~DAEMIETTE~

Ein Lustspiel des Wahnsinns in fünf Akten.

AKT I
-Exposition-

Der Vorhang ist längst gefallen, die Scheinwerfer erloschen. Verstaubt die Kostüme und Requisiten. Die Ränge verlassen, die von Motten zerfressenen Sitze seit langer Zeit unbesetzt, eine halbe Ewigkeit schon erhob sich kein Applaus mehr im leeren Saal. Das Theater ist tot.

Schon vor langer, langer Zeit schien es verloren zu sein- mit der Eröffnung der ersten Kinos, mit der Erfindung der Fernsehgeräte und mit der Verbesserung dieser Medien; mit Computereffekten und aufgemotzten Sounds schwand das Theater immer mehr aus dem Interesse der Massen. Man hatte sich insgeheim schon damit abgefunden, die Türen auf ewig zu verriegeln, die Schauspieler lechzten nach Verträgen beim Film. Doch eines Tages, vollkommen unerwartet und wie aus dem Nichts, erschien eine blutjunge Skeithhündin, die es schaffte, dass die Vorstellungen plötzlich wieder ausverkauft waren. Das Theater schrieb nicht nur auf einmal wieder schwarze Zahlen, sondern wurde zum elitären Treffpunkt jeglicher gutbetuchten Exzentriker. Die Presse berichtete täglich über die Erfolge und den Charme der jungen Schauspielerin und selbst die breite Masse kratzte ihre letzten Neopoints zusammen, um zumindest einmal in den Genuss zu kommen, dieses außergewöhnliche Skeith spielen zu sehen. Die Szene war belebt wie nie zuvor. Doch sollte dies nur ein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Dahinsiechen sein: Mit seinem letzten großen Star starb schließlich auch das Theater.

Heute geht ein kühler Windzug durch die ungeheizten Räume. Die Gemäuer sind feucht; die mit filigranen Schnörkeln verzierten, einst pompösen Balken, die die gewölbte Decke stützen, morsch und porös. Keine Spur mehr von Glanz und Gloria, selbst dieser schillernde Zauber, der der Theaterwelt einst innegewohnt hatte, ist wie die matschig zusammengepappten Seiten letzter Textbücher hinter der Bühne verfault.
Modrig riecht es hier, dicke, nasse Flecken haben das Holz der einst so belebten Bühne aufquellen lassen. Schimmel hat sich in jeder Ecke eingenistet.
Ja, das ist alles, was von der schillernden Szene, dem erfolgreichsten und berühmtesten Theater von ganz Neopia, noch übrig geblieben ist. Sicherlich gibt es heute wieder Menschen und Neopets, die diesem Etablissement nachtrauern und somit sind auch wieder einige Theater erbaut worden, doch dieses alte Gebäude- diese baufällige, stinkende Baracke- hat all seinen Charme verloren.

Manchmal, wenn es draußen auf den Straßen still ist, scheint es, als würden die Geister des Theaters noch einmal aufleben. Dann schallt engelsgleicher Gesang durch die verlassenen Räume, Verse werden rezitiert, Dialoge gehalten und manchmal erklingt auch einfach nur ein merkwürdiges, manisches Lachen. Die hohen Wände tragen all diese Töne wie ein Echo durch das gesamte Theater, ein Echo, das die vergangenen Zeiten zelebriert. Oder eben auch beklagt, in überirdisch perfekt anmutenden Oden, deren Töne kein Sterblicher zu treffen in der Lage gewesen wäre. Bezaubernde, mitreißende Töne. Geister können eben sehr charmant sein.

Geister? Es gibt keine Geister, zumindest nicht im alten Theater. Nicht, solange noch Lebende dort verweilen. Der einstige Star, der das Theater vor langer Zeit mit neuem Leben erfüllte, um es schließlich mit sich in den Tod zu reißen, mag nicht mehr existieren. Doch die Skeithhündin, die einst dieser Star war, lebt. Sie ist ein Phantom; schleicht durchs Gebälk unter dem Dach, probt ihre Tänze, ihre Lieder auf der Bühne, verneigt sich vor einem imaginären Publikum. Lacht, ist hysterisch, bricht in Tränen aus. Sie ist vergessen worden, vor langer, langer Zeit schon. Schon als sie zum ersten Mal eine Rolle verkörperte, vergaß jeder, der sie kannte, wer sie eigentlich war. Ein Bühnenstar, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Erinnerung an diesen Star verblich mit den Jahren, und vollständig ausgelöscht aus dem Gedächtnis aller ist Daemiette.

