer Vorderpfote gegen die Stirn. *Man, bin ich blöd*, sagte er, *Rathan hätte die beiden sofort finden können. Ohne Bodenkontakt werden sie wohl kaum durch den Wald kommen.*
*Dann lass ihn sie doch jetzt schnell suchen und wir schicken Sath hinterher*, meine Kana.
Der Ogrin wandte sich um und lief zu dem Rashpit, das am Ufer des Baches stand und seine Wurzeln ins kühle Nass hingen ließ.
Einige Zeit später hatte sich der blaue Hissi in die Luft erhoben und folgte dem Eyrie.
Eine Weile herrschte Stille, in der fast alle Phantom anstarrten, was ihm nach einiger Zeit ziemlich unangenehm wurde. Mac schien es zu ignorieren. Doch es dauerte zum Glück nicht allzu lange, bis der darigan Eyrie endlich wieder über den Bäumen auftauchte, gefolgt von Sath und auf dem Rücken ein blaues Xweetokweibchen.
Zusammen mit dem schwarzen Gallion landete der Eyrie wieder in ihrer Mitte.
*Flame ist gleich da*, sagte er dann und sein Blick wanderte zu Phantom.
Die Xweetokdame sprang von seinem Rücken und sah den Neuen neugierig an. *Wir warten noch kurz auf Flame*, sagte der Eyrie dann, als ihn alle Pets fragend ansahen, als erwarteten sie, sie würden nun endlich erfahren wer dieser fremde Draik war. *Aber wir könnten schon mal die Mannschaften aufteilen*, fuhr er fort. *Kaps, Klick, ihr beide wählt.*
Der rote Eyrie und Kaprimani nickten und entfernten sich von der Gruppe. Kaps sprang locker auf die andere Seite des Baches. *Wer fängt an?*, fragte der rote Eyrie, offenbar Klick, mit gebieterischer Stimme.
*hm...*, machte Kaps. *Losen wir aus?*
Klick nickte und jetzt kamen sie doch beide wieder zurück. *Hat jemand nen Zettel dabei?*, fragte Kaps in die Runde.
In dem Moment gab es ein lautes Knacken am Waldrand und alle fuhren herum. Im nächsten Augenblick sprang ein rotes Xweetok lässig aus dem Gebüsch und kam lächelnd auf sie zu. *Hab ich was verpasst?*, fragte die Xweetokdame mit süßlicher Stimme.
Kaps und Klick schüttelten die Köpfe. Der andere Eyrie seufzte und stand auf, da er sich auf den kühlen Grasboden gelegt hatte.
*Gut, dann machen wir jetzt erst einmal eine Vorstellungsrunde. Wir haben einen Neuen. Er wohnt zur Zeit bei Kana und Co und... hast du vor hier zu bleiben?*, fragte er an Phantom gewandt. Überrascht über die Frage zuckte Phantom mit den Schultern. Aber ohne eine weitere Frage wandte sich der Eyrie wieder an die anderen Pets. *Also Mac und Kaps haben ihn in der Wüste gefunden. Viel mehr weiß ich auch noch nicht, da müsst ihr euch an die Beiden wenden.*
Jetzt erhob sich auch Mac. *Das ist Phantomdrache*, stellte er Phantom vor. *Er hat zuvor in der Wüste gelebt, als Wächter eines Draik Stabes in einer verborgenen Stadt. Grarrlräuber fielen irgendwann in die Stadt ein, haben sie zerstört und den Stab gestohlen. Aber wir konnten ihn zurück holen und er ist jetzt im Besitz von Phantom. Da seine Heimat zerstört wurde wird er erst einmal bei uns bleiben.*
*Ist das so ein Stab, wie du hast?*, warf der Mutantenkougra dazwischen.
*So ähnlich*, meinte Mac nur.
*Also, das ist Kajatza, genannt Kaps*, stellte Mac nun den Dariganeyrie vor. *Er war Lenos erstes Pet und ist sozusagen unser ältester, also auch Anführer. Das ist Tal*, er deutete auf den blauen Ogrin, *eigentlich Talathar. Er wird hoffentlich mal ein Mutantendraik. Kana, Cet und Tay kennst du ja schon. Das ist Klick*, er deutete auf den roten Eyrie, *seltsamerweise der intelligenteste hier, dabei ließt er kaum. Eigentlich heißt er Celongil, aber er wird Klick genannt, weil er immer mit dem Schnabel klackert, wenn ihm etwas nicht passt. Das ist Flame*, die rote Xweetokdame, *Ihr richtiger Name ist Chanyba. Sie ist eine der Ältesten und möchte mal feurig werden, daher ihr Spitzname. Mm... Swamm und Kaps kennst du auch schon. Das ist Torikim, genannt Ti *, der kleine Stinktieraisha, *Er ist Kaps bester Freund und ebenfalls einer der Ältesten. Das ist Sath, unser kleiner fieser Hissi, vor dem solltest du dich in Acht nehmen. Sathassa ist relativ bekannt durch seine Screenauftritte. Und das sind Fey und Sun. *Zuletzt wieß er auf die blaue Xweetokdame und den Feuerkougra. *Fey will mal feeig werden und Sun ist adoptiert und von Stunden her der Älteste, aber da er noch nicht so lange bei uns ist zählen wir das nicht.*
Nachdem Mac geendet hatte trat wieder Kaja vor. *Gut, da du nun weißt, wie wir heißen können wir ja anfangen. Klick, du wählst zuerst*, bestimmte er kurzerhand.


4. Teil: Flagge klauen

Die Mannschaften wurden wie folgt aufgeteilt:
Kaps:
Ti
Kana
Kaja
Mac
Sun
Dark
Fey

Klick:
Flame
Cet
Coco
Swamm
Sath
Tal
Tay

Jede Mannschaft begab sich auf eine Seite und das Spiel wurde von einem schrillen Schrei Kajas angepfiffen.
Mac schlich zu Dark herüber. *Meistens finden sich schon zu Spielbeginn einige, die versuchen den Flaggenbaum zu bewachen, während andere angreifen. Bewacher fürs Gefängnis werden meist später noch eingeführt*, erklärte er dem Neuling.
Phantom nickte und wandte den Kopf. Ti, Fey und Kana hatten sich bereits in der Nähe des Baums aufgestellt. Auf der Gegnerischen seite wurde die Fahne von Swamm Tay und Tal bewacht. Prüfend ließ Phantom den Blick über die Gegner wandern. Die meisten hatten sich in der Nähe des Baches aufgestellt, bereit hinüber zu springen, sobald sich eine Möglichkeit dazu bot.
*Ist es auch erlaubt durch den Wald zu gehen?*, flüsterte Phantom Mac zu.
*Natürlich, warum?*
*Weil Flame verschwunden ist*, antwortete Phantom.
Mac stutzte einen Moment. Dann wandte er sich um und rief: *Sun, pass auf die Rückseite des Baums auf, Flame könnte da in der Nähe sein.*
Sofort verschwand der Kougra im Wald.
Einige Zeit passierte überhaupt nichts. Schließlich tauchte Sun wieder auf und sagte: *Sie ist wieder drüben.*
*Geht das hier anfangs immer so lahm zu?*, fragte Phantom etwas gelangweilt.
Mac nickte. *Es dauert eine Weile, bis es auftaut, es wird dir schon noch spaß machen.*
Er grinste ihm zu. Phantom war sich da nicht ganz so sicher. Plötzlich sprang Klick über den Fluss und grinste ihm neckisch zu. *Wenns dir zu langsam geht, warum greifst du nicht selbst an?*
Er trat einige Schritte zur Seite und machte Phantom damit symbolisch den Weg frei.
Phantom tat überdeutlich, als würde er überlegen und Klick ignorieren, aber der Eyrie machte keine Anstalten an ihm vorbei zu schleichen. Kurz darauf tauchte Kaps auf und scheuchte ihn wieder über den Bach.
*Angreifen wäre doch gar keine so schlechte Idee*, meinte Phantom schließlich zu Mac.
Kaps kam zu ihnen herüber gelaufen. *Wie wärs mit einem Rückdeckungsangriff? Ich wette das erwarten sie nicht von uns.* Er sah Mac verschwörerisch an.
*Was ist ein Rückdeckungsangriff?*
*Wir könnten das Schweinefutter übernehmen, Kaja macht sicher auch mit und Ti muss nur auf doppelte Verteidigung spielen.*
Phantom warf sich wieder dazwischen: *Wovon redet der Kerl?*, fragte er Mac aufgebracht.
Mac kicherte amüsiert. *Du lernst diesen ganzen Fachschwachsinn noch wie von selbst*, meinte er. *Rückdeckungsangriff bedeutet, dass einige so tun, als würden sie angreifen und damit so viele Verteidiger wie möglich ablenken. Unterdessen schleicht sich jemand durch den Wald und versucht die Fahne von hinten zu stehlen. Ich schätze das soll dann Sun übernehmen. Das Sun im Durchqueren von diesem Dschungel fast so geschickt ist wie Flame ist vielen nicht bewusst, deswegen erwarten die das sicher nicht. Der Trick funktioniert auch nur, solange niemand im Gefängnis ist, sonst haben die dahinten zwei Wachen.*
*Alles klar*, murmelte Phantom, nicht sicher ob er alles verstanden hatte.
*Weich einfach den anderen aus*, sagte Mac, winkte Kaja zu und im Nu waren sie zu viert auf der anderen Seite.
Coco stellte sich Phantom in den Weg.
*Gleich mal ein Selbstmordkommando stellen, fängt ja gut an, für dich*, sagte er mit einer seltsam furchteinflößenden Stimme, wie man sie durchaus von einem Mutanten erwartete.
*Geh mal lieber gleich wieder auf deine Seite zurück.*
Coco schnellte vor, seine Krallen verfehlten Phantom um Zentimeter. Das würde er sich nicht so einfach gefallen lassen. Durch herumtänzeln und Täuschungsmanöver versuchte er an Coco vorbei zu kommen, doch der blockte seine Vorstöße jedes Mal ab. Phantom sah nicht, was die anderen taten, oder wo sie waren und spielte weiter mit dem kleinen Kougra, bis ein Ruf hinter ihm erschallte: *PHANTOM! ACHTUNG!*
Er schnellte herum und sah Cet, der vom Ufer aus auf ein zustürmte. Phantom machte einen Ausfallschritt nach rechts, entging einem neuen Angriff von Coco und fing an zu rennen. Doch der Lupe war ungeheuer schnell und Phantoms Ausweichkreis etwas zu groß. Nur noch ein Sprung war der Pirat von ihm entfernt, streckte die Pfoten aus...
Phantom ließ sich auf den Boden fallen, rollte sich ab und war schon wieder auf den Beinen. Cet sprang überrascht über ihn hinweg und konnte gerade noch schnell genug wenden und zu sehen, wie Phantom über den Bach sprang.

So ging das Spiel eine Weile weiter. Ein Angriff nach dem anderen führte ins Leere. Bei ihrem ersten Angriff war Sun gefangen worden, doch Mac und Phantom schafften es ihn erfolgreich zu befreien, als gerade mal niemand aufpasste.
Alles in Allem hatte Phantom einen riesen Spaß, auch wenn Klicks Mannschaft das erste Spiel gewann. Flame war am Ende doch unentdeckt zum Baum vorgedrungen und niemand hatte mitgekriegt, wie sie mit der Flagge im Maul über den Fluss sprang.
Das zweite Spiel konnte Kaps Mannschaft für sich entscheiden. Kaja war einfach mit einem Satz über Tal hinweg gesprungen, hatte sich in den Baum gekrallt, dabei tiefe furchen hinterlassen, die Flagge geschnappt und war aus der Baumkrone gehüpft, hatte dabei den halben Weg zum Bach zurück gelegt und war drei Sprünge später auch schon sicher hinüber. Cet hätte ihn beinahe noch erwischt.
Im dritten Spiel hatte Phantom eine unglaubliche Wendigkeit beweist, sich um alle gegner geschlängelt, wie ein abstoßender Magnet und schließlich mit der Fahne zusammengerollt im Bach gelandet. laut lachend hatte Mac ihn heraus gezogen.
Das letzte Spiel, eine eingeforderte Revenge von Klicks Team, hatte Swamm geholt, indem sie wie Kaja mit riesigen Cybunnysprüngen über die Gegner hinweggehüpft war, sie saß dann zwar eine Weile im Baum fest, doch irgendwann schaffte sie es die Fahne in eine Lücke zwischen den Verteidigern zu werfen, wo sie Cet Vorbildhaft aus der Luft fing und über den Bach trug.
Ihre Spiele endeten erst spät am Abend, wo sie schließlich lachend zusammen unter den Bäumen lagen und sich gegenseitig noch einmal die spektakulärsten Szenen der vergangen Spiele vor Augen führten.
Phantom glaubte nicht jemals zuvor in seinem Leben so viel Spaß gehabt zu haben. Als Mac ihn auf dem Rückflug fragte, wie ihm der Tag gefallen hatte, genügte ihm das breite Grinsen seines neuen Freundes als Antwort.


5. Teil: Eine geniale Idee

In den nächsten Tagen trafen sich Phantom und Mac jeden Tag, überflogen die Gegend und hingen gelegentlich mit anderen Pets ab. So lernte Phantom auch alle anderen von Lenos Pets gut kennen und begriff, warum Sath niemand so wirklich mochte. Er kam jedoch mit fast allen einigermaßen klar, auch mit Sath. Nur mit einem Pet bekam er Probleme: Kana! Die überaus eigenwillige Unidame, die Phantom schon in der Wüste kennen gelernt hatte. Sie war ihm gegenüber sehr unfreundlich, fauchte ihn immer an, wenn er ihr über den Weg lief und trat ihm manchmal sogar absichtlich auf den Fuß.
Phantom ging das irgendwann so auf die Nerven, das er anfing sich immer mit ihr zu streiten, sobald sie in einem Raum waren und vergebliche Versuche anderer Pets sie zu versönen scheiterte kläglich.
Niemand wusste, warum Kana von anfang an so sauer auf Phantom gewesen war. Angeblich kam nicht einmal der zurückgezogene Kaja, der sich mit Kana am besten verstand, dahinter.
Indess wurden die tage zunehmend langweiliger. Mac fiel irgendwann nichts mehr ein, was er Phantom noch neues hätte zeigen können. Er kannte die Landschaft zwischen den Häuser und die nächste Stadt inzwischen in- und auswendig. Gemeinschaftsaktionen aller Pets, wie das Fahne klaun, fanden nur etwa einmal im Monat statt und waren jedes Mal unterschiedlich. Mal trafen sie sich am Strand, mal grillten sie in einem Garten, dann war Leno manchmal auch dabei. (Die als einzige nicht mitbekam, wie wenig sich der neue mit Kana vertrug, bis Kaja, der auch noch ihr Lieblingspet war, es ihr verriet.)
An einem verregneten Nachmittag kam Kaja zu Phantoms neuem Heim zu besuch. Cet und Coco waren noch auf See und Mac und Phantom hingen seit Stunden nur gelangweilt auf den Sofas rum.
Kaja schlug vor, sie könnten zusammen ein Brettspiel spielen und überredete die gereitzte Kana sich ihnen anzuschließen.
Der Nachmittag war eine einzige Katastrophe. Phantom und Kana gerieten sich wegen einer Nichtigkeit in die Haare, am Ende flogen die Fetzen.
*DU KANNST JA NICHT MAL EINE VIER VON EINEr SECHS UNTERSCHEIDEN!*, brüllte Kana. Sie war auf die Hufe gesprungen, deren Feuer sich blutrot verfärbt hatte und bis zu ihrem leib hochschoss.
*WENIGSTEN HAB ICH FINGER, AN DENEN ICH ES ABZÄHLEN KÖNNTE; WENN ES NÖTIG GEWESEN WÄRE!*, brüllte Phantom zurück und wedelte mit seinen Klauen vor Kanas Nase herum.
*DIR HAT WOHL NIE JEMAND BEIGEBRACHT WIE MAN ZÄHLT!*, war Kanas erwiderung.
Kaja und Mac hatten die ganze Zeit nur Augenrollend daneben gesesen, doch jetzt wurde es Kajas Empfindlichen Ohren zu viel. Er sprang ebenfalls auf und brachte die Streithähne mit einem markerschütternden Kreischen zum Schweigen.
Mac, der seine Reaktion hatte kommen sehen, nahm die Klauen von den Ohren und stand auf um ihn im Notfall zu unterstützen.
*Ihr benehmt euch wie Kleinkinder!*, fauchte Kaja gefährlich leise. *Was seid ihr? Babypets? Reißt euch gefälligst zusammen,dieser ganze Steit zwischen euch ist völlig unbegründet.*
Kana schnaubte abfällig und wandte die stechenden Augen ab.
*Was hab ich dir eigentlich getan?*, warf Phantom jetzt ein, konnte seine Stimme aber noch nicht ganz im Zaum halten.
Erst jetzt sah die Unidame ihn wieder an. *Das du da nicht mal von alleine drauf kommst ist schon grund genug*, zischte sie, wandte sich um und stürmte nach draußen in den Regen.
Kaja sah Phantom eindringlich an, bis es diesem unangenehm wurde. *Ich hab wirklich nichts getan!*, verteidigte er sich mit schriller Stimme.* *Denk mal scharf nach*, meinte der Eyrie. *Es braucht für dich nicht mal einen Sinn zu ergeben, Frauen sind manchmal überempfindlich.*
Phantom überlegte. Einmal hatte er den Rubinstab auf dem Tisch liegen lassen, Kana war dagegen gestolpert und hatte ihn herunter geworfen. Phantom hatte befürchtet es könne etwas passiert sein und hatte Kana um Aufheben leicht gegen die Flanke geschlagen. Das war nur wenige Tage nach dem Fahne klauen Spiel gewesen.
Er erzählte Kaja und Mac die Geschichte. *Sie wäre fast drauf getreten*, versuchte Mac sich zu verteidigen. *Sie hätte bestimmt den Griff kaputt gemacht, der ist nur aus Holz.*
Kaja verdrehte die Augen und stöhnte. Als Phantom sagte: *Wieso sollte sie deswegen so ausrasten?*, fing er an zu lachen. *In ihren Augen war das eine Beleidigung.*
*Was? Das sie Dtab runter geworfen hat?*
*Nein. Das du gesagt hast sie hätte ihn kaputt gemacht, wenn sie draufgetreten wäre.*
*Wieso? Sie ist ein Uni, sie ist auf vier Beinen fast so groß wie ich.*
Kaja lachte wieder. *Aber sie ist auch ein Weibchen. Sie ist ziehmlich empfindlich, was ihr Gewicht betrifft. In Weibchensprache hast du ihr ungefähr gesagt, sie sei fett.*
Phantom runzelte die Stirn. *Am besten entschuldigst du dich bei nächster Gelegenheit*, meinte Kaja, ehe er sich zum Gehen wandte.
Phantom schnaubte und verdrehte die Augen. Er konnte nicht glauben, das Weibchen so empfindlich sein sollten. Die, in der Wüstenstadt, in der er aufgewachsen war, waren es jedenfalls nicht gewesen.

Einige Tage waren vergangen. Phantom hatte sich bei Kana entschuldigt, ob sie ihm verziehen hatte, konnte er jedoch nicht sagen. *Also wenn alle Weibchen so empfindlich sind, will ich erst gar nichts mit ihnen zu tun haben*, murrte Phantom zu Mac, der neben ihm auf einer niedrigen, überwucherten Mauerruine saß.
Mac lachte. *Kana ist nun mal eine Sache für sich. Swamm, Flame und Fey sind nicht so empfindlich, glaub mir.
Phantom sah auf. Sie waren mit einigen anderen Pets an einem Flussufer, an dem die Ruinen einer verfallenen Siedlung standen. Die wenigen fremden Pets, die sich hier aufhielten, hielten großen Abstand zu ihrer Gruppe. Sie hatten einige Picknickdecken aufgeschlagen und bereits einige Omletts und Wackelpuddings zum Mittag verspeißt.
Jetzt tat jeder, was er will, einige Unterhielten sich, Flame und Swamm lagen im Gras, spielkarten in den Pfoten und schoben sie vor und zurück, lachten dabei laut un kümmerten sich nicht um die anderen. Kaps, Ti, Coco und Tay spielten ein komisches Ballspiel, Klick, Kaja und Kana sahen dabei zu.
*Irgendwie wird es hier mit jedem Tag langweiliger*, murmelte Phantom schließlich zu Mac, der auch dem Spiel der verrücktesten Pets zugesehen hatte. Jetzt aber sah er auf und blickte Phantom etwas traurig an. *Willst du wieder weg?*
Phantom zuckte mit den Schultern. *Hier passiert so wenig. Anfangs wars ja noch interessant, aber jetzt hab ich das Gefühl wir machen jeden Tag das Gleiche.*
*Viele gehen zur Ablenkung auf Erkundungstouren in andere Länder*, sagte Mac. *Deswegen waren wir auch in der Wüste.*
*Nur deswegen? Ich hatte das Gefühl ihr wolltet da was ganz anderes.*
Mac grinste und streichelte sein Puppyblew Tinky, der gerade neben ihm auf die Mauer gehüpft war.
*Nein, Kaps wollte unbedingt mal die Wüste sehen und Kana war gleich dabei, weil sie Hitze so liebt. Kaps wollte, das ich mitkomme, weil ich mit Städten und deren Bewohnern etwas besser umgehen kann, als er. Und wir verstehen uns halt gut.*
*Komisch, ihr seit eigentlich sehr verschieden*, meinte Phantom.
Mac lachte wieder. *Hättest nicht gedacht, dass ich als Lupe geboren wurde, was?*
Phantom starrte ihn erschrocken an. Dann schüttelte er den Kopf.
*Jaja*, sagte Mac erinnerungsseelig. *Ich war mal ein grüner Lupe, wollte aber von Anfang an ein Draik werden, nur werden Draiks als solche ja eher selten geboren. Es gab mal eine Zeit, da waren Draik-Elixiere richtig billig und Leno hatte einiges gespart. Zwar wollte sie das eigentlich für einen Draik-Trans für Tal ausgeben, aber die waren noch immer ein bisschen teurer und dann bekam ich ein einfaches Elixier.* Er sah zu Tal hinüber. *Tal ist echt in Ordnung, ich glaub ein anderes Pet hätte es mir übel genommen, wenn ich ungeplant vorgeschoben worden wäre.*
*Also bekommt ihr hier alles von Leno?* *Nicht unbedingt*, antwortete Mac. *Manchmal finden wir auch ein Petpet, oder einen Pinsel, oder bekommen etwas geschenkt. Aber es ist nicht schlecht hier, wirklich nicht. Manchmal kann es langweilig sein, aber eigentlich passiert immer etwas. Vor allem wegen dieser Rasselbande da hinten.*
Er deutete auf die vier spielenden Pets, die gerade von Swamm und Flame überfallen wurden, weil sie den Ball in ihr Kartenspiel gepfeffert hatten.
*Davon hab ich wohl noch nicht viel mitgekriegt*, meinte Phantom.
*Du willst doch nicht wirklich wieder gehen, oder? Glaubst du da draußen passiert großartig mehr, als hier?*
*Wir haben oft Geschichten gehört*, meinte Phantom, *von Pets, die allein in die Wildniss zogen um Abenteuer zu erleben. Es gibt sicher Einzelgänger, die ein aufregenderes Leben führen.*
Mac seufzte. *Die Suche nach dem Stab war doch aufregend*, sagte er.
Phantom nickte lachend. *Ja, das war ein Nervenkitzel. Sowas hatte ich selbst in der Stadt nie.*
*Wirklich nicht? Naja, so aufregend war es auch nicht, als ich meinen Stab gefunden habe. Aber Fey und ich wären draufgegangen, wenn er sich nicht für mich entschieden hätte.*
*Irgendwann musst du mir mal die Geschichte erzählen*, grinste Phantom, doch Mac grinste nur verschwörerisch zurück.
*Sowas müssten wir offter machen*, seufzte Phantom schließlich. *Ich meine so eine Aktion, wie mit dem Rubinstab.*
Mac nickte. *Aber wo trifft man hier schon unerwartet auf kostbarkeiten, die man aus den Klauen böser Grarrls hohlen muss?*
Phantom lachte wieder. *Hab ich dir schon mal erzählt, das Swamm einmal eine Schatzkiste auf dem Grund eines Sees gefunden hat, als sie mit Cet unterwegs war?*, fragte Mac plötzlich. Phantom schüttelte den Kopf.
*Sie war tief im Meer und Swamm bekam sie nicht allein heraus. Auf dem Schiff konnte aber niemand so tief tauchen, wie sie. Schließlich hat sie es doch geschafft, mithilfe von Bluzi. Leider waren nur haufenweise Wackelpuddings darin.*
*Bluzi? Der Buzzer kann besser tauchen, als die Piraten?*
Mac grinste. *Kaum zu glauben, was? Aber in Sachen schwimmen kommt nur Bluzi mit Swamm mit. Ich denke das wird sich ändern, wenn Klick endlich maraquanisch wird.*
Wieder seufzten beide tief, ließen sich auf die Rücken sinken, starrten in den blauen Himmel und verstummten. *Sollen wir einfach so durch die Weltgeschichte wandern und hoffen kostbarkeiten zu finden?*, sprach Phantom schließlich vorsichtig an.
*Klingt doch irgendwie dämlich*, erwiderte Mac.
*Wieso werdet ihr nicht Schatzjäger?*, warf eine andere Stimme plötzlich ein.
Beide richteten sich wieder auf. Etwas entfernt lag Klick im Gras, der bisher gedöst hatte und starrte die erwartungsvoll an. *Schatzjäger?*, fragte Phantom?
*Leute heuern euch dafür an ihre verlorenen Schätze wieder zu finden und zu ihnen zurück zu bringen*, erklärte Klick.
Mac und Phantom sahen sich an. Das klingt super, oder?*, fragte Phantom langsam.
*Eigentlich doch genau das, was wir suchen*, meinte Mac.
*Aber wo finden wir jemanden, der einen Schatz vermisst?*, fragte Phantom.
*Es gibt ein altes, so genanntes *Diebesdorf* in der Nähe von Tyrannia*, wandte Klick ein, *Dort wohnt ein tyrannisches Eyrie, ein alter Freund, den ich mal auf einem Eyriekongress getroffen hab. Er vermisst wohl ein altes Diadem.*
*Ach wirklich?*, fragte Mac. *Kann es sein, dass du ihm schon von unserer Draik-Stab-Aktion erzählt hast?*
Klick grinste frech. *Nicht alle Tyrannianer leben noch in der Steinzeit, er könnte euch gut bezahlen.*
*Was hälst du davon?*, fragte Mac an Phantom gewandt.
*Also ich fände die Idee klasse. Wird doch zeit das mal wieder was passiert.*
Die beiden Draiks sahen wieder Klick an. *Gut, wir sehen uns die Sache mal an*, sagte Mac schließlich.


