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Der Anfang

Vor langer, langer Zeit, als die untergehende Sonne ins Meer schien und leichter Regen die Wasseroberfläche tänzeln ließ, öffnete sich in den Tiefen von Maraqua eine Muschel. Viele Augenpaare sahen gespannt zu, wie zuerst eine weiße Nase und dann ein hübscher, kleiner Kopf zum Vorschein kam, mit klaren Augen, die sich schüchtern, aber ohne Furcht umsahen.

Ein Raunen ging durch die Reihe der Meeresbewohner, als das neue Wesen auf den Rand der Muschel kletterte und sich von dort aus ins Wasser schwang. Keiner von ihnen hatte je ein solch perfektes Geschöpf gesehen.

Ein großer Drache löste sich aus der Menge. Seine reinweißen Schuppen schimmerten silbern, seine Flügel waren seidig, geeignet, ihn sowohl durch das Wasser als auch durch die Luft zu tragen. Und auch er hatte klare, schwarze Augen. Mit einem vorsichtigen Flügelschlag fing er das neue Wesen ein, hob es vor sein Gesicht und betrachtete es.
Mein Sohn, sagte er, endlich bist du angekommen. Du bist makellos, wie deine Mutter. Ich wünschte, sie könnte dich sehen.
Das neue Wesen blieb still und schaute seinen Vater aufmerksam an. Es entging ihm nicht, wie ein kurzer Schatten über sein Gesicht huschte, bevor er weitersprach.

Dein Name ist Ninniach. Du wurdest benannt nach den Regenbögen, die deine Mutter so sehr liebte. Immer, wenn der Regen kam und die Sonne dennoch schien, ging sie an Land, um die Regenbögen zu sehen. Auch heute ist so ein Tag, an dem Sonne und Regen sich treffen.

Ninniach blickte nach oben zur Oberfläche und wandte sich dann wieder seinem Vater zu.
Wo ist meine Mutter?
Sein Vater seufzte.
Das wissen wir nicht. Eines Tages kam sie nicht zurück, und unser Suchen blieb erfolgslos. Sie wäre so stolz auf dich gewesen. Sie hat die schönste aller Muscheln für deine Ankunft ausgesucht und wir alle haben deine Muschel gehütet. Willkommen im Leben, kleiner Ninniach! Als mein Sohn bist du der Prinz von Maraqua, und all das wird eines Tages dir gehören.


So begann das Leben von Ninniach, des kleinen Prinzen von Maraqua.

* * *

Die Jahre gingen ins Land, und Ninniach wuchs heran zu einem stattlichen, jungen Drachen. Kaum jemand konnte sich seiner Schönheit entziehen, und selbst die, die ihm anfangs mit Neid begegneten, lernten schnell sein offenes und einnehmendes Wesen zu schätzen. Ninniach hatte keine Feinde, und wo immer er hinkam, wurde er mit offenen Armen aufgenommen.

* * *

Die Liebe

Ninniach ging am Strand entlang, die Füße im seichten Wasser, den Blick auf dem Meer. Es war ein warmer Tag, ein paar Quellwolken schoben sich hin und wieder vor die Sonne. Man konnte das Meer riechen, und der Wind spielte mit den Blättern der Palmen. Gedankenverloren setzte Ninniach sich auf einen Stein und spielte mit den kleinen Muscheln, die sich im Sand versteckten.

Hallo!
Eine süße Stimme riß ihn aus seinen Träumereien, und als er den Kopf hob, schaute er in tiefblaue Augen. Er schluckte.
Was ist, hat es dir die Sprache verschlagen? Ich hab dich hier noch nie gesehen. Ich heiße Gloss, und wie heißt du?

Mein Name ist Ninniach!
Er konnte immer noch nicht den Blick von Gloss' strahlenden Augen wenden.
Ach, du bist also Ninniach. Jeder kennt deinen Namen, dein Vater ist der König von Maraqua.

Ja. Ja, das stimmt. Ninniach sammelte sich. Er betrachtete Gloss, ihr glattes Fell, die weichen Federn ihrer Flügel. Sie war schneeweiß und schimmerte im Sonnenlicht. Er hatte von den Erd-Drachen gehört, denjenigen, die nicht im Wasser leben konnten so wie er selbst. Vorsichtig berührte er mit seiner Nase ihre Flügel, ging dann wieder einen Schritt zurück, um sie anzuschauen. Gloss legte den Kopf schief, und er wußte, daß sie sein Schicksal war.

* * *

Wann immer er konnte, ging Ninniach an Land und wartete auf Gloss. Oft kam sie, manchmal nicht. Wenn sie sich trafen, lagen sie zusammen am Wasser, redeten oder erkundeten die Strände. Manchmal hatte Ninniach das Gefühl, seine Liebe zu ihr würde ihm die Kehle zuschnüren. Wenn er mit ihr zusammen war, war er glücklich, wenn er allein war, fühlte er sich, als würde ein Teil von ihm fehlen. Er vernachlässigte seine Pflichten, ließ sich kaum noch in Maraqua sehen. Zu gern hätte er Gloss mit nach unten genommen, ihr sein Zuhause gezeigt, seine Muschel, den Palast seines Vaters. Doch Gloss war kein Geschöpf des Wassers, und so verbrachte er seine Zeit oben am Strand.

Als er eines Abends zurück nachhause kam, erwartete ihn sein Vater.

Wir müssen reden. Mein Sohn, wir alle sehen mit zunehmendem Mißfallen, daß du deiner Heimat mehr und mehr den Rücken kehrst. Ich bin alt geworden und bald wirst du meine Aufgaben übernehmen müssen. König zu sein bedeutet sehr viel Verantwortung. Ich weiß, wie sehr du dieses Mädchen magst, aber dein Platz ist hier unten!