AKT II
-The Rise-

Die meisten anderen Skeiths beneideten sie um ihre Schönheit. Diese Schönheit, die für sie als Welpe ein Segen gewesen war. Ein Blick aus ihren gewitterblauen Augen, und niemand hatte ihr einen Wunsch ausschlagen können. Daemiettes Kindheit war unbeschwert gewesen, von Anfang an hatte sie es gelernt, ihren Charme voll und ganz auszuspielen und grundsätzlich zu bekommen, was sie wollte. Später wurde dieselbe Schönheit, die Daemiette alle Türen geöffnet zu haben schien, zu einem Fluch. Dass sich die Hündin für all das interessierte, was man allgemein als die schönen Künste bezeichnet, erkannte ihr niemand als Bildung an. Sie war oberflächlich, eitel, arrogant und duldete nichts um sich, das nicht ihrem eigenen Äußeren gleichkam. Sie war ein verwöhntes Prinzesschen, unfähig, den tieferen Sinn eines Gedichtes zu erkennen, die Intention eines Bildes. Dass sie Schauspielerin werden wollte, rührte schlichtweg daher, dass sie grundsätzlich im Mittelpunkt stehen wollte. Sie würde schon noch zu spüren bekommen, dass ihr hübsches Fell sie im Leben nicht weiterbrachte. Alle in Daemiettes Umfeld beobachteten jeden ihrer Schritte, ergötzten sich an jedem noch so kleinen Fehltritt und wünschten ihr von ganzem Herzen, dass sie eine tiefe, unerträgliche Niederlage erleide.
Daemiette spürte all die Missgunst, die man ihr entgegen brachte, doch sie ließ sich nichts anmerken. Ihre Neider gaben sich so offensichtlich, trauten ihr nicht den nötigen Verstand zu, zu begreifen, dass sie nicht so beliebt war, wie es auf den ersten Blick schien. Daemiette war verhasst. Sie verlangte eigentlich nicht viel vom Leben, nur ein kleines Fünkchen Anerkennung, vielleicht sogar Zuneigung. Und um diese Anerkennung und Zuneigung zu erhaschen, gab sie sich größte Mühe, allen Ansprüchen, die man an sie stellte, gerecht zu werden. Sie war also zu dumm, um zu begreifen, wie sehr sie verachtet wurde. Gut, sie spielte mit. Sie ließ sich nicht anmerken, wie sehr sie diese Feindseligkeiten verletzten. Sie war also eitel. Schön, dann gab sie sich eben Mühe, stets durch ihr Äußeres zu glänzen. Dass sie arrogant sein sollte, ließ sich auch nicht schwer umsetzen, denn irgendwie wirkte diese Arroganz auch wie ein Schutzpanzer, wenn ihr mal wieder jemand zu nahe trat. Da kam es ihr auch gerade recht, oberflächlich zu sein, so musste sie wenigstens nicht lange an irgendetwas leiden. Dass sie litt, war sowieso ihre eigene Schuld. Warum, verstand sie nicht.
Ist es überhaupt notwendig, zu erwähnen, dass Daemiette vollkommen talentfrei war? Niemand glaubte an sie; ihre Fähigkeit, sich zu verstellen und immer nur die zu sein, als die andere sie gern hätten, wurde vollkommen ignoriert. Doch war diese Fähigkeit nun einmal da. Und verhalf Daemiette schließlich zu Ruhm und Erfolg.

Nichts eignet sich besser als Kapital, als ein Wesen, das voll und ganz formbar ist. Daemiette war formbar. Sie gab sich immer so, wie es gerade angebracht war. Man schrieb ihr im Laufe der Zeit so viele Charaktereigenschaften zu, dass es sie vollkommen verwirrte. Ein Kollektiv von Persönlichkeiten lebte in ihrem Kopf, auf Abruf bereit, sich zu zeigen und allen Erwartungen gerecht zu werden. Wenn Daemiette mit sich allein war, wusste sie nicht, wie sie sich geben sollte. Was hatte sie selbst für Ansprüche an sich? Wer wollte sie sein, was wollte- konnte- sie mögen, verabscheuen, tun, lassen? Sie war erfolgreich, besaß Charisma, wusste sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, doch wenn niemand dabei war, wusste sie nichts mit sich anzufangen. Vermutlich war sie selbst die Erste, die vergaß, wer überhaupt Daemiette war.