6. Teil: Der Krawk und das Untier

Mac und Phantom waren zwei Tage später in der Nähe der tyrannischen Stadt angekommen. *Wieso nennt sich diese Stadt eigentlich Diebesdorf?*, wollte Phantom wissen.
*Es heißt dort regiere das Unrecht*, meinte Mac. *Angeblich ist dort alles voller Diebesorganiastionen und das Rechtssysthem wäre hier außer Kraft gesetzt.*
*Wieso wohnt hier dann ein reicher, tyrannischer Eyrie?*
*Das fragst du ihn am besten selbst, wenn wir dort sind*, meinte Mac.
Sie warenauf einer hohen, alten Eiche gelandet um die gegend in Ruhe überblicken zu können. *Klick sagte das Haus wäre unmöglich zu übersehen. Der Schlafraum des Eyrie wäre in einem riesigen Turm, in den ein Horst gebaut wurde und die Tore würden von Lupe bewacht*, erklärte Mac, nun mindestens zum fünfzigsten Mal.
Phantom verdrehte die Augen. Dann entdeckte er etwas. *Das sieht doch aus, wie ein Turm.* Er deutete auf einen schmalen, weißen Strich am Horizont.
*Das sehen wir und am besten mal genauer an*, meinte Mac und schwang sich in die Lüfte. Phantom folgte ihm.
Das Gebilde war tatsächlich ein sehr hoher Turm, von niedrigen Häuschen dicht umschlungen, dovor lag eine dicke, weiße Steinmauer, rund vier Meter hoch. Ein riesiges Eisentor verschloss die Mauer und schirmte die ebenso weißen Häuser von der Ausenwelt ab. Vor dem Tor maschierten zwe Halloween-Lupe. Als sie die Fliegenden kommen sahen, gaben sie ein Zeichen über ein grelles Licht und einige Darigan-Buzz schossen hinter dem Tor hervor, die sich Mac und Phantom in den Weg stellten.
*Wir dürfensssssssssss leider keine fremdensssssss zu unssssserem Herren durchlasssssssen*, sagte der vorderste Buzz.
*Wir sind Phantom und Mac, unser Besuch ist angekündigt*, antwortete Mac.
Der Buzz sah ihn einen Moment schief an. *Folgt unsssssssss bitte.*
Flankiert von fünf Buzz wurden sie direkt über das Tor gebracht und landeten im braunen Sand auf der anderen Seite. Vor dem Trum stand hier das größte Gebäude, dessen Eingang von reich verzierten Flügeltüren verschlossen war.
Die Buzz verschwunden und kurz darauf öffneten sich die Flügeltüren. Ein Feuer-Blumaroo kam auf dem Schweif herraus gehüpft und führte sie in die kühle Eingangshalle.
*Der Herr wird jeden Moment bei ihnen sein*, sagte er leise und höflich und hüpfte davon.
*Also, dass er wohlhabend ist, war nicht gelogen*, meinte Phantom. Mac konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
Die halle war leer, bis auf drei Tüen. Zusammen mit der Eingangstür ging eine in jede Richtung ab. Die Tür ihnen direkt gegenüber war nach der Eingangstür die imposanteste. Vermutlich führte sie direkt hinauf zum Horst des Eyrie.
Einige Minuten vergingen, dann schlugen eben diese Türen auf und der tyrannische Eyrie trat heraus.
*Bitte verzeiht mir, das ich euch warten ließ*, krächzte er zur Begrüßung. *Ihr seit also Oraishio und Phantomdrache?*
Sie nickten. *Mein Name ist Hespar Atton*, stellte er sich dann vor. *Wie mein Freund Caliscunn ihnen sicher schon gesagt hat vermisse ich ein altes, tyrannisches Diadem. Es war viele Jahrhunderte im Besitz meiner Familie, doch vor ein paar Jahren wurde es gestohlen, bei einem Maskenball. Ich kann leider nicht sagen, wer genau es stahl, doch vermutlich kam dieses Pet im Auftrag der 'Thaime', der größten Diebesbande der Stadt. Sie haben dort seit einiger Zeit das Kommando.*
*Was genau wissen sie über die Thaime?*, wollte Mac wissen.
*Ihr Anführer soll ein Jetsam sein, sicher ist das allerdings nicht. Sie besteht aus den verschiedensten Pets und den berichten nach läuft in der Stadt zur Zeit alles nach ihrer Pfeife. Alle wertvollen Relikte, die in die Stadt kommen müssen an sie überführt werden. Die Bande verkauft sie dann teuer auf dem Schwarzmarkt, oder behält sie, je nach dem was ihrem Anführer gefällt.*
Phantom runzelte die Stirn. *Hört sich nicht gerade einfach an. Das könnte dauern*, murmelte er leise zu Mac.
*Kriegen wir schon hin*, meinte dieser.
*Wir übernehmen den Job*, sagte er dann laut zu Hespar Atton, *aber es könnte eine Weile dauern.*
*Ihr steht nicht unter Druck*, erwiderte der Eyrie.
Nach einer Verabschiedung verschwand er wieder und die Draiks verließen das prachtvolle Anwesen.
*Ob es so gut ist sich gleich mit einer ganzen Diebesbande anzulegen?*, gab Phantom zu bedenken, als sie in der Luft und weit genug vom Turm entfernt waren.
*Du wolltest mehr Aufregung, also hör auf zu meckern*, antwortete Mac.

Sie flogen über die kahle Ebene, als sie plötzlich ein seltsames Kreischen hörten. *Hast du das auch gehört?*, fragte Phantom.
Mac nickte. *Das kam von da drüben.* Er deutete nach Süden.
Wieder ertönte das Kreischen. Sie flogen in besagte Richtung, gingen tiefer und landeten schließlich auf dem harten Boden. *Da vorne ist etwas*, flüsterte Mac und deutete auf einen großen Stein, der jetzt nicht mehr weit von ihnen entfernt lag.
Ganz langsam näherten sie sich dem Felsen. Etwas schwarzes lugte dahinter hervor. Es bewegte sich und stöhnte leise.
*Glaubst du es ist ein Pet?*, fragte Mac leise?
*Schon möglich, aber was macht es hier draußen?*, flüsterte Phantom zurück.
Sie schlichen um den Felsen und erschraken. Es war tatsächlich ein Pet. Ein Schattenkrawk, um genau zu sein. Doch es war übel zugerichtet. Sein Leib und sein Gesicht war teilweise von tiefen Schnitten verunstaltet und es schien nicht bei bewusstsein zu sein.
*Was machen wir jetzt?*, fragte Phantom, als sich der Krawk wieder leise stönend bewegte.
*Wir müssen irgendwie helfen*, sagte Mac. *Vielleicht können wir ihn zu Hespar Atton schaffen, vielleicht hat der Medizin.*
*Allein können wir den niemals so weit fliegen*, antwortete Phantom.
Plötzlich schoss etwas laut kreischend hinter dem Felsen hervor und ging mit spitzen Krallen auf sie los. Mac konnte dem Etwas gerade noch so ausweichen, doch es machte schlitternd kehrt und ging wieder auf ihn los, zerkratzte sein Hemd und seine Schnautze, bis Phantom es packte und davon schleuderte. Jetzt konnten sie sehen, das es ein Nipter war, mit glühend roten Augen, fauchend und Zähne fletschend.
*Glaubst du dieses Viech hat ihn so zugerichtet?*, fragte Phantom, seine Stimme war vor anspannung etwas schriller, als sonst.
*Keine Ahnung*, keuchte Mac und zückte seinen Stab, als das Petpet erneut auf ihn losging.
Er machte eine flinke Handbewegung. Das Niptor gab einen erschrockenen Laut von sich, als es plötzlich mitten in der Luft in einem Netz aus goldenem Licht hin. Es fing an zu strampeln und zu kratzen, konnte sich jedoch nicht befreien.
Mac atmete erleichtert auf. Phantom starrte noch immer erschrocken auf das Niptor.
*Okey, ich hohl Hilfe*, keuchte Mac schließlich. *Achte du auf den Krawk und dieses Vieh!*
Etwas wiederwillig zückte Phantom seinen eigenen Stab, umgab das Nipter mit einem roten Netz, ehe Mac seinen senkte und das goldene verschwand. Dann stieß er sich vom Bodenab und verschwand rasch im Himmel.
Phantom beugte sich hinunter um die Wunden des Krawk zu untersuchen. Dabei heulte das Niptor wütend auf. Phantom beachtete es nicht.
Als er einen der Schnitte berührte zuckte der Krawk zusammen und öffnete die gelben Augen. *Weg von mir!*, zischte er schwach und griff an seine Seite, fand aber offenbar nicht, wonach er suchte.
*Bleib liegen, du bist schwer verletzt*, murmelte Phantom ohne ihn direkt anzusehen.
Der Blick des Krawk viel auf das Nipter. *Nighjel!*, keuchte er.
Phantom wandte sich um. *Gehört diese Bestie zu dir?*
Der Krawk nickte schwach, doch ein *bleib ruhig*, von Phantom ließ ihn wieder verharren.
*Wieso willst du mir helfen?*, keuchte der Krawk nach einer kurzen zeit der Stille.
Phantom sah ihn an. *Du bist verletzt*, sagte er. War es nicht selbstverständlich, dass man einem verletztem Pet half?
*Du bist nicht aus Diebesdorf, oder?*
Phantom schüttelte den Kopf. *Aber du schon*, sagte er dann und der Krawk nickte. *Hat dir jemand dort das angetan?* Wieder nickte der Krawk.
Phantom stellte nur noch eine Frage, ehe der Krawk wieder in die Bewusstlosigkeit dämmerte: *Wie heißt du?*
*Caliscunn*, keuchte der Krawk. *Und du?*
*Ich bin Phantomdrache.*


7. Teil: Die Geschichte des Knochenprinzen

Phantom hatte das Gefühl Stunden zu warten, bis Mac endlich zurückkehrte. Doch er hatte nicht den Eyrie mitgebracht, sondern Kana.
*Sag bloß du bist bis nach Hause geflogen um Hilfe zu hohlen*, brauste Phantom auf.
*Nein!*, versuchte Mac ihn rasch abzuwürgen, *Sie war in einem kleinen Canyon in der Nähe, was ich zufällig wusste.*
*In der Nähe*, schnaubte Phantom. *Die Sonne geht schon unter, ich warte seit Stunden.*
Mac machte eine wegwerfende Handbewegung und half Phantom den leblosen Krawk auf Kanas Rücken zu wuchten.
*Was machen wir mit den Wusel da?*, fragte Mac und deutete auf den Niptor.
*Den nehmen wir mit*, sagte Phantom, als wäre es selbstverständlich. Mac starrte ihn schockiert an.
*Er ist einmal aufgewacht*, erklärte er Mac, wärend er die Riemen festzog. *Er sagte das Niptor gehört ihm. Es heißt Nighjel. Irgendwelche Leute aus Diebesdorf haben ihn so zugerichtet. Sein Name ist übrigends Caliscunn.*
Mac nickte anerkennend. Schließlich erhoben sie sich zu dritt in die Lüfte, das Niptor im Netz hinter sich herziehend.

Am nächsten Tag fanden sich Mac und Phantom vor der Tür des Zimmers ein, wo Caliscunn untergebracht worden war. Außer ihnen waren bereits neugierige wie Fey, Klick, Sun und Sath. Tal hatte sich in der vergangenen Nacht um den Krawk gekümmert, da er sich mit Verletzungen gut auskannte. Auch Kaja war als Anführer der Bande dabei. Gerade stießen noch Kaps und Ti zu ihnen. Kaps trug einen Holzkäfig über einem Stoßzahn, in dem es laut herumtobte.
*Das Niptor?*, fragte Mac. Ti nickte. *Ganz schön wild das Biest.* Er zeigte den anderen einen langen Kratzer am Rücken, den er wohl von dem Niptor hatte.
In dem Moment kamen Tal und Kaja aus dem Zimmer. Tal erklärte auf die vielsagenden Blicke hin: *Ihm gehts gut. Er fragt ständig nach Nighjel, am besten bringt ihr ihn gleich rein, er meinte dann würde sich auch das Petpet wieder beruhigen. Viel mehr hat er allerdings nicht gesagt. Die Verletzungen wrden gut verheilen, nur ich furchte im Gesicht wird er einige Narben behalten müssen.* Er seufzte.
*Jetzt erzählt mal, was ihr wisst*, sagte Kaja eindringlich zu den Draiks.
Mac und Phantom begannen mit der Geschichte im Haus des Eyrie, wo sie ein wenig über das Diebesdorf erfahren hatten. Dann berichteten sie, wie sie über die Ebene geflogen waren und das Kreischen des Niptors gehört hatten um kurz darauf Caliscunn zu finden. Anschließend erzählte Phantom von dem kurzen Gespräch zwischen ihm und dem Schattenkrawk.
Nachdem sie geendet hatten sagte Tal zunächst: *Ihr zwei bringt jetzt mal das Niptor da rein.* zu Kaps und Ti. Seufzend öffneten sie die Tür, die hinter ihnen sofort wieder ins Schloss viel. Einen Moment herrschte Stille. Dann drang ein Radau aus dem Raum, dass alle meschanisch einen Schritt zurück sprangen. Die Tür flog auf und Kaps und Ti stürzten heraus, wütend verfolgt von dem gemeingefährlichen Niptor, das jeden Moment den Raum verlassen würde.
Doch da knallte die Tür mit einem Ohrenbeteubendem Geräusch wieder ins Schloss. Nachdem sich alle wieder gefangen hatten, sahen sie Kana, die rücklings zur Tür stand und sie soeben im vollem Ausschlag zugedonnert hatte. Man konnte sogar die Brandspuren leicht auf der Tür erkennen.
*Ihr könnt ja echt super mit Petpets umgehen*, knurrte Kana und funkelte Kaps und Ti, die übereinander gestolpert waren, aus ihren roten Augen an.
*Das ist ein Monster, kein Petpet!*, verteidigte sich Kaps wütend.
Tal musste Kana jetzt noch einmal Caliscunns Situation erklären, ehe die Unidame Wortlos das Zimmer betrat.
Alle lauschten gebannt auf mögliche Zeichen eines Kampfes zwischen ihr und dem petpet, soch alles blieb still. Schließlich brach Klick das Schweigen: *Wie sagtet ihr noch gleich heißt er?*
*Caliscunn*, antwortete Phantom.
*Calisconn...* Klick warf Fey einen vielsagenden Blick zu. *Ist das nicht Elbisch?*, fragte die Xweetokdame.
*Elbisch?*, wiederholte Phantom.
*Ja, ich glaube es heißt so viel wie Knochenprinz.*, meine Klick schließlich nachdenklich und Fey nickte.
*Knochenprinth*, widerholte Sath und rieb sich mit dem Fügel übers Kinn. *Wir könnten ihn Bone nennen.*
Fey, Klick und Tal verdrehten die Augen, doch Phantom fragte: *Was ist elbisch?*
*Eine Sprache*, meinte Fey. *Celongil bedeutet zum Beispiel Flussfunke. Silithcelon heißt Silberfluss.*
*Sie sind aber bisher die einzigen mit elbischen Namen gewesen*, fügte Kaja hinzu.
*Wie weit seit ihr mit eurem Auftrag?*, wollte Klick plötzlich wissen.
*Noch gar nicht*, seufzte Phantom. *Dieser Krawk hat uns völlig rausgebracht.*
*Aber vielleicht kann er uns helfen*, wandte Mac ein. *Immerhin kommt er aus Diebesdorf und kennt sich sicher mit den Organisationen dort aus.*
*Dazu müssten wir erst mal etwas aus ihm rauskriegen und ich glaube dieses Niptor wird das zu verhindern wissen*, meinte Phantom.
*Wir nehmen beim nächsten Mal einfach Phalasis mit rein, der wird damit schon fertig.* Mac grinste Kaja zu, der etwas abfällig schnaubte.
*Heute wird daraus aber sicher nichts mehr*, fauchte Tal. *Kana sollte da eigentlich auch nich drin sein, der Krawk braucht Ruhe.*
*Mit dem Petpet? Träum weiter!*, zischte Sath und alle, außer Tal, grinsten.

Am nächsten Tag erbot sich Phantom Caliscunn, den inzwischen alle nur noch Bone nannten, nach Saths Vorschlag, das Frühstück zu bringen um so einen Vorwand zu finden vielleicht mit ihm zu reden. Bone hatte ein Zimmer in dem Haus bekommen, indem inzwischen nur noch Kana, Phantom und Cet gewohnt hatten. Tay musste kurzerhand umziehen. Zu seiner Überraschung traf Phantom in Bones Zimmer auf Kana.
*Auch schon so früh wach?*, fragte er neckisch und stellte das Tablett auf dem Nachttisch ab. Bone saß aufrecht im Bett, das Niptor hatte sich auf seiner Decke zusammen gerollt, blickte jedoch feindselig auf Phantom.
*Du vergisst, dass ich ein nachtross bin*, schnaubte Kana, stand auf und verließ das Zimmer.
*Du bist phantom, oder?*, fragte Bone, sobald die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen war. Phantom nickte. *Mac und ich haben dich gefunden.*
Der ganze Oberkörper und große Teile des Gesichts waren bandagiert. Er sah aus, wie eine Mumie.
twas nervös setzte sich Phantom vor dem Bett auf den Boden, wartete, und sah zu wie der Krawk sich etwas von dem Frühstück nahm. Nach einiger Zeit blickte er Phantom an. Er schien zu wissen, was er wollte.
*Ich werde nicht darüber reden*, murmelte er und wandte den Blick wieder ab. *Ich bin dankbar für eure Hilfe, aber sobald es mir wieder besser geht werden wir gehen.*
Phantom seufzte. *Kannst du uns wenigstens etwas über die Stadt sagen? Wir haben dort einen Auftrag zu erfüllen.*
*Wenn er nicht von den Dieben stammt solltet ihr es besser bleiben lassen. Niemand stellt sich ihnen in den Weg und kommt damit davon.*
*Vielleicht hatten sie es einfach noch nie mit Pets wie uns zu tun.*
Der Krawk stieß ein kurzes, falsches Lachen aus, sagte jedoch nichts. *Du brauchst nichts damit zu tun haben*, fuhr Phantom fort. *Wir würden nur gerne so viel wie möglich über die Stadt und die Diebe wissen.*
*Vielleicht ein andermal*, murmelte Bone und sank in seinem Bett zusammen. *Ich bin ziehmlich müde.*
Er drehte sich auf die Seite und schloss die Augen. Seufzend verließ Phantom das Zimmer. Vor der Tür wartete Mac.
*Hat er was gesagt?* Phantom schüttelte den Kopf. *Er meinte nur, wir sollten uns besser nicht mit Typen wie denen anlegen.*
*Verständlich, wenn man bedenkt, was ihm zugestoßen ist*, murmelte Mac.

Phantom versuchte es jeden Tag. Jede Mahlzeit brachte er Bone aufs Zimmer und fing dann an ihm Fragen zu stellen, doch der Krawk redete nicht. Nicht selten traf Phantom Kana in seinem Zimmer. Es schien, als würden die beiden sich sehr wohl unterhalten. Kaja hielt sich aus der Sache gänzlich raus. Nach einigen Wochen waren Bones Wunden komplett verheilt. Doch wie Tal vorrausgesagt hatte, waren die Narben im Gesicht zurück geblieben. Auf seinem Körper allerdings nicht.
*Ich bin total verunstaltet*, krächzte Bone eines Abends. Er hatte ausrichten lassen, das er und Nighel am nächsten Tag verschwinden würden. Phantom hatte den letzten Versuch gestartet etwas aus ihm heraus zu bekommen. Jetzt saßen sie sich gegenüber und Bone starrte in einen kleinen Handspiegel.
*Wo willst du eigentlich hin, wenn du von hier weg gehst?*, fragte phantom plötzlich. *Du wirst doch kaum in Diebesdorf zurück gehen.*
Bone schüttelte den Kopf. *Ich weiß noch nicht, wohin ich gehe. Vermutlich einfach, wohin meine Nase mich treibt.*
*Und du denkst das wird funktionieren? Ich glaube ich verstehe dich besser, als du denkst. Ich hab auch vor nicht allzu langer Zeit mein zu Hause verloren. Zumindest konnte ich nicht mehr dorthin zurück. Dann kam ich hier her. Es hat mir anfangs sehr gut gefallen, doch dann wurde es immer langweiliger. Jetzt suchen Mac und ich nach neuen Abenteuern. Deswegen müssen wir es mit diesen Dieben aufnehmen.*
Bone sah ihn nur traurig an und schüttelte den Kopf.
Als Phantom hinunter ins Wohnzimmer kam, traf er dort, zu seiner Überraschung nicht nur auf Cet, Kana und Mac, sondern auch auf Kaja, Kaps, Sath und Klick.
*Ich bin wegen des Krawks hier*, sagte Kaja auf Phantoms fragenden Blick hin. *Ich habe gehört er will morgen fort?*
Phantom nickte bedauernd. *Ist besser so*, schnaubte Kana und entlockte Phantom damit einen wütenden Blick.
*Du hast wahrscheinlich nichts mehr erfahren, was euch helfen wird nach diesem Diadem zu suchen, oder?*, warf Klick dazwischen.
Wieder schüttelte Phantom den Kopf. *Am besten lasst ihr es einfach bleiben*, schnaubte Kana. *Ihr hättet keine Chance.*
Alle starrten sie verdutzt an. *Soll das heißen, dir hat er etwas erzählt?*, fragte Kaja nachdrücklich.
Kana starrte ihn ungerührt an. *Loth erthähl!*, fauchte Sath, doch Kana schüttelte heftig den Kopf. *Wenn er es euch nicht sagen will, ist es seine Sache*, meinte sie.
*Ich frag mich, was die Diebe sagen würden, wenn sie wüssten, dass er noch am Leben wäre*, murmelte Mac da unerwartet vor sich hin.
*Das würdest du nicht wagen!*, Kanas Stimme war gefährlich tief geworden und die Flammen ihrer Hufe schlugen wieder hoch über die Fesseln.
Mac starrte sie mit ausdrucksloser Miene an, bis Phantom sich dazwischen warf. *Wir haben ihn daraus gerettet, wir haben ein Recht es zu erfahren!*
Kana schüttelte nur leicht den Kopf. *Sagt ihm das selber! Von mir erfahrt ihr nichts!* Damit wandte sie sich um und stürmte davon. Einen Moment herrschte Stille, bis eine Stimme sie alle zusammen zucken ließ.
*So nett, wie ihr tut, seid ihr ja gar nicht.*
Alle fuhren herum. Bone stand auf der Treppe, sein Niptor neben ihm.
*Aber wenn ihr unbedingt wollt. Hoffentlich hilft es euch von diesem lächerlichen Plan abschied zu nehmen. Ich erzähle euch, was mir passiert ist.*
Langsam kam Bone die Stufen herunter und setzte sich auf das Sofa. Alle starrten ihn neugierig an.
*Als ich vor einigen Jahren in die Stadt kam, hatte sie noch einen ganz anderen Namen: Baltar. Sie wurde nicht von den Dieben beherrscht. Ich kam dort hin, weil ich von einem seltenen Dolch hörte, der dort in der Nähe angeblich gefunden wurde, ich wollte ihn begutachten und sollte seinen Wert schätzen. Da ich Schatzjäger bin kenne ich mich mit solchen Dingen aus.*
Mac und Phantom spitzen beide gleichzeitig die Ohren.
*Es gab dort damals ein Museum in dem viele Antiquitäten ausgestellt wurden. Der Museumsdirekter bat mich zu bleiben. Er meinte es gäbe noch viele Schätze in der Umgebung der Stadt und ich sollte für ihn arbeiten. Ich nahm an, da ich schon lange nicht mehr in einem Bett geschlafen hatte, oder etwas ordentliches zu Essen bekam. Ich fand Nighel dort irgendwann in den nächsten Jahren, er war jung und verletzt und ich zog ihn auf. Eines Tages aber kam ein Dieb in die Stadt, er stahl ein sehr seltenes Relikt aus dem Museum, eine Maske, die ihm große Macht verlieh, da sie anderen furchtbare Angst einjagt, wenn man sie trägt.
Wir versuchten natürlich sie zurück zu bekommen, aber andere Diebe schlossen sich dem Kyrrii anschlossen, da er plötzlich alles bekam, was er wollte. Sie jagten die Wachen und den Museumsdirekteor aus der Stadt und irgendwann war ich der Einzige, der keinen Respekt vor ihnen zu haben schien. Ich habe versucht dem heutigen Anführer, ein Jetsam, die Maske wieder zu stehlen, doch ich wurde erwischt und aus der Stadt geworfen. Ich schaffte es allerdings wieder zurück zu kommen. Immer und immer wieder. Ich weiß nicht wie oft ich es inzwischen versucht habe, aber inzwischen ist es wohl unmöglich an das Jetsam ran zu kommen. Am Anfang schien er es witzig zu finden, das ich dauernd versuchte ihn zu überlisten, aber irgendwann wurde es ihm wohl lästig und er erteilte mir eine Lektion.*
Bone strich sich über das zerschnittene Gesicht. Im Raum waren alle verstummt.


8. Teil: Der Plan

Mac und Phantom saßen nebeneinander am Rand der Klippe, die die riesige Bucht umschloss, in der der Anlegesteg der Black Shadow lag. Gedankenverloren starrten sie hinaus aufs Meer. Gerade waren sie Bones Erzählung noch einmal durchgegangen. Das er ein richtiger Schatzjäger war, fanden sie beeindruckend, aber der Jetsam klang nicht gerade ungefährlich.
*Meinst du nicht das is ne Nummer zu hoch für uns?*, fragte Mac zweifelnd.
Phantom seufzte. *Wenn Bone es nicht noch einmal versuchen will können wir sowieso nichts machen*, sagte er dann. *Ich frage mich ob er gut kämpfen kann. Wir haben doch unsere Stäbe. Diese Maske mag Pets Angst einjagen, aber unsere Stäbe können sehr viel mehr.*
*Wenn wir in der Lage sein werden sie einzusetzen*, gab Mac zu bedenken. *Und wenn wir verlieren sind wir sie sicher los, beide sind immerhin einmalig.*
Phantom sufzte erneut. *Aber unseren ersten Auftrag gleich abbrechen? Wenn wir nur eine Idee hätten diesen Jetsam auszutricksen. Ich wette außer ihm darf die Maske niemand berühren.*

Bone hockte auf einem Strohballen in Kanas Zimmer. Es war das einzige im Erdgeschoss und hatte früher einmal Kaja gehört, doch er hatte es ihr überlassen, als sie zu ihm gekommen war. Seitdem beanspruchte sie es für sich. Es war eingerichtet wie eine Stallbox, ausgelegt mit Stroh und Heu, es gab Weder Bett noch Tisch oder Stuhl, nur eine Holzwand trennte ihren Schlafbereich vom übrigen Raum. In die Wand war ein Regal eingelassen in dem Kana alles mögliche, was sie fand, verstaut hatte. In einer Ecke lag ein kleiner Teich in dem ihr petpet, ein Gruslen Joulan oft spielte. Er wollte unbedingt maraquanisch werden. Auf der, zum Zimmer liegenden Seite der Abtrennwand, waren elektrische Tränke und ein Futtertrog angebracht, letzteres benutzte Kana aber nur selten.
*Willst du wirklich schon gehen?*, fragte Kana und lenkte damit Bones Aufmerksamkeit von den beiden Petpets, die im Wasser rauften.
*Ich hab euch lange genug belästigt*, murmelte Bone.
*Du bist Gastfreundschaft wohl nicht gewohnt, was?*, fragte Kana neckisch und Bone musste grinsen. *Ich denke wenn man zwei Jahre lang alle paar Wochen mit einem Tritt aus einer Stadt verabschiedet wird gewöhnt man sich ab an Freundschaft zu glauben.*
Kana sah ihn traurig an. *Vielleicht solltest du dann hierbleiben und es wieder lernen*, schlug sie vor.
Bone erhob sich um Kanas kleine Schätze aus der Nähe zu betrachten. Es überraschte ihn was da teilweise für wertvolle Sachen dabei waren. alte Goldringe, eine Schatulle mit einem uralten Manuskript drin, Versteinerungen von Petpetpets.
*Ich glaube nicht, dass das das Richtige für mich ist*, sagte er, als er die Schädelmaske einen Krawk hoch hob. *Wo hast du das denn her?*
*Lag in einer Schlingpflanze*, sagte sie rasch. Es gefiel ihr nicht, das Bone das Thema wechselte. *Und was wird aus der Stadt?*
*Was soll daraus werden?*, erwiderte Bone *Diebesdorf wird eben weitervon Dieben regiert, wer da bleibt hat selber schuld.*
*Sollte man die Machenschafften von diesem Jetsam nicht unterbinden? Sicher nicht lang und eine Stadt reicht ihm nicht mehr, irgendwann regiert er ganz tyrannia und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis ganz Neopia Angst vor dieser Maske hat.*
Kanas Flammen begannen höher zu züngeln. Bone schien das völlig egal zu sein. Er untersuchte die Maske von allen Seiten und setzte sie sich schließlich auf.
*Was soll ich denn dagegen ausrichten können*, fragte er provokant. *Ich hab es schon viel zu oft versucht.*
*Aber immer allein!*, rief Kana. *Wir können dir helfen. Ich bin sicher Mac und Phantom würden sofort mitmachen.*
*Die haben doch überhaupt keine Erfahrung*, meinte Bone.
*Du kennst sie doch gar nicht!*, blaffte Kana. *Mac hat als Lupe einer ganzen Wüstenstadt das Leben gerettet und ist als Draik im Alleingang durch die Fallen des sertinischen Schlosses im Schreckensberg gekommen und ist nun im Besitz eines der seltenen Draik-Stäbe. Phantom wurde sein ganzes Leben ausgebildet einen anderen dieser seltenen Stäbe zu bewachen und als er gestohlen wurde haben er und Mac den Stab aus einer Festung voller Grarrls zurück geholt. Und du glaubst allen ernstes sie wären unerfahren?*
Bone schwieg. Er sah Kaja nicht an, stand mit dem Rücken zu ihr und starrte in den großen Spiegel, der an der Wand neben der Tür hing. Die Knochenmaske verbarg sein verunstaltetes Gesicht. Minuten der Stille schienen zu vergehen. Selbst die Petpets gaben keinen Mucks von sich. Schließlich seufzte Bone schwer.
*Du kannst die Maske behalten*, sagte Kana.

Mac und Phantom waren niedergeschlagen auf dem Rückweg zum Haus Naridiana, wo Phantom jetzt lebte. Sie waren letztendlich zu dem Schluss gekommen es wäre unvernünftig ohne jede Hilfe zu versuchen die Diebesbande zu besiegen.
*Das Schlimmste ist, wie müssen dem Eyrie sagen, dass wir sein Diadem nicht zurück hohlen können*, fauchte Mac.
*Wird schwierig danach wieder einen Auftrag zu kriegen*, stellte Phantom fest. *Vielleicht sollten wir einfach auf eigene Faust suchen. Wir erkundigen uns nach verschollenen Artefakten und...*, er verstummte, denn Bone kam plötzlich auf sie zu gerannt. Sein Gesicht war weiß und er hielt einen langen Stock in einer Kralle.
Mac und Phantom waren stehen geblieben und warteten, bis der Krawk keuchend vor ihnen zum Stehen kam.
*Was hat dich denn verfolgt?*, fragte Phantom mit einem Tonfall, der deutlich erkennen ließ, das es ihm egal war. Er war wütend auf Bone, weil dieser ihnen icht helfen wollte.
*Nichts, bloß ein Gedanke*, keuchte Bone. *Ihr wollt doch die Diebe hintergehen.*
Die Draiks nickten. *Dann helfe ich euch.* Beide schnappten gleichzeitig überrascht nach Luft. Phantom erholte sich als erster und fragte misstrauisch: *Wieso der plötzliche Sinneswandel?*
*Ich will dem Jetsam eine Lektion erteilen. Er fühlt sich nur so stark, weil zwanzig andere Pets hinter ihm stehen. Ich will ihm das Gegenteil beweisen.*
Weder Mac, noch Phantom wirkten sonderlich überzeugt.

Sie saßem im Wohnzimmer auf den Sofas, Bone breitete mehrere Karten vor ihnen auf dem Tisch aus. Kana stand in einer Ecke und sah neugierig zu.
*Das ist Diebesdorf*, erklärte Bone und zeigte den Draiks eine Karte von der Stadt.
*Hier, unter dem Haus hält sich der Jetsam für gewöhnlich auf, in der Kanalisation. Dort gibt es eine Art verteilerraum und er hat ein paar Nebenzimmer eingebaut in denen es nicht ganz so stinkt. Einer davon ist ein Tresorraum. Dort ist wahrscheinlich euer Diadem. Die Maske hat er immer bei sich.*
Das Haus, auf das Bone zeigte befand sich ziehmlich in der Mitte von Diebesdorf.
*Die Kanalisation zieht sich unter der ganzen Stadt entlang. Die größten Tunnel gehen Sternförmig von diesem Wasserreavouir aus. Allerdings sind alle Tunnel durch kleinere verbunden. Ein ziehmliches Labyrinth*, fuhr Bone fort. *Die meisten seiner Kumpane halten sich oberhalb in der Stadt auf und überprüfen, ob dort alles glatt läuft. Er kann sie aber jederezeit rufen. In der Kanalisation gibt es auch einige Wachen.*
Er holte eine neue Karte hervor, auf der man die Kanalisationswege sehen konnte und deutete auf die bewachten Gänge.
*Wachablösung ist immer zu unterschiedlichen Zeiten, damit keiner darauf planen kann. Angeblich wissen nur seine Pets wann die ist. Und selbst wenn man bis zu dem Jetsam vordringt ist da immer noch das Problem mit der Maske. Seine Spitzel kann man in den Straßen oft nicht von den gewöhnlichen Pets unterscheiden. Oder sie verbergen sich gut.*
Mac schnaufte. *Puh, das könnte wirklich kompliziert werden. Ich glaube wir brauchenhier mal ein paar helle Köpfchen.*
Er stand auf und verschwand. Bone sah ihm überrascht nach. *Was macht er jetzt?*
*Vermutlich holt er Klick und Kaja*, antwortete Phantom.


9. Teil: Gefährliche Gassen

Die Luft war stickig und von Lärm erfüllt. Die kleinen Lehmhäuser standen eng beieinander und ließen in den Gassen nicht viel Platz. Viele Pets hockten auf der Straße oder versteckten sich in dunklen Seitengassen. Andere liefen geschäftig auf der belebten Hauptstraße hin und her.
Mac, Phantom und Bone standen in einer dunklen Seitengasse. *Wie kann man nur hier leben wollen?*, fragte Mac angewiedert, als etwas undefinierbares, schmutziges an ihm vorbei streifte.
*Wer weiß ob die das wirklich wollen*, meinte Bone. *Entweder ist man Mitglied der Diebe, ihr Feind, oder ihr Gefangener.*
*Klingt ja vielversprechend*, murmelte Phantom.
*Na schön, wir sindhier, also ziehen wir das auch durch!*, bestimmte Mac.
Sie verließen die Gasse und gingen zwischen den anderen Pets die breite Hauptstraße entlang. Sie hatten sich mit schweren braunen Umhängen getarnt. Phantom hatte unter dem Umhang wieder seinen alten Grarrl-Umhang über geworfen, den er bei seinem ersten Abenteuer mit Mac in der Festung der Grarrls gefunden und als Tarnung behalten hatte.
Schließlich blieben sie vor einer düsteren Kaschemme stehen. *Hier ist der Eingang in den Untergrund*, erklärte Bone. *Ich hoffe du weißt, was du tust.*
Er sah Phantom eindringlich an. Dieser erwiederte den Blick fest und nickte.
*Du wirst die Wächter nicht verfehlen, nur sie dürfen sichtbare Waffen tragen und das sind vermutlich Schwerter*, fuhr Bone fort. *Wir sehen dich dann heute Abend.* Hoffentlich, fügte er in Gedanken hinzu.
Mac und Bone machten sich wieder aus dem Staub, wärend Phantom den Pub betrat. In den dunklen Haus war es noch stickiger, als auf der Straße. Stumm saßen hier einige Pets einfam an Tischen, undefinierbare Getränke vor sich stehen. Phantom ging möglichst unauffällig zur Theke und bestellte einen Frostie. Er sah aus wie flüssiger Dung und schmeckte auch so. Angewiedert schob er das Getränk weg.
Er warf einen möglichst unauffälligen Blick durch den Raum. In der dunkelsten Ecke hockten ein Kyrrii und ein Blumaroo in schwarze Umhänge gekleidet, aus denen deutlich die Spitzen zweier Schwerter ragten. Aus den Augenwinkeln beobachteten sie die Stummen Barbesucher.
Phantom stand auf und ging zu ihnen herüber. Sie wirkten sofort alamiert und legten die Hände an die Griffe ihrer Waffen.
*Ich hab eine Lieferung für euch*, sagte Phantom, wie Bone ihm eingegeben hatte. Er versuchte seine Stimme zu verstellen, wusste jedoch nicht ob es ihm wirklich gut gelang.
*Zeig mal her*, knurrte der Kyrrii.
Phantom holte einen dicken Beutel aus seinem Umhang. Darin waren Gold und Geschmeide feinster Art. Eigentlich gehörten sie Kaja. Alle waren erstaunt gewesen, als Kaja sagte er hätte Wertsachen, die er für diesen Plan opfern könnte. Andererseits wussteniemand viel über Kajas geheime Aktivitäten, wenn dieser plötzlich verschwand und einige Tage später mitten in der Nacht wieder auftauchte.
*Nich übel*, murmelte der Blumaroo. *Wir geben es gerne weiter.*
*Ich würde das ehrenwerte Pet, das solche Antiquitäten bestellt gerne selbst kennen lernen*, erwiderte Phantom.
Die beiden Pets sahen ihn grimmig an, nickten dann jedoch und führten ihn durch eine verstekte Wand hinter der Ecke. Dort war eine, von Fackeln erleuchtete Treppe, die nach unten führte.

Mac und Bone hatten sich in eine Gasse gehockt, von der aus sie den Ausgang des Pubs im Auge behalten konnten. *Ich hoffe er weiß, was er tut*, murmelte Bone. *Man kommt dort zu leicht in gefährliche Situationen.*
*Er wurde dazu ausgebildet einen kühlen Kopf zu behalten*, sagte Mac. *Und falls nicht, ich glaube bei ihm stehen die Chance besser, als bei dir, dass er da lebend wieder rauskommt.*
*Die Kanalisation ist in vielen Teilen nicht hoch genug um zu fliegen*, meinte Bone.
Mac grinste. *Im Notfall hat er immer noch den Stab.*
Bone sah ihn misstrauisch an. *Sie werden ihm die Waffen abnehmen, bevor er zu em Jetsam kommt.*
Mac grinste noch immer. *Wirklich zu blöd, das außer Phantom niemand den Stab anfassen kann ohne gegrillt zu werden. Im Moment ist es nur ein Zahnstocher, sie werden ihn nicht mal finden.*
*Na hoffentlich hast du recht*, murmelte Bone.
Die Zeit verging schleppend langsam und mittlerweile machte sich auch Mac Sorgen. Phantom war vielleicht gut ausgebildet, aber war er jemals wirklich in so einer Situation gewesen?
*Ich glaube wir sollten hier weg*, sagte Bone plötzlich. Mehrere Stunden waren seit Phantoms Verschwinden vergangen.
*Wieso?*, wollte Mac wissen.
Bone deutete die Straße runter. *Siehst du die Buzz und das Blumaroo in den schwarzen Umhängen? Ich kenne sie und ich fürchte sie könnten mich trotz Maske erkennen.*
Mac kniff die Augen zusammen. *Es hat ganz den Anschein, als suchten sie nach jemandem*, überlegte er.
*Dann müssen wir erst recht verschwinden*, sagte Bone und stand auf. *Komm mit.*
Möglichst unauffällig eilten sie durch die engen Gassen, schlichen dabei bevorzugt durch die, in denen sich die meisten Pets aufhielten um unter zu tauchen und hielten gleichzeitig ununterbrochen nach Wachen ausschau.
*Komm, wir verstecken uns hier*, sagte Bone irgendwann und deutete in einen Spalt zwischen zwei Häusern. Sie krochen hinein und vergruben sich tief in ihren Umhängen.
*Großartig*, knurrte Mac. *Jetzt erfahren wir erst recht nicht, wenn Phantom in Schwierigkeiten gerät.*
Bone schwieg. *Aber abblasen können wir das jetzt sowieso nicht mehr*, fuhr Mac fort.
*Ich hab euch gewarnt*, meinte Bone. *Aber noch ist ja nicht alles verloren. Ich glaube nicht, dass die Wachen nach uns gesucht haben. Sie sind ständig auf der Suche nach irgendwelchen Zechprellern.*
Mac steckte den Kopf aus dem Spalt. *So wies aussieht immer in unserer Nähe.* Er deutete die Straße hinunter. Dort waren schon wieder einige Pets in schwarzen Umhängen aufgetaucht, diesmal ein Elephante mit zwei Kyrriis.
*Das ist Zufall*, meinte Bone überzeugt. *Das sind doch ganz andere, als vorhin.*
Wieder erhoben sie sich und eilten die hier leeren Straßen entlang um schnell zu einer voll begangenen zu kommen.
Wieder verschwanden sie zwischen den anderen Pets, bis Bone den Weg in eine düstere Gasse mit hohen Mauern einschlug und danach um eine Ecke bog.
Mac hörte ihn schreien und schon purzelte der Krawk zurück, seine Augen vor entsetzen geweitet.
Jemand kam um die Ecke, verhüllt von einer dunkelbraunen Kapuze, doch Mac wuste, dass es ein Hissi war.
*Sieh mal einer an, wen haben wir denn da? Caliscunn, dass du dich noch einmal hier her wagst ist wirklich ein starkes Stück.*
Die Stimme des Hissi war viel höher, als die von Sath und doch konnte sie das typische zischen und lispeln nicht überlagern, auch wenn es nicht so stark war, wie bei dem blauen Hissi, den Mac kannte.
*Schatten!*, knurrte Bone, brachte jedoch kein weiteres Wort heraus.
Mac konnte die Augen des Hissi nicht sehen, aber seinen Mund, der sich zu einem breiten Grinsen verzog.
*Soll ich dich gleich aus der Stadt werfen, oder willst du vorher noch mal den guten alten Boss sehen, Knochenkopf?*
*Ich pfeif auf deinen Boss*, fauchte Bone.
*Er ist nicht mein Boss, nur eine gute Partie. Die Situation könnte sich schnell ändern*, sagte der Hissi.
*Was soll das heißen?*, wollte Bone wissen.
*Nur, dass ich ein Einzelkämpfer bin, so wie du Köpfchen. Ich bin immer auf der Seite, die für mich den meisten Profit abwürft und im Moment ist das nun mal leider unser Jetsam.*
Einige Minuten passierte gar nichts. Bone erwartete, dass der Hissi die Wachen des Jetsams herbeirufen würde, doch nichts geschah. Für Mac interessierte sich die Schlange gar nicht.
*Und wieso tust du es dann nicht und holst deinen Preis ab?*, fragte Bone schließlich.
*Nun, weißt du... heute tauchte ein sehr seltsames Pet beim Boss auf. Frag mich nicht wieso, aber ich habe das Gefühl hier könnte sich in nächster Zeit einiges ändern.*


10. Teil: Ein unerwarteter Verbündeter

In der Kanalisation roch es muffig. Die Luft war schlecht und dick, noch schlimmer, als oben in den Straßen. Die beiden Pets des Jetsams flankierten Phantom wie zwei Leibwächter.
Sie führten ihn durch unzählige Abzweigungen und Gänge, dass er sich den Weg schon nach einer viertelstunde nicht mehr merken konnte. An jeder Ecke gab es mindestens drei Gänge. Manchmal waren es bis zu sieben.
Irgendwann verließen die die großen Rohre und die Luft wurde etwas besser. Hier gab es Gänge, trocken und von Fackeln erleuchtet. Viele Türen führten in andere Gänger oder Räume und durch die meisten Flure zog sich neben dem Stein, auf dem sie liefen, ein schmaler Streifen sauberen Wassers, vermutlich, da es für den Jetsam einfacher war zu schwimmen, als zu laufen.
Endlich erreichten sie eine größere Halle, dessen größter Teil von einem Wasserbecken in Anspruch genommen wurde. Aus dem Becken führten viele weitere Gänge heraus, doch an Land gab es nur einen. Und eine Tür an einer Seite, eine Flügeltür, zur hälfte lief sie über Wasser, zur Hälfte über Stein.
Sie blieben vor der Tür stehen und der Blumaroo klopfte drei mal laut an. Die Tür ging auf.
Phantom war überrascht, als er dahinter in einen behaglichen, großen Raum kam, er hatte eine Art Kärker erwartet. Der steinerne Boden war von einem teuren Teppich verdeckt, unzusammenpassende, kostbare Möbel standen im Raum, das Wasserbecken endete direkt hinter der Tür, am hinteren Ende brannte ein Feuer in einem Kamin. Davor stand ein großer, massiver Schreibtisch, beladen mit kostbarenantiquitäten.
Zwei Wände des Raumes wurden von großen Regalen besetzt in denen weitere Kostbarkeiten lagen. Phantom konnte das Diadem jedoch nicht entdecken.
Beleuchtet wurde der Raum nicht nur durch den Kamin, sondern auch durch einen seltenen Kronleuchter, der an der Decke hing.
Hinter dem Schreibtisch stand ein Jetsam. Er hatte ihnen den Rücken zugekehrt, die Flossen dahinter verschränkt und starrte offenbar ins Feuer. Er war rot.
Außer dem Jetsam, Phantom und seinen Begleitern waren noch drei weitere Pets im Raum. Ein Mutantenbori und ein Halloweenlupe standen wie Leibwächter an den Wänden und in einer Ecke, kaum zu erkennen, ein Hissi. Ein normales Pet hätte dieses Hissi bestimmt nicht gesehen.
*Wir haben einen neuen Anwärter?* Der Jetsam sprach. Seine Stimme war tonlos und rau.
*Ja, Boss*, sagte der Kyrrii.
*Was hat er denn so zu bieten?*, fragte der Jetsam.
*Einen ganzen Sack voll, Boss!* Der Kyrrii stieß Phantom an und dieser holte den Beutel mit den Antiquitäten hervor. Der Broi riss sie ihm aus der hand und stellte sie auf den Tisch. Hinterrücks griff der Jetsam nach dem Beutel und spähte hinein.
*Nicht übel*, meinte er. *Aber ich hoffe dir sind die Regeln bekannt.*
Langsam, ganz langsam drehte der Jetsam sich um. Auf dem Kopf trug er eine überaus hässliche Maske, eine Fratze, die durch den fahlen Feuerschein noch grässlicher zu werden schien, als sie ohnehin schon war. Flammend rote Augen starrten Phantom direkt an und er schnappte nach Luft. Aber er musste sich beherrschen.
*Ich bin Thambladar Utator. Alles geht zunächst an mich. Ich entscheide wer was bekommt. Ich entscheide, was du klaust, wo du klaust, wo du bist, wem du die Hand schüttelst, welche Luft du atmest. Ich entscheide ab jetzt alles über dich, du gehörst mir. Wenn du dich nicht daran hälst wirst du mit Konsequenzen rechnen müssen. Hast du das verstanden?*
Die Stimme des Jetsams wirkte plötzlich viel gefährlicher. Phantom hatte Angst. Aber er durfte keine Angst haben. Wenn er jetzt nachgab würde er Thambladars Gefangener sein. Mit aller Kraft versuchte er sich dagegen zu wehren, zu nicken.
*Hast du das verstanden?*, wiederholte der Jetsam etwas lauter.
Die roten Augen bohrten sich in Phantom, wie ein Schwert aus Feuer. Er wollte das es aufhörte. Er wuste nicht, wie lange er das noch durchhalten könnte.
Der Hissi in der Ecke beugte sich vor, gelbe Augen blitzten auf.
Irgendetwas geschah. Phantom wusste nicht was, doch der Druck der Augen und die Angst ließen nach. Der Kyrrii und der Blumaroo wichen vor ihm zurück. Entsetzt starrten sie ihn an, als würde plötzlich er die Maske tragen und nicht Thambladar.
Mit einem Schlag war die Angst komplett verflogen. Phantom hatte wieder die Kontrolle über sich und sofort wusste er, was zu tun war. Er sprang hoch, schoss mit einem Flügelschlag auf den Jetsam zu und riss ihm die Maske vom Kopf. Dann stieß er sich von der Wand ab, schoss zur Tür, die laut krachend aufflog, als er mit dem Flügel dagegen prallte und flog hinaus.
Phantom bemerkte nicht, dass der Hissi sich aus dem Staub machte, denn er schien einfach im Schatten zu verschwinden.
Er hörte noch den lauten Ruf Thambladars hinter sich: *NEIN! HALTET IHN AUF! HOLT IHN MIR ZURÜCK, SOFORT!!*
Unter lautem gepolter preschten die Pets hinaus auf den Gang, doch keiner von ihnen konnte fliegen. Was aber viel wichtiger war: Keine von ihnen konnte schwimmen, denn Phantom schoss über das Wasserbecken hinweg und verschwand in einem der dunklen Gänge.

*Wo ist Phantom jetzt?*, fragte Mac den Hissi scharf.
*Ich habe keine Ahnung*, zischte dieser zurück. *Vermutlich irgendwo in den Kanalisationen und er wird dort wohl auch nicht mehr rauskommen, solange der Boss nicht geschlagen ist.
*Wieso hatte die Maske plötzlich keine Wirkung mehr auf ihn?*, wollte Bone wissen.
*Ich weiß es nicht. Er leuchtete plötzlich rot auf, aber mehr passierte nicht.*
Bone sah Mac verstendnislos an. *Er leuchtete rot?*
Mac überlegte nur kurz. *Vielleicht hat der Rubinstab etwas damit zu tun. Diese Draik-Stäbe haben so ihre Eigenheiten.*
*Schön und gut*, meinte Bonde. *Nur wie machen wir jetzt weiter? Sollte Phantom irgendwo an die Oberfläche kommen werden ihn die Handlanger des Jetsams sofort ausfindig machen.*
*Wie sollen wir zu zweit einen so mächtigen Gängster in die Flucht schlagen?*, fragte Mac zurück, schien aber mehr zu sich selbst zu reden, als zu Bone.
Der Krawk starrte ihn wütend an. *Ich hab euch gleich gesagt das Ganze ist eine Schnapsidee!*, fauchte er.
*Nichts ist unmöglich*, murmelte Mac. *Mir fällt schon was ein, lass mich nur etwas überlegen.*
Bone schnaubte. *Wenn du meinst. Is zur Zeit ja das Leben von deinem Freund, das auf dem Spiel steht.*
*Nicht nur*, warf der Hissi dazwischen. *Man hat euch längst identifiziert, auch eure Gesundheit stehet auf dem Spiel.*
Bone stöhnte laut. *Worauf hab ich mich da bloß wieder eingelassen?!*
*Wenn wir den Jetsam schlagen werden alle seine Handlanger automatisch mit untergehen*, sagte Mac. *Im Grunde haben wir also nur einen Feind.*
*Einen Feind mit sehr vielen Armen und Augen*, meinte Bone. *Wie sollen wir an den Jetsam bitte rankommen?*
*Ich hätte da vielleicht eine Idee*, sagte der Hissi.
Bone musterte ihn mistrauisch. *Wieso sollten wir dir trauen?*
*Ich stehe immer auf der Seite derer, wo für mich, nach meiner Meinung, der meiste Profit abfällt*, sagte der Hissi.
*Wie heißt du?*, fragte Mac.
*Mein Name ist Schattenkaempferin. Aber die meisten kennen mich eher als Storm.
Schattenkaempferin?, fragte sich Mac im Stillen. Ein Weibchen? Nicht, dass er etwas gegen Weibchen hätte, nur hätte er nie eines in einer Diebesbande erwartet.
*Und du willst uns wirklich helfen?*, fragte Bone.
*Ich glaube ein Ortswechsel täte mir mal wieder nicht schlecht*, meinte Storm.
Der Draik und der Krawk sahen sich einige Sekunden an. Schließlich sagte Bone: *Gut. Wie lautet dein Plan?*


11. Teil: Die Maske der Angst

Phantom hockte auf einem steinernen Absatz am Rand des Wassers irgendwo in der Kanalisation. Er hatte nicht die geringste Ahnung wo er sich befand. Ihr Plan war völlig schief gelaufen, der Anblick der Maske hatte ihn geradezu überwältigt.
Jetzt wirkte sie völlig harmlos. Sie war aus Holz, verziehrt mit bunten Federn. Die Augen und Mundhöhle waren bösartig ausgeschnitten, doch sonst schien sie nichts weiter bedrochliches an sich zu haben. in der Mitte der Augenhöhlen waren zwei schwarze Punkte durch sehr dünne Fäden befestigt. Phantom glaubte, dass diese Punkte glühend rot geleuchtet hatten, als der Jetsam sie trug.
Er hohlte den, zur Stecknadel verkleinerten Rubinstab hervor und betrachtete ihn. Der rote Kopf glomm leicht und erlaubte Phantom zumindest seine eigene Klaue zu sehen. Alles andere um ihn herum war dunkel. Wie sollte er hier jemals wieder rausfinden, wenn er nicht einmal fliegen konnte ohne gleich gegen eine Wand zu stoßen?
Er stand auf, befestigte die Maske an seinem Lendenschurz und vergrößerte den Stab. *Also gut*, murmelte er, *zeig mir den Weg hier raus!*
Nichts passierte. Das Leuchten des Rubins schien nur noch schwächer zu werden. *Komm schon, hilf mir!*
Phantom seufzte, als wieder nichts passierte. Er stellte den Stab neben sich auf den Boden und für einen Moment glomm der Rubin auf. Neugierig geworden betrachtete er den Stein ehe er die Spitze des Stabes auf den kalten Boden rammte. Ein gleißendes Licht erfüllte das dunkle Rohr und blendete den Draik.
Seine Augen brauchten einige Minuten um sich an die neuen Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Dann streckte er den Stab empor und sah sich um. Das kalte Rohr wurde jetzt von dem unnatürlich wirkenden rotem Licht erhellt.
Phantom zögerte nicht lange, stieß sich vom Boden ab und flog weiter in das Labyrinth aus Rohren und Kanalläufen entlang.

*Der Boss ist im Moment nicht zu sprechen*, grunzte die tiefe Stimme eines Skiths mit einem goldenen Ring auf dem Kopf, in dunklen Gewändern.
*Es ist aber wichtig. Den Boss wird es interesieren.*
*Was auch immer es ist, es muss warten*, knurrte der Skith.
Storm fauchte wütend. Sie hatte damit gerechnet, dass Thambladar sich zur Zeit nicht würde sehen lassen, doch alle Wege in die Kanalisation wurden bewacht.
*Der Boss wird nicht erfreut sein, wenn ihm eine so wichtige Nachricht vorenthalten wird*, versuchte Storm es weiter.
Jetzt knurrte der Skith. *Worum gehts denn?*
*Es geht um Caliscunn, er ist wieder in der Stadt*, sagte Storm.
*Darüber ist der Boss bereits informiert*, meinte der Skeith und funkelte Storm wütend an.
*Ich nehme trotzdem an, dass der Boss noch nicht darüber informiert ist, dass sich Caliscunn in meiner Gewalt befindet*, fuhr Storm fort.
Jetzt sah der Wächter neugierig auf. Hinter Storm stand ein weiterer Dieb in dunklem Gewand. Der Skeith erkannte ihn nicht, doch das war nichts ungewöhnliches. Plötzlich schubste die zweite Gestalt eine dritte aus seinem Umhang heraus. Es war Caliscunn, Hände und Maul waren gefesselt und er knurrte wütend.
Der Skeith sah ihn belustigt an. *Du kannst es einfach nicht lassen, wie?*
Bone knurrte nur.
*Wieso ärgern wir ihn nicht ein wenig irgendwann muss er ja kapieren, dass er hier nichts zu suchen hat*, meinte er schließlich zu Storm.
*Der Boss entscheidet*, zischte die Hissi. *Deshalb muss ich mit ihm sprechen.*
Der Skeith überlegte eine Weile. Schließlich sagte er: *Na gut, aber auf deine Verantwortung.*
Er machte den Weg frei und die drei betraten durch ein enges Loch die Kanalisation. Bone wurde voran geschubst und fiel fast durch das Loch. Schließlich waren alle drei in den dunklen Rohren verschwunden. Der Skeith sah ihnen nachdenklich hinterher.