Ninniach, überhaupt nicht angetan von den Worten seines Vaters, hob bockig den Kopf und schaute seinem Vater in die Augen.
Mein Platz ist bei ihr! Ich will kein König sein, wenn das bedeutet, daß ich sie nicht mehr sehen kann!


Er drehte sich um und rauschte durch das Wasser, nach oben, in Richtung der Oberfläche. Als er oben ankam und den Kopf aus den Wellen streckte, sah er, daß es regnete. Die Sonne stand tief, er ging an Land, und als er in den Himmel schaute, sah er einen Regenbogen. Mit einem leisen Seufzen setzte er sich auf seinen Stein und wartete auf Gloss, hoffte, daß sie noch einmal kommen würde, bevor es Nacht wurde.

Am nächsten Morgen weckte ihn die Berührung einer weichen Nase. Er schlug die Augen auf und sah Gloss, die vor ihm stand und ihn fragend anschaute.
Wieso bist du hier? Hast du etwa hier übernachtet?
Ninniach rutschte von seinem Stein, ging zum Wasser, trank einen Schluck. Gloss trat an seine Seite und setzte sich neben ihn.
Ninn, was hast du?

Mein Vater sagt, er braucht mich in Maraqua. Er will mir den Thron übergeben, weil er seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann. Er ist alt, und ich soll seine Nachfolge antreten.
Er drehte sich zu ihr um und suchte in ihren Augen nach Antworten.
Aber Ninn, das ist doch toll, wieso bist du traurig darüber?
Ninniach seufzte.
Gloss, wenn ich König werde, habe ich keine Zeit mehr, hierher zu dir zu kommen. Ich muß in Maraqua bleiben, bei meinem Volk, das mich braucht."
Er machte eine kleine Pause und sah sie an, seine geliebte Gloss, ohne die er nicht leben wollte.
Ich habe ihm gesagt, daß ich kein König werden will. Ich werde hier bleiben, bei dir.

Ninn, du kannst nicht wegen mir deine Familie und dein Volk aufgeben. Sie sind wichtiger als ich. Ich wünschte, ich hätte die Fähigkeit, unter Wasser zu leben und zu atmen, so wie du, dann könnte ich mit dir kommen, dann müßtest du dich nicht entscheiden zwischen deiner Heimat und mir.

Es ist, wie es ist. Ich bleibe bei dir!
Ninn legte den Kopf auf Gloss' Schultern und schloß die Augen.
Ich gehöre zu dir.. sagte er leise.

* * *

Er mußte eingedöst sein. Ninn schrak auf, als der Wind ihm den Sand ins Gesicht bließ. Auf dem Meer tobte ein Sturm. Er schüttelte sich und schaute nach Gloss. Sie lag nicht mehr neben ihm und er machte sich auf, am Strand entlang, um sie zu suchen. Er konnte sie nirgends finden, nicht unter den Palmen, nicht am Strand, nicht auf den Felsen. Sein Gefühl sagte ihm, daß etwas nicht stimmte und mit wachsender Verzweiflung rannte er auf und ab und rief ihren Namen. Erst als er sich in die Luft erhob und über dem Meer kreiste, sah er sie. Er stürzte herab, faßte ihren leblosen Körper und zog sie aus dem Wasser.

Wach auf, Gloss! Du bist in Sicherheit, wach auf! Gloss! GLOSS!
Doch Gloss reagierte nicht. Erschöpft, entsetzt, und sprachlos sackte Ninn neben ihr in den Sand, schmiegte sich an sie und weinte. Seine Tränen mischten sich mit dem einsetzenden Regen, die Sonne schien auf den hinteren Teil der Insel. Doch heute hatte Ninn keinen Blick übrig für den Regenbogen. Seine Gedanken kreisten nur um die eine Frage: Warum?

Sie hat das für dich getan, Ninniach. Sie wollte nicht, daß du dein Leben für sie aufgibst, dennoch wollte sie bei dir sein. Sie ging ins Wasser, um zu schwimmen, sie wollte wissen, ob sie fähig wäre, im Wasser zu leben. Dann kam der Sturm.
Ninn schaute sich um, suchte, woher die Stimme kam. Am Fuß des Regenbogens stand seine Mutter und lächelte.

* * *

Ninniach nahm Gloss mit nach Maraqua. Er bettete sie in seine Muschel. Die Traurigkeit ließ sich nicht vertreiben, und sein Volk trauerte mit ihm, ohne Gloss je gekannt zu haben. Als Ninniach zum König ernannt wurde und sein Vater ihm den Thron abtrat, lag die Muschel neben ihm. Er dachte zurück an den Tag, als er Gloss zum ersten Mal getroffen hatte. Er konnte noch nicht an sie denken, ohne daß ihm die Tränen in die Augen stiegen, doch er war dankbar für die Zeit, die er mit ihr hatte. Ein Drache, der nie geweint hat, hat nie richtig geliebt.

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Name: Ninniach Minui Ivanneth
Nick: Ninn
Geschlecht: männlich
Geburtstag: 13. September
Alter: nicht genau bekannt
Element: Licht
Spezies: Wasserdrache
Farbe: weiß und grau
Abzeichen: Ornamente an Augen und Schultern
Augen: tiefschwarz
Schmuck: Amulett um den Hals, Perle mit einer Feder
Heimat: Königliches Maraqua
Größe: 3 Fuß einschließlich Schweif
Gewicht: 60 Pfund

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