AKT III
-The Fall-

Daemiette fläzte sich auf den rosafarbenen Samtkissen. Hellrosa, so, wie sie es angeordnet hatte. Sie konnte bunte und helle Farben nicht ausstehen, doch hellrosa harmonierte wunderbar mit ihrem hellen, kaum merklich rotstichigen, Fell. Und darauf zu bestehen, dass die Einrichtung ihrer Garderobe eine bestimmte Farbe hatte, gehörte sich für eine Diva. Die Diva, das war die Rolle, die Daemiette gerade spielte. Gebettet auf hellrosa Samtkissen in ihrer Garderobe, deren Wände man auf persönliche Anordnung hin schwarz gestrichen hatte. Schwarz wie die dicken, zotteligen Teppiche, die hier auslagen. Schwarz wie die samtenen Vorhange. Schwarz wie Eleganz, Stil, Einsamkeit und Vergessen. Schwarz wie Daemiettes Herz- sie neigte wieder einmal dazu, ihre Gedanken in vollkommen abgehobene Sphären abdriften zu lassen. Ach, was war sie wieder transzendent. Sie war ein Phänomen, ein Wunderkind mit überirdischer Schönheit und unfassbarem Talent gesegnet. Und legte höchsten Wert auf Bescheidenheit. Sie lächelte in sich hinein. Ja, diese Nacht würde etwas ganz Besonderes werden. Sie würde eine Show abliefern, die an niemandem spurlos vorbeigehen sollte. Erst recht nicht an ihr selbst, doch das wusste sie zu jenem Zeitpunkt noch nicht, als sie träumend in ihrer schwarzen Garderobe auf den hellrosa Samtkissen lag und sich selbst innerlich als Göttin zelebrierte.

Ihr Gesicht war gepudert, sodass es vollkommen weiß erschien. Vollkommen wie Daemiette selbst, die sich längst nicht mehr als Perfektionistin, sondern als Maß aller Dinge sah. Ihre Augen wurden schwarz umrandet, ihre Wimpern getuscht. Das zarte Fleisch um ihr Maul herum hatte man rot gemalt und Daemiette wäre nicht die großartige Schauspielerin gewesen, hätte sie es nicht fertig gebracht, in all ihrer Authentizität die Illusion zu vermitteln, Lippen statt Lefzen zu besitzen. Die massige Figur wurde mit Hilfe eines Korsetts in die perfekte Sanduhrform gebracht und ein weißes Kleid sowie eine goldblonde Perücke machten das Bild einer Menschenfrau vollkommen. Handschuhe und Pumps verbargen das Fell an Daemiettes Pfoten, von ihren Flügeln und ihrem langen Schweif wusste sie gekonnt abzulenken. Sie wankte nicht, wenn sie sich auf die Hinterbeine stellte; alles war tausendmal bis zum tadellosen Ergebnis hin geprobt worden. Die Show konnte beginnen.

Elektrizität lag in der Luft, in ihren Ohren flirrte es. Sie war nervös, wie es sich vor einem Auftritt für sie gehörte. Ihr Herz klopfte laut und schnell, das Korsett schien ihr die Luft abzuschnüren. Gleich, gleich würde es so weit sein!
Die Lichter im Saal erloschen. Musik setzte ein.
Ein weiterer Atemzug, ein Blinzeln, und Daemiettes Nervosität war wie weggewischt. In herrischem Ton verlangte sie nach einem Schluck Champagner, spülte den Inhalt des Glases mit einem Mal herunter wie Wasser, beschwerte sich über Temperatur und Qualität des "billigen Gesöffs" und wartete, dass die letzten Takte der Ouvertüre ausklangen.
Der Vorhang spaltete sich langsam und gab den Blick auf das aufwendig gestaltete Bühnenbild frei. Das Publikum klatschte verhalten in Hände und Pfoten.
Wieder setzte Musik ein, wie von selbst schien der Boden unter Daemiettes Vorderpfoten zu verschwinden. Zweibeinig, wie eine Menschenfrau, trat sie auf die Bühne. Zwei Sekunden spürte sie die Unsicherheit, die durch die Zuschauerreihen ging. Dann fiel der Groschen. Applaus erfüllte den Saal. Ja, das war sie, die große Schauspielerin, der Star des Theaters, die einzig wahre Daemiette- eine unausstehliche Persönlichkeit, aber absolut begnadet, wenn es darum ging, in Rollen zu schlüpfen. Viereinhalb Takte hatte sie Zeit, ihre Wirkung zu genießen. Sie ließ diese zwei Sekunden, die sie das Publikum getäuscht hatte, in sich Revue passieren. Sie war gut, wirklich. Vollkommen überzeugend. All jene Menschen und Neopets, die dort vor ihr saßen, waren nur gekommen, um sie zu sehen. Und hatten dennoch zwei Sekunden, zwei ganