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I
Hiobsbotschaft
Seltsam eigentlich, wie schnell so etwas ging. Gerade eben waren die Straßen noch totenstill gewesen, jetzt waren sie erfüllt mit lauten Rufen und ausgelassenem Lachen. Dieses Mal hatte ich mich etwas zurückgehalten. Sonst fiel ich fast immer negativ auf. Nur eben heute nicht. Ich wollte nicht als der Kriminelle dastehen. Das war ich nicht und meine Freunde wussten das, also sagten sie auch nichts weiter dazu.
Ja, meine Freunde. Dieser eigenartige Haufen waren meine Freunde. Sie waren etwas verrückt und etwas albern, das gebe ich zu. Das nennt man doch Das Kind im Manne, nicht wahr?
»Barryhall-Street, hier muss ich rein«, sagte ich und mein Blick fiel auf die dunkle Allee, deren Hausfenster im Mondlicht leuchteten wie schwarzes Wasser.
»Alles klar, Eho Alter. Seh'n uns morgen abend, eh?«, freundliche Schulterklopfer für mich.
»Auf jeden Fall«. Ich winkte noch kurz – nein, ich hob nur die Hand – und machte mich auf den Weg nach Hause. Mit den Händen in den Hosentaschen schlenderte ich gewohnt lässig durch die Straße. Hier wohnten nicht besonders vertrauenswürdige Personen, aber eine Wohnung in einem nobleren Stadtviertel konnte ich mir nicht leisten. Außerdem liebte ich die Barryhall-Street. Sie war einfach mein Zuhause. Ich wollte auch gar nicht irgendwo anders wohnen, wo die Snobs und alten Opas in ihren ach-so-tollen Villen lebten. Ich war gerne ein kleines Straßenkind.
Ich holte meine silbern glänzenden Schlüssel aus der Hosentasche und steckte sie ins Schloss meiner Wohnungstür, drehte ihn herum. Als ich eintrat, war alles finster. Ephi schlief wohl schon ...
»Ephi? Bin wieder da«, sagte ich leise. Natürlich hatte ich keine Antwort erwartet. Ich schloss die Tür und es wurde gleich noch dunkler. Auf leisen Sohlen schlich ich die Treppe hinauf und lugte ins Schlafzimmer. Niemand war darin. Ich runzelte die Stirn. Seltsam war das schon. Normalerweise war Ephi immer zu Hause, wenn ich abends weg war. Nicht, dass ich ihr das vor schrieb, um Gottes Willen nein, aber sie blieb abends sowieso lieber zu Hause. Ephi war ein lebenslustiges, fröhliches Mädchen. Sie war immer hilfsbereit, freiheitsliebend, freundlich ... für mich war sie perfekt.
Ich seufzte. Rasch zog ich mich um und haute mich sofort aufs Ohr. Morgen würde Ephi sicher wieder da sein, kein Zweifel. Wahrscheinlich hatte sie auch einmal Lust gehabt, abends ein wenig wegzugehen.
Ring. Ring. Riiiing.
Ich spürte etwas Hartes gehen meine Stirn prallen. Ich war beim Versuch aufzustehen gegen ein Regal gekracht. Entnervt rieb ich mir den Schädel. Schon oft hatte ich vorgeschlagen, das Brett höher zu hängen, aber nein ... zu teuer. Das war es doch alles. Alles war zu teuer.
Leicht benommen sah ich mich um. Was hatte gerade so geringt? Die Tür. Wer kam mich so früh besuchen?
Und Ephi war immer noch nicht da. Allmählich begann ich, mir Sorgen zu machen. Vielleicht hatte sie ihre Schlüssel vergessen und hatte jetzt geklingelt. Ja, so musste es sein.
Ich zog mir schnell meinen Morgenmantel an – und hatte nicht gesehen, dass er falsch herum war – und tippelte die Treppe herunter.
Riiiiing. Riiing.
»Ist ja gut!«, fauchte ich und riss die Tür auf.
Ein Mann in Uniform stand vor mir. Er sah ein wenig übermüdet aus, fand ich. Und da war noch etwas in seinem Gesichtsausdruck. Leid? Oder Mitleid?
»Guten Morgen, Officer«, sagte ich steif, »Was kann ich für Sie tun?«.
»Ich nehme an, Sie sind Ehomad Parmoro? Lebten zusammen in dieser Wohnung mit einer gewissen Ephisra Caroll?«.
»So ist es«.
»Ich muss Ihnen eine Nachricht überbringen. Ich glaube nicht, dass es Sie freuen wird. Wollen Sie mich nicht hereinbitten?«.
Ich nickte hastig, ließ ihn eintreten und schloss die Tür hinter ihm. »Wollen Sie Kaffee?«.
»Nein, aber danke der Nachfrage. Ich bin im Dienst«, der Beamte machte es sich auf einem meiner Küchenstühle bequem. Ich setzte mich gegenüber von ihm.
»Was haben Sie mir denn für eine Nachricht zu überbringen?«. Irgendwie schwante mir nichts Gutes.
Der Mann räusperte sich und wieder sah ich diesen Ausdruck in seinem Gesicht, den ich nicht ganz zuordnen konnte.
»Also, Sie kennen Ephisra Caroll?«.
»Ja. Sehr gut sogar. Ich stehe ihr .. sehr nahe«.
»Es tut mir Leid«.
»Was tut Ihnen Leid?«.
»Wo haben Sie sie das letzte Mal gesehen?«.
»Gestern Abend um zirka halb sieben. Warum?«, ich wollte wissen, worauf der Polizist heraus wollte. Das Gefühl, dass etwas Übles passiert war verstärkte sich.
»Wie sage ich das am besten ... Frau Caroll ist ... wurde ...«.
»Was?«.
»Also, um ganz ehrlich zu sein ...«.
»Was?«.
»Es fällt mir schwer, Ihnen das sagen zu müssen ...«.
»WAS?«, ohne es zu merken, war ich aufgestanden und hatte meine Fingernägel in den Esstisch gegraben. Ich war nun sicher, dass irgendetwas nicht stimmte. Vielleicht hatte Ephi einen Unfall und lag mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus?
»Ephisra ist tot«.
Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, was der Beamte gerade gesagt hatte. »Wie bitte?«.
»Es tut mir Leid«.
»Hören Sie zu, ich bin im Moment nicht für Späße aufgelegt, es ist Sonntag Morgen und ich ...«.
»Sie sind nicht der Erste, der so reagiert«.
»So?«.
»Glauben Sie, ich würde Sie belügen wollen? Für mich ist es auch halb acht am Sonntag Morgen und glauben Sie mir, auch ich würde jetzt gerne zu Hause im Bett liegen. Außerdem habe ich mich nicht freiwillig gemeldet, Ihnen die Nachricht zu überbringen«.
Ich stützte die Ellenbogen auf den Tisch und vergrub das Gesicht in den Händen. Langsam begann ich zu realisieren, was der Beamte mir soeben gesagt hatte. Doch er konnte nicht die Wahrheit sagen. Das war gegen alle Natur. Gestern Abend hatte ich Ephi doch noch gesehen, sie war putzmunter gewesen! Ich merkte, wie meine Nase anfing zu laufen und meine Augen sich mit heißen Tränen füllten.