*Na, das hätte aber schiefgehen können*, stöhnte Mac, nachdem sie außer Hörweite der Wache waren und nahm die Kapuze ab.
*Wir wären schon nicht aufgeflogen*, murmelte Storm.
*Aber ich hätte mir wieder einige blaue Flecken verdienen können*, knurrte Bone.
*Das hättest du sowieso. Die Stadt noch einmal zu betreten war ohnehin der größt Fehler, den du machen konntest.*
*Aber du hilfst uns trotzdem*, warf Mac ein.
*Ich hab einfach keine Lust mehr für den Gierschlund zu arbeiten. Aber so leicht kommt man aus der Bande nicht raus, wenn man richtig drin ist. Ich will doch nicht mit so einer blöden maske durch die gegend laufen wie du!*, sie funkelte Bone an, *entweder ganz oder gar nicht.*
*Was hättest du gemacht, wenn wir nicht in dem Moment aufgetaucht wären?*, fragte Bone um Storm für die Stichelein zu ärgern, doch es klappte nicht.
*Dann hätte ich noch ein paar Wochen gewartet und mir selbst was überlegt.*
Die längen Gänge waren dunkel und Still. Es stank abscheulich, sodass Mac die Nase rümpfte. Nur der spärliche Schein der Fackel, die Storm vorantrug, spendete ihnen Licht.
*Wonach suchen wir jetzt eigentlich?*, fragte Mac nach einiger Zeit Stille. *Wir haben doch keine Ahnung wo Phantom sein könnte und dem Jetsam werden wir doch bestimmt nicht mal eben einen Besuch abstatten, oder?*
*Nein, vorher brauchen wir ein Druckmittel*, sagte Storm. *Wir müssen Thambladars Schatzkammer finden bevor wir zu ihm gehen.*
*Du willst doch nicht allen ernstes so bei Thambladar aufkreuzen*, rief Bone verblüfft und wütend zugleich. *Der wird sich jetzt mit hunderten Wachen umgeben haben.*
Storm lachte. *Im Gegenteil. ur seine engsten Wachen werden ihn jetzt beschützen. Ich bin sicher der Skeith wusste nicht einmal warum der Boss im Moment niemanden empfängt. Er wird sich nie der Schmach hingeben ohne die Maske gesehen zu werden.*
*Und was wollen wir in der Schatzkammer?*, hakte Mac nach.
*Sein Lieblingsstück neben der Maske. Eine furchtbar empfindliche Skulptur von grünglänzender Farbe. Sie wird braun sobald sie in Sonnenlicht kommt. Sie ist etwa so wertvoll, wie ganz zentral Neopia.*
Mac und Bone stutzten, fingen sich jedoch schnell wieder.
Sie schwiegen erneut einen großteil der Strecke bis Storm, nach über eine Stunde, wie es ihnen vorkam, am Ende eines Ganges in einer Sackgasse stehen blieb.
*Wir sind da*, murmelte sie.
Mac und Bone warfen sich misstrauische Blicke zu, während Storm bereits mit einem Flügel über die Wand strich. Zunächst geschah nicht, doch dann gab es ein knackendes Geräusch, die Wand verschob sich nach hinten und fuhr schließlich nach oben, wobei sie den Blick auf ein schweres, metallenes Tor freigab. Es war mit mehreren Zahlen- und Schlüsselschlössern versiegelt.
Storm zog eine feine Nadel aus ihrem Gürtel und öffnete damit, recht flink, ein Schlüsselschloss nach dem anderen. Dann setzte sie sich an die Zahlenschlösser. Es dauerte etwas länger, aber auch die bekam sie auf.
*Wo hast du das gelernt?*, fragte Bone mit offenem Mund.
*Alles eigentraining*, erwiederte Storm. *Man muss schon ws drauf haben, wenn man als Dieb überleben will.*
Nach einer weiteren halben Stunde hatte Storm endlich das letzte Schloss geöffnet und schob geräuschlos die Tür auf.
Mac und Bone staunten nicht schlecht, als sie den dahinter liegenden Raum betraten. Er war groß wie ein Hangar und mit Regalen, Tischen und Kissen vollgestellt, auf denen die unterschiedlichsten Kostbarkeiten lagerten.
Storm führte seinmal durch die Länge des Raumes. Am hinteren Ende war ein kleines Quadrat in die steinerne Wand eingelassen und mit Glas versiegelt worden. Auf einem purpurnen Kissen, innerhalb dieses Kastens, lag eine feine Skulptur aus verschnörkelten, im Feuerschein grün glizernden Bändern, die sich als verschlungene Schlangen herrausstellten.
Storm fuhr mit einem Messer zwischen glas und Wand und helbelte das Fenster auf. Leicht strich sie mit dem Flügel über das Kissen. *Da ist ein Sensor, der das Minimalgewicht de Skulptur registriert*, flüsterte sie.
Mac konnte ein Schmunzeln nichtunterdrücken. *Wie in diesem Film, von dem Leno mal erzählt hat.*
Storm sah ihn kurz prüfend an, wandte sich dann aber wieder der Skulptur zu und betrachtete sie eine Weile. Schließlich löste sie ein paar Fäden aus dem Seil, das sie mit sich trug und hielt sie über das Kissen. im Bruchteil einer Sekunde nahm sie die feine Skulpur herunter und ließ die Fäden auf das Kissen sinken.
Alle hielten die Luft an und lauschten auf ein Zeichen, dass die List nicht geklappt hatte.
Plötzlich schallte ein Ohrenbetäubendes Geräusch durch die Kammer ein lautes Sirenenhupen, das irgendwo von der Decke kam. Trotzdem konnten Bone und Mac hören, wie Storm laut seufzte.
*Werden wir jetzt von einem riesigen Runden Stein und Giftpfeilen verfolgt, während sich die Steinwand vor dem Tresor schließt?*, überbrüllte Mac den Krach von der Decke.
*Nein, aber es kommen wahrscheinlich einige von Thambladars Wachen hier her*, erwiederte Storm. *Kommt einfach mit.*
Gemächlich machten sie sich auf den Rückweg durch die große Kammer. Dabei passierten sie zwei Regale in denen lauter Diademe lagen.
*Wartet mal*, rief Mac laut.
*Es ist grade nicht der richtige Zeitpunkt sich neuen Kopfschmuck auszusuchen*, sagte Storm generft.
*Eher nicht, nur ist das der Grund warum wir das alles hier machen*, antwortete Mac.
Er musste nicht lange suchen. Es gab nur ein Diadem, das nicht au wertvollem Metall, sondern aus braunem Stein gefertigt und mit winzigen, glizernden Federn geschmückt war. Es war eindeutig alt und tyrannisch. Hastig packte er es ein und folgte Bone zum Ausgang der Höhle. Storm musste schon dort angekommen sein.
Als die Tür endlich in Sicht kam, war sie noch offen, doch tatsächlich hatten sich einige schwerfällige Wachen davor versammelt und versperrten ihnen den Weg. Zwischen ihnen stand Storm und deutete auf Mac und Bone. *Da sind die Diebe!*, zischte sie laut.

Phantom hatte angehalten und war auf einem Vorsprung gelandet. Er hatte das Gefühl seit Tagen in den Rohren umher zu irren, aber möglicherweise waren auch noch keine zwölf Stunden vergangen. Seine Flügel wurden langsam schwer und mit jedem Schlag war er der Wasseroberfläche näher gekommen. Außerdem nagten Hungerund Durst an seinen Kräften. Er musste sich einfach ausruhen.
Er löschte die Spitze des Stabes indem er das untere Ende einmal auf den Boden schlug, umklammerte Stab und Maske fest und lehnte sich an die schmutzige Wand. Nur ein paar Minuten ausruhen, dachte er. Doch irgendwann riss ihn ein lautes, grässliches Gerusch aus einem unfreiwilligen Dämmerschlaf. Es klang nach einer Sirene.
Hatte man ihn entdeckt? Pnaisch sah er sich um, doch es war alles stockdunkel. Nichts ließ darauf schließen, das irgendwelche grobschlechtigen Diebe in zu umzingeln begannen. Einige Zeit lang stand er still da und lauschte dem grässlichen Ton bis er wieder verstummte und alles so still war wie zuvor.
Seufzend sank er wieder auf den Boden. Hoffentlich würden Mac und Bone ihn irgendwie finden. Hoffentlich unternahmen sie schon etwas. Aber woher hätten sie wissen sollen, dass ihr Plan nicht geklappt hatte?

Mac war wie erstarrt stehen geblieben, als er den Ruf der Hissi hörte. Bone jedoch rannte einfach weiter, machte einen Satz über die Wachen hinweg, die nicht weniger geschockt wirkten, als Mac, zog im Sprung einen Säbel und rammte ihn mitten zwischen den schwerfälligen Pets in den Boden.
Ein Wilder Kampf entbrannte in dem der vor Screck gelähmte Mac lange nicht sagen konnte wer gewann. Storm war in die Schatten zurück geschlichen und beobachtete das Spektakel. Es dauerte keine fünf Minuten bis alle Wachen, es waren rund zwanzig, bewusstlos oder jammernd auf dem Boden lagen. Endlich konnte der Draik sich wieder bewegen.
*Nicht übel*, sagte er zu Bone und begann mit ihm die Bewusstlosen in den Tresor zu ziehen.
*Hättest mir ruhig ein bisschen helfen können*, schnaubte der Krawk schwer atment.
Storm machte sich daran die wenigen, die noch gerade noch selbstständig gehen konnten, mit vorgehaltenem Dolch, in den Tresor zu treiben. Die Aufräumaktion nahm einige Zeit in Anspruch und alle atmeten erleichtert auf, als sie die Tresortür wieder schließen konntenund die grässliche Sirene aussetzte.
*Die wird schon irgendwer finden*, murmelte Storm, als sie Macs misstrauischen Blick sah. *Wir sollten jetzt lieber euren verirrten Freund finden.*
Sie machten sich auf den Weg zu Thambladars Versteck. *Bist du dir sicher, dass wir ihn zur Aufgabe zwingen können indem wir drohen dieses Ding zu zerstören?*, fragte Mac nach einiger Zeit.
*Wenn ichs doch sage*, zischte Storm gereizt zurück.
*Was genau fordern wir?*, wollte Bone wissen.
*Dass er die Stadt verlässt und irgendwo im Meer verschwindet, oder so.*
Mac und Bone wirkten nicht überzeugt, wiedersprachen jedoch nicht. Wie schon beim letzten Mal ging Storm mit einer Fackel vorran, die sie irgendwo aus einer Halterung stibitzt hatte. Schließlich kamen sie zu einem sehr engen Loch, durch dass sich Storm sicher mühelos hindurchzwängen konnte, doch besonders für Bone würde es eng werden. Allerdings würden sie die Fackel zurück lassen müssen.
*Direkt dahinter liegt sein Spielplatz, ihr werdet das Licht sehen, wenn ihr aus dem Tunnel rauskommt*, versprach Storm.
Bone sollte es als erster versuchen, denn wenn es an ihm scheiterte würden sie sich gleich was neues einfallen lassen müssen.
Ächzend schob er sich in den schleimigen, schmierigen Schacht. *Ich werde eine Woche lang baden müssen um den gestank wieder raus zu bekommen*, stöhnte er noch ehe er aus ihrer sichtweite verschwand. Sie hörten ihn nur noch ein paar Mal vor Anstrengung keuchen.
Mac kroch als zweiter hinein. Es stank fürchterlich, er konnte nichts sehen und sein sensiebles Gehör nutzte ihm da auch nicht viel, geschweige denn sein Geruchssinn. Also tastete er sich blind vorran und zog sich Spalte um Spalte nach vorn. Er spürte den ekligen schlammigen Schmutz unter seinen Krallen, spürte, wie ihm der Sandige Dreck die Schuppen aufreißen wollten und wusste nicht, wie lange sie sich noch dagegen wehren würden. Er wusste auch nicht wo Bone war. Was er dicht vor ihm? Oder womöglich schon aus der Höhle raus? Allzu dicht konnte er nicht sein, sonst hätte Mac ihn hören müssen.
Endlich kam das verspreochene Licht in Sicht, das Licht am Ende des Tunnels. Flackerndes, helles orange verriet, dass sich mindestens zwei Fackeln vor dem engen Ausgang befanden. Mac war nur noch wenige Meter davon enternt. Mit aller Kraft zog er sich das letzte Stück forwärts, kniff die Augen zusammen und versuchte seine Flügel nach draußen zu zwängen. Obwohl sie noch immer in der Kanalisation waren kamm ihm die Luft plötzlich so frisch vor wie auf einer Heide im Frühling, im Vergleich zu dem stickigen, muffigen Dampf in dem engen Schacht. Endlich befreite er sich aus den Fesseln des Steins und viel unelegant zu Boden. Zwei kräftige Hände packten ihn sofort bei den Oberarmen und zerrten ihn hoch. Mac riss vor Screck die Augen auf und sah sich von gewichtigen Wachen in schwarzer Kleidung umzingelt. Ihm gegenüber stand bone, ebenfalls von den Wachen gepackt und sah ihn mit einer Mischung aus Zorn und Furcht an.
Ein lautes Zischen ertönte hinter Mac, als Storm soeben aus dem Sachte gekrochen kam und wie sie von den Wachen gepackt wurde. Sie wand sich jedoch im Griff, kratzte und biss um sich bis jemand mit einem großen Sack kam und sie hineinstopfte.
*so so so.* Eine scheußliche Stimme drang irgendwo hinter der Wand der Wachen hervor.
*Da wagt es doch tatsächlich jemand meinen größten Schatz zu stehlen und wen sehe ich vor mir? Der gute alte Knochenprinz mit zwei exotischen Draiks und ausgerechnet Schattenkaempferin an seiner Seite?* Thambladar trat zwischen Mutantenbori und Halloweenlupehervor.
*Exotisch?* Mac war so verwirrt über den Ausdruck, dass er beinahe gelacht hätte.
Der Jetsam funkelte ihn kurz an, ehe er sich wieder an Bone wandte. *Wie hast du dasbloß geschafft?*, fragte er. *Würdest du dich nicht gegen mich stellen wärst du sicher einer meiner besten Diebe, aber so...*
Er braht ab und wanderte langsam im Kreis um sie herum.
*Mir fällt schon irgendwas nettes ein, was ich mit euch machen kann, aber was dich berifft, Storm*, er blieb vor dem zappelnden Sack stehen, *ich sollte dich gleich so verpackt in meinen See werfen.*
Ein lautes Ratschen durchbrach die gebannte Stille, als Storm mit einem Zahn ein Loch in den Sack riss und Thambladar einen kräftigen Biss in die Flosse versetzte.
Er schrie auf und begann seine Flosse zu schütteln, doch mehr, als Storm dabei hin und her wirbeln zu lassen, erreichte er nicht, sie ließ einfach nicht los. Die Diebe gerieten in Panik und fingen an wild durcheinander zu laufen. Mac versuchte die allgemeine verwirrung zu nutzen um sich von seinem zu befreien, doch er konnte den starken Griff nicht durchbrechen.
Schließlich kehrte wieder Ruhe ein. Gleich vier Wachen hatten Storm um den langen Leib, Maul und Flügel gepackt und hielten sie fest. *Das wird dir noch leid tun*, zischte Thambladar und wischte sich die blutige Flosse. Storm wollte scheinbar etwas erwiedern, konnte jedoch nicht sprechen.
Plötzlich breitete sich ein fettes Grinsen über Thambladars Maul aus und er erhob die Stimme: *Wer is dafür, dass wir das Krokodilchen hier mit der Schlange fesseln und gleich in den See werfen? Mal sehen wer von beiden länger die Luft anhalten kann!*
Die Diebe gröhlten zustimmend. Bone und Storm wehrten sich nach Kräften, doch es hatte keinen Zweck. Langsam gingen die Aufpasser von Storm auf Bone zu.
*Was ist mit mir? Hab ich auch ein Stimmchen?*
Alle fuhren zusammen, als der Ruf erklang. Er schien von irgendwo über ihnen gekommen zu sein, doch keiner konnte dort im Schatten etwas erkennen. Nur die Flügelschläge waren plötzlich zu hören.
Thambladar knurrte. *Nein, hast du nicht, egal wer du bist!*, fauchte er in die Dunkelheit.
*Oh, ich bin aber sicher du könntest deine Meinung dann ändern*, sagte die Gestalt im Schatten.
Die Diebe lachten höhnisch, doch die Neugier des Jetsams musste geweckt sein, denn er sagte nun: *Dann zeig dich, du Feigling!*
Der Schatten begann zu sinken, immer tiefer und tiefer dem Schein des Feuers entgegen. Zunächst konnten sie nur zwei glimmende rote Punkte ausmachen, doch schlagartig machten die Punkte einen Sprung von der Wand weg und landeten zwischen ihnen.
Entsetzensschreie, einer grässlicher, als der andere, hallten in den vielen Gängen der Kanalisation nieder. Das Pet in der Mitte drehte sich im Kreis, sodass jeder sein Gesicht sehen konnte, oder vielmehr die Maske, die es darauf trug.
Die Griffe um die drei Gefangenen lockerten sich sofort, einige der Diebe sprangen ins Wasser, andere zogen sich in tiefen Schatten zurück. Der Anblick war so furchterregend, dass Mac die Augen zukniff und sich auf den Boden warf, doch das Bild wollte einfach nicht weggehen. Er vernahm nur noch die Schreie und diese fürchterliche Angst.
Irgendwann jedoch viel sie ab. Sie verschwand einfach und ließ nur einen trüben Schatten zurück, sodass Mac sich plötzlich für einen Ausbruch schämte. Er rappelte sich auf und sah sich um. Die Wachen waren allesammt geflohen. Ebenso Thambladar. Vor ihm standen Bone und Storm und sahen den Draik in ihrer Mitte erwartungsvoll an. Mac hatte seine Stimme sofort erkannt, jedoch nicht gewusst, was er davon hatte halten sollen.
Jetzt hatte er die Maske abgenommen und drehte sie in den Klauen. *Eigenartiges Stück*, murmelte er. *Wir sollten dafür sorgen, dass sie nie wieder jemand trägt.*
*Ganz deiner Meinung*, sagte Bone. Dann sah er Storm an. *Thambladar wird damit nicht für immer verschwunden sein, oder?*
Die Hissi schüttelte den Kopf. *Wenn niemand seinen Platz einnimmt garantiert nicht.*
*Wieso nimmst du nicht seinen Platz ein?*. wollte Mac wissen.
Storm schnaubte. *Ich bin kein Anführer. Und sie würden mich hier sowieso nie genug respektieren, nachdem was ich angestellt hab.*
Einige Minuten starrten sie sich schweigend an. Schließlich sagte Mac: *Wird Zeit das wir unseren ersten Auftrag endlich beenden.* Er zog das tyrannische Diadem hervor.


12. Teil: Wildniss

Mac stöhnte laut. *Bist du sicher, dass es hier irgendwo ist?*, fragte er Phantom, der neben ihm ging und angestrenkt versuchte seine Erschöpfung zu verbergen.
*Ja, ich bin sicher*, fauchte Phantom, der die Frage nun schon zum siebten Mal beantwortete.
Die Landschaft um sie herum war eine Einöde, sandige braune Felsen, die in allen Formen aus dem Boden sprossen, kaum eine Pflanze zwischen ihnen. Sie waren auf der Suche nach einem wertvollen Stein, den ein reicher Chia hier irgendwo verloren glaubte, als er auf einer Kutschfahrt durch die verlassene Gegend von wilden Pets angegriffen worden war. Er traute sich nicht noch einmal in diese Gegend und hatte somit Mac und Phantom beauftragt den Stein zu finden. Es war ihr dritter Auftrag nach den Erlebissen in Diebesdorf. Weder Storm, die aus der Stadt hatte fliehen müssen, weil Thambladar sie nicht mehr gerne dort gesehen hätte, nachdem er seine Sachen wieder zusammen gerauft hätte, noch Bone hatten große Lust gehabt sie zu begleiten und so wanderten sie zu zweit durch die trockene Ebene.
Soweit sie wusten hatte Storm sich gut mit Kana und Klick angefreundet. Sie lebte jetzt in kakiorami, dem einzigen haus, das sich nicht an der langen Kette der am Meer liegenden Häuser einfügte und im Innland nahe eines großen Flusses lag. Bone war in naridiana bei Kana, Phantom und Cet geblieben.
*Vielleicht sollten wir ne Pause machen*, schlug Mac gerade vor. *Wenn wir wieder fliegen können sollten wir uns mal in der Luft nach dem Stein umsehen. Er sollte in diesem Braun eigentlich gut zu erkennen sein.*
Der Stein war ein großer Smaragt, der im Sonnenlicht sicher hellgrün leuchtete.
Erschöpft setzten sie sich auf den trockenen Boden. Macs Flügel schmerzten von dem langen Anflug und sie hatten seit einiger Zeit kein Wasserloch mehr gefunden. So mussten sie sich ihre Wasservorräte einteilen. Es war später Nachmittag. Die Draiks bezweifelten den gesuchten Stein noch heute finden zu können. Vermutlich würden sie erst Morgen ihre Kreise über der Einöde ziehen und nach dem edlen Stück ausschau halten.
*Was wenn ihn jemand mitgenommen hat?*, fragte Phantom nach einiger zeit der Stille. Sie hatten ein Feuer entfacht. Es wurde langsam dunkel.
*Dann haben wir echte Probleme*, erwiderte Mac. *Aber wer kommt schon in diese Gegend? Vermutlich nur Wildpets, wenn überhaupt. Und die interessieren sich für gewöhnlich nicht für Edelsteine. *
*Wenn du meinst*, murmelte Phantom. Wirkte aber nicht sonderlich überzeugt.
Aus Angst vor Wildpets oder Petpets wollte Phantom, dass sie abwechselnd Wache hielten, doch Mac hatte eine bessere Idee. Er zog seinen Stab hervor und rammte die untere Spitze mit erstaunlicher Kraft in den harten Sandboden.
*Er wird uns warnen, wenn jemand kommt*, sagte Mac.
*Wie funktioniert das?*, wollte Phantom wissen.
*Keine Ahnung*, meinte Mac. *Er leuchtet einfach.*
*Na, wenn du davon wach wirst*, sagte Phantom skeptisch.
Mac hatte einen unruhigen Schlaf. Der Boden unter ihm war äußerst unbequem und trotz der Sicherheit durch seinen Stab glaubte er ständig gleich würde irgendein riesiges Wildpet über ihn herfallen. Kurz nachdem der Mond unter gegangen war schreckte er urplötzlich aus dem Dämmerzustand und sprang auf.
*Phantom, wach auf!*, zischte er.
Nur wiederwillig öffnete der andere seine Augen.
Mac versetzte ihm einen kräftigen Tritt und deutete auf die Spitze seines Stabes, die hell in der Dunkelheit leuchtete.
Jetzt war auch Phantom wach und zog seinen eigenen Stab hervor.
Das Feuer war längst ausgegangen, doch Mac hielt seinen Stab hoch und erleuchtete somit die Umgebung. Das Licht seines Stabes war nicht rot, wie das von Phantoms, sondern grünblau und erinnerte Phantom irgendwie an das Nordlicht.
Beide hielten den Atem an und sahen sich um. Plötzlich entdeckte Mac etwas in der Dunkelheit, was Phantom nicht sehen konnte. Er rief laut: *PHANTOM HINTER DIR!*, doch zu spät. Das riesige etwas stürzte sich auf Phantom, der umgerissen wurde, jedoch schnell wieder auf die Beine kam. Knurrend verschwand die Gestalt im Schatten nur um kurz darauf wieder auf die Draiks loszugehen. Mac stieß sich vom Boden ab und blieb in der Luft hängen, Phantom jedoch wurde in einen Kampf verwickelt.
Viel konnte Mac davon nicht sehen. Nur gelegentlich blitzte die Spitze des Rubinstabes oder die Klinge von Phatoms Säbel auf, der Gegner war nicht zu identifizieren.
Irgendwie schaffte Phantom es doch ihn zurück zu schlagen und mit einem gewaltigen Sprung landete das Wesen auf einem hohen Felsen.
*Verschwindet von hier, sofort!*, gellte eine tiefe, bedrohliche Stimme durch die Dunkelheit.
*Wieso?*, fragte Phantom sofort nach.
*Ihr habt hier nichts zu suchen*, antwortete der Fremde. Jetzt mischte Mac sich ein: *Doch, wir suchen einen seltenen Smaragd.*
*Ihr werdet ihn hier nicht finden*, sagte das Wesen.
*Und wieso nicht?*, wollte Phantom wissen, doch die Stimme sagte: *Verschwindet von hier.* Dann verschwand die Gestalt in die Dunkelheit.
*Was soll man denn davon halten?*, fragte Mac leise, nachdem er wieder neben Phantom gelandet war.
*Keine Ahnung*, keuchte dieser. Er war von seinem Kampf völlig außer Atem.
Am nächsten Tag flogen sie über die karge Landschaft, suchten bis zum Mittag pausenlos nach dem Stein, doch wie das Wesen gesagt hatte, sie konnten ihn nicht finden. Enttäuscht machten sie sich schließlich auf den Rückweg zum Wald, der an die trostlose Ebene angrenzte. Dort gab es viele kleine Bäche und sie mussten unbedingt ihren Wasservorrat auffüllen.
*Ich glaube es hat gewusst, wovon es sprach, als es sagte wir würden den Stein hier nicht finden*, überlegte Phantom auf dem Flug. *Es klang nicht danach als wollte es uns mit einer Lüge vertreiben.*
*Also muss jemand den Stein weggenommen haben*, folgerte Mac. *Vielleicht sogar dieses Wesen selbst.*


13. Teil: Der wilde Lupe

Der Wald war nach der Hitze der Ebene angenehm kühl und feucht. Die Luft war still, kaum etwas regte sich. Der Moosbedeckte Boden unter ihren Klauen war weich und einladent zu einem Spaziergang. Schließlich machten sie an einem Bach halt, setzten sich auf den sanften Boden und tranken große Schlucke das klaren Wassers, das fröhlich vor sich hin plätscherte.
*Wenn wir dieses Pet finden müssen, wo glaubst du wird es sich am ehesten aufhalten?*, fragte Phantom schließlich.
Mac zuckte mit den Schultern. *Also ich wäre lieber hier im Wald, als draußen in der Ebene. Aber bei solchen Wildpets kann man ja nie wissen.*
Phantom schmunzelte. *Ich glaube vor einigen Wochen hätte ich die Ebene vorgezogen. Ich hab das Gefühl ich verweichliche.*
Mac brach in dröhnendes Gelächter aus. *Deswegen hattest du wohl solche Probleme mit dem Pet zu kämpfen, was?*, fragte er glucksend und kassierte dafür einen harten Seitenhieb von Phantom.
*Wenn wir bloß wüssten was es war*, fuhr Phantom schließlich fort. *Dann könnten wir sicher besser einschätzen wo es sich aufhält.*
*Du hast doch mit ihm gekämpft*, sagte Mac. *Du musst doch gemerkt haben es es ist.
*Ich hab es ja nicht gesehen*, verteidigte sich Phantom. *Es ist einfach über mich hergefallen und viel zu dunkel war es auch. Aber ich glaube es hatte ein großes Gebiss.*
*Vier- oder Zweibeiner?*
*Ich denke vier. Hast du nicht seine Siluette gesehen, als es gesprochen hat?*
*Nicht die Spur*, meine Mac. *Es war komplett im Schatten verborgen.*
*Die Stimme war tief und eindringlich, also kann es schonmal kein Hissi gewesen sein.*
*Und schwerfällig im Kampf war es ja wohl auch nicht*, überlegte Mac weiter, *also können wir Skeith, Chomby und Elephante auch gleich ausschließen.*
*Es war definitiv ein Jagtpet, damit fallen Gnorbu, Uni, Kau, Cybunny und Moehog auch weg.*
*Dann hätten wir noch...*, Mac musste kurz überlegen, *Acara, Xweetok, Lupe, Lutari, Gelert und Kougra.*
*Aber Lieblingsgegenden werden auch von der Farbe bestimmt, ich glaube viel hilft uns das nicht weiter*, sagte Phantom schließlich.
*Na gut. Ich schlage vor wir sehen uns zunächst im Wald um*, seufzte Mac und stand auf.
Phantom folgte seinem Beispiel. Sie beschlossen zunächst nach einer Höhle, einem Lager oder einem Unterschlupf zu suchen, denn irgendwo musste das Pet schließlich die Sachen aufbewahren, die es fand und darunter sollte auch der Smaragd sein. Vielleicht fanden sie dabei sogar das Pet. Mac interessierte sich für die Gründe, die es vorlegte, dass sie dieses Gebiet verlassen sollten. Nur wenige Wildpets waren derart Territoriumsbezogen, dass sie keinerlei andere Pets, schon gar keine nicht wilden in ihrem Reich duldeten.
Der Wald schien weit größer zu sein, als sie zunächst erwartet hatten. Eine systematische Suche war aufgrund des teilweise ungewöhnlichen dichten Unterholzes geradezu unmöglich, viele Bäume standen zum Durchfliegen viel zu eng und die großen Steine, die sich moosbedeckt hier und da zwischen die Bäume quetschten machten das Ganze auch nicht leichter.
Am Abend hatten sie kaum mehr erreicht, als am Morgen, nur ihre Tatzen schmerzten vom vielen Wandern und Klettern.
Erschöpft ließ Mac sich auf einer freien Fläche vor einem großen Stein ins Gras sinken und rieb seine Klauen. *Wenn wir morgen genauso weit kommen sind wir in vier Jahren noch nicht fertig*, stöhnte er.
Phantom versuchte gar nicht erst sich hinzusetzen, sondern ließ sich gleich vornüber fallen und landete mit der Schnauze im Gras. *Wir finden dieses Ding nie rechtzeitig*, stöhnte er.
Eine Weile lagen sie stumm da, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken. *Wir könnten ja die anderen fragen, ob sie uns nicht bei der Suche helfen wollen. Storm und Sath sind schlanke Flieger, Flame, Tay, Cet, Fey und Coco klettern gerne, ich bin sicher wir könnten das Ganze viel schneller hinkriegen.*
Phantom sah Mac nachdenklich an. *Aber was ist mit den Wildpets?*, warf er dann ein. *Es ist viel zu gefährlich, kaum welche von ihnen könnten gut genug kämpfen um es mit diesem Monster aufzunehmen.*
Mac stöhnte. *Auch wieder wahr. Aber wenn wir das Pet vorher finden?*
*Dann brauchen wir wohl kaum noch nach dem Stein zu suchen*, meinte Phantom.
*Wer weiß*, überlegte Mac, *vielleicht verrät es uns nicht wo es den Stein versteckt hat.*
*Dann stehen wir immer noch vor dem Problem, dass wir dieses Pet finden müssen*, sagte Phantom.
*Das ist die Preisfrage. Wie finden wir das wilde Pet?*
*Einfach mal nach dem Weg fragen!*
Die fremde, tiefe Stimme ließ die Draiks zusammenzucken. Sie sprangen auf und wirbelten herum. Über ihnen, hoch auf dem Felsen stand ein riesiger Lupe. Er maß locker über 80cm Schulterhöhe und starrte grimmig auf sie herab. Sein Fell war weiß, braun und schwarz gefleckt und er hatte eine lange Narbe hinter dem linken Auge. Mit gefletschten Zähnen funkelte er sie an..
*Warum seid ihr immer noch hier?*, fragte er und diesmal erkannten die Draiks die tiefe Stimme. Es war die selbe vom Abend zuvor. Der mächtige Angreifer, der den Smaragd gestohlen hatte, stand vor ihnen.
Mac zog sofort seinen Stab und hielt ihn Kampfbereit vor sich..
*Ihr solltet doch von hier verschwinden*, knurrte der Lupe und wurde gefährlich leise.
*Wir gehen nicht ohne den Stein*, sagte Phantom.
Der Lupe schnaubte. *Was ihr Stadtpets nur an solchen Klunkern findet*, murmelte er verächtlich. *Dieses hässliche Zeug ist der Grund, dass ich jedes Frühjahr meinen Wald gegen hunderte gierige Pets verteidigen muss.
Mac und Phantom sahen sich stirnrunzelnd an. *Soll das heißen hier gibt es Edelsteine?*, fragte er, *Das ist doch nur ein Wald, kein Berg.*
*Der Berg ist unter dem Wald*, antwortete der Lupe und kauerte sich nieder. *Aber glaubt bloß nicht auch ihr könntet meinen neuen Wald einfach so niederreißen.*
Ein tiefes Grollen fuhr aus seiner Kehle und er sprang, direkt auf Mac zu, der sich mit einem Sprung in die Lüfte retten wollte, doch der Lupe war schneller. Wie ein Felsbrocken landete der schwere Körper auf ihm und presste die Luft aus seinen Lungen. Der Aufprall auf dem Boden schien längst nicht so hart, wie der der Tatzen des Lupes auf seinem Brustkorb.
Doch zum Glück reagierte jetzt auch Phantom schnell, zog ebenfalls seinen Stab und ließ ihn durch die Luft wirbeln.
Der Lupe wich dem Schlag mit einem geschickten Sprung zur Seite aus, musste dafür Mac jedoch loslassen, der sich nur mühsam wieder aufrappeln konnte.
*Hör zu, wir wollen deinen Wald nicht zerstören, wir wollen nur den einen Smaragd aus der Steppe*, rief Phantom laut, doch der Lupe ging nur auf ihn los.
*So was behaupten alle*, fauchte er.
Phantom riss den Stab hoch um den Sprung abzuwehren, doch seltsamerweise war das Pet zu hoch, es landete hinter ihm und versetzte ihm einen Hieb in den Rücken, der Phantom nach vorne stolpern ließ. Wieder landete er mit der Schnauze im Gras.
*Versteh doch wir sind Schatzjäger*, rief Mac nun, *aber wir jagen nur die Schätze, die andere verloren haben!*.
*Irgendwann wird auch für diese Schätze mal Natur zerstört worden sein*, knurrte der Lupe. Sein Kopf schoss vor und biss in Macs Stab, er versuchte ihn dem Draik aus den Klauen zu reißen..
Die Kraft des Lupe war überwältigend. Mac wurde durch die Luft geschleudert und prallte hart auf den großen Stein. Stöhnend rutschte er am Moos herunter.
Das gefleckte Wildpet wandte sich wieder Phantom zu, der es gerade erst geschafft hatte aufzustehen. Der lupe machte sich zum Sprung bereit..
*Warte!*, brüllte Phantom und hielt die unbewaffnete Klaue hoch..
Der Lupe verharrte. Phantom keuchte schwer. Einige Sekunden vergingen und es schien, als wären es ganze Stunden. Würde er doch noch angreifen? Die Augen des Lupe blitzten. Er würde jede Regung von ihnen sofort wahrnehmen.
Phantom überlegte fieberhaft. *Vielleicht...*, murmelte er schlißlich, *vielleicht können wir dir helfen die Stadtpets hier raus zu halten.*
*Wie?!*, grollte das tiefe Knurren des Lupe über die Lichtung.
Phantom hatte natürlich nicht die leiseste Ahnung wie. Doch zum Glück kam Mac ihm zu Hilfe. Stöhnend regte er sich vor dem Felsen und schaffte es schließlich aufzustehen.
*Bist du das einzige Wildpet, das den Wald hier bewacht?*, fragte er mit gebrochener Stimme.
Der Lupe nickte. *Die früheren Bewohner flohen, als die Stadtpets anfingen hier Krach zu machen.*
*Dann müssen wir einfach ein paar Wildpets her hohlen, die bereit sind diesen schönen Wald zu verteidigen*, sagte Phantom.
Der Lupe schnaubte. *Wie wollt ihr Wildpets aus einem vielleicht perfekten Territorium hohlen damit sie hier für ihr Reich kämpfen? Das ist Schwachsinn.!" Mac meldete sich wieder. *Wenn die Pets hier her kommen um Schätze zu suchen müssen einfach nur alle Schätze verschwinden*, stöhnte er.
*Die Schätze können von hier nicht einfach verschwinden, ohne dass man den ganzen Berg niederreißt*, knurrte der Lupe und machte sich wieder zum Angriff bereit.
*Aber vielleicht können wir die Stadtpets das Glauben machen*, warf Phantom schnell ein.
Der Lupe hielt wieder inne. *Wie?*, fragte er erneut.
*Wo schürfen die Stadtpets zur Zeit?*, fragte Mac und schwankte leicht hin und her.
Auf der anderen Seite des Waldes haben sie eine kleine Miene in den Stein getrieben. Aber sie sind heute nicht da.*
*Perfekt*, flüsterte Mac und brach wieder zusammen. Rasch lief Phantom zu ihm und drehte ihn auf den Rücken.
*Wir lassen die Edelsteine der oberen Erdschichten in der Miene verschwinden. Wenn die Arbeiter morgen zurückkommen stellen wir ihnen eine Falle. Sie dürfen nur die obersten Erdschichten abtragen und keinen Edelstein finden. Wenn du sie dann bedrohst, vielleicht noch mit ein paar Freunden von uns, werden sie sicher nicht mehr wieder kommen. Sie riskieren bestimmt nicht ihr Leben, wenn sie glauben sie haben nichts davon.*
Klingt riskant*, murmelte der Lupe. *Ich könnte mir vorstellen, dass sie gierig genug sind um trotzdem wieder zu kommen und die Miene weiter zu durchsuchen und zu vergrößern.*
*Nicht, wenn wir sie vorher zum Einsturz bringen*, warf Phantom ein.
Hoffnungsvoll sah er das mächtige Pet an. Der Lupe überlegte und einen Moment schien es, als wollte er die Draiks gleich wieder angreifen. Doch dann sagte er: *Nun gut, wir werden es versuchen. Aber wenn ihr irgendwelche faulen Tricks versucht seid ihr dran.!*


14. Teil: Der Kampf um den Wald

*Mein Name ist Andirin*, stellte der gefleckte Lupe sich vor.
*Ich heiße Phantomdrache, das ist Oraishio*, antwortete Phantom.
Sie gingen mit Andirin auf die andere Seite des Waldes. Es war ein schwieriger und langer Weg und die Draiks wären ihn wohl geflogen, wen Mac seine Flügel hätte bewegen können. Am Anfang fiel es ihm schwer zu laufen, doch nach einiger Zeit gewöhnte er sich daran und die Schmerzen ließen etwas nach.
Als sie endlich an der Miene ankamen war es schon Abends und die Sonne ging langsam unter. Sie standen auf einer Klippe, noch von Wald und Gras bewachsen. Unter ihnen war eine gelbe, Wüstenähnliche Landschaft voller Gerätschaften, zerstört von Stadtpets und Rädern.
Nach einer kurzen Besprechung stieß sich Phantom von der Klippe ab und flog nach Westen davon. Er sollte ein paar ihrer Freunde holen um den Arbeitern am nächsten Tag einen gehörigen Schrecken einzujagen.
Mac und Andirin kletterten in die Schlucht hinunter und betraten die Miene. Sie war sehr groß und bot bestimmt vier Skeiths nebeneinander Platz. Mac hob seinen Stab und leuchtete ihnen den Weg. Sehr tief ging es nicht hinein und schon bald glitzerte ihnen das Ende des Schachts entgegen. Überall steckten Edelsteine in der Wand, die im blaugrünen Licht des Draik-Stabes glänzten.
Mit seinen scharfen Klauen begann Mac die Steine aus der Wand zu kratzen, jeden einzelnen. Andirin sammelte sie vom Boden auf, trug sie aus der Höhle und verstaute sie in einigen Eimern, die sie später mit in den Wald nehmen würden.
Als Mac endlich mit seiner Arbeit fertig war, war es schon stockdunkel.
Andirin kam gerade wieder in die Höhle zurück. *Das wird nicht reichen*, sagte er. *Sie brauchen nur eine Spitzhacke in die Wand zu treiben und können den nächsten Stein finden.*
*Daran habe ich auch schon gedacht*, murmelte Mac. Wir müssen Morgen einfach schnell handeln. Aber eine Sache kann ich noch machen.*
Er hob den Stab mit beiden Klauen empor und murmelte ein paar Worte in einer fremden Sprache. Wenn der Lupe überrascht war über das, was nun geschah, so konnte er es gut verbergen.
Die Wand fing erneut an zu leuchten, die die Steine im Schein des Stabes, doch das Leuchten war etwas dumpf. Es strahlte nämlich durch bis zu zehn Zentimeter dicke Erdschichten. Dann bewegte sich die Wand, Erde bröckelte herab schließlich brachen die Schichten über den Steinen auf und die glitzernden Kugeln schwebten heraus.
Mac senkte den Stab, das Leuchten verlosch und die Edelsteine plumpsten zu Boden.
Als Mac sich breit grinsend zu Andirin umdrehte hoch dieser nur eine Augenbraue ehe er sich daran machte die Steine einzusammeln und nach draußen zu schleppen.
Unterdessen reparierte Mac die Löcher in der Wand mit der heruntergefallenen Erde und der Hilfe seines Stabes.
Erst spät in der Nacht, als der Mond längst wieder unter gegangen war, konnten sie ihre Arbeit beenden. Sie schleppten vier Eimer voller Edelsteine die Klippe hinauf, errichteten ein Lager im Wald und versteckten die Steine im Boden.
Mac schlief sofort ein. Andirin jedoch nicht. Er blieb noch lange wach, lauschte in die Stille des Waldes und betrachtete gelegentlich den Draik, als ob er überlegte was er von ihm halten solle.

Am nächsten Tag wurde Mac früh von Andirin geweckt, doch die Sonne stand schon über dem Horizont. *Wo bleibt dein Freund?*, knurrte er den Drak an, nachdem er ihm ein paar unsanfte Stöße versetzt hatte. *Die Arbeiter werden in weniger, als einer Stunde hier sein.*
Murrend richtete Mac sich auf. *Er wird schon rechtzeitig zurück kommen. Vermutlich landen sie auf der größten Lichtung, die Eyries werden kaum zwischen den Bäumen hundurch fliegen, also wo ist die größte Lichtung?*
Es gab keine größte Lichtung. Die meisten waren viel zu klein, als dass ein möglicherweise beladener Eyrie zwischen den obersten Ästen der Baumkronen problemlos hätte hindurch fliegen können. Also durchquerten sie den Wald bis sie auf der anderen Seite an der Ebene ankamen, von wo aus Mac und Phantom den Wald schon zum ersten Mal betreten hatten.
Diesmal ging es jedoch um einiges schneller, als am Vortag, das Mac nun wieder fliegen konnte und elegant zwischen den Stämmen hindurchrauschte.
Wild schien jede Wurzel und jeden Stein im Wald zu kennen, denn er hielt nicht nur im Laufen mühelos mit dem flinken Mac mit, sondern war auch noch weit schneller, als der Draik, wie sich nach wenigen Minuten herausstellte.
Schließlich landete Mac auf einem Ast eines der äußersten Bäume des Waldes und blickte mit scharfen Augen auf die Ebene. Schon nach kurzer Zeit näherten sich ein paar dunkle Punkte, die rasch immer größer wurden.
Starker Wind trieb ihnen Sand in die Augen, als zwei Eyries, ein Draik, ein Uni und eine Hissi zum Landeanflug ansetzten.
Der Wind hatte sich noch nicht ganz verzogen, da sprangen mehrere Pets von ihren Rücken. Fey und Flame waren gekommen, zusammen mit Coco, Ti, Kaps und Bone.
Wild betrachtete sie alle aus zusammengekniffenen Augen. Er wirkte nicht wirklich überzeugt, sagte jedoch nichts. Phantom trat vor um die Neuankömmlinge vorzustellen. *Das sind Kaja, Klick, Kana, Kaps, Ti, Storm, Bone, Coco, Fey und Flame*, sagte er zu dem Lupe. *Und das ist Andirin*, stellte schlißlich auch den fremden Lupe vor.
Einige Sekunden herrschte Stille. Dann trat Kaps vor und schnüffelte langsam auf den Fremden zu. Irgendwas musste ihm der Geruch Andirins sagen, doch keiner konnte den Gesichtsausdruck des Lupe lesen. Der größere Andirin sah ihn nur an.
Schließlich trat Kaps wieder zurück neben die anderen, er wirkte fast ein wenig eingeschüchtert. Etwas, das Mac an dem stolzen Lupe noch nie gesehen hatte.
Kaja brach endlich die Stille: *Wo ist der Steinbruch?*, fragte er mit seiner tiefen, angsteinflößenden Stimme.
Ohne ein Wort drehte Andirin sich um und rannte in den Wald, Kaja folgte ihm sofort, die anderen brauchten eine Weile um zu verstehen, dass es jetzt weiter ging.
Die halsbrecherische Geschwindigkeit des Lupes konnten nur wenige ihrer Freunde mithalten. Kaja schien es nicht schwer zu fallen, auch wenn er immer wieder gegen Steine und Bäume prallte, es machte ihm nichts aus. Phantom raste trotz des langen Fluges mit eleganten Flügelschlägen zwischen den Bäumen dahin, Storms Flug glich einem Schlängeln, wie ein schwarzer Blitz schoss sie zwischen den Bäumen dahin.
Alle anderen hatten Probleme mit der Umgebung. Kaps war zwar ein guter Läufer, doch mit dem unebenen Untergrund und den ständigen Hindernissen hatte er so seine Schwierigkeiten. Klick bewegte sich grundsätzlich lieber im Wasser, Ti war einfach auf ihm sitzen geblieben, Fey und Flame waren zwar gut im Klettern, aber einfach nicht so schnell und Kana war sowieso nur für Ebenen Boden zum Laufen geschaffen. Bone saß auf ihrem Rücken.
Wild, Kaja und Storm warteten unmittelbar vor der Klippe auf den Rest der Gruppe. Die Draiks hatten sich zurückfallen lassen um zu sehen ob die anderen auch mit der Jagt durch den Wald zurecht kamen und nicht plötzlich stolperten.
Nach den Geräuschen zufolge erreichten gerade die ersten Arbeiter die Miene.
*Sie haben eine Besprechung mit ihrem Anführer bevor sie in die Mine gehen*, sagte Andirin. *Wir müssen dafür sorgen, dass der Anführer getrennt überrascht wird, er geht nicht mit in die Miene. Wenn die Arbeiter nicht zu eingeschüchtert sind ist es hoffentlich ihr Anführer und ohne Anführer können sie nicht arbeiten.*
*Was ist, wenn einfach neue Arbeiter, oder ein neuer Anführer kommt?*, fragte Fey plötzlich.
*Wenn die Angst groß genug ist wird sich das rumsprechen*, antwortete Bone. *Dann traut sich keiner mehr hierher.*
Zwischen den Ästen hindurch sahen sie, wie sich die Arbeiter, etwa zwanzig Pets, in der Mitte der, mit Geräten zugestellten Fläche, versammelten.
Ein gelber Chia tauchte auf, kletterte auf eines der Geräte und fing an zu den anderen zu sprachen. Keiner konnte etwas verstehen, doch die beiden Xweetoks spitzten die Ohren und traten ein paar Schritte vor.
Als der Anführer geendet hatte fragte Kaja sofort: *Was hat er gesagt?*
*Irgendwas von 'Pensum bis zum Mittag' erreichen*, antwortete Flame. *Und 'nächste Sprengung zu vollziehen'*, fügte Fey hinzu.
Wild knurrte. Die Menge unter ihnen teilte sich auf. Die meisten wandten sich der Miene zu und marschierten langsam hinein. Ein paar aber verstreuten sich irgendwo, der Anführer verschwand.
*Ich übernehme den Bauleiter und die paar Arbeiter, die nicht in die Miene gehen*, sagte Kaja bestimmt. Niemand wagte es ihm zu wiedersprechen. Dann wandte er sich an die anderen.
*Versucht eine Art Geistereffekt zu erzeugen, vor einfachen Pets haben sie unter Umständen keine so große Angst. Coco, wo ist dieser Kumpel, von dem du vorhin gesprochen hast?*
Coco, der sich über Klicks Rücken gehängt hatte, zuckte mit den Schulter. *Er sollte jeden Augenblick hier sein*, murmelte er.
Kaja sah ihn finster an. Dann schlich er sich an den anderen Vorbei und verschwand aus ihrem Sichtfeld.
Andirin wandte sich an Phantom. *Was meint er mit Geistereffekt?*

Die Stille in der Miene wurde, wie üblich, rasch vom heftigen Klingen der Spitzhacken vertrieben. Über das Fehlen der Steine an der Oberfläche hatten sich die Arbeiter nur kurz gewundert. Vorgekommen war dies schon öfter und schnell hatten sie neue Steine knapp unter der obersten Erdschicht gefunden. Fackeln hatten sie kaum dabei, da die Miene nicht sehr tief war. Das helle Tageslicht strahlte freundlich zu ihnen herein.
*Komisch, wo sind denn die Steine?*, fragte ein Kyrrii, nachdem es sich schon zehn Zentimeter in die Erde gegraben hatte ohne einen neuen Edelstein zu finden. *Vermutlich bist du an der falschen Stelle*, antwortete ein Meerca.
Ein fürchterliches Kreischen ließ alle im Tunnel verharren. Stille. Irgendjemand wimmerte. *Was war das?*, fragte jemand.
*Nichts, weiter machen*, antwortete ein anderer, doch da ließ das helle Kreischen erneut die Höhe erzittern. Ein Heulen, wie nicht von dieser Welt hallte ihn ihren Ohren wider und ein heftiger Wind ließ die Fackeln verlöschen. Doch damit nicht genug, war es um sie herum plötzlich Stockfinster. Wo war die Sonne hin?
Jetzt bekamen es einige Arbeiter mit der Angst. Mit zitternden Knien hoben sie ihre Spitzhacken und starrten in die Dunkelheit.
Wieder zerriss das grässliche Heulen die Luft, gefolgt vom hellen Kreischen.
Dann regte sich vor ihnen etwas. Aus der Dunkelheit schälten sich, zunächst schwach, die Scheine mehrerer Fackeln. Waren das vielleicht die anderen Arbeiter, die nachsehen wollten, wie es ihnen ging? Doch das Feuer sank tiefer. Es kam näher, wurde größer, doch es wurde nicht in die Luft gehalten, sondern auf den Boden gedrückt.
Ein weiteres Mal das Kreischen. Dann flammten urplötzlich die Fackeln hinter den Arbeitern wieder auf, alle Machten einen Satz von der and weg und starrten auf das, was vor ihnen stand. Bänder und Fell hingen in Fetzen vom dem Uni herab, aus den Flügeln stachen die Knochen hervor, rote Augen starrten durch die Arbeiter hindurch.
Doch viel furchteinflößender als das war das Krawkskellet, das auf dem Rücken des Unis saß. Es hatte benfalls stechend rote Augen, drehte den Kopf mal in die eine, mal in die andere Richtung und klapperte und Knackte bei jeder Bewegung, dass sich sämtliche Häärchen bei den Arbeitern aufstellten.
Langsam ging das Uni weiter auf die Arbeiter zu. Diese wichen im Gleichschritt zurück, doch bald würden sie hinten gegen die Stollenwand prallen.
Soweit kam es jedoch erst gar nicht. Ein heulen zerriss die Luft, die Fackeln erloschen wieder und zwischen den Arbeitern brach panisches Kreischen aus, als etwas, manchmal hart und kalt, manchmal weich und schleimig ihre Beine streifte. Die ersten, die von etwas berührt wurden, machten einen kreischenden Luftsprung und rannten los, prallten mit anderen Arbeitern zusammen, knallen gegen Wände, denn keiner von ihnen wollte sich dem Nachtross und seinem toten Reiter nähern.
Bald sprangen sie durcheinander wie kopflose Hühner ohne auch nur das Geringste zu sehen, bis ein neuerliches Kreischen alle auf der Stelle verharren ließ, denn es schien von hinter ihnen aus der Wand der Höhle gekommen zu sein.
Grünlich, gruseliges Licht herhellte den Stein am Ende der Miene und etwas riesiges hob sich daraus hervor. Der Geist eines Hissis mit Armlangen Zähnen und toten Augen, die Flügel ausgebreitet, das Maul geöffnet, als würde es jeden Moment zuschlagen.
Keiner verschwendete nun mehr einen Gedanken an das Uni, sie rannten blind und taub von ihrem eigenen Geschrei aus der Höhle nur um draußen auf dem Platz alle ineinander zu rennen, als die ersten aufgrund dessen, was sich dort bot, stehen geblieben waren.
Die Schlucht war nicht stockdunkel, auch wenn die Sonne scheinbar hinter Dunkelheit verschwunden war. ein grünliches Licht, ausgehend von sechs Stöcken, vielleicht einer Art Fackeln, die einen Kreis um die Arbeiter bildeten erhellten das Geschehen. Vor den ersten Pets hatte sich drei Geister aufgebaut, grimmig drein stierend, eng aneinander gedrückt machten sie den Eindruck, als würden sie die Arbeiter jeden Moment anspringen. Es waren Kougras mit feuerroten Augen.
Hinter den Arbeitern trat das Uni mit seinem toten Reiter aus der Miene und ein grässliches Krachen verriet, das eben jene gerade zum Teil einstürzte. Die Arbeiter saßen in der Falle.
*Waldschänder*, zischte das mittlere Kougra mit einer heiseren Stimme, die von überall zu kommen schien.
*Pflanzenvernichter*, sagte das Rechte.
*Naturzerstörer*, flüsterte das Letzte.
Das Kreischen erfüllte erneut die Luft und alle Arbeiter erzitterten. Kurz darauf folge ein Heulen und die Blicke der Arbeiter wurden wie magisch von dem Klippenvorsprung zu ihrer rechten Seite angezogen. Dort stand die riesige Gestalt eines brennenden Lupe. Dann dröhnte seine tiefe, furchteinflößende Stimme durch die Schlucht: *Verschwindet von hier und kommt nie mehr wieder. Niemand, der hier her kommt wird verschont. Euer Stein ist Dreck. Wertlos. Verkümmert zu Asche und Staub.*
Wind wehte ihnen von oben auf der Klippe Ruß entgegen und der Geruch blieb in den Fellen der Arbeiter hängen.
*Euer Berg ist leer. Verschwindet von hier und ihr bleibt verschont. Kehrt ihr aber zurück...*, die Stimme verhallte und einen Moment lang geschah nichts. Dann passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Ein Feuerball schoss auf die Arbeiter zu, das Uni stieg, ein Blitz löste sich von seinem Horn und schoss in die Mitte des Platzes, die Kougras sprangen, fauchend und knurrend.
Panisch kreischend rannten die Arbeiter auseinander. noch lange hörte man die angsterfüllten Rufe, dann wurde es still.
Die Dunkelheit verschwand und die Sonne tauchte wieder auf. Schließlich brach ein lautes Lachen die Stille und alle anderen Pets stimmten mit ein. Sie versammelten sich in der Mitte des Platzes und beglückwünschten sich gegenseitig zur erfolgreich ausgeführten Mission.
Kurze Zeit später tauchte auch Kaja auf. Er wollte ihnen nicht verraten was er mit dem Bauleiter angestellt hatte und wohin die übrigen Arbeiter kurz vor Beginn ihrer Show verschwunden waren, doch er versicherte ihnen, dass sie in ihrem Leben bestimmt kein weiteres Mal an diesen Ort zurückkehren würden.
Schließlich zogen sie sich in den kühlen Wald zurück, wo sie sich weiterhin ausgiebig über das ausließen, was ihnen eben gelungen war. Coco begrüßte seine Freunde herzlich, es handelte sich dabei um ein buntgemischtes Kougrarudel, zu denen zufälligerweise auch drei Geisterkougras gehörten.
Andirin war einverstanden Mac und Phantom den Samaragd zu geben, wegen dem sie hier waren und so machte er sich etwas später auf zu seinem Lager. Kaja begleitete ihn.
Zum späten Nachmittag hin wurde es schließlich Zeit für alle sich zu verabschieden. Das Kougrarudel war begeistert von der frischen Atmosphäre des Waldes und baten Andirin, ob sie nicht bleiben und aufpassen könnten, dass wirklich nie ein Stadtpet zu der Miene zurückkehrte. Andirin schien mehr als froh darüber, fügte aber noch hinzu: *Ich werde vermutlich weiter ziehen.*
Schließlich gingen sie alle zusammen zur Miene zurück und brachten sie mit Kana und den Draik-stäben komplett zum Einsturz. Dann verabschiedeten sich Lenos Bande vom Kougrarudel, die daraufhin in den Wald zurückkehrte.
Kaja atmete schwer aus. *Wird schwierig mit dem Rückflug*, sagte er.
*Wieso?*, fragte Mac. *Den Hinflug habt ihr doch auch geschafft.*
*Da hatten wir noch zwei Passagiere weniger*, antwortete Kaja.
Alle starrten ihn überrascht an. Schließlich wanderten ihre Blicke zu Wild.
*Du willst mit uns mitkommen?*, fragte Coco schließlich.
Wild nickte. *Nachdem die Arbeiter hier jetzt weg sind wirds sicher totlangweilig. Kaja hat mir erzählt was bei euch alles los ist.*
Phantom pustete Luft aus. *Dann wird das wirklich ein komplizierter Rückflug*, meinte er. *Aber wieso zwei?*, warf Fey plötzlich ein.
*Ach ja, ihr kennt Windbreaker ja noch gar nicht*, sagte Andirin und stieß ein kurzes, spitzes Heulen aus. *Ihm ging es in den letzten Tagen nicht so gut. Der Vielfraß erwischt oft mal die falschen Beeren.*
Es raschelte im Gebüsch oberhalb der Klippe und etwas sprang mit lautem Krachen in ihre Mitte, sodass alle, außer Kaja und Andirin einen überraschten Hobs zurück machten.
In ihrer Mitte stand ein Petpet. Aber nicht nur irgendein Petpet, sondern eins der seltensten Petpets überhaupt. Ein Quilin.
*Das kann ja einer von den Draiks tragen*, sagte Kaja bestimmt und natürlich wagte kein Draik ihm zu wiedersprechen. Mac und Phantom sahen sich kurz an. Schließlich ging Phantom stöhnend, schicksalsergebend auf das Quilin zu, doch das fauchte ihn an und schlug mit einer Pranke nach ihm.
Bone lachte. *Da wird Nighel sicher einen neuen Freund finden*, sagte er und alle, außer Phantom und Andirin, der den Witz nicht verstand, stimmten in das Gelächter mit ein.


