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Viele haben schon einen Wolf gesehen, doch die geflügelten Wölfe kennen die wenigsten. Es gibt viele Rudel, die zumeist nach ihrem Revier benannt sind, z.B. die Östlichen Waldwölfe, die Westlichen Waldwölfe, die Flusswölfe oder die Fliegenden Wölfe vom Magischen Wald. Geboren wurde ich im Rudel der Drachenwölfe, hier lebten früher Drachengruppen und wir bekommen auch unsere Namen von diesen mystischen Wesen. Meine Mama Herzdrachin liebte mich über alles, da meine drei Geschwister kurz nach unserer Geburt verstorben waren. Doch so still wie man meinen könnte, war es dennoch nicht, denn unsere Nachbarn – die Bergwölfe – besuchten uns oft mit ihren Welpen. Menschen lebten auch in unseren Gebieten, doch wir gingen uns aus dem Weg. So war mein Leben eine zeitlang sehr glücklich, jedoch sollte sich das an einem Herbstmorgen ändern.

Die Menschensiedlung hatte sich immer mehr ausgebreitet und die geflügelten Wolfsrudel wurden zurückgedrängt, doch bisher hatten sie uns nie direkt angegriffen. Eines Morgens hörten wir ein beunruhigendes Heulen: Die Östlichen Waldwölfe riefen um Asyl für ihre Brüder und Schwestern – die Westlichen Waldwölfe. Neue Menschen waren in die Stadt gekommen und hatten begonnen die Wälder abzuholzen, alle Tiere – besonders die geflügelten Wölfe – waren ihnen ein Dorn im Auge. Der Magische Wald im Westen war eine Grenze, kein Mensch, der den Wölfen schaden wollte, konnte ihn betreten; alle Rudel, die weiter westlich lebten, waren in Sicherheit. Die Waldwölfe waren zu leichtsinnig und sahen die Gefahr nicht kommen, die Menschen hatten sich angeschlichen und trieben die Wölfe nun Richtung Stadt. Aber es sollte kein einfaches Vertreiben sein, das Ausrotten dieses und aller anderen Rudel war das Ziel. Die Wölfe flohen am Stadtrand entlang zu ihren Geschwistern.

Hier ging die Treibjagd richtig los: Die Menschen schossen auf alles, was sich bewegte, sei es Reh, Fuchs oder Wolf; blutrünstige Jagdhunde wurden auf die Wölfe gehetzt. Unser Rudel hatte sich schon zusammen mit den Talwölfen in das Revier der Bergwölfe zurückgezogen, da hörten wir die ersten Schüsse. Es schien nur einen Ausweg zu geben: Die Rudel mussten das Gebiet der Schluchtenwölfe überqueren und durch die Reviere der Steppen- und Seewölfe zu den Ozeanwölfen ziehen. Von dort konnte man den langen Weg hinüber zu dem anderen Kontinent fliegen. Da die Welpen noch nicht fliegen konnten, flogen die Erwachsen sie auf die andere Seite der Schlucht. Nun spielten die Rudel keine Rolle mehr, jeder half den alten und kranken Wölfen, egal ob es das eigene Rudel oder anderes war, niemand sollte zurückgelassen werden. Aber sie schafften es nicht, mit allen Welpen hinüberzufliegen; als die Menschen kamen, waren bei vielen Rudeln nur die Mutterwölfe und die Welpen am Sammelplatz. Sie konnten nur ein oder zwei Welpen mitnehmen, den anderen befahlen sie, durch den Bau zu kriechen und sobald sie draußen waren, vorsichtig und versteckt zum Rudel der Fliegenden Wölfe zu gehen. Dort würde die Leitwölfin Dragonfruit sie aufnehmen und sie wären in Sicherheit. Inzwischen kamen auch beide Waldrudel und die Flusswölfe an der Schlucht an, bis auf einige Kratzer schienen sie unverletzt zu sein.

Meine Mama und ich sollten die Letzen sein und darauf achten, dass alle sicher den Flug über die Schlucht schafften. Als nur noch die Alphawölfin der Flusswölfe, Wasserblüte, übrig war und zum Flug abspringen wollte, zögerte sie auf einmal und fragte unsicher: „Wie viele von unseren Welpen sind hier vorbeigekommen?" Ich überlegte kurz: „Ich denke, es waren drei Welpen." „Ja, meine Kleine hat Recht. Drei Welpen von den Flusswölfen sind schon auf der anderen Seite", sagte Herzdrachin, „fehlt etwa ein Junges?" „Es müssen vier sein! Wasserglanz ist bestimmt nicht hinterhergekommen, er ist immer so verträumt!" rief die Wölfin panisch. „Fliegt schon mal los, ich hole meinen Sohn!" Die Schüsse der Gewehre kamen näher, Wasserblüte wollte gerade loslaufen, da ertönte nach einem Schuss das gequälte Aufheulen eines getroffenen Wolfes. Wasserblüte wurde rasend vor Wut; das Fell aufgestellt, die Ohren angelegt, die Zähne gefletscht rannte sie knurrend los, so hatte man Wasserblüte noch nie erlebt. Herzdrachin wusste, dass es besser gewesen wäre schon loszufliegen, aber sie wollte auf Wasserblüte warten. Immer wieder fielen Schüsse und Mamas Partner, Drachenflügel, rief schon unruhig nach uns. Plötzlich war nach einem Schuss ein weiterer Schmerzensschrei eines Wolfes zu hören, gefolgt von einem unheimlich klingenden Heulen. Meine Mama besann sich nun, nahm mich hoch und machte sich am Rand der Schlucht zum Absprung bereit. Sie hielt noch einen Moment inne und drehte den Kopf ein wenig, als sie das Schlagen von Schwingen hinter sich vernahm. Wasserblüte brach fliegend aus dem Wald hervor mit einem zitternden Welpen im Maul. Als Wasserblüte an uns vorbei flog, sahen wir, dass sie ein Streifschuss an der Schulter erwischt und ihr Sohn eine blutende Wunde am Bein hatte. Jetzt durften auch wir nicht mehr zögern, Mama schwang sich in die Luft, hinter uns kamen die Menschen aus dem Wald und zielten auf uns. In diesem Moment sollte sich mein Leben gravierend verändern.

Die Menschen…nein, die Monster trafen den Rücken meiner Mama und durchbohrten einen ihren Flügel. Obwohl sie es nicht wollte, ließ sie mich los und ich fiel in die Schlucht. Durch unglaublich großes Glück landete ich auf einem kleinen Felsvorsprung, schnell drückte ich mich an das Gestein, um von oben nicht gesehen zu werden. Die Schüsse hörten erst auf, nachdem meine Mama im schwankenden Flug die andere Seite erreicht hatte. Aber mein Rudel konnte nicht zurückkommen, um mich zu holen; ein Teil der Menschen blieb auf dieser Seite und die anderen begaben sich zur Brücke, die etwas mehr im Norden lag, die Verfolgung der geflügelten Wölfe sollte nicht so schnell aufgegeben werden. Herzdrachin drehte sich mit Tränen in den Augen zu mir um und rief: „Monddrachin, geh zum Rudel von Dragonfruit! Geh zu den Fliegenden Wölfen vom Magischen Wald! Bitte vergiss uns nicht!" Um ihren Gefühlen mehr Ausdruck zu verleihen, setzten sich die Drachenwölfe und Bergwölfe auf die Hinterpfoten, breiteten ein wenig die Flügel aus, erhoben die Köpfe zum Himmel und ließen das wunderschöne Abschiedslied erklingen, das für alle Wölfe gesungen wird, die das Rudel verlassen oder gestorben sind. Aber nun mussten sie aufbrechen, die anderen Rudel rannten schon durch das Revier der Seewölfe und die Menschen hatten inzwischen die andere Seite erreicht.

Lange blickte ich meiner Familie nach, bis die letzte Schweifspitze verschwunden war. Eine Weile blieb ich noch auf dem Vorsprung hocken, dann war ich sicher, dass die anderen Menschen ihren Gefährten gefolgt waren. Vollkommen niedergeschlagen durch die Ereignisse versuchte ich nach oben zu klettern, da ich mit meinen kurzen Flügeln noch nicht fliegen konnte. Fast hatte ich die Felskante erreicht, aber ich wurde immer schwächer und war kurz davor abzustürzen. Da spürte ich auf einmal ein paar Krallen und etwas Ledriges, ehe ich genauer darüber nachdenken konnte, lag ich oben auf dem Bauch und schaute in das Gesicht einer jungen Fledermaus. „Geht es dir gut?", fragte sie besorgt, konnte aber ein kleines Grinsen nicht verbergen. „Marizza, was machst du denn hier?", fragte ich erstaunt. Marizza gehörte zu den Waldfledermäusen, die auch in unseren Revieren lebten und gute Freunde geworden waren. „Meine Gruppe war schon auf dem Weg zum Magischen Wald, da wurde ich von einer starken Windböe erfasst und bis zur Schlucht zurückgeweht, hier sah ich dich hängen. Wollen wir zusammen reisen?", meinte Marizza. „Sehr gerne, bitte zeig mir den weg", war meine Antwort.

Nun waren wir schon mehrere Tage unterwegs, Marizza saß auf meinem Rücken, weil das Fliegen sie erschöpfte; der Himmel zeigte die Schönheit des Sonnenuntergangs. Außer einigen Mäusen, Hasen und Eichhörnchen hatten wir keine anderen Tiere getroffen, aber es war öfters ein entferntes Heulen zu hören. Auch die Wölfe aus dem Norden und Süden waren auf der Flucht, sie schafften es ebenfalls nicht, alle Welpen mitzunehmen. Im schnellen Lauf bog ich um einen großen Baum und landete auf der Nase, Marizza purzelte nach vorne. „Blöde Wurzel", murmelte ich. Schon kam die Antwort von der vermeintlichen Wurzel: „Bin keine Wurzel, bin Cookie, ein Flusswolf." Sofort sprang sie auf und schnüffelte überall an mir und Marizza herum. Marizza kicherte. „Sie ist ein Spardel-Wolf, ein besonders neugieriger Wolf." „Jetzt bin ich nicht mehr allein, wir reisen zusammen zu Dodo, wir reisen zusammen zu Dodo!" sang Cookie vergnügt, stupste mich an und lief los. Uns blieb keine Zeit zum Nachdenken, wenn wir nicht zurückbleiben wollten, schnell schloss ich zu Cookie auf und Marizza flatterte hinterher.

Als wir nach drei weiteren Tagen den Sammelplatz der Östlichen Waldwölfe erreichten, war die Sonne schon hinter dem Horizont verschwunden. Ohne Vorwarnung blieb Cookie stehen und ich stolperte in sie hinein. „Welpe, ich rieche einen Welpen", sagte sie mit zuckender Nase und verschwand in einer kleinen Höhle. Marizza schaute zu mir: „Ob da wirklich noch ein Welpe ist?" Kaum hatte sie ihren Gedanken ausgesprochen, schubste Cookie einen Welpen ins Freie. „Au! Du hast eine ganz schön spitze Schnauze." „Bist du nicht Cana?", wollte ich wissen. „Ja, das bin ich." Cookie fing wieder an zu singen: „Jetzt reisen wir zu viert, jetzt reisen wir zu viert! Cookie, Mondi, Cana und Marizza!" Nun mussten wir den Wald verlassen, die gefährlichste Strecke des Weges lag vor uns: die Menschenstadt, wir mussten daran vorbeilaufen. Da hörten wir ein leises Winseln und entdeckten einen kleinen Welpen, der am Stadtrand in einem Käfig hockte. Cana erkannte sie: „Das ist Astaroche, ein Welpe von den Westlichen Waldwölfen!" Sie leckte Asta freundlich über die Nase. „Könnt ihr mir helfen?", fragte sie ängstlich, „der Schlüssel ist in dem Haus hinter mir." Natürlich wollten wir ihr helfen, Marizza flog hoch und konnte den Schlüssel auf einem Tisch liegen sehen, glücklicherweise war das Fenster geöffnet-blocked- und ich gingen zur Vordertür, um die Menschen abzulenken und kratzten leise, aber hörbar an der Tür. Es funktionierte! Die Menschen bewegten sich zur Tür, Marizza konnte hinein fliegen und sich den Schlüssel schnappen, draußen ließ sie ihn in Canas Maul fallen. Cana steckt ihn ins Schloss und zusammen konnten Wolf und Fledermaus das Schloss öffnen. Allerdings blieb keine Zeit, sich darüber zu freuen, Cookie und ich kamen um die Hausecke gerannt, gefolgt von den Menschen.

Wir rannten in den Westlichen Wald, doch eine große Gruppe an Menschen verfolgte uns. Die Kraft verließ uns langsam, solange liefen wir schon, aber wir konnten die Menschen nicht abhängen. Während wir flüchteten, schlossen sich uns zwei Welpen aus dem Norden, Sternchen und Nessa, an. Aus der Richtung, in die wir verzweifelt rannten, hörten wir das Rufen von Dodo: „Lauft weiter, Welpen! Ihr habt es bald geschafft! Hier seid ihr in Sicherheit!" Plötzlich erschien er vor uns, der ungefallene Baum, der die Grenze zum Magischen Wald markierte. Sternchen und Nessa sprangen sogleich hinüber, Cana und Cookie erreichten den Baum als Nächste, Asta und ich waren ein wenig zurück gefallen. Doch bevor wir über den Baum springen konnten, hatten die Menschen uns eingeholt, zitternd hockten wir vor dem Stamm und die Menschen zielten mit ihren Waffen auf uns. Da flog ein Schatten über den Stamm und Dodo landete laut knurrend zwischen uns und den Menschen. Diese waren verblüfft und zögerten einen Moment, so konnten wir über den Stamm klettern und Dodo sprang hinterher. Mehrfach schossen die Menschen auf Dodo, jedoch schienen die Kugeln in einer unsichtbaren Mauer festzustecken und fielen zu Boden. Enttäuscht und wütend gingen die Menschen zurück zu ihrer Stadt.

Als wir an einer großen Lichtung ankamen, sahen wir dort viele Wölfe, ein paar gehörten zu Dodos Rudel, die anderen waren Welpen aus vielen verschiedenen Rudeln. Marizza hatte ebenfalls ihre Gruppe entdeckt. Dodo kam nun zu uns, jedem leckte sie über die Nase und legte dann ihre Pfote auf die Stirn des Welpen. Schließlich war ich an der Reihe, freundlich leckte Dodo über meine Nase und legte danach sanft ihre Pfote auf meine Stirn. Mit ruhiger Stimme sagte sie: „Monddrachin, nun bist du ein Mitglied der Fliegenden Wölfe."

Ich darf das Bild von neovanessapet hier hinpacken. Ohne ihre Elaubnis darf das Bild nicht verwendet werden.




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