»Das kann nicht sein. Das ist unmöglich«, murmelte ich und die leise schreiende Verzweiflung kroch meine Kehle hinauf. Eine große Hand legte sich auf meine Schulter.
»Wo ist sie? Wo ist Ephi jetzt?«.
»Noch am Unfallort. Die Detektive arbeiten noch«.
Ich sah auf. »Unfallort? Was ist darüber bekannt?«, eigentlich wollte ich es gar nicht wissen.
»Ich kann Ihnen die Geschichte erzählen, falls Sie bereit dafür sind«.
»Bitte«.
Der Polizist räusperte sich und schob sein Becken hin und her, dass der Stuhl auf dem er saß nur so quietschte und ich normalerweise gelächelt hätte. Aber heute nicht. Es gab gerade nichts, dass mich zum Lächeln hätte bringen können.
»Gestern Nacht um kurz vor Elf hat es einen schweren Autounfall an der Kreuzung zwischen Barryhall-Street und White Avenue gegeben. Wir wissen nicht genau, was passiert ist, aber Frau Caroll ist dabei – nun ja – ums Leben gekommen. Mehr ist uns nicht bekannt, aber wir werden Sie natürlich informieren, wenn es Neues gibt«.
Ich hatte nicht die Kraft, irgendetwas darauf zu antworten. In mir war Leere, pure Leere. Ich fühlte mich tot.
~*~*~*~*~
II
Überbleibsel
Es war später Nachmittag. Den ganzen Tag über hatte ich auf meinem Bett gesessen und versucht, zu realisieren, was mir am Morgen erzählt wurde, aber es hatte nicht geklappt. Ich hätte glauben können, dass Ephi tot war, das war nicht die Frage. Das Problem war, dass ich es nicht wollte. Und mal im Ernst, wer will schon glauben, dass das Wesen gestorben war, dass einem am meisten bedeutet hatte?
Ich hatte geweint. Es war lange her gewesen, dass ich das getan hatte, sehr lange. Ich konnte mich schon gar nicht mehr an das letzte Mal erinnern. Aber ich hatte solange stumm Tränen vergossen, bis sie ausgetrocknet waren. Wie ein Wasserfall, der Jahrhunderte lang geflossen war und von der einen auf die andere Nacht aufgehört hatte, zu existieren.
Angestrengt starrte ich auf meine Füße, wie sie beide abwechselnd nach vorn fuhren. Irgendwann blieb ich stehen und hob den Kopf leicht.
Sofort stachen mit die rot-weißen Absperrbänder ins Auge. Viele Beamte liefen hastig umher und berechneten Dinge, untersuchten Fundstücke und analysierten die Unfallstelle.
Ich wusste, dass es verboten war, das Areal hinter der Absperrung zu betreten, doch ich wollte mich überzeugen, ich wollte es mit meinen eigenen Augen sehen. Nein, ich wollte es nicht, aber etwas in mir hatte mich dazu gedrängt.
Zögernd trat ich noch ein paar Schritte vor, bis ich direkt vor der Absperrung stand. Von dort konnte ich genau beobachten, wie die einzelnen arbeiteten, doch ich sah gar nicht hin. Bei jedem Blick in eine andere Richtung hatte ich Angst, etwas Schreckliches zu sehen. Blut. Oder Tote.
Ich ging ein paar Schritte an dem stramm gezogenen Band entlang.
Ein ziemlich schrottreifes Auto hing im Straßengraben, umringt von allerlei Leuten, die jeden Quadratzentimeter Metall bis auf das genauste untersuchten. Wieder ging ich ein paar Schritte.
Ein leises Knacken unter meinem Schuh erregte meine Aufmerksamkeit, ich hob den Fuß und blickte nach unten. Dort lag etwas kleines Weißes. Langsam bückte ich mich und hielt den schimmernden Anhänger in die Höhe. Gott sei dank war er nicht kaputt.
Ephis Kette. Sie hatte ihr gehört. Verträumt strich ich über die glatte Perlmuttoberfläche. Als ich meine Finger ansah, musste ich allerdings feststellen, dass sie schwarz waren. Eine klebrige schwarze Substanz klebte auch am Anhänger von Ephis Kette. War das Teer von der letzten Erneuerung der Straße? Wahrscheinlich.
Ich steckte das Schmuckstück in meine Hosentasche. Jetzt hatte ich meinen Beweis. Den halbmondförmigen Anhänger aus feinem Perlmutt, den ich Ephi zu Weihnachten geschenkt hatte. Mir hatte sie auch etwas geschenkt, ein Lederband mit einfachem Silberanhänger, aber ich liebte ihn trotzdem. Alles, was ich noch von Ephi hatte war von unschätzbarem Wert für mich. Natürlich wäre es vernünftiger gewesen, hätte ich dieses Artefakt der Polizei zum untersuchen gegeben. Doch ich brauchte ihn, brauchte ihn, um mich zu trösten.
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III
Schwarzes Blut
Niedergeschlagen drehte ich den Schlüssel im Schloss meiner Wohnung herum. Fast wünschte ich mir, dass Ephi plötzlich vor mir stehen und mich mit einer liebevollen Umarmung begrüßen würde, doch selbstverständlich traf dieser Wunsch nicht ein. Es war so still in der Wohnung, dass mir ein kalter Schauer über den Rücken lief. Das erste, was irgendwann die Misere durchbrach war mein Magenknurren, ich hatte fast den ganzen Tag noch nichts gegessen. Ich holte wahllos irgendwelche Brotaufstriche aus dem Kühlschrank, schmierte ein trockenes Stück Brot damit zu und setzte mich an den Küchentisch, wo ich mir den mageren Snack in den Mund schob.
Irgendetwas an meiner Gesäßtasche fühlte sich feucht an. Nachdem ich den letzten Krümel geschluckt hatte, fasste hinein und zog Ephis Kette heraus. Sie war von dem schwarzen, klebrigen Zeug ganz verschmiert und wahrscheinlich war meine Hose jetzt völlig verdreckt. Ich hielt den kleinen Anhänger unter den Wasserhahn und wartete ein wenig. Das schwarze Geschmiere jedoch blieb an Ort und Stelle und ließ sich nicht einmal mit Spülmittel und einem Schwamm wegputzen.
Mit mürrischer Miene warf ich einen Blick auf den Stuhl, auf dem ich gesessen hatte und stellte dummer Weise fest, dass er ebenfalls mit der Substanz voll geschmiert war.
Eigentlich seltsam. Als ich Ephis Kette gefunden hatte, war sie nur ein wenig schwarz gewesen. Jetzt sah die Küche aus, als hatte man hier mit Wasserbomben geworfen, die mit schwarzer Farbe gefüllt waren. So viel konnte der Anhänger gar nicht abgesondert haben.
Leise fluchend stapfte ich – immer noch mit der stetig tropfenden Kette in der Hand – durch die Küche und versuchte, nicht noch mehr schwarze Fußabdrücke zu hinterlassen. Es ließ sich natürlich auch nicht vermeiden, dass ich ausrutschte und mit dem Gesicht in der Brühe landete, die zu meiner Überraschung irgendwie warm war. Das Bild von Blut drängte sich unwillkürlich in mein Gedächtnis, als ich das schwarze Zeug auf meiner Haut spürte.
Die Haustür klingelte.
»Komme gleich!«, rief ich leicht gereizt und torkelte – jetzt mit meinen Schuhen in der anderen Hand – zur Tür. Ich war so kreativ, die Türklinke mit der Stirn aufzudrücken und so meinen unerwarteten Gast herein zulassen. Unglücklicherweise verlor ich dabei wieder den Halt und landete auf dem Hinterteil. Ich verfluchte das rutschige schwarze Zeug, dieses Mal laut und nicht besonders anständig.
»Hast du dir was getan?«, hörte ich eine besorgte Stimme über mir. Nach einem Blick nach oben erkannte ich, dass es Ephis beste Freundin Ivy Benett war, die mich besuchen gekommen war.
»Nein, mir geht's gut, danke der Nachfrage«, brummte ich mit einem Hauch von Sarkasmus in der Stimme und stand mühsam wieder auf.
»Wie sieht es denn hier aus?«, Ivy tat so, als hätte sie mich nicht gehört. Sie stemmte die Hände in die Hüften und musterte den Flur und die Küche fassungslos. »Hast du versucht, die Wohnung zu streichen? Ich seh' schon, ohne Ephi bist du völlig aufgeschmissen«.
»Ich finde das ehrlich gesagt gar nicht witzig«, erwiderte ich mit ernster Miene. Ivy schien sich dadurch gar nicht bedroht zu fühlen.
»Schon gut, das war ein blöder Witz, ich geb's ja zu. Aber was hast du mit eurer armen Wohnung angestellt?«, sie wies mit einer ausladenden Handbewegung auf die Wände und den Boden.
Ich hielt Ivy wortlos Ephis Anhänger vor die Nase, der immer noch fröhlich vor sich hin schmierte und tropfte.
Für einen kleinen Moment schien Ephis beste Freundin irgendwie geschockt. Sie starrte den schwarzen Perlmutt-Mond mit aufgerissenen Augen an und ihr Mund öffnete sich leicht, doch dann fand sie die Beherrschung blitzschnell wieder und blickte mich an, als sei ich verrückt geworden.
»Lieber Eho, willst du mir etwa erzählen, dass dieses süße kleine Kettchen diese Sauerei veranstaltet hat? Ich verstehe ja, dass du ziemlich geschockt sein musst, aber deswegen muss man doch nicht gleich den Verstand verlieren«, sagte Ivy ruhig, als spräche sie mit einem begriffsstutzigen Kindergartenkind.
»Ich hab' nicht den Verstand verloren«, murrte ich und wischte mir ein wenig von dem schwarzen Geschmiere aus dem Gesicht, »Das war wirklich die Kette. Und weißt du, was das Heftigste ist? Die gehört Ephi«. Ich watschelte ein paar Schritte und schmiss Ephis Halskette in eine kleine Schatulle, die auf dem Regal stand, damit ich nicht noch die gesamte Wohnung versaute.
»Ach, wirklich?«, plötzlich klang Ivys Stimme gar nicht mehr so selbstsicher und leicht spöttisch, sondern im Gegenteil ziemlich unsicher.
»Ich helfe dir beim sauber machen«, platzte es schließlich aus ihr heraus und sie schob mich ins Bad. »Dusch' dich mal und zieh' dich um, ich fang' schon mal an«. Und da ich aus Erfahrung wusste, dass es besser war, auf die Frauen zu hören, tat ich, was Ivy vorgeschlagen hatte und stellte mich unter die heiße Dusche.
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IV
Eisblaue Seele oder Besuch
Ich konnte stundenlang nicht einschlafen. Immer wieder musste ich an den heutigen Tag denken, welcher mich an die Kette und das schwarze Zeug erinnerte, die mir wiederum Ephis Tod ins Gedächtnis riefen. Und genau das raubte mir den Schlaf. Ich versuchte schon eine ganze Weile, mich damit abzufinden und zu realisieren, dass ich ihr wunderhübsches Gesicht niemals wiedersehen würde.
Unruhig drehte ich mich hin und her. Ivy hatte mir geholfen, die Sauerei, die Ephis Kette veranstaltet hatte zu beseitigen. Mein Mieter hätte mich sonst wahrscheinlich umgebracht. Danach hatte sie mich noch – höchst heuchlerisch, wie ich fand – ihr Mitleid ausgesprochen und noch mit mir zu Abend gegessen. Wir hatten uns eine Pizza bestellt, als ihr eingefallen war, dass sie noch etwas vor hatte. Also saß ich fünf Minuten später wieder allein da.
Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung, was ich in den nächsten Tagen tun sollte. Bevor ich zu Bett gegangen war hatten mich noch ein paar Leute vom Beerdigungsinstitut angerufen, die von der Polizei Bescheid wussten und wir hatten eine lange Unterhaltung geführt. In dieser Zeit hatte ich kaum zugehört und nur irgendetwas gesagt. Vorher hatte ich mir nie Gedanken über Beerdigungen gemacht und hatte auch eigentlich nicht vor, anzufangen darüber nachzudenken. Ich hatte ganz genauso viel Angst vor dem Tod wie wir alle und ich hatte auch nicht vor, dies zu leugnen.
Außerdem konnte ich kaum für die ganzen Kosten aufkommen. Ich war nicht gerade arm, aber einen Millionär konnte man mich auch nicht nennen. Ich verdiente aus Aushilfe in einem Fastfood-Restaurant gerade so viel um mir die Wohnung und Frühstück, Mittag- und Abendessen leisten zu können.
Ich stieß ein murrendes Seufzen aus und presste mit das Kissen auf die Ohren. Dieses Rattern und Klappern im Flur brachte mich noch um den Verstand, als ob ich nicht schon genug Sorgen hätte.
Knurrend setzte ich mich in meinem Bett auf, strich mir die ziegelroten Haare aus dem Gesicht und stützte die Ellenbogen auf die Oberschenkel. Ich wunderte mich eigentlich, dass nicht schon längst irgendwer angerufen hatte, die Wohnungsbesitzer über und unter mir müssten den Krach schon längst gehört haben, er war ja wirklich nicht zu überhören. Aber anscheinend kam es mir nur so vor.
Ich stand auf und schlurfte zur Schlafzimmertür, öffnete sie und setzte einen Fuß in den Flur. Erst wollte ich das Licht anmachen, doch dann bekam ich einen derartigen Schock, der mich beinahe schreiend ins Schlafzimmer zurück geworfen hätte.
Vor dem Regal an der Wand lag die kleine Schatulle, in die ich am Nachmittag Ephis Kette gesperrt hatte. Sie war offen, das schwarze Zeug hatte das Schloss geradezu auf gesprengt. Überall war er wieder hin gespritzt. Doch das war noch nicht einmal das Schlimmste, nein, im Gegenteil. Wäre es nur das gewesen. Doch das war es nichts.
Das Fürchterlichste war die durchscheinende, schwach vor sich hin leuchtende Gestalt, die vor dem Regal stand und entsetzt auf das herunter gefallene Kästchen und seinen Inhalt starrte.
Auch wenn ihre Haare ebenso eisblau wie ihr knielanges Kleid war und sie einige Zentimeter über dem Boden schwebte, erkannte ich sie auf der Stelle.
»Ephi?«, keuchte ich heiser und starrte die glimmende Gestalt mit jagendem Herzen an. Abrupt drehte sie sich zu mir um und mit Erschrecken bemerkte ich, das ihre Augen vollkommen leer und von einem grauenhaften kalten Blau waren. Nicht mehr feurig und dunkelrot, wie früher einmal.
Ich konnte sehen, wie sich Ephis Lippen bewegten, doch ich konnte keinen Ton wahrnehmen. Dann nickte sie nur stumm und lächelte traurig. Ich streckte die Hand aus, doch sie trat zurück. Ich ging einen Schritt vor, sie einen nach hinten. Mein Herz schlug wie eine überhitzte Ölpumpe, ich dachte, ich müsse im nächsten Moment explodieren.
Das war der Geist von Ephisra. Ephis Seele, ihre Erinnerung, all das was sie auf der Erde gelassen hatte, bevor ihr das Leben mit kalter Hand entrissen wurde. Bevor sie mir entrissen wurde.
»Wie kommst du hierher?«, fragte ich leise und mit zitternder Stimme, doch Ephi lächelte nur weiter voller Mitleid und Trauer und sagte nichts zu mir. Sie deutete mit einem Finger auf die Perlmuttkette zu ihren leicht silbern schimmernden Füßen.
Ich verstand nur langsam und trat dementsprechend vorsichtig ein paar Schritte vor. Dieses Mal wich Ephi nicht zurück, obwohl ich das Gefühl hatte, dass sie es gerne getan hätte.
Ich bückte mich langsam, hob die Kette samt eines Teils des schwarzen Geschmieres auf und hielt in flacher Hand es zögernd in Ephis Richtung. Diese streckte ebenfalls ihren zierlichen Arm aus, der sich langsam meiner Hand näherte.
Ich zuckte leicht zusammen, als Ephis eiskalte Fingerspitzen meine berührten. Es fühlte sich an, als tauchte ich meine Hand einen Eimer kaltes Wasser. Das Schmuckstück wurde langsam aus meiner Hand gehoben, Ephi legte es sich um und lächelte mich noch einmal an, dann löste sie sich vor meinen Augen in silbernen Rauch auf.
»Nein, warte! Ephi! WARTE!«, aber ich konnte schreien und rufen wie ich wollte, sie kam nicht wieder, blieb verschwunden.
~*~*~*~*~
V
Wieder Ivy
Am nächsten Morgen war mir schlecht. Ich fühlte mich krank und ausgelaugt, meine Körpertemperatur stieg bedrohlich an und ich blieb den ganzen Tag im Bett liegen. Ich konnte also auch wieder nicht zur Arbeit. Mein Chef war normalerweise ein sehr geduldiger Mensch und ich glaubte, er würde verstehen, dass es mir nach Ephis Tod sehr schlecht ging.
Nach der letzten Nacht, in der ich Ephis Geist getroffen hatte war ich völlig verwirrt. Ich hatte das Gefühl, wahnsinnig zu werden. Natürlich hatte ich auch schon mit dem Gedanken gespielt, dass alles nur ein Traum gewesen war, doch dafür war das Geschehen zu real gewesen. Die Berührung von Ephisras kalter Seele war zu echt gewesen, als dass alles nur ein Traum gewesen sein konnte.
Und wieder klingelte es an der Haustür.
»Komme!«, krächzte ich und stand mühsam auf, starkste zur Tür und öffnete sie. Wieder stand Ivy dort, dieses Mal mit einem großen Strauß Magariten in der Hand.
»Guten Morgen, Eho«, sagte sie lächelnd und überreichte mit den Blumenstrauß, als sie – ziemlich unaufgefordert, wie immer – in meine Wohnung trat und mich zurück ins Schlafzimmer zog.
»Du gehörst ins Bett, Freundchen«, sagte Ivy gebieterisch und ich verkrümelte mich wieder unter meiner Decke.
»Das mit Ephi setzt dir ganz schön zu, hm?«, sie stellte die Blumen in eine Vase, die sie vorher schnell mit warmem Wasser gefüllt hatte und setzte sich auf einen Stuhl.
Gerne hätte ich irgendetwas spöttisches erwidert, selbstverständlich machte es mir etwas aus, das Wesen zu verlieren, mit dem ich mein Leben hatte verbringen wollen, doch ich überlegte es mir im letzten Moment anders, es hatte doch keinen Sinn mit Ivy einen Streit anzufangen. Zumal sie sowieso jede Auseinandersetzung gewann, egal worum es ging. Ivy konnte knallhart sein, wenn sie wollte und ich hatte ganz bestimmt nicht vor, sie unnötig aufzuregen.
»Hm«, machte ich nur und nahm einen Schluck Tee aus der Tasse neben meinem Bett. Ich dachte nicht eine Sekunde daran, ihr von dem Geist zu erzählen, sie hätte mich doch nur für völlig verrückt gehalten. Doch je mehr ich über dieses Ereignis nachdachte, desto mehr bekam ich das Gefühl, dass es vielleicht wirklich gut war, wenn ich mit dieser Sache zu einem Psychiater gehen würde. Ich fand sowieso schon immer, dass diese Leute einen viel zu schlechten Ruf hatte. Wer weiß, vielleicht würde ich das auch noch tun. Vielleicht.
»Wo hast du eigentlich Keith gelassen?«, fragte ich gezielt beiläufig, nur um ganz unauffällig das Thema zu wechseln. Ich hatte mich schon gestern gefragt, warum Ivys Freund nicht mit ihr gekommen war, zumal sie normalerweise immer zusammen durch den Tag spazierten.
»Wo ich ihn ... was?«, Ivy schien durch die Frage irgendwie irritiert zu sein, fiel mir auf. Man sah ihr an, dass sie gerade sehr scharf nachdachte, wahrscheinlich über ihre Antwort.
»Wo du ihn gelassen hast. Er ist doch sonst immer bei dir«.
»Keith ist gerade ziemlich beschäftigt, du weißt ja ...«.
»Ich dachte, er sucht wieder einen Job?«.
»Genau deswegen ist er ja beschäftigt. Erkennst du die Logik, Ehomad Einstein?«, ja, sie war wieder die Alte. Ivy sprühte wieder mit Spott und Geringschätzung geradezu um sich. Damit konnte sie jemanden ziemlich aufregen, aber mit den Jahren hatte sogar ich gelernt, sie nicht so ernst zu nehmen.
»Ich kann mich beim Chef mal einschleimen, vielleicht findet sich ja noch eine Stelle für den Guten«, bot ich an und überhörte Ivys letzten Satz.
»Ach was, das brauchst du nicht, er soll auch mal selbst etwas fertig bringen«.
»Ich glaub', das sollte besser er entscheiden, ich mein' ...«.
»Hör mal, das ist nett von dir, aber wir brauchen keine Hilfe«.
»Nein, das ist kein Problem für mich, ich werde nur ...«.
»NEIN!«.
Ich zuckte unter der aufsteigenden Wut in Ivys Stimme leicht zusammen. Meiner Meinung nach rastete sie ein klein wenig zu oft aus in letzter Zeit.
»Tut mir Leid«, murmelte sie und legte die Hände in den Schoß. »Ich sollte mehr schlafen. Hab' in den letzten beiden Nächten kein Auge zugetan«.
»Warum das?«, wollte ich wissen und nahm noch einen Schluck Tee. Auf einmal hatte ich angeregtes Interesse an diesem Thema gefunden.
»Nun ja ... Hey, sag mal, willst du dich in meine Privatsphäre einmischen?«, Ivy jedoch schien anderer Meinung zu sein.
»Nein nein, ich hab' ja nur gefragt ... kann es sein, dass du wieder was angestellt hast?«, natürlich war es nicht so, dass Ivy in irgendeiner Weise einen schlechten Ruf hatte, allerdings schaffte sie es trotzdem immer wieder, sich in irgendwelche Schwierigkeiten zu bringen – und heil wieder herauszukommen. Ephi hatte früher immer gesagt, Ivy war wie eine Zeichentrickfigur, witzig und selbst wenn sie einen Gürtel aus Dynamitstangen tragen würde, sie würde ohne einen Kratzer davonkommen.
»Ich? Etwas anstellen? Mensch Eho, du tust immer so, als wäre ich eine Verbrecherin. Und was heißt überhaupt wieder? Wann habe ich das letzte Mal etwas angestellt?«.
»Ich sag' nur eins, letzten Dienstag«, murmelte ich mit einem dumpfen Lächeln auf den Lippen. Ich hatte eigentlich keine große Lust, mit weiter über diesen Vorfall Gedanken zu machen.
»Ach das«, Ivy wurde rot und sie versuchte, dies mit übertriebenen Handbewegungen zu vertuschen, »Das war doch nur ein kleines Missverständnis. Davon gibt es auf der Welt viel zu viele. Und außerdem weißt du genau, dass nicht ich daran Schuld war, sondern ...«.
Ich unterbrach Ivy jäh mit einem barschen Zischen. »Schon gut. Vergessen wir das«, sagte ich versöhnend und lächelte. Denn wie schon erwähnt war es keine besonders gute Idee, diese Frau zu verärgern. Außerdem wäre ich nicht der erste gewesen, der den Streit mit einem oder zwei Blauen Augen verlassen würde.
~*~*~*~*~
VI
Hilfe erwartet?
Bereits am Abend ging es mir besser. Zumindest ein so gut, dass ich nicht mehr stundenlang im Bett zu liegen hatte. So beschloss ich auch, mein Vorhaben wahr zu machen und mich jemandem anzuvertrauen. Es musste ja auch nicht sofort ein Psychiater sein, doch ich hatte von gewissen Leuten bei einem Gespräch einen Namen aufgeschnappt, der mir vielleicht nützlich sein konnte: Rowena Kingsley. Ich hatte mir auch schon die Adresse besorgt.
Lustlos schlenderte ich durch die Straßen, die vom warmen Schein der untergehenden Sonne orange beleuchtet wurden. Die eine oder andere Straßenlaterne hatte schon angefangen zu brennen und noch ein wenig mehr Licht zu spenden. Allgemein hielten sich nur noch wenige in der Stadt auf, diejenigen, die noch einen letzten Einkauf erledigt hatten oder noch schnell einen Freund besuchen wollten oder ein paar grölende Teenies, die zu einer langen Party aufbrachen. Ich hatte vor, mich für die nächsten Monate vollständig von Feiern und dergleichen fernzuhalten, so sehr mich früher auch über eine Einladung gefreut hätte. Der Verlust Ephis hatte mich ernsthaft nachdenklich gestimmt. Früher hätte ich über jeden Scherz gelacht, war er auch noch so flach, doch jetzt könnten mich nicht einmal mehr die hundert größten Spaßvögel zusammen aufheitern.
Ich blieb vor einem riesigen grauen Klotz stehen, einem Hochhaus aus dessen Fenstern grelles Licht schien und durch die im Erdgeschoss waren sogar Musik und die Stimmen aus dem Fernseher zu hören. Meine Augen betrachteten ein Metallschild auf dem in dunkelblauen Buchstaben die Worte Praxis Dr. R. Kingsley und eine Telefonnummer standen. Ich öffnete die gläserne Tür und erklomm zwei oder drei Treppen.
Praxis. Na super. Ich fühlte mich wie ein Verrückter, der den Verstand verloren hatte und deswegen ärztliche Betreuung brauchte. Auf einmal war ich mir gar nicht mehr so sicher, dass diese Berufsgruppe zu Unrecht einen schlechten Ruf hatte.
Endlich erblickte ich wieder die Auschilderung in Rowena Kingsleys Praxis. Auch hier trat ich durch die Tür, legte einem Mann meinen Ausweis hin, erzählte ihm von meinem Termin und setzte mich auf einen freien Stuhl.
Ich wartete genau acht Minuten, bis sich eine Holztür in der Nähe öffnete und eine Frau mit ihren Sohn heraustrat. Dahinter stand eine weitere Frau, welche eine violett umrandete Brille und eine weiße Bluse trug, ihre schwarzbraunen Haare waren zu einem tiefen Pferdeschwanz zusammengebunden.
»Und beim nächsten Mal kommen sie gleich zu mir, ja? Einen schönen Abend noch«, sagte diese zu der Mutter und sie und ihr Junge steuerten den Tisch an, an welchem der junge Mann saß, der zuvor meinen Ausweis angenommen hatte.
»Ehomad Parmoro?«, fragte die dunkelhaarige Frau höflich, als sich unsere Blicke trafen. Anscheinend war dies Frau Doktor Rowena Kingsley. Sie wirkte freundlicher, als ich sie mir vorgestellt hatte.
Ich nickte, stand auf und folgte ihr in den Raum. Es war längst nicht so nüchtern eingerichtet wie das Wartezimmer, wirkte ein wenig wie das Wohnzimmer meiner Oma. Kunstvoller Teppichboden und hohe Bücherregale, in denen wahrscheinlich hunderte von Büchern über Psychologie gestapelt waren.
Ich nahm in einem doch recht gemütlichen Sessel Platz, während Rowena Kingsley sich mir gegenüber auf einem eben solche platzierte. Gut, ich musste mich wenigstens nicht auf eine Couch legen.
»Schön. Ich bin Doktor Rowena Kingsley, aber wenn Sie möchten, können Sie nur Rowena zu mir sagen. Erst einmal: Wie kann ich Ihnen helfen?«, sagte sie lächelnd und sah mich mit einem auffordernden Blick an.
»Ich habe einen sehr wichtigen Menschen in meinem Leben verloren«, sagte ich tonlos und wich dabei dem Blick Dr Kingsleys aus. Ich zögerte kurz, sollte ich ihr wirklich von der letzten Nacht erzählen? Sie würde mich für verrückt halten, egal was ihre Regeln ihr vorschrieben. Andererseits brauchte ich dringend jemanden, dem ich alles beichten konnte.
»Doch das ist nicht das Schlimmste. Ich habe ... ich habe ihren ... ihren Geist gesehen«, beim Aussprechen dieser Worte kam ich mir unendlich klein und dumm vor.
Rowena Kingsley runzelte die Stirn. »Wo hast du ihn oder sie gesehen?«, fragte sie überraschender Weise. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie solch eine präzise Frage stellen würde.
»Ich hatte ihre Kette an der Unfallstelle gefunden, an der sie gestorben ist. Und gestern Nacht ist sie gekommen um sie sich zurück zu holen. Außerdem hat die Kette ständig so ein schwarzes Zeug abgesondert ...«, ich versuchte, Rowena möglichst alles zu erzählen, was von Nutzen sein könnte. Sie hörte die ganze Zeit still zu und runzelte die Stirn noch stärker, bis ihr Gesicht ein wenig wie altes Leder aussah.
»Sie sollten wissen, dass Sie mein volles Mitleid haben«, sagte Dr Kingsley schließlich und sah mich aufmunternd an. Ich hatte das Gefühl, dass sie die meisten ihrer Gefühle durch ihre Augen mitteilte, doch vielleicht lag das auch nur an der auffälligen Brille.
»Danke«, antwortete ich zerknirscht und betrachtete meine abgekauten Turnschuhe. »Sie halten mich nicht für verrückt?«, etwas überflüssig kam mir die Frage schon vor. Egal was sie antworten würde, mir war klar, dass sie mich für einen Irren halten musste.
»Auf keinen Fall! Ich glaube Ihnen jedes Wort, mein Lieber«, warf Dr Kingsley ein und lächelte ungerührt weiter, »Ich verstehe Sie sehr gut. Und ich verstehe auch, dass Sie jetzt sehr verwirrt sein müssen. Ich wäre an Ihrer Stelle wahrscheinlich ganz genau so«.
Klar, dachte ich, wie oft sagte sie das wohl am Tag?
»Sie müssen versuchen zu verstehen, dass das Leben weitergeht. Sie sind kein Einzelfall, es gab bereits viele Menschen, deren Partner ums Leben gekommen sind. Und die sind alle damit fertig geworden. Das werden sie auch, da bin ich mir sicher«.
Langsam machte mich Rowena Kingsleys stetiges Lächeln, das sie offenbar für beruhigend hielt wahnsinnig. Sie war so freundlich, so verständnisvoll und ich hasste das. Es war mir egal, wie viele Leute schon ähnliches wie ich durchgemacht hatten, ich konnte das nicht. Ich würde es auch nie können, dazu war Ephi mir zu wichtig. Als ich dann zu allem Überfluss auch noch ihren Geist gesehen hatte, war mir endgültig klar, dass ich das niemals überwinden könnte. Ob mit oder ohne ärztliche Hilfe.
Lange Zeit redete Dr Kingsley über irgendwelche Überwindungen und sprach mir nicht ernst gemeinte tröstende Worte aus, doch ich hörte ihr schon gar nicht mehr zu, wartete nur stumm darauf, dass die Sprechstunde endlich ein Ende nahm. Gerne hätte ich dieser heuchlerischen, aufgeblasenen Eule kräftig meine Meinung gesagt, doch ich hielt mich im Zaum, ich war niemand, der gerne für Aufruhr sorgte, zumindest nicht, wenn sie negativ war.
Das Ende dieser Stunde war für mich fast eine Art Erlösung.
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VII
Die Schimmernde
Anscheinend war mir wohl einfach nicht mehr zu helfen. Nicht mal eine Spezialistin hatte mit weiterhelfen können, ich musste ein hoffnungsloser Fall sein. Nicht, dass mich das sehr verwundert hätte, aber nun hatte ich keine Hoffnung mehr zu verlieren, es war aus. Es würde sich nichts verändern, wenn mein Leben damit enden würde ...
Wütend schlug ich den Kopf gegen eine Mauer. Was sollte das, ich dachte doch wohl nicht gerade über meinen Tod nach? Nein, so tief würde ich nicht fallen, das Leben war alles was ich noch hatte. Und natürlich Ivy und Keith und all die anderen.
Ich stieß einen keuchenden Laut aus und presste die Hand gegen meine Stirn. Sofort erhöhte sich der Schmerz, doch einigen Sekunden wirkte der Gegendruck und ich zog meine Hand zurück. Blut rann zwischen meinen Fingern hindurch und an meinem linken Auge spürte ich das Herablaufen von etwas warmem klebrigem. Leise fluchend suchte ich in meiner Hosentasche nach Taschentüchern, doch natürlich hatte ich vergessen, welche mitzubringen. Meine ärgerlichen Ausrufe wurden lauter, als ich nach etwas Ausschau hielt, womit ich das Blut abwischen konnte. Selbstverständlich war ich völlig allein auf der Straße, es war bereits dunkel geworden und die Himmelskörper waren unter einer dicken Wolkendecke verschwunden. In der farblosen Gasse, in der ich mich befand gab es – natürlich – keine Straßenlaternen oder ähnliches, also war es ein Wunder, dass ich überhaupt die Hand vor Augen erkannte. Ich tappte hilflos im Dunkeln – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
»Wer hat Euch denn hier ausgesetzt?«, tönte plötzlich eine kratzige Stimme, die mich furchtbar zusammenfahren ließ. Nach dem Umdrehen erkannte ich in der Finsternis eine kleine – offensichtlich weibliche – Gestalt in dunkelroten und lilafarbenen Tüchern und Kleidern. Auf ihrem Kopf trug sie ein grün getupftes Tuch und ihre riesigen leuchtend grünen Augen schauten mich mitleidig an.
»Ich ... man hat mich nicht ausgesetzt. Ich will nur nach Hause und bin aus Versehen in der Dunkelheit gegen diese Wand gelaufen und ...«, stammelte ich in einem Anflug von leichtem Scham, als mich die kleine bunte Frau mit wildem Händefuchteln unterbrach.
»Unsinn, gegen die Wand gelaufen! Ich bin zwar nicht mehr die Jüngste, aber ich hab doch wohl genau gesehen, dass Ihr das absichtlich gemacht habt, Dummerchen! Die Wunde muss verbunden werden, kommt einmal mit«, eine unangenehm warme Hand griff nach meinem Arm und zerrte mich ein paar Schritte weiter auf eine Art kleines Zelt mitten auf der Straße zu. Ich hatte gar nicht vor, mich dagegen zu wehren, im Gegenteil, so seltsam diese Frau auch sein mochte, ich war hatte nicht den Eindruck, dass sie schlechte Absichten hatte und gegen ein warmes Plätzchen hatte ich nichts einzuwenden.
»Nun erzählt mal. Wie heißt Ihr und was führt Euch in diese üble Gegend?«, begann die funkelnde Frau, als sie mir einen Verband um den Kopf gewickelt und uns einen Tee gemacht hatte. Wir saßen jetzt auf einem viel zu weichen, quietschbunten Achtziger-Jahre-Sofa und ich versank regelrecht in den Kissen. Ich landete wegen meines Wahnsinns also doch noch auf einer Couch ...
»Mein, ähm, Name ist Ehomad. Ich komme gerade von Dr Kingsleys Praxis, vielleicht kennen Sie die ja ...«.
Mein Gegenüber stöhnte genervt. »Nicht diese Möchtegern-Seelenklempnerin! Auf die kann man sich überhaupt nicht verlassen, glaubt mir. Ein sehr außergewöhnlicher Name übrigens«, sie schlürfte an ihrem Tee und sah mich über den Rand ihres Bechers hinweg weiter an. »Mich nennt man Morgana. Morgana die Schimmernde«, sie grinste, »Ich bin Wahrsagerin. Sage Euch gern alles über Eure Zukunft voraus, helfe Euch mit Fragen des Alltags, nehme mit Euren Toten Kontakt auf, all so etwas«.
»Mit den Toten Kontakt aufnehmen?«, wiederholte ich ich und starrte Morgana die Schimmernde an. Ich war kein großer Anhänger der Wahrsagerei oder des Aberglaubens, doch andererseits hatte ich nichts zu verlieren. Ich wurde nun sowieso langsam verrückt, oder?