15. Teil: Geschichtennacht

Mac lachte laut aus. *Du bist da allen ernstes durchgeflogen*, fragte er.
Phantom wirkte ein wenig beleidigt. *Was hätte ich denn tun sollen? Ich hatte echt Angst um dich.*
Mac kringelte sich vor lachen. *Du glaubst doch nicht wirklich Wild hätte mich gefressen, wenn du nicht rechtzeitig zurück gewesen wärest. In so einem Notfall wäre ich schon noch weggeflogen. Ich hätte vielleicht sogar nur ganz hoch auf einen Baum klettern müssen.*
*Eigentlich dachte ich er frisst dich schon früher*, antwortete Phantom. *Und außerdem kann Windbreaker sehr gut klettern, du hättest schon bis zum westlichen Fluss fliegen müssen um denen zu entkommen und in deinem Zustand hättest du das nie geschafft.*
*Ach was!*, meinte Mac und winkte ab.
Sie hatten es sich im Hause naridiana, wo Phantom wohnte, auf einem der Sofas bequem gemacht und schon im vorhinein ein bisschen über die letzten Ereignisse gesprochen.
Wie sie es geschafft hatten den weiten Weg mit gerade mal sechs fliegenden Pets, von denen nur drei ein anderes tragen könnten und sechs nichtfliegenden Pets samt einem Petpet, konnten sie selbst nicht mehr so wirklich sagen.
Immerhin hatten sie Storm überreden können den kleinen Ti so lange wie möglich zu tragen uns so hatten sich Kaps, Wild, wie Andirin von Sath benannt worden war, die beiden Xweetoks, Bone und Coco auf Kaps, Kana und Klick verteilt. Das war alles andere als leicht gewesen, aber Fey und Flame hatten sich irgendwie mit Coco auf Kajas Rücken gequetscht, Kana hatte Bone und Kaps getragen und so hatte der flugmüde Klick nur Wild schleppen müssen.
Mitten in der Nacht waren sie erst zu Hause gelandet, Kaja hatte Wild mit zu sich genommen, da im Haupthaus noch genug Platz war und die meisten der Abenteurer schliefen am nächsten Tag bis zum späten Nachmittag.
Seither waren sie allesamt mit Fragen bestürmt worden wie ihre aufregende Aktion nun verlaufen war, doch keiner schaffte es irgendwie sich klar darüber auszudrücken. Kaja, den es schließlich zu viel wurde hatte kurzerhand für die nächste Nacht eine Geschichtennacht veranschlagt, zu der alle kommen mussten. Sie wollten sich die ganze Nacht gegenseitig Geschichten erzählen, besser gesagt würde vermutlich Fey die ganze Nacht Geschichten erzählen, während die anderen ihrer süßlichen, wohlklingenden Stimme lauschten. Niemand konnte besser Geschichten erzählen, als Fey.
Da es im Haus naridiana einen Kamin gab, der eine behagliche Stimmung verbreitete, war die Geschichtennacht für dort geplant und so warteten Mac, Bone und Phantom mit ihren Petpets bereits auf die anderen Pets.
*Hat einer von euch eigentlich schon mal eine Geschichte von Fey gehört?*, fragte Mac gerade.
Beide schüttelten den Kopf. Mac grinste. *Dann habt ihr bisher noch keine guten Geschichten gehört. Früher saßen wir an schönen Tagen oft von morgens bis Abends draußen und haben ihr zugehört. Zumindest Sun, Sath und ich. Es gibt nichts besseres wie man seine Zeit verbringen kann.*
Kana kam herein und ließ sich auf einer großen Decke, ihrem Lieblingsplatz vor dem Kamin, nieder. Sie starrte ins Feuer und ließ es hin und wieder auflodern.
Kurze Zeit später kamen die ersten Pets an. Kaja, Tal und Wild, gefolgt von Fey, Sun und Sath.
Jedes Wohnzimmer war groß genug um allen Pets Platz zu bieten. Jeder hatte seinen kleinen Lieblingsort. Kana, Kaja, Sun und Flame lagen gerne vor dem Kamin, Tay kletterte immer zu den Stützbalken hoch, wo sich auch Sath meistens hinhängte, Swamm und Klick lagen immer in der hintersten Ecke, in der im Sommer oft eine Art Planschbecken stand, Kaps nahm den Sessel in Anspruch, Tal lag oft auf einem Sitzkissen in der Nähe des Kamis, aber weiter weg, als die anderen und der Rest quetschte sich auf den Sofas zusammen.
Mit den neuen Pets würde das ganze vermutlich noch ein wenig enger werden, doch Wild nahm sofort auf dem Fußboden vor der Verandertür platz.
*Ich finde wir sollten hier etwas ändern*, sagte Kaja, der hinter den Sofas stehen geblieben war.
*Was meinst du?*, fragte Mac und streckte den Kopf rücklings über die Sofalehne.
*Ich finde wir sollten heute mal die Sofas wegrücken und den Boden mit Decken und Kissen auslegen. Dann sind wir wenigstens mal alle auf gleicher Höhe.*
Bone und die Draiks schienen von dem Vorschlag nicht sonderlich begeistert, doch Kaja wiedersprach man nicht, also packten sie alle gemeinsam mit an und schoben die Sofas, den Tisch und den Sessel durch die Verandertür nach draußen und von dort aus in Kanas Scheune.
Besonders spaßig war das nicht, denn es regnete heftig und hin und wieder glaubten sie einen Gewitterschlag zu hören.
*Wenigstens sind das die besten Bedingungen für eine schöne Geschichtennacht*, lachte Mac, nachdem sie das erste Sofa sicher bei Kana untergebracht hatten und wieder im Haus waren um Kaja und Kaps mit dem zweiten zu helfen.
Nach und nach trudelten auch die anderen ein und bis sie mit der Umgestaltung des Wohnzimmers fertig waren, waren alle da. Jeder suchte sich einen weichen Platz auf dem Boden, Kana, Kaja, Sun und Flame lagen beim Feuer, Wild bei der Verandertür.
Schließlich gingen die Geschichten los. Da sich viele für die Erlebnisse im Wald interessierten erzählten Mac und Phantom zunächst wie sie in die Ebene geflogen waren, dort nach dem Smaragd gesucht hatten und schließlich des Nachts von Wild überrascht und angegriffen worden waren. Bei Wilds Schilderung wie er Phantom fertig gemacht hatte, lachten sich alle kringelig. Besonders Sath konnte sich von dem Lachanfall lange nicht erholen.
Schließlich berichtete Mac wie sie im Wald nach Wild gesucht, ihn schließlich gefunden und gegen ihn gekämpft hatten bis sie ihn überzeugen konnten sie in Ruhe zu lassen, wenn sie ihm halfen, dass die Arbeiter verschwanden.
Phantom berichtete von dem Plan, den sie ausgeheckt hatten die Arbeiter mit einigen anderen von Lenos Pets zu überraschen und dazu einige Steine aus der Miene zu entfernen, damit die Arbeiter zuvor noch dachten sie wäre nutzlos geworden. Alle waren überrascht von den Kräften von Macs Draik-Stab, als Wild ihnen schilderte, wie sie die Steine aus den oberen Schichten des Erdreichs entfernt hatten. Schließlich war Phantom daran zu erzählen was auf seinem Flug nach Hause passiert war. *Es war ja schon fast dunkel, als ich losgeflogen bin*, begann Phantom zu erzählen. *Ich kannte ja die ungefähre Richtung, aber bei unbekanntem Gelände und dann auch noch im Dunkeln? Ich bin erst mal in die völlig falsche Richtung geflogen und als mir das aufgefallen war hab ich voll Panik gekriegt. Ich konnte ja nich wissen was Wild machen würde, wenn ich am nächsten Tag nicht zurück wäre.* Ein paar Pets lachten. *Aber das beste war ja, als dieser Sturm aufzog. Na ja, eigentlich waren es nur heftige Winde, aber das war schon schlimm genug, ich bin dauernd vom Kurs abgekommen. Irgendwann dachte ich ich müsste zumindest warten, bis die Winde etwas nachlassen, also hab ich nach einer Höhle Ausschau gehalten und da gewartet, nur hatte ich nicht bemerkt, dass da schon wer drin gewohnt hat. Im nächsten Moment sah ich mich von einem ominösen schwarzen Pteri verfolgt. Irgendwann kam ich auf der Flucht an dieser Schnodderhöhle vorbei. Ich hab echt keinen anderen Ausweg gesehen, als da durch zu fliegen.* Wieder lachten alle. *Zum Glück is mir dieses Vieh nich gefolgt, aber ich weiß jetz auch warum.*
Kaja übernahm die Erzählung. *Als ich ihn gefunden hab, sah er aus wie ein Schnodderpet. Total vollgerotzt und konnte kaum mehr einen Flügel bewegen. Und dazu war er noch so aufgeregt, dass er trotzdem dauernd versucht hat was zu sagen. Ich hab dann eine große Liane geholt, ihn drin eingewickelt und in den See geworfen.* Lautes Gelächter. *Ich wäre fast ertrunken, weil ich aus diesen Lianen nich mehr rauskam*, fügte Phantom hinzu. *Es dauerte wirklich eine ganze Weile, bis ich auch nur ansatzweise verstanden hatte, wovon er geredet hat.*, fuhr Kaja fort. *Er hat die ganze Zeit nur vor sich hingebrabbelt von wegen Mac verletzt und Monster im Wald und Arbeiter mit bösen Steinen, oder so.* Das laute Lachen unterbrach für ein paar Minuten Kajas Erzählung. *Nachdem wir dann wieder zu Hause waren, haben wir dann wenigstens noch mal alles in Einzelheiten hören können und Kana und ich hatten sofort einen Plan, wie wir den Stadtpets die Leviten lesen könnten. Wir haben also die dazu nötigen Pets eingesammelt, Coco über Sath eine Nachricht an Cocos Kougrafreunde schicken lassen und sind aufgebrochen.*
*So bescheuert wie Phantom sind wir aber nicht mehr geflogen*, warf Kana ein und wieder lachten alle.
*Als wir in dem Wald waren mussten wir nur noch auf die Kougras warten und Wild in den Plan einweihen, dauerte nur ein paar Minuten*, sagte Kaja
Jetzt fuhr Fey mit der Geschichte fort: *Unser Plan war eigentlich ganz einfach, wir mussten nur ein paar spezielle Fähigkeiten ausnutzen. Kaja sollte die Arbeiter, die nicht in der Miene waren irgendwie zusammentreiben und mit dem Bauleiter in die Flucht schlagen. Wir brauchen Platz und Ruhe für das Gelingen unseres Vorhabens. Kanas tolle Fähigkeit mal eben die Sonne verschwinden zu lassen kam da wirklich wie gerufen. Für die, die Kana nicht so gut kennen: Das funktioniert nur ein paar Minuten und man sieht die Sonne auch nur in einem Bereicht vom etwa fünfzig Quadratmeter nicht mehr, von jedem Ort außerhalb sieht alles ganz normal aus.
Storm hatte sich vor Kana in die Höhle geschlichen und unbemerkt in den Schatten versteckt. Danach musste Klick nur noch mit einem Windstoß die Fackeln von ihnen verlöschen lassen. Wer so altmodisch ist, ist schließlich selber schuld.
Klick, Kaps und Wild haben mit heulen und Kreischen für angsteinflößende Geräusche gesorgt und schließlich ist Kana in die Höhle gegangen, so, dass man anfangs nur ihre Hufe sehen konnte. Bone hat auf ihr gesessen, mit der Schädelmaske und dem dazugehörigen Halloweenkostüm sah er in dem dämmerlicht wirklich aus wie ein Skelett und mit geschlossenen Augen hatte er scheinbar auch noch leere Augenhöhlen.
Schließlich hat Phantom die Fackeln mit seinem Stab wieder angemacht, sodass die Arbeiter Bone sehen konnten und Klick hat bei jeder seiner Bewegungen geklackt, wie hohle, aufeinandertreffende Knochen. Ich glaub da hatten die meisten von denen schon die Hosen voll, aber das war ja noch längst nicht alles.
Als nächstes wurden die Fackeln erneut ausgeblasen und Mac hat mit seinem Stab an der hinteren Wand einen grünen Nebel erzeugt, daraus ist Storm dann aufgestiegen, wie ein Geist, auch mit geschlossenen Augen, aber aufgerissenem Maul und da sind sie kreischend, wie kleine Usulmädchen durcheinander gerannt und schließlich aus der Höhle rausgeprescht.*
Alle lachten und Fey machte eine kurze Pause. *Draußen hatten wir schon etwas für sie aufgebaut*, fuhr sie schließlich fort. *Mac hatte ein paar der Edelsteine auf Stocken befestigt, in die Erde gerammt und mit dem blau-grünen Licht seine Stabes erleuchtet. Die drei Geisterkougras haben sich vor dem Ring postiert, so, dass man sie sofort sehen würde, wenn die Arbeiter rausgerannt kamen und wie vorherzusehen sind alle wie erstarrt stehen geblieben. Zwischen den Stöcken hätten die sich nie lang getraut und dann kam Kana hinter ihnen aus der Miene und ich hab einen großen Stein, den wir zuvor postiert hatten, auf den Eingang fallen lassen.
Mich würde es nicht wundern, wenn der Boden in der Mitte des Kreises immer noch feucht is, die haben wirklich geglaubt die Kougras wären echte Geister aus dem Wald. Mit ein bisschen tiefsinnigem Geschwafel haben wir ihre Aufmerksamkeit bekommen und dann war Wilds auftritt, hoch über ihnen, auf einer Klippe ist er vorgetreten und sah von weitem aus, als ob er brannte, denn Flame hockte auf seinem Rücken. Er hat dann zu den Arbeitern gesprochen sie sollen den Wald für immer verlassen und jeder, der zurückkommt, wird nicht mehr verschont. Dann ist Flame von seinem Rücken direkt auf sie zu gesprungen und alle sind panisch davon gelaufen.*
Feys Erzählung endete in heiterem Gelächter. Als sich die Pets wieder beruhigt hatten sagte Phantom: *Kaja, jetzt musst du aber auch erzählen wie du das mit dem Rest geschafft hast.*
Kaja grinste hinterhältig. *Nichts leichter, als das. Ich habe den Bauleiter aufgesucht und erzählt ich käme von einer Vereinigung zum Schutz der Wälder. Er sah, wie vorhergesehen aus, als wollte er mich gleich eigenhändig aus seinem Büro werfen, aber das hat er sich wohl nicht getraut, also hat er die Arbeiter zusammen gerufen. Ich habe gewartet, bis sie alle in dem fahrenden Büro waren, die Tür zu geschlagen und verriegelt. Danach hab ich sie in den Fluss geschoben und hinterhergerufen wenn sie noch einmal wieder kämen, würde ich sie vorher zum nächsten Wasserfall fliegen.*
Wieder gab es lautes Gelächter. *Ich glaube kaum, das jemals jemand von denen zurückkommt*, sagte Mac schließlich.*
*Und falls doch sind da immer noch die Kougras*, fügte Coco hinzu. *Die lassen sich ihren Traumwald so schnell bestimmt nicht wegnehmen.*
Sie machten eine kurze Pause, holten neue Snacks und legten Holz auf das Feuer nach. Doch schließlich wollten alle, dass Fey ihnen noch eine richtige Geschichte erzählte. Etwas wiederwillig stimmte die müde Xweetokdame schließlich zu, richtete sich etwas auf und begann zu erzählen. Gebannt hörten alle zu: *Es war eine dunkle, stürmische Nacht, ähnlich wie diese, doch vor fast zehn Jahren nicht weit von hier an einer Meeresbucht. Die Wellen schlugen Meterhoch und klatschten gegen die Felsen, rissen Stücke aus ihrem Fleisch und schwemmten sie mit der Strömung davon.
Kaum ein Pet wollte bei diesem Wetter eine Pfote vor das sichere Schlafplätzchen heben, doch da regte sich etwas in der Dunkelheit. Und es war kein vom Wind verwehter Ast. Klauen schlichen durch den Schlamm und bewegten sich stetig auf das heftig um sich schlagende Wasser zu. Das Pet kroch aus eine Höhle in der Nähe des Meeres über einer Klippe und wie vom Blitz getroffen ließ es sich einfach in die schäumenden Wellen fallen.
Was, wenn nicht ein großer Schatz, kann ein Pet dazu bewegen bei diesem Wellengang ins Wasser zu gehen?
Es handelte sich um ein maraquanisches Pet, ein Draik um genau zu sein und tatsächlich wurde es von dem Verlangen eines Schatzes aus seiner Höhle getrieben. Ein Schatz, der nur alle zehn Jahre zu finden ist, weit draußen auf dem Meer und den Wind und Wetter beschützen wollen.
Alle zehn Jahre taucht eine Insel aus dem Meer auf, es heißt sie bestehe komplett aus Muscheln und in ihr wäre die kostbarste Perle der Welt versteckt. Weder groß, noch besonders schön und doch schöner, als alle anderen Perlen. Und heilende Kräfte hat sie, das flüstern zumindest die Meereswinde den Peophins ins Ohr.
Niemand weiß wo die Perle auftauchen wird, wenn sie alle zehn Jahre hervortritt, doch man sagt es gibt einen Weg dies zu ermitteln, wenn man die richtigen Zeichen findet. Und alle zehn Jahre sind diese Zeichen an anderen Orten versteckt. Dieser Draik hat sie gefunden und so nimmt er den schweren Weg auf sich den größten Schatz des Meeres zu finden.
Lange muss er schwimmen und weit bis Flossen und Beine erlahmen, doch getrieben von der Sehnsucht diesen einen Schatz zu finden schwimmt er weiter und weiter, durch gefährliche Strömungen und an tötlichen Strudeln vorbei.
Schnell muss er schwimmen, denn nur kurz wird die Perle nach Luft schnappen ehe sie für die nächsten zehn Jahre verschwindet. Nur bei Morgengrauen zwischen den ersten strahlen der neuen Sonne und ihrer vollen Entfaltung kann man die Perle finden.
Allen Gefahren zum Trotz kann dieser Draik die Muschel finden. Er weiß, er kann sie finden und wird sie sehen und sofern er noch die Kraft dazu hat, wird er sie nehmen und sie soll sein eigen sein.
Dann lässt endlich der Sturm nach. Die Wolken schwinden im wärmer werdenden Himmel und die Sonne geht auf. Da sieht er sie. Die Muschel, die sich aus dem Wasser erhoben hat öffnet ihre Schalen um die kostbare Perle im Licht zu baden. Doch er kann sie nicht nehmen. Er ist zu weit entfernt und bis er es schaffte an sie heran zu schwimmen, da vollendet die Sonne ihre Rundung und die Muschel schließt sich, für die nächsten zehn Jahre. Sie versinkt. Sie hinterlässt nichts mehr, als einen Hinweis.
Zehn Jahre hat er gehofft sie zu finden. Zehn Jahre hat er alle Hinweise gesucht, gefunden und entschlüsselt nur um einen Blick auf die Perle werfen zu können. Und er wird wieder hinweise sammeln und in zehn Jahren wird er die Perle erneut finden. Und wenn er wieder zu spät ist, so wird er weiter jede Spur erfühlen und sie so lange verfolgen, bis er die kostbarste Perle der Welt in seinen Klauen halten darf.*


16. Teil: Wie ein Welpe

*Was ist Fahne klauen?*, wollte Bone wissen.
*Das ist unser Lieblings Gemeinschafts-Spiel*, antwortete Mac. *Phantom hat es schon einmal mitgespielt. Aber jetzt sind ja noch drei neue Pets dazu gekommen.*
*Ein Spiel?* Bone wirkte nicht unbedingt begeistert.
*Mach einfach mit, es wird dir sicher gefallen*, erwiderte Mac. *Da muss jeder mitmachen, deswegen ja Gemeinschafts-Spiel.*
*Glaub mir, es macht wirklich spaß*, sagte Kana, die gerade hinter ihnen aus dem Haus gekommen war. *Steig auf, zu unserem Spielplatz müssen wir fliegen.*
Bone war noch immer nicht überzeugt, kletterte aber geschwind auf Kanas Rücken. Kurz darauf tauchten auch Phantom und Cet auf, der sich hinter Bone auf die Unidame quetschte und los ging der Flug.
Unterwegs erklärte Kana Bone die Regeln und schon nach kurzer Zeit, so schien es, hatten sie die verwachsene Lichtung inmitten des Dschungels erreicht.
Kaja, Tal, Wild und Flame waren schon da. Sobald sie gelandet waren, flatterte Kana wieder auf um Klick zu helfen die Nichtflieger abzuholen.
Bones Petpet Nighel lief sofort auf Windbreaker zu, der mit Wild und Phalasis im Schatten gelegen hatte und forderte ihn keifend zu einem Kampf heraus. Kurze Zeit später kugelten die Petpets ineinander verbissen über die Wiese und die Pets sahen lachend zu.
Eine halbe Stunde verging, bis alle Mitglieder der Häuser eingetroffen waren und Mannschaften gebildet werden konnten. Kaja hatte als Anführer das erste Wort.
*Wie ihr alle wisst haben wir einige neue Mitglieder*, sagte er. *Das heißt wir haben das erste Mal bei diesem Spiel eine ungerade Zahl an Pets. Verzichtet jemand freiwillig?*
Ein paar lachten. *War nur ein Scherz, wir können zwischen den Spielen immer mal wieder wen austauschen. Also, Flame und Fey wählen!*
Die Xweetoks stellten sich zu beiden Seiten des Flusses auf und sagten nacheinander die Namen ihrer Mitstreiter. Am Ende hatte Fey Kaja, Kana, Mac, Kaps, Wild, Swamm, Storm und Sun im Team und Flame spielte mit Ti, Klick, Cet, Tay, Coco, Sath, Phantom, Bone und Tal.
Bevor das erste Spiel begann erlaubte Kaja beiden Teams eine kurze Besprechung abzuhalten. Phantom ging mit den anderen in die Nähe der Fahne, wo sie die Köpfe zusammen steckten und Flame ihren Plan erzählte. Ti und Tal meldeten sich sofort freiwillig, ls es um die Frage ging wer die Fahne bewachen sollte und Coco und Sath wurden nach einer längeren Diskussion ebenfalls dazu verdonnert.
*Also machen wir es so*, flüsterte Flame abschließend. *Bone und Cet, ihr lenkt die Leute hier vorne ab. Ich gehe mit Tay hintenrum und wenn es klappt können sich Klick oder Phantom dann die Fahne hohlen.*
*Wäre aber nur ein Idealfall*, knurrte Klick, der von dem Plan nicht besonders begeistert war.
Ein lautes Kreischen ließ sie alle zusammen zucken. Kaja hatte mit seinem Ruf das Spiel angepfiffen und alle gingen auf Position. Flame und Tay verschwanden sofort im Wald, Phantom und Klick hielten sich in der Nähe der Fahne auf, während Cet und Bone sich dem Bach näherten.