»Vor ein paar Tagen ist meine Freundin gestorben. Sie heißt Ephisra. Könntest ... du ...?«, mit der einen Hand tastete ich in meiner Hosentasche nach ein paar Geldstücken, sicherlich würde Morgana so etwas nicht umsonst machen.
»Selbstverständlich, Dummerchen! Ich zünde nur ein paar Kerzen an ...«, die Schimmernde löschte das Licht und stellte ein paar kleine rote Kerzen auf. Dann malte sie ein paar mysteriöse Gesten in die Luft und murmelte ein paar Worte, die für mich keinen Zusammenhang hatten. Nach ein paar Minuten scheinbar sinnlosen Geschwafels drückte Morgana den Lichtschalter wieder nach oben und blies die Kerzen aus.
»Tut mir Leid, Ehomad. Keine Signale«, sagte sie traurig und nippte wieder an ihrem Tee.
Mir war ziemlich klar gewesen, dass diese seltsame bunte Fliege namens Morgana keine Ahnung davon hatte, wie man Geiste beschwörte. Ein kurzes Lächeln zuckte über meine Lippen.
»Nicht so schlimm«, murmelte ich und legte ein paar Münzen auf den Tisch. Morgana jedoch schob sie weg.
»Ich konnte Euch nicht helfen, oder? Also braucht Ihr mich auch nicht zu bezahlen«, sagte sie großmütig und lächelte, wobei sie zahlreiche Zahnlücken entblößte. Dann packte sie plötzlich meine Hand, zog sie hastig zu sich und starrte auf eine bestimmte Stelle an meinem Unterarm. Dort klebte noch immer ein Teil der schwarzen Essenz in meinem Fell, mit der Ephis Kette vorgestern meine Wohnung verunstaltet hatte.
»Woher habt Ihr das?«, Morganas Stimme klang plötzlich leise und rauchig. Ich überlegte einen Moment, dann erzählte ich auch ihr die ganze Geschichte. Sie war selbst nicht ganz normal, also hatte ich keine Bedenken.
»Das ist merkwürdig, sehr merkwürdig«, die Schimmernde runzelte nachdenklich die Stirn, während sie einen kleinen Klumpen aus meinem Fell zupfte und ihn sich ansah.
»Wisst Ihr, was das ist?«.
Ich schüttelte den Kopf. Eigentlich hatte ich nur darauf gewartet, bis es mir jemand sagen konnte. Angespannt blickte ich Morgana ins Gesicht.
»Es wird Mörderblut genannt«, flüsterte sie, als fürchtete sie, Räuber könnten im nächsten Moment ihr kleines Wohnzelt überfallen. Ich jedoch hob nur leicht eine Augenbraue an.
»Warum?«.
»Weil es oft an Gegenständen auftaucht, die Mordopfern gehört haben. Es ist das Blut ihres Schlächters. Von dort aus kann es so viele Kopien von sich selbst herstellen, dass man in seltenen Fällen ganze Seen damit füllen könnte. Es ist die letzte Rache der Toten«. Die Art, wie Morgana dies erzählte machte mir klar, dass sie nicht scherzte.
»Wenn es doch Blut ist, warum ist es dann schwarz?«.
»Wenn ein Mensch zum Mörder wird, ändert sich vieles in ihm. Auch sein Blut, zumindest wenn sein Opfer das Mörderblut hinterlässt. Eure Ephi kann also nicht durch einen Autounfall gestorben sein. Es hatte noch ein anderer seine Hand im Spiel«.
Morganas Worte stimmten mich nachdenklich. Ephi sollte getötet worden sein? Von wem? Und warum? So viele Fragen, so wenig Antworten. Und dann war da noch der Zorn, der mir plötzlich leise durch die Adern kroch. Wer hatte es gewagt, meiner armen Ephi das Leben zu nehmen? Derjenige verdiente Schmerzen, viele Schmerzen, die ich gedachte, ihm alle persönlich anzutun. Ich malte mir schon grauenhafte Dinge aus ...
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VIII
Wahnsinn
»Danke für Ihre Gastfreundschaft, Morgana«, sagte ich monoton, als ich vor dem Zelteingang stand.
»Ach, das war doch gar nichts. Ihr seid doch so ein nettes Kerlchen, ich konnte Euch nicht allein hier draußen herum irren lassen«, winkte die Wahrsagerin ab und ihr stieg die rosa Farbe ins Gesicht. Wir verabschiedeten uns noch einmal ordentlich und ganz plötzlich stand ich wieder allein da. Allein und verlassen in der Kälte der Nacht. Niemand, zu dem ich gehen konnte. Ich war die symbolische Einsamkeit.
Jemand hatte Ephi umgebracht. Diese Worte schwebten die ganze Zeit in meinem Kopf herum. Ich hasste Jemand. Ich hasste ihn unendlich. Ich wurde langsam aber sicher wahnsinnig vor Wut. Es war nun nicht mehr die Trauer, die meine Bewegungen und meine Gedanken lenkte, es war der blanke Zorn und der Hass auf Ephis Mörder. Wer auch immer er war, er hatte es verdient zu sterben. Einen grausamen Tod zu sterben. Am besten noch durch meine Hand.
Ich lief ziellos wie ein Tiger im Käfig durch die Stadt und achtete so wenig wie möglich auf meine Umgebung. Mittlerweile musste es schon wer weiß wie spät sein, niemand wagte sich mehr auf die Straßen außer ein paar Sprayer, die mir zufällig auffielen. Doch ein zerstreuter hilfloser Irrer schien für sie wohl keine große Gefahr darzustellen, sie sprühten fröhlich weiter an ihrem Gemälde herum.
Ich kletterte wahllos auf irgendeine Mauer mitten in der Stadt und starrte dem Himmel entgegen, der heute Nacht keinen Mond besaß. Neumond. Lange saß ich einfach reglos da und dachte über alles nach, was in den letzten Tagen passiert war. Immer wieder wurde mir schlecht, wenn ich daran dachte, dass jetzt hier vielleicht irgendein Psychopath herum rannte, der sich mit dem Tod Ephis nicht zufrieden gab und und vielleicht noch anderen Menschen ihre besten Freunde, Söhne, Töchter, Mütter, Väter, Onkel_ Tanten, Frauen oder Männer wegnehmen wollte, für immer. In all den Gedanken, die mich langsam aber sicher vollkommen geisteskrank machten, bemerkte ich den schimmernden silberfarbenem Rauch hinter mir nicht, der langsam die Gestalt eines sehr hübschen jungen Mädchens annahm.
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IX
Eiskalt und siedend heiß
Als eiskalte, tote Finger sich auf meine Schulter legten, verlor ich endgültig den Halt und stürzte von der Mauer mit dem Bauch zuerst auf den Asphalt. Ich fluchte nicht ganz so leise wie ich es gekonnt hätte und stützte mich mit den blutig aufgeschlagen Händen vom Boden ab, stand langsam wieder auf. Der Verband, den Morgana mir angelegt hatte hatte den Aufschlag zumindest an meinem Kopf ein wenig abgefedert. Die Berührung war mir durch Mark und Bein gegangen, war eine von jenen gewesen, die man nie wieder vergaß.
Als ich aufgestanden war und mich umdrehte, erblickte ich die bekannte geisterhafte Erscheinung meiner Ephi. Aller Schmerz und die Wut verschwanden schlagartig aus meinem Gesicht und machten Erleichterung und Freude platz.
»Du bist es«, flüsterte ich ruhelos und widerstand der Versuchung, näher an die Seele der Verstorbenen heranzutreten.
Ephi jedoch lächelte nur wieder so traurig und blickte mich aus ihren leeren, hellen Augen ebenso sehnsuchtsvoll an. Dann bedeutete sie mir mit einer Handbewegung ihr zu folgen und schwebte kurzerhand durch die Mauer – wie ein Geist eben. Ich setzte mich nach ein paar verschwendeten Sekunden auch endlich in Bewegung, kletterte über die Mauer und ließ mich auf der anderen Seite wieder herunter. Dort stand Ephi immer noch und wartete auf mich. Sobald meine Füße den Boden berührt hatten, setzte sie ihren Weg fort durch Straßen und Gassen, zwischen Häusern und Bäumen, über Baustellen und Parkplätze, an Geschäften und Ständen vorbei.
Wie ein Blinder folgte ich ihr, es war mir egal, wohin ich lief, es gab nur Ephi, sonst niemanden. Wohin sie mich auch führte, es musste einen Grund geben. Er war mir zwar unbekannt, jedoch vertraute ich dem Geist Ephis wie ein Hund seinem Frauchen. Sie führte mich durch die halbe Stadt, ich war wie in Trance gefallen. Die Sterne leuchteten trübe durch die Wolkendecke und die Straßenlaternen flackerten bereits, als wollten sie in den nächsten Momenten den Geist aufgeben. Die Straßen waren nachts so finster und still, dass einem ein eisiger Schauer über den Rücken lief, doch dafür hatte ich jetzt keine Zeit. Meine einzige Bestimmung schien es zu sein, Ephi überallhin zu folgen, und sei es in den Tod.
Irgendwann stieg mir der beißende Geruch von Rauch und brennendem Holz in die Nase, doch ich wagte nicht, von Ephi weg zusehen. Es war vielleicht das letzte Mal, dass ich sie überhaupt sah, wenn auch nicht lebendig. Ich schreckte auch nicht zurück, als mir hinter der nächsten Ecke plötzlich gewaltige Hitze und Licht entgegen schlugen.
Auf dem Gelände, auf dem jetzt noch ein alter Laden stand und lichterloh brannte sollte in ein paar Tagen ein neues Haus gebaut werden. Was und wozu genau, das wusste ich nicht, es hatte mich auch noch nie besonders brennend interessiert. Ich wusste nur, dass eine alte Dame den kleinen Tante-Emma-Laden geführt hatte, bis ein reicher Firmenboss ihr mit größter Anstrengung das Grundstück abgekauft hatte um es für seine eigenen Zwecke zu nutzen. Wage erinnerte ich mich daran, als kleiner Junge manchmal nach der Schule hierher gekommen zu sein um mir mit ein paar Freunden etwas Süßes zu kaufen, wenn ich Geld dabei hatte.
Das Feuer hatten anscheinend irgendwelche Wagemutigen als Mutprobe gezündet und da das Anwesen sowieso abgerissen werden sollte, würde das auch sicherlich keinen Ärger geben, wären sie tatsächlich erwischt worden.
Ich blieb nicht stehen, als Ephi auf das Flammenmeer zusteuerte, dafür war ich jetzt zu weit gegangen. Ich war zu weit in ein Netz aus Mysterien vorgedrungen, aus dem ich mich wahrscheinlich besser hätte herausgehalten.
Mitten im Raum standen ein paar Möbel, die dem Feuer noch nicht zum Opfer gefallen waren. Schon als ich über die Türschwelle trat, lief mir der heiße Schweiß den Körper hinunter. Es war entsetzlich heiß, doch ich spürte dies fast gar nicht, mein Tastsinn waren taub und wie lahm gelegt.
Ephi wies mich auf einen der einzigen Stühle, die noch in Ordnung schienen und setzte sich mir gegenüber. Wir sahen uns lange Zeit an, ohne dass ich nachher sagen konnte wie lang genau. Ob nur ein paar Sekunden oder mehrere Stunden.
»Es war kein Unfall«, sagte Ephi auf einmal mit einer so sanften, melodischen Stimme, die mich immer wieder so tief berührte. Es war das erste Mal, dass ich sie als einen Geist sprechen hörte. »Es war Mord, Eho«.
»Ich weiß«, die Worte kamen wie automatisch über meine Lippen. Ich spürte nicht einmal mehr wie sich mein Mund bewegte.
»Weißt du, wer es getan hat?«.
»Nein«.
»Möchtest du es wissen?«.
Was war das für eine Frage, selbstverständlich wollte ich wissen wer meine arme Ephi umgebracht hatte. Hatte ich nicht ein Recht darauf, das zu erfahren? Warum hatte sie mich sonst hierher gebracht?
Plötzlich fuhr ich zusammen, als wäre mir erst jetzt bewusst geworden, wo ich war. Feuer. Ich hasste Feuer. Nie im Leben hätte ich mich freiwillig zu nah an etwas Brennendes gewagt, sei es auch nur ein Teelicht. Jetzt nahm ich auch die sengende Hitze endlich wahr und spürte förmlich, wie die Flammen bedrohlich in meine Nähe krochen. Ich sah die Feuerzungen an den Wänden und den Möbeln lecken wie grauenhafte Biester. Es gab kein Zurück mehr, die Tür wurde von den orangeroten Monstern versperrt. Mir war, als könnte ich die hungrigen Schreie und das Zischen der bestialischen Gewalten hören. Es war zu spät um jetzt noch umzukehren. Doch nur ein Blick in Ephis kalte trauernde Augen und die heißen wütenden Gluten waren wieder wie vergessen.
»Erzähl es mir«, bat ich und versuchte, Ephis Hand zu berühren. Egal, wie eiskalt ihre leblose Haut war, mit der Kälte strömte auch Freude durch meinen Körper. Ich hatte keine Mühe damit, die Tränen zu unterdrücken, sie verdampften einfach in der fürchterlichen Hitze.
»Das würde ich gerne, aber jetzt ist es zu spät«, antwortete sie nur und nahm vorsichtig den einfachen Anhänger, der an dem Lederband um meinem eigenen Hals hing.
Im nächsten Moment wusste ich auch, was sie damit gemeint hatte, denn ich wurde ohne Vorwarnung von einem brennenden Dachbalken erschlagen.
Am nächsten Morgen wurde mein verbrannter Körper unter den Trümmern des kleinen Gebäudes im Ruß gefunden und Ephi und ich wurden nur wenige Wochen später gemeinsam beerdigt.
Name: Ehomad Parmoro
Spitzname: Eho
Alter: 19
Charakter: begeisterungsfähig, naiv, steht fast immer unter Strom; nach Ephis Tod nachdenklich, depressiv, sehnsüchtig, am Rande des Wahnsinns
Fell: Dunkelbraun
Haare: Ziegelsteinrot
Augen: mattrot
Likes:
♥- Ephi
♥- Lärm und Festivitäten (vor Ephis Tod)
♥- Freizeit
♥- Morgana (irgendwie ...)
Dislikes:
†- Ärzte und Psychater
†- Feuer
†- Geister
†- Jemanden verlieren
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