Auf der anderen Seite hatten sich Fey, Kana, Swamm und Sun in der Nähe der Flagge postiert und hielten nun stoisch nach etwaigen Feinden Ausschau.
Mac, Kaja und Wild behielten die Pets im Auge, die sich gleich zu beginn zum Bach begeben hatten, Kaps kletterte auf einen Baum um besseren Überblick zu haben und Storm war spurlos verschwunden.
Phantom schlenderte gerade zu Klick hinüber um ihn darauf aufmerksam zu machen, doch dem Eyrie war es selbst schon aufgefallen.
*Habt ihr nicht erzählt sie sei eine Schattenmeisterin? Ein Dieb, der darauf spezialisiert ist sich unbemerkt anzuschleichen und genauso wieder zu verschwinden? Das wird nicht einfach, ich kümmer mich darum. Konzentrier du dich auf die Fahne. Wobei ich nicht glaube, dass Flames komischer Plan funktionieren wird.*
Phantom wandte sich wieder um und beobachtete wie Klick im Wald verschwand. Cet und Bone schlichen vor dem Fluss hin und her und warteten auf die passende Gelegenheit.
Phantom fühlte, wie sich sein Magen vor Aufregung überschlug. Er musste bereit sein und im genau richtigen Moment losrennen in der Hoffnung die Ablenkung würde funktionieren.
Ein Schrei ertönte aus dem Wald auf der Gegnerischen Seite. Flame kam heraus geschossen und flitzte über das Gras, verfolgt von einer wütend schnaufenden Kana.
Jetzt ging alles blitzschnell. Cet und Bone sprangen über den Bach und konnten den ersten, Angriffen der zunächst noch verwirrten Gegner ausweichen, doch schon nach wenigen Sekunden erwischte Kaja Bone mit dem Flügel mitten im Gesicht.
Phantom war losgesprintet, sprang über dem Bach und wich mit einer Rolle vorwärts Kaps aus, der von seinem Baum auf ihn zugeschossen kam. Der Draik kam jedoch sofort wieder auf die Beine, sprang Mac aus dem Weg, verlor jedoch den Halt und landete auf dem Rücken. Kaps war nur noch einen Sprung von ihm entfernt, da peitschte Phantom seinen Schweif auf den Boden und katapultierte sich in die Luft. Erlaubt war es, solange er nicht die Flügel spannte.
Er landete hart auf dem Boden und rollte sich ab. Der Weg nach vorne war nun von Kaps und Mac versperrt, also hechtete Phantom schließlich zurück über den Bach.
Wild und Cet hatten in der ganzen Zeit einen seltsamen Wettlauf veranstaltet. Wild war unglaublich geschickt, er schnitt Cet den Weg ab wohin er auch wollte, doch jedes Mal schaffte Cet es seiner Schnauze und seinen Pfoten auszuweichen, sodass er nicht gefangen wurde.
Es sah aus, als wollten die Lupes auf einer leeren Straße aneinander vorbei gehen, schlugen jedoch jedes Mal die selbe Richtung ein und versperrten sich wieder Gegenseitig den Weg.
*CET, PASS AUF!*, brüllte Phantom, so laut er konnte, denn Kaps und Mac versuchten jetzt den Pirtenalupe einzukreisen. Doch Cet hob den Kopf, sah sie kommen und sprintete urplötzlich auf den Wald zu.
Er, Wild, Mac und Kaps verschwanden darin und einige Minuten hörte man nur das Rascheln von Blättern. Da preschte Cet wieder aus dem Wald heraus, kurz vor dem Bach und machte einen so schrägen Satz darüber, dass er sich auf der anderen Seite abrollen musste um nicht auf die Schnauze zu fallen.
Kurz darauf trabten auch die drei Gegner wieder zwischen den Bäumen hervor.
*Bone wurde gefangen*, erklärte Phantom ihm schnell. *Aber wo Flame und Tay abgeblieben sind weiß ich nicht.*
Schon hörten sie es erneut im Gebüsch rascheln, diesmal auf ihrer Seite und im nächsten Moment rief Klick laut: *ICH BRAUCH HIER VERSTÄRKUNG!*
Ohne nachzudenken stürzten beide sofort in den Wald. Klick, stand fauchend vor Storm, die zwischen den schwarzen Bäumen kaum zu erkennen war und ständig versuchte sich an ihm vorbei zu stehlen. Sie bewegte sich so flink durch die Bäume, dass sie binnen eines Blinzelns verschwinden könnte, doch Klick hatte außergewöhnlich scharfe Augen.
Ti und Coco standen neben ihm und versuchten mit langsamen Schritten Storm den Weg abzuschneiden, doch jedes Mal, wenn es ihnen fast gelang huschte sie an eine andere, noch freie Stelle.
*HEY!*
Tals Ruf ließ alle herumschnellen und genau den Augenblick nutzte Storm um zwischen ihnen hindurch zu zischen und mit schnellen Flügelschlägen auf die Fahne zuzusetzen. Klick jagte ihr nach und rief im Selben Moment: *STORM VON HINTEN!*
Alle anderen beeilten sich auf die Wiese zurück zu kommen, denn als kein Angreifer mehr auf ihrer Seite der Lichtung war, hatten Kaja, Mac, Wild und Kaps ihrerseits einen Angriff gestartet und Tal und Sath hatten größte Mühe damit sie in Schach zu halten.
Alle hatten sich der Fahne gefährlich genähert. In dem Moment schossen Coco, Phantom, Cet und Ti aus dem Wald um sie zurück zu scheuchen und in der gleichen Sekunde brüllte Kana auf der anderen Seite: *AUFPASSEN GEFANGENE FREI!*
Noch bevor die vier Angreifer sich überhaupt umdrehen konnten waren Tay, Bone und Flame über den Bach gesprungen und jagten Mac, Kaps, Wild und Kaja nach, die versuchten in alle Richtungen zu entkommen.
Mac wurde von drei Pets eingekreist und sofort erwischt, Kaps kam bis kurz vor den Bach, als Tay ihn von der Seite überraschte und Kaja wurde von Phantom und Ti in den Wald gedrängt, wo Klick aus dem Nichts erschien und auch ihn fing.
Nur Wild hatte entkommen können und stand jetzt keuchend auf der anderen Seite zwischen Swamm und Sun.
*Was ist mit Storm?*, fragte Phantom sofort, als sich die Lage wieder etwas beruhigt hatte.
*Sath hat sie abgefangen, aber nicht erwischt. Sie ist sofort verschwunden*, erklärte Klick.
Sie blickten alle wieder auf die andere Seite des Baches. Ihre Gegner waren jetzt nur noch zu fünft, wärend Tay es geschafft hatte Bone zu befreien und Flame nach einer abenteuerlichen Jagt in Büschen verschwunden war, die zu dicht und zu stark für Kana gewesen waren, woraufhin Flame auf ihre Seite zurück hatte kommen können.
Flame winkte sie zusammen und unter Beobachtung ihrer Gegner erklärte sie einen neuen Plan: *Wild ist zu gut, als dass wir keine Wachen hier lassen dürften*, flüsterte sie und warf einen unsicheren Blick zum Gefängnis herüber, wo sich Kaja und Kaps über den Rand der abschirmenden Baumgruppe streckten in der Hoffnung ihren Plan zu hören.
*Tal, Coco und Ti, ihr bleibt hier. Verteilt euch zwischen den Gefängnis und der Fahne*, fuhr Flame fort. *Falls irgendwas ist ruft laut, wir kommen dann schon irgendwie zurück.*
Die drei Aufpasser zogen sich in den Wald zurück, behielten die Gegnerische Seite aber im Auge, während der Rest über den Bach schlenderte. Alle kamen sie von vorne und würden sich erst später, wenn die Gegner immer verzweifelter wurden, verteilen und einen Vorteil ausnutzen.
So stellten sich auch Fey, Kana, Swamm, Sun und Wild vor die Fahne und triben ihre Gegner immer wieder zurück.
Der Ring wurde immer breiter und die Verteidiger mussten sich immer weiter verteilen. Zugleich aber kamen die Angreifer immer näher. Als sich Bone einmal besonders weit vor wagte sprang Wild mit einem Knurren auf ihn los, Bone konnte sich nicht schnell genug zurück ziehen und wurde erwischt, doch Phantom nutzte Wilds ausbrechen um nach vorne zu sprinten. Leider fing Fey ihn sofort ab, verfehlte ihn aber um Zentimeter, als sie die Pfote ausstreckte um ihn zu fangen.
Als Bone sich niedergeschlagen auf den Weg zum Gefängnis machte schoss Flame plötzlich in den Wald davon. Kana sprintete ihr nach, doch schon kurze Zeit später marschierte Flame zufrieden mit Bone im Schlepptau auf ihre Seite zurück, nur um Sofort wieder zum Angriff über zu gehen.
Cet und Tay, die sich beide Swamm gegenüber sahen, versuchten gleichzeitig einen Vorstoß, Swamm verfolgte Cet und trieb ihn zurück, aber Tay kam durch die Lücke hindurch und sprintete auf den Fahnebaum zu. Wild sah es gerade noch und wollte ihm in den Weg springen, doch da hatte Tay einen Ast des Baumes schon mit dem Maul gepackt und war in Sicherheit. Wild war jedoch viel zu nahe, als dass er sofort wieder hätte verschwinden können.
Im selben Moment, wie Tay losgelaufen war, atten auch Flame und Sath versucht beide gleichzeitig ihre Bewacher zu überlisten und auch Sath schaffte es an den Baum. Bei der kleinsten Unachtsamkeit seiner Gegner würde er davon flitzen. Tay, der mit dem Schweif den Baum umklammerte hielt Sath an der Schwanzspitze fest, doch sonderlich weit kamen sie damit nicht.
Flame und Phantom versuchten es mit einem Ablenkungsmanöver und Klick nahm ihre Idee auf, alle Gegner wirbelten herum um die Angreifer wieder zu vertreiben. Sath schoss los.
Doch lange, bevor er den Bach erreicht hatte, hörten sie ein Pfeifen. Alle wandten sich um und Sath blieb abrupt stehen. Vor ihm stand Storm, auf ihrer Seite des Baches, winkte ihm aufreizend zu, die Fangzähne gebleckt, dazwischen die Fahne im Maul.
Als die Angreifer sich nach ihrem Fahnebaum umsahen warfen Tal und Sun ihnen enttäuschte Blicke zu.
Storm packte unterdessen die Fahne mit beiden Flügeln und wedelte damit theatralisch durch die Luft, während die Gefangenen aus dem Wald kamen und in das Jubelgeheul ihrer Mannschaft einstimmten.

*Wir haben überhaupt nicht gemerkt, dass sie die Fahne hatte, bis sie schon fast beim Bach war*, erklärte der verwirrte Tal Flame, Klick und Cet. *Man darf sie echt nicht unterschätzen.*
*Das schlimmste ist, wir haben sie total vergessen*, knurrte Klick.
Die Seiten wurden gewechselt und Flame erlaubte Coco und Sath wieder am Geschehen teil zu nehmen und verdonnerte dafür Cet und Bone zum Fahnendienst.
Kaja pfiff das Spiel an. Auf der anderen Seite war die Mannschaftsverteilung gleich geblieben. Kaja, Kaps und Wild pattroulierten vor dem Fluss auf und ab, Mac hockte auf einem hohen Ast und spähte zu ihrer Fahne herüber und Storm war wieder spurlos verschwunden.
*Haltet bloß nach Storm Ausschau*, zischte Klick den Fahnewachen zu, ehe er sich den Angreifern zuwandte, denn die zwei Lupe und der Dariganeyrie machten jetzt schon Anstalten die Seite zu wechseln.
Tay trieb gerade Wild zurück auf seine Seite, der wagemutig über den Bach gesprungen war und auf sie zugeschlendert kam, als schon ein schrei aus dem Wald hinter ihnen ertönte. Klick wirbelte herum und stürmte zwischen die Bäume. Storm stand Bone und Phantom gegenüber. Sie hatte ihren langen, braunen Leib um einen gleichfarbigen Baum gewickelt und grinste die zweibeinigen Pets heimtückisch an. Doch sie rührte sich nicht. Offenbar wagte sie es nicht und weder Phantom noch Bone wollten ihre sicheren Verteidigungspositionen aufgeben.
Klick sprang von der Seite auf sie zu und sofort nahm Storm die Flucht auf. Sie schnellte in die andere Richtung davon und kam Phantom gefährlich nahe, doch dieser bekam sie nicht zu fassen. Storm flog auf das leere Gefängnis zu, drehte dann aber plötzlich ab und schoss Richtung Fahnebaum. Phantom konnte nicht so schnell wenden wie sie und stolperte über eine Wurzel, doch da erschien Ti aus dem Nichts und eines seiner langen Zweitohren erwischte Storm hart an der Seite.
Sie fiel zu Boden und rappelte sich wütend zischend auf.
*STORM IS GEFANGEN!*, erschallte im selben Moment ein Ruf. Keiner hatte gemerkt, dass Kaja, Kaps und Wild den Rückzug genutzt hatten um dicht bis zum Fahnebaum vorzudringen und Wild hatte Storms Gefangennahme mit an gesehen.
Ti sprang sofort auf ihn zu, doch Wild machte einen Satz rückwärts und lief zurück zum Fluss. Auch Kaps trat den Rückzug an.
*Ti, zum Gefängnis, Kaja is weg!*, rief Klick und sprang schon mit großen Sätzen auf den abgesperrten Bereich zu.
Phantom übernahm probehalber Tis Platz als Baumwache. Flame war nirgends zu sehen, vermutlich schlich sie sich durch den Wald auf der anderen Seite.
Vom Gefängnis her kamen laute, raschelnde Geräusche und schließlich ein jubelnder Aufschrei. Als Ti Phantom wieder ablöste, ging Kaja gerade zufrieden mit Storm über den Bach.
Das Spiel hatte sich wieder etwas beruhigt. Phantom und Klick beäugten die Gegner, wie auf der anderen Seite des Baches umher schlichen misstrauisch. Plötzlich erschallte wieder ein Ausruf, doch diesmal von der Gegnerischen Seite. Flame hatte sich dort zu erkennen gegeben und versuchte jetzt bis zum Fahnebaum vorzudringen. Kaja, Kaps und Wild wirbelten herum um zu helfen sie zu fangen.
Phantom, Klick und Tay nutzten die Gelegenheit über den Bach zu springen und sie abzulenken.
Flame sah sich Fey und Swamm gegenüber, die versuchten den Baum vor ihr abzuschirmen. Sie wussten wie leicht es Flame gefallen wäre mit einem mächtigen Satz nach einem sicheren Ast zu hechten und daran empor zu klettern. Klick wich unterdessen Kana und Kaps aus, die ihn eingekreist hatten und immer wieder versuchten etwas von seinem Gefiederfell zu fassen zu bekommen, doch Klick war zu flink für sie.
Phantom schaffte es nicht Wild lange abzulenken, der vorrauszusehen schien in welche Richtung er laufen wollte und ihn jedes Mal abblockte. Schließlich trat Phantom den Rückzug an, doch kurz bevor er den Bach erreichte traf eine Lupetatze ihn mit voller Wucht im Rücken.
Tay hatte versucht Kaja mit einem Hechtsprung zu entkommen, doch dieser hatte seinen Schweif mit dem Schnabel erwischt.
Wild und Kaps wandten sich jetzt Flame und ihren Bewachern zu. Als sie die neuen Angreifer näher kommen sah wich sie mit einem Satz zur Seite aus. Fey folgte ihr sofort, verfehlte ihren wedelnden Schweif nur um Zentimeter, als sie in windeseile einen Baum erklomm und sich oben auf einem dicken Ast zusammen kauerte.
Fey fauchte wütend und hieb mit den Krallen lange Furchen in die Rinde des Baumes. Sie war nicht gut genug um Flame zu folgen. Doch da tauchte Mac hinter ihr auf und machte sich geschwind an den Aufstieg. Er hatte Flame schon fast erreicht, da erhob sie sich und sprang mit einem gewaltigen Satz zu einem Ast zwei Bäume weiter.
Die Verteidiger m Boden verfolgten sie und hofften, dass ein Ast unter ihr brechen würde, doch Flame war zu geschickt. Nach kurzer Zeit hatte sie den Fahnebaum erreicht und biss sich in dessen Ästen fest. Sie nahm die Fahne mit dem Schweif auf und sah sich nach ihrer Seite des Kampffeldes um.
Klick hatte zurück auf seine Seite kommen können und suchte jetzt nach einer Möglichkeit Flame zu helfen oder die durch sie entstandene Ablenkung zu nutzen um einen seiner Gefährten aus dem Gefängnis zu befreien.
Flame schleuderte die Fahne. Sie landete kurz vor dem Bach, doch Klick konnte sich nicht hohlen, denn Kaja war schon da und brachte sie zu Flame zurück.
Klick krächzte leise. Wenn es einmal jemand schaffte zum Baum zu kommen und dort blieb lief es meistens auf den Sieg seiner Mannschaft hinaus. Meistens, aber nicht immer und Klick war zur Zeit der einzige, der Versuchte einen von Flames würfen zu erhaschen, denn Coco und Sath waren spurlos verschwunden. Ti, Cet, Bone und Tal passten noch auf den Baum auf und dort jemanden wegzubeordern konnten sie sich nicht leisten, da die Gegner vollzählig waren und auch Storm schon wieder nicht mehr aufzufinden war.
Ein lauter Krach hinter Klick lenkte die Aufmerksamkeit aller auf den Wald auf ihrer Seite. Dann platzte Storm aus dem Gebüsch, rauschte übers Gras, Sath dicht hinter ihr.
*AUFPASSEN, STORM!*, brüllten Wild und Kaja gleichzeitig, als Klick ihr mit ausgebreiteten Flügeln in den Weg trat. Storm versuchte einen Schlenker um sie herum zu machen, aber Klick war schneller. Er erwischte sie am Flügel. Storm kam aus dem Gleichgewicht, torkelte durch die Luft und landete schließlich im Bach.
Wütend fauchend machte sich die Hissidame auf dem Weg zum Gefängnis.
*Hey*, erklang da ein Schrei auf der Gegnerseite und wieder wurden alle Abgelenkt. Diesmal hatte Fey gerufen, denn in der Aufregung hatte niemand auf Flame geachtet, die sich gerade, Baum zu Baum kletternd, auf den Rückweg zu ihrer Seite machen wollte.
Sofort schwang Mac sich an einigen Ästen den Baum hinauf, doch Flame war schon viel weiter.
Kaja und Wild starteten einen Blitzangriff, Kaja wurde sofort von Klick abgeblockt, doch der schnelle Wild glitt an Sath vorbei und lief gradewegs zum Gefängnis.
*PASST AUF STORM AUF!*, brüllte Klick über den Platz und verhinderte erneut ein Durchkommen von Kaja.
Sath versuchte sich von Hinten an den Eyrie heranzuschleichen, doch Kaja, der bessere Augen hatte, als jeder andere auf dem Platz ließ sich nicht täuschen und ging zurück.
Wieder ein Tumult hinter ihnen und Wild platzte aus dem Wald, wich Ti und Bone aus und wedelte aufdringlich mit dem Schweif.
Wieder versuchte Sath es von hinten, doch Wild sprang einfach über ihn hinweg, täuschte Bone zu seiner rechten mit einem Ausfallschritt und sprintete dann an ihm vorbei zurück in den Wald.
Unterdessen kam Flame gut voran, stets verfolgt von allen Fahneaufpassern am Boden. Swamm und Mac kletterten hinter ihr her, konnten sie jedoch nicht erreichen.
Unter lauten Jubelrufen preschten da Wild und Storm zurück auf ihre Seite. Storm schloss sich sofort der Truppe um Flame an, glitt einen Baum hinauf und schlängelte in Windeseile auf Flame zu. *Schneller Flame!*, feuerten ihre Teamkameraden sie an. Es wurde knapp. Flame war nur noch zwei Äste von ihrer Seite entfernt, unter ihr war schon fast der Fluss, doch auch Storm war nur noch wenige Zentimeter entfernt und streckte sich so lang sie konnte.
Flame setzte zum Sprung an, doch es war zu spät. Storms Maul schloss sich um ihr Bein und zog sie zurück.
Enttäuschung machte sie in ihrer Mannschaft breit, doch Klick hatte sofort eine Idee. Sämtliche Mitglieder ihrer Gegner standen im engen Kreis um Flames Baum herum. *MITKOMMEN!*, brüllte er Sath und Coco zu. Die beiden verstanden sofort, alle drei hechteten los, sprangen auf die andere Seite und stürmten geradewegs zum Fahnebaum.
Coco machte einen Schlenker und hielt auf das Gefängnis zu. Als das Gegnerische Team sie erreichte, hatte Sath längst seinen Schweif um einen Ast des Fahnebaums geschlungen und Klick den Seinen um Saths einen Flügel.
Während Coco mit Tay seelenruhig auf die andere Seite spazierte warteten Klick und Sath grinsend auf Kaja, der ihnen, mit mürrischem Gesichtsausdruck, die Fahne brachte.
Coco und Tay postierten sich auf der anderen Seite und warteten auf etwaige Würfe, doch Klick warf die Fahne jedes Mal in eine ganz andere Richtung um sie dann prompt von Sun zurück zu bekommen. Er verfolgte einen anderen Plan und hoffte, das entweder Coco oder Tay darauf eingehen würden. Die Verteidiger ließen sie jetzt nicht mehr aus den Augen.
Schließlich sorgte Coco für Ablenkung, als er versuchte erneut zum Gefängnis zu kommen, denn darum kümmerte sich gerade niemand. Kaja, der ihm am nächsten war, ging sofort auf ihn los, Coco wich ihm aus, täuschte einen Sprung Richtung Wild vor, schwenkte dann aber wieder zur Seite und entkam nur knapp dem Angriff von Storm.
Sie schoss von einem Baum aus auf ihn zu, Coco konnte sich gerade noch zur Seite rollen. Auch Tay versuchte einen Vorstoß und zu Klicks freudiger überraschung Cet, der mal eben seinem Fahnedienst entsagte, es aber schaffte bis zu Klick vorzudringen und nur Sekunden, bevor Kana ihn erwischte, in dessen Flügel biss.
Klick verzog vor Schmerz das Gesicht und starrte ihn vorwurfsvoll an.
Coco war es tatsächlich gelungen Phantom zu befreien, Tay hatte sich wieder auf ihre Seite retten müssen.
Klick zog Cet zu sich heran und in einem engen Kreis drängten sie die drei Angreifer aneinander, damit niemand sonst ihren Plan vernahm. Klick wollte ihn jetzt, wo sie zu dritt waren, testen.
Einige Minuten später hatten sie ihre Ausgangsposition wieder eingenommen. Die anderen beobachteten sie stoisch, als alle drei sich so weit von dem Baum entfernten, wie es nur ging, ohne, dass Sath ihn loslassen musste.
Schließlich fixierte Klick Coco mit den Augen und machte eine schnelle Kopfbewegung. Coco nickte. Er hatte verstanden, was Klick wollte und flüsterte Phantom etwas zu.
Dann sprangen wie wieder auf die andere Seite, zu einem neuen Angriff. Jetzt war es soweit. Drei ihrer gegner waren Abgelenkt. Im selben Moment ließen auch Sath, Klick und Cet einander los und rasten in drei verschiedene Richtungen davon. Klick versuchte geradeaus durch den Wall der Verteidiger zu kommen, Cet rannte nach links und Sath nach rechts in den Wald.
Klick wurde schon nach kurzer Zeit von Kaja gefangen, Coco und Phantom wichen ihren Gegnern immer wieder aus um sie so lange wie möglich abzulenken, doch schließlich wurden auch sie gefangen.
Klick sah sie niedergeschlagen zum Gefängnis kommen. Flame sah den Eyrie vorwurfsvoll an. *Ob das eine gute Idee war*, murmelte sie mürrisch.
*Warts nur ab*, antwortete Klick und grinste. Kruz darauf gesellte sich auch Sath zu ihnen und Flame wollte schon zu einem Stöhnen ansetzen, als sie ihre Teamkollegen auf der anderen Seite in Jubel ausbrechen hörten.
Klick warf der überraschten Flame einen vielsagenden Blick zu und spazierte gemütlich durch den Wald. Cet vollführte mit der Fahne auf seiner Seite einige Saltos, während ihre Gegner ihm zum Teil grimmig, zum Teil belustigt zusahen.
*Ich war mir so sicher, dass Sath die Fahne hat*, konnten sie Swamm noch murren hören.

Die Sonne war längst hinter den hohen Bäumen verschwunden. Die Petgruppe lag großteils ausgestreckt im Gras und unterhielt sich über das Spiel. Gelegentlich erzählten sie auch wirkungsvolle Tricks aus ehemaligen Spielen und Bone, Phantom, Storm und Wild lachten sich darüber kaputt.
Die Petpets tollten ausgelassen umher und ließen sich von Chander mit Wasser bespritzen, bis Ti dazwischen ging und von den Petpets überwältigt wurde. Ausgelassen schlossen sich ihm ein paar andere an und versuchten den Aisha von den Petpets zu befreien, nur Wild arbeitete auf der Seite der Kleintiere. Windbreaker war wirklich erstaunlich. Wild ließ ihn einige *einfache* Tricks vorführen, wie einen Salto rückwärts, einen Sprung auf einen zwei Meter hohen Ast vom Boden aus oder einem mehrfachen Salto in der Luft, nachdem das Quilin von Wild selbst in die Höhe geschleudert worden war.
*Irgendwie seltsam*, murmelte Mac Phantom zu. *Er ist jetzt ganz anders, als im Wald.*
*Stimmt*, antwortete Phantom, *als hätte er eine ganz andere Persönlichkeit.*
Kaps, der ihr Gespräch gehört hatte, robbte auf sie zu *Er benimmt sich wie ein Welpe*, stellte er fest. Kaja grinste *So wie du fast rund um die Uhr?*
Kaps ließ ein leises, aber belustigtes Knurren hören. *Das liegt bei uns Lupe in der Natur*, sagte er dann. *Wir können noch so wild sein, irgendwo tief drin sind wir immer noch Welpen.*
*Bei Cet hab ich das in dem Maße aber nie gesehen*, meinte Mac.
Kaps verdrehte die Augen. *Du hast ihn nie beobachtet, wenn er allein auf seinem Boot war, oder?* Mac warf dem Lupe einen fragenden Blick zu und dieser grinste. *Glaub mir, ich weiß wovon ich spreche.*


17. Teil: Machtkampf

*Hey, hast du das gesehen?* Phantom deutete aufgeregt die Klippen hinunter. Mac schob den Kopf vor und runzelte die Stirn. *Ne, was denn?*
*Ich dachte da hätte sich was bewegt*, sagte der andere Draik. Mac ließ ein leises Prusten hören. *Klar, die Wellen*, antwortete er und bekam prompt von Phantom eine verpasst.
*Hey, bringt euch nicht gleich um*, rief eine tiefe Stimme und beide fuhren herum. Es war Wild, der mit langen Sätzen den Hang zur Klippe heraufkam. Mac und Phantom schlenderten den obersten Klippenkamm der äußeren Bucht entlang, in der Cets Schiff vor Anker lag. Von hier auf konnte man am besten aufs weite Meer hinaus blicken.
*Was gibts, Wild, hast du was gehört?*, rief Mac ihm zu. *Von diesen Snobpets?, nein.*, antwortete Wild
*Schade, murmelte Phantom. *So langsam wirds langweilig, ich will mal wieder 'nen Auftrag*, murrte Phantom.
Wild lachte. *Du kannst dir ja die Zeit mit Sath vertreiben. Nachdem Mac ihm erzählt hat, dass Phantom als Spitzname in manchen Fällen zu lang ist, hat er dir einen neuen gegeben.*
Phantom sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. Wild grinste breit. *Willst dus hören?*
Phantom überlegte kurz. Dann sagte er: *Ich glaube das bespreche ich lieber selbst mit Sath.* Und hob mit kräftigen Flügelschlägen ab.
Mac seufzte. *Der Junge kann sich einfach keinen Respekt verschaffen.*
Wild fing an zu lachen. *So schlimm ist es gar nicht*, meinte er. *Sath hat ihn Dark genannt. Er wollte nicht erzählen wie er darauf gekommen ist, aber nachdem was ich gehört habe, hat sich Sath schon weit schlimmeres ausgedacht.*
Jetzt lachte auch Mac.
Ein plötzliches Geräusch ließ die Beiden aufschrecken. Es klang, als ob etwas versuchte die Felswände hinauf zu klettern. Wild und Mac liefen zum Rand der Klippe und sahen hinunter. *Da ist nichts*, stellte Mac misstrauisch fest.
Wild schüttelte den Kopf. *Es riecht nach Fisch*, sagte er.
*Natürlich, wir sind am Meer.* Wieder schüttelte Wild den Kopf. *Nicht so ein Fisch, ich glaube da ist ein Maraqua Pet.*
Mac schnaubte. *Und wo?*
Wild dachte kurz nach. Dann zog er sich zurück und zerrte Mac geradezu mit sich. *Keine Ahnung, muss mich wohl geirrt haben*, sagte er, viel lauter als gewöhnlich. Mac sah ihn verwundert an und Wild kniff die Augen zusammen in Verärgerung darüber, dass der Draik es nicht kapierte.
*Denkst du diese komischen tyrannianer werden uns noch schreiben?*, fragte er dann.
Mac klappte der Mund auf und Wild verdrehte die Augen. Im nächsten Moment hörten sie das Geräusch erneut.
Endlich begriff Mac. *Kommt ganz drauf an, die sind ja ziemlich eigen was ihre Schätze betrifft*, murmelte er.
Wild und Mac stahlen sich seitwärts wieder näher an die Schlucht heran, doch bevor sie hinüber sehen konnten, hörten sie einen Schrei.
Beide stürzten zur Klippe. An einer Klaue baumelnd, unter sich die scharfkantigen Felsen gegen die das Salzwasser schlug, hin dort ein maraquanischer Draik. Er drehte den Kopf nach oben und sah sie an. *Äh... Hilfe?*
*Wo kommt der denn her?*, fragte Mac sofort.
*Wieso fragst du ihn das nicht selbst?*, entgegnete Wild.
Mac antwortete nicht. Er starrte Wild an, als hätte er ihn noch nie gesehen und Wild verdrehte wieder die Augen. Mac bemerkte nicht einmal, dass der Draik sich plötzlich an dem übrigen Felsvorsprung hochzog, an dem er gerade noch so hing, sich mit den Hinterbeinen gegen den Stein stemmte und dann Kopfüber in die Tiefe sprang.
*Zu spät*, sagte Wild.

*Ein maraquanischer Draik bei unserer Klippe?* Kaps wirkte misstrauisch. *Es schien, als wollte er sich an uns vorbei schleichen, oder uns belauschen*, meinte Mac.
*Ich wusste doch da war was*, rief der neu ernannte Dark. Saths Spitzname hatte sich natürlich in windeseile durch alle Häuser verbreitet und wurde jetzt von jedem benutzt.
*Ich glaube kaum, dass das ein Grund zur Beunruhigung ist*, warf Kaja dazwischen. *Aber ich werde ihn mir trotzdem mal genauer ansehen.*
Kaps verließ das Haus. Die anderen blickten ihm nachdenklich hinterher. Sie waren sofort zum Hause Lenoragirl gegangen, nachdem sie dem Draik auf der Klippe begegnet waren.
Kaja schüttelte den Kopf. *Jetzt wird er ihn sowieso nicht zu Gesicht bekommen*, meinte er.
Am nächsten Tag wartete Kaja am Rand der Bäume hoch zur Klippe. Er starrte die zackigen Felsen an und hörte, wie die Wellen gegen den Fels brachen. Es war Flut. Swamm zufolge die beste Gelegenheit es zu versuchen.
Die Cybunnydame tauchte wenig später auf, Wild, Dark und Mac folgten. Gemeinsam und schweigend stiegen sie die Klippe empor bis zu ihrem höchsten Punkt. Niemand tat etwas ohne Kajas Anweisungen.
*Das Meer ist doch total aufgewühlt, wieso sollte er gerade jetzt auftauchen?*, flüsterte Dark.
*Weil er jetzt am höchsten die Klippe hinauf kommt*, antwortete Swamm. *Außerdem sind seine Fluchtchancen besser. Ein Maradraik kann die Strömungen an Felsen gut genug abschätzen um nicht dagegen geschmettert zu werden, aber wenn er fällt und unten ist kaum Wasser, trifft er viel eher auf tödlichen Stein.*
*Sssst!*, machte Kaja und sie verstummten wieder.
Es dauerte nicht lange, da hörten sie die Geräusche an der Felswand. Der Maradraik kam hinauf geklettert. Kaja brachte sich in Position. Er wollte das Pet fangen und fragen, was es hier zu suchen hatte. Ein Grund, warum sie sich alle in großem Umkreis an diesem Ort, einer großen Bucht, eingeschlossen von Wald, mit ihren Häusern niedergelassen hatten, war, dass hier so gut wie nie fremde Pets auftauchten. Wenn doch, dann sollte man herausfinden warum, bevor die Gegend von irgendwelchen anderen Pets belagert wurde.
Der Draik kam über den Rand der Klippe gesprungen. Er sah die Gefährten, erschrak, wich Kaja flink aus und stürzte sich wieder ins Wasser.
Kaja stöhnte. *Los, hinterher!*, er nickte Swamm zu und die sprang mit zwei Sätzen über die Klippe.
Kopfüber tauchte sie ins kühle, salzige Wasser und blasen umwirbelten für ein paar Sekunden wild ihren Kopf. Dann sah sie den Draik, genauso erschrocken, wie noch Sekunden zuvor, im Wasser schwebend. Sofort drehte er sich um und versuchte zu fliehen, doch Swamm blieb ihm dicht auf den Fersen.
Allzu oft wurden ihre schwimmkünste von maraquanischen Pets oder welchen, die ihre ganze Zeit im Wasser verbrachen, unterschätzt. Das konnte sie sich jetzt zu Nutze machen. Sie würde versuchen den Draik in die Enge zu treiben und wenn er glaubte ausbrechen zu können, würde sie ihn schnappen.
Über dem Draik schwimmend versuchte sie ihn immer weiter auf den Meeresgrund zu treiben. Überall lagen hier große Steine und spitze Felsen herum. Der Draik sah Swamm und an kniff die Augen zusammen. Sie schwebten jetzt direkt gegenüber, Felsen und Steine im Rücken.
Plötzlich weiteten sich die Augen des Draiks. Swamm ließ sich Ablenken und fuhr herum. Ein riesiger Schatten glitt langsam durch das Wasser und kam immer näher. Sie waren nicht weit unter der Oberfläche und so konnte Swamm bald sehen, dass es sich um ein maraquanisches Grarrl handelte.
Auch hinter dem Draik tauchten jetzt schatten auf. Erst einer, dann zwei. Kleiner, aber ebenso bedrohlich kamen die Jetsams auf sie zu und begannen sie zu umkreisen.
Swamm schauderte. Sehr bald würde ihr die Luft ausgehen. Doch ehe sie einen weiteren gedanken daran verschwenden konnte, griffen die Wasserräuber an. Der Grarrl ging auf den Draik zu und erwischte ihn sofort am Rumpf. Der Draik kratzte und biss um sich, wurde jedoch von dem Grarrls wild durchs Wasser geschleudert.
Swamm wich den schnellen Vorstößen der Jetsams aus. Sie hatte kaum Krallen und war sich nicht sicher, ob sie mit ihrem kleinen Maul irgendwas ausrichten könnte, doch dann kam ihr eine Idee. Sie drehte sich auf den Rücken und sammelte alle Kraft in ihren kräftigen Cybunnyhinterläufen.
Als der Jetsam auf sie zu schoss trat sie ihn so fest sie konnte. Der Jetsam schüttelte sich und verlor die Orientierung, doch Swamm hatte nicht bedacht, dass der Tritt auch sie im Bewegung versetzte und so knallte sie mit voller Wucht auf einen Felsen. Ihr wurde sofort schwarz vor Augen.

Als Swamm wieder zu sich kam spürte sie zunächst, dass sie auf einem durchweichten Sofa lag. Sie öffnete die Augen. Offenbar war sie wieder bei Naridiana. Neben dem Sofa hockten Kaja und Klick und unterhielten sich leise. Beider Felle waren nass.
Als Klick bemerkte, dass Swamm wach war sprang er auf. *Wie gehts dir?*, fragte er besorgt.
Swamm fuhr sich mit den Pfoten über den Kopf und setzte sich langsam auf. *Kopfschmerzen*, keuchte sie.
*Das war bei der Aktion vorher zu sehen*, knurrte Kaja grimmig.
*Woher weißt du was passiert ist?*, wollte Swamm wissen.
Ich hab das Grarrl und die Jetsams vor euch gesehen*, antwortete Klick. *Also hab ich schnell Kaja geholt und als wir zurück kamen hast du grad dem roten Jetsam diesen Tritt verpasst.*
Swamm stöhnte und rieb sich weiter den Kopf. *Was ist mit dem Draik?*
*Er hat ein paar Bisswunden*, meinte Kaja. *Aber nichts, was Fey nicht wieder heilen könnte. Er schläft noch, bei Kana.*
Swamm drehte sich um und blickte auf die Tür zu Kanas Zimmer, als könnte sie hindurch sehen. Doch in dem Moment kam Fey heraus und rief: *Kaja, er wacht auf.*
Sofort liefen Kaja und Klick zu ihr, gefolgt von der etwas langsameren Swamm. In Kanas großes Zimmer war ein Bett gelegt worden, auf dem sich der Draik regte. In einer Ecke hockten Kana und Bone. Wild beobachtete den Draik, als wäre er dessen Aufpasser.
Die anderen blieben respektvoll zurück, als Kaja sich dem Bett näherte. Der Draik hob leicht den Kopf und sah ihn an. In seinen Augen schien eine Mischung aus Bewunderung und Angst zu schwimmen, doch er versuchte es zu verbergen.
*Wie ist dein Name?*, fragte Kaja mit seiner bedrohlichen Stimme. Einen Moment herrschte Stille. Dann antwortete der Draik: *Ich heiße Varad.*
*Was tust du in unserer Bucht?*, fuhr Kaja sachlich und zügig fort.
*Ich wusste nicht, dass es Privatgrundstück ist*, sagte Varad.
*Das ist sie nicht, aber hier kommt trotzdem nie jemand fremdes her, ohne unsere Erlaubnis. Nur deshalb leben wir hier.*
*Nicht sehr gesellschaftlich, was?*, murmelte Varad und lächelte vorsichtig, ließ es bei Kajas finsterer Miene aber sofort wieder bleiben.
*Falls die Befürchtung besteht, dass hier noch mehr fremde Pets auftauchen möchten wir das bloß wissen*, fuhr Kaja fort.
Varad schüttelte den Kopf. *Ich arbeite allein*, murmelte er.
Wild trat einen Schritt vor. *Woran arbeitest du?*, wollte er wissen. Eine seltsame Stille erfüllte den Raum. Keiner von den anderen hätte es gewagt Kaja zu stören, nicht einmal der dreiste Sath, oder Kajas beste Freundin. Der Eyrie sah Wild kurz an, in seinem Gesicht zeigte sich keine Regung. Dann wandte er sich wieder dem Draik zu, der den Blick gesenkt hatte.
*Das geht euch nichts an*, murmelte er hastig.
*Sag es trotzdem!*, forderte Kaja. Varad wich den scharfen roten Augen aus und schüttelte den Kopf. Wild ließ ein leises Knurren hören.
*Vielleicht kann ich ihn ja zum Reden bringen*, zischte da eine Stimme hinter ihnen und alle außer Kaja zuckten kurz zusammen, als Storm plötzlich aus dem Schatten kroch. Sie hielt zwei Dolche in den Flügeln und grinste hässlich.
Kaja schüttelte den Kopf ohne sie anzusehen. Er schien nachzudenken. Die anderen konnten sich es nicht erklären, doch ihm war diese Frage wichtig. Wild war einfach nur neugierig, genau wie die Schatzjäger es sicher gewesen wären.
Plötzlich verließ der Draik ohne ein weiteres Wort den Raum. Mit ihm schien die Dunkelheit etwas zu verblassen.
Storm zischte ungeduldig, doch als Wild und Fey ihr einen wütenden Blick zuwarfen verließ auch sie das Zimmer.
Jetzt näherte sich Swamm dem Draik, hüpfte aufs Bett und begutachtete ihn. *Du hast mich verfolgt*, stellte Varad fest. Swamm nickte. *Wie kommt es, dass ein normales Cybunny, wie du, im Wasser so unglaublich schnell ist?*
Swamm zuckte leicht mit den Schultern. *Ich habe viel trainiert*, sagte sie.
Varad legte den Kopf schief. Dann ließ er sich wieder ins Bett fallen. Noch schien ihm die Bisswunde zu schaffen zu machen.

*Er wird schon seine Gründe haben, warum er es nicht sagt*, versuchte Bone den Maradraik zu verteidigen. Dark war wegen die Tatsache des schweigenden Varad beleidigt und lief mit verschränkten Armen auf der Wiese vor dem Dock auf und ab.
Mac rollte mit den Augen. *Wir erzählen ja auch nicht jedem dahergelaufenen Pet was für einen Auftrag wir gerade haben*, meinte er.
*Immerhin hat Swamm ihm das leben gerettet*, protestierte Dark.
*Was nicht nötig gewesen wäre, hätten wir ihn nicht aufgescheucht*, warf Kaja mit scharfer Stimme dazwischen.
*Was hatte der auch hier zu suchen?*, regte Dark sich auf.
*Mich interessiert eher was das Maragrarrl und die Jetsams hier zu suchen hatten*, warf Kaps dazwischen.
*Sie waren immerhin außerhalb der Bucht*, meinte Klick. *So sehr wundert mich das nicht.*
*Aber wieso haben sie Swamm und diesen Varad überhaupt angegriffen?*, gab Cet zu bedenken.
*Vielleicht sind sie in ihr Hoheitsgebiet eingedrungen, da sind viele solcher aggressiven Wasserwesen sehr empfindlich*, zischte Storm.
Kaja unterbrach die Diskussion indem er die Flügel hob. *Wenn wir Glück haben finden Fey und Kana heraus was er hier gesucht hat. Inzwischen gucken wir, ob wir etwas finden. Klick, hohl Swamm und tauch das Meer rund um die Bucht ab, achtet aber gut auf irgendwelche Jäger, wenn sie kommen flieg schnell aus dem Wasser, in die Luft können sie euch nicht folgen. Cet, sammle deine Mannschaft und fahr die Gegend ab, in der sie angegriffen wurden, nehmt Bluzi und Chander mit, falls euch irgendwas auffällt. Petpets greifen diese Viecher nicht so schnell an. Wild, Flame, Storm, Kaps und ich werden uns die Klippen von oben genauer ansehen.*
*Und was ist mit uns?*, fragte Dark noch beleidigter.
Kaja warf ihm einen scharfen Blick zu, dann sagte er: *Fliegt zurück zum naridiana-Haus und wartet auf Antwort von Fey und Kana.*
Dark starrte ihn finster an, wagte es aber nicht dem starken und bedrohlichen Dariganeyrie zu wiedersprechen.
*Wir könnten doch genauso gut helfen*, meckerte er, als er mit Mac und Bone kurz darauf die Küste entlang flog um nach den beiden Damen zu sehen. Mac ging seine Meckerei inzwischen ziemlich auf den Geist, doch er hatte mehr Probleme damit Bone zu tragen. Der Krawk wog mehr, als er selbst und zog ihn in die Tiefe wie Säcke voller Kartoffeln.
*Kaja wird schon seine Gründe haben...*, keuchte er, doch Dark schnaubte nur. *Kaps und Wild können nicht mal fliegen, wie sollen die an der steilen Klippe was finden?*
Mac stöhnte. Um eine Weile davon loszukommen überredete er Dark voraus zu fliegen, da er keine Lust mehr hatte den schweren Krawk zu schleppen und mit ihm zu Fuß gehen würde.
*Dark hat ja echt beste Laune heute*, murrte Bone, kaum, das Dark außer Sichtweite war.
*Mir gehts auch nicht unbedingt blendend*, antwortete Mac. *Wir hatten schon seit Wochen keinen Auftrag mehr und die wenigen potenziellen Klienten, die mal durchscheinen ließen, dass sie vielleicht einen Job für uns hätten, haben sich lange nicht mehr gemeldet. Ist einfach langweilig in letzter Zeit.*
*Ich versteh was du meinst*, sagte Bone. *In der Stadt hab ich jeden Tag mit der Gefahr gekämpft entdeckt zu werden, da blieb nie Zeit für Ruhe.*
*wenigstens meckert Kana nicht den ganzen Tag rum*, sagte Mac.
Bone lachte. *Dafür ist sie allgemein nicht sehr gesprächig und wenn Kaja mal da ist, oft lieber mit ihm zusammen.*
*Warst du dann mal bei Fey und hast dir ein paar Geschichten erzählen lassen?*, fragte Mac.
*Ist schon schwer genug dahin zu kommen, ohne Flügel*, erwiderte Bone. *Und dann ist sie oft auch noch anderweitig beschäftigt.*
Mac sah ihn fragend an. *Womit denn?*
*Sath zu therapieren, aber bringen tuts meine Meinung nach sowieso nichts.*
Jetzt lachte Mac. *Da kannst du genauso gut versuchen Chander vom Wasser fern zu halten.*

Als sie bei naridiana ankamen, saß Dark bereits gelangweilt auf der Türschwelle. *Nichts neues?*, fragte Mac, wobei er eigentlich glaubte sich das sparen zu können. *Fey will mich nicht mal reinlassen*, erwiderte Mac.
Mac stöhnte und ließ sich neben ihn auf den Boden fallen.
*Sehts doch mal positiv, vielleicht lässt sie uns nicht rein, weil der Draik ihr gerade was erzählt und er zu schüchtern ist es uns auch noch zu sagen.*
Dark knurrte. *Wir sollten bei der Suche helfen, statt hier rum zu hocken.* Er stand energisch auf und fuhr mit den Krallen über den Türpfosten, wobei er drei lange Risse im weißen Holz hinterließ.
*Wir sind die Schatzjäger, wir sind darauf spezialisiert etwas zu finden.*
*Reg dich ab, Dark*, versuchte Mac ihn zu beruhigen, doch als Flammen aus dem Maul des Draiks schossen offenbarte sich, dass es nicht klappte.
*Mir reichts*, schimpfte Dark. *Ich fliege zurück und such selber.*
*Du solltest Kaja lieber nicht wiedersprechen*, warf Mac ein, doch Dark tat dies mit einer Handbewegung ab. *Kaja ist nicht mein Boss, ich lebe freiwillig hier. Ich könnte überall leben, wenn ich wollte.*
Damit stieß er sich vom Boden ab und verschwand im hellen Himmel es Tages.
Mac seufzte. *Der Junge ist echt unterlastet, wir brauchen dringend wieder einen Job.*
*Ich glaube er sieht hierdrin die Möglichkeit an einen besonders kniffligen zu kommen und ist deswegen so hart dabei*, murmelte Bone. *Du solltest ihm nachfliegen bevor er etwas dummes anstellt. Ich halte hier die Stellung.*
Mac warf Bone einen vielsagenden Blick zu. Dann stand er auf und schoss ebenfalls in den Himmel empor. Bone sah ihm nachdenklich hinterher, bis er verschwunden war.

Wild entschlossen raste Dark auf die Klippen zu. Schon von weitem konnte er Kaja und Storm über dem Stein kreisen sehen. Wild und Flame kletterten zwischen den scharfkantigen Felsspalten umher und Kaps suchte oberhalb das Gelände ab.
Kaja sah Dark schon von weitem kommen und flog ihm entgegen. *Was ist los, haben sie etwas rausbekommen?*
Dark schüttelte den Kopf. *Fey lässt uns nicht rein*, sagte er knapp. *Kaja, ich will bei der Suche helfen.*
Kaja schüttelte den Kopf. *Wir haben genug Pets hier.*
Dark starrte ihn wütend an. *Wieso nicht?!*, schrie er.
Kajas Ohren zuckten kurz. *Wie ich gesagt habe, wir sind genug*, antwortete er ruhig, mit seiner bedrohlichen Stimme.
Dark schnaubte wütend, Funken schossen aus seinem Maul und in einem kurzen, unüberlegten Moment holte er aus und verpasste Kaja einen Prankenhieb gegen die Schulter.
Kaja zuckte nicht einmal mit der Wimper, obwohl sich drei tiefe Furchen in seinem Fell bildeten und dunkles Blut über das Gefiederfell spritzte. Selbst sein Flügelschlag blieb unverändert, doch um sie herum schien plötzlich alles den Atem anzuhalten. Die anwesenden pets starrten entgeistert auf das Paar über ihnen, selbst das Rauschen des Meeres schien verstummt zu sein.
*Du wagst es?*, flüsterte Kaja leise, und doch für jeden zu verstehen.
*Du bist nicht mein Boss*, zischte Dark zurück.
*Ich bin verantwortlich für diesen Schwarm, stell meine Position infrage oder verschwinde*, sagte Kaja ruhig.
*Ich bin kein Eyrie*, antwortete Dark. Blut troff von seiner Klaue.
*Wenn du das so siehst verschwinde von hier*, zischte Kaja.
*Nein*, sagte Dark.
*Also forderst du mich heraus?*
*Wenn es sein muss.*

Mac sah Dark und Kaja von weitem in der Luft schweben. Er spürte, das irgendetwas geschehen sein musste. Es war zu still. Die Blicke von Storm, Wild, Flame und Kaps waren auf sie geheftet, der Wind hatte nachgelassen, alle Geräusche waren verschwunden und es war, als zogen dunkle Wolken über der Sonne zusammen und verdunkelten das Meer und die Klippe.
Dieses Phänomen hatte Mac erst ein einziges Mal erlebt. Damals war Kana, zu der Zeit noch kein halloween Uni, von einem riesigen Darigangrarrl angegriffen worden. Kaja hatte sich dazwischen gestellt.
Mac legte sich flach in den Wind und schlug so heftig mit den Flügeln, wie noch nie zuvor, vielleicht konnte er die Situation noch entschärfen.
Doch es war zu spät. Ein markerschütternder Schrei gellte über die Klippen, hinaus aufs Meer, Mac sah, wie der Rubin-Stab in Darks Hand erschien, doch ehe er eine weitere Bewegung machen konnte rammte Kajas Kopf in seinen Oberkörper.
Man konnte förmlich hören, wie alle Luft aus dem Draik wich, er fiel, hob dabei aber den Stab und schoss einen roten Lichtblitz auf Kaja. Dieser wich mit leichtigkeit aus und folgte dem Draik steil in die Tiefe.
Dark zog sich mit einem Flügelschlag aus dem Sturz und entging Kajas scharfem Schnabel nur um Haaresbreite, er schwang erneut den Stab, verfehlte Kaja aber erneut.
Dieser, war mit einem Looping unter Dark gekommen und riss nun mit seinen Krallen an den Flügeln des Draik.
Dark schrie auf, stieß das Griffende seines Stabs nach Hinten, doch Kaja entging ihm.
Dann drehte sich der Eyrie in der Luft, riss Dark dabei mit, sodass er mit dem Gesicht wieder zu Boden blickte und stieß ihm seine Hinterläufe in den Rücken. Dark knallte auf die Erde, doch er wollte einfach nicht aufgeben. Er stand auf und hob erneut seinen Stab.
;Mit einem Krachen landete Kaja auf dem Boden, nur wenige Meter entfernt. Ein roter Lichtblitz schoss auf ihn zu, aber Kaja wehrte ihn mit den Flügeln ab, als wär es nur ein kleiner Windstoß.
Sein Schrei erfüllte erneut die Luft. Dark musste sich die Ohren zuhalten, so sehr durchdrang ihn dieser Laut.
Kaja schoss vor, doch Dark konnte ihm ausweichen, stieß ihm die Rubinspitze in den Flügel, wodurch er jedoch nur erreichte, das Kaja den Stab mit dem Schnabel packte und ihm aus den Klauen riss.
Dark reagierte schnell und spie einen Feuerball auf Kaja. Zunächst schien es zu wirken, der Eyrie wich zurück und Dark versuchte ihn nun mit Feuerstrahlen in Schach zu halten, bis sie wieder einige Meter voneinander entfernt standen.
*Bewahre dir noch einen winzigen Rest Würde und gib auf!*, fauchte Kaja.
*Das hättest du wohl gerne*, knurrte Dark.
*Du hast nicht die geringste Chance gegen mich. Keiner deiner Angriffe hat mich getroffen, sie es ein!*
Doch Dark schüttelte den Kopf. *Dummkopf*, dachte Mac wütend und verzweifelt.
Dark spie einen weiteren Feuerball auf Kaja. Er wehrte ihn mit geradezu gleichgültiger Leichtigkeit ab. Dann erhob er sich auf die Hinterbeine. Mac war klar, dass er Dark nun schlagen wollte.
Einige Sekunden verharrte der Eyrie in seiner Position, Dark sah aus den Augenwinkeln immer wieder zu seinem Stab hinüber, versuchte aber gleichzeitig in Verteidigungsposition zu bleiben.
Dann ließ Kaja sich wieder auf die Vorderbeine fallen. Eine Sekunde verging und Dark wurde von einer ungeheuren macht in die Höhe geschleudert. Sofort sprang Kaja los, erwischte ihn erst mit dem Schnabel, dann mit den Klauen, dann mit den Flügeln, spielte mit ihm, wie mit einem Luftballon.
Schließlich feuerte er den hilflosen Draik erneut auf den Boden und landete krachen direkt über ihm. *Du hast keine Chance*, flüsterte er Dark zu. Dann wandte er sich ab und ging zur Klippe hinüber, von wo aus Kaja, Wild, Storm und Flame ihn fassungslos anstarrten.


18. Teil: Die Legende des Ozeans

*Du bist aber auch ein !piep!, dich mit Kaja anzulegen!*, fauchte Mac. Er hatte ein wenig Mitleid mit Dark, konnte aber nicht umhin sich über ihn aufzuregen.
*Ja, ich habs kapiert*, fauchte Dark zurück. Er lag im Haus sinarita, in dem Mac lebte, auf dem Bett des anderen Draiks. Mac hatte ihm versichert, dass Kaja nur äußerst selten hier her kam, denn Sath ging ihm, trotz seiner Angst vor dem Eyrie, nur zu oft auf die nerven.
*Selbst Sath weiß, dass man sich mit Kaja nicht anlegen sollte*, fluchte Mac weiter und schmiss eine weitere Packung Eis auf den Körper seines Freundes, dass diesem kurz die Luft wegblieb. Kaja hatte ihm weder Schnitte, noch andere offene Wunden zugefügt, aber die blauen Flecken würden ihn noch lange an den Kampf erinnern.
*Und dann auch noch in der Situation*, zischte Mac.
Dark nahm den Eisbeutel und zog ihn Mac über den Schädel. *Halt endlich die Klappe, ich habs verstanden*, knurrte er und drückte sich das Eis stöhnend in die Seite.
*Kaja wird kaum wollen, dass du hier bleibst*, sagte Mac schließlich etwas ruhiger, nachdem er sich einmal böse guckend, über den Kopf gerieben hatte.
*Ich hab nicht vor hier zu bleiben*, murrte Dark.
Mac wirkte etwas enttäuscht, konnte sich im Moment aber nicht dazu bringen das zu bedauern. *Das wars dann wohl mit dem Schatzsucherteam*, murmelte Mac.
Dark antwortete nicht und so verließ Mac das Zimmer.
Sun und Sath saßen im Wohnzimmer und sahen ihn erwartungsvoll an, als er die Treppe runter kam.
*Er wird gehen*, sagte Mac nur, verließ ohne ein weiteres Wort das Haus, nur sein Puppyblew hüpfte gerade noch rechtzeitig mit durch die Tür.

*Kaja, ich glaub ich hab etwas gefunden!*, rief Flame, wobei ihre leise Stimme beinahe von den Wellen verschluckt wurde.
Kaja hörte sie jedoch und schoss die Klippe hinab. Flame war nur wenige Meter über dem Meer in eine Fesspalte gekrochen, die so eng war, dass man sie kaum erkennen konnte.
Die meisten hatten längst keine Lust mehr zu suchen. Die Sonne stand dicht über dem Horizont und Cets Mannschaft hisste gerade die Segel um zum Ufer zurück zu fahren.
Neugierig kamen auch Storm, Wild und Klick dazu.
*Ist da etwas drin?*, wollte Kaja wissen.
*Ja, hier ist etwas in die Wand gemeißelt*, antwortete Flame und quetschte ihren Kopf aus der Felsspalte. *Hat jemand was zu schreiben?*
Storm zog sofort einen kleinen Block und einen Bleistift aus einer ihrer vielen, kleinen Taschen.
Flame verschwand wieder, und man hörte das schnelle Riffeln eines Stifts über rauen Stein. Schließlich quetschte Flame sich aus der Felsspalte und wurde von Klick aufgefangen.
Oben auf der Klippe angekommen versammelten sich alle sofort um das kleine Stück Papier. Die Steinschraffur zeigte einen Kreis, in dem ein kleinerer Kreis lag, durch beide war ein wagerechter Strich gezogen. Darunter befand sich noch ein weiterer Kreis.
*Das ist alles?*, fragte Kaps etwas enttäuscht.
*Das ist ein Rätsel*, zischte Storm. *So etwas ähnliches habe ich schon einmal gesehen.* Ihre Augen weiteten sich.
Kaja sah sie nachdenklich an. *Ich weiß womit wir es hier zu tun haben*, sagte er und alle anderen starrten ihn überrascht an. Doch ehe jemand eine Frage stellen konnte, schoss er in die Luft und war wenige Sekunden später verschwunden. Storm folgte ihm Richtung naridiana-Haus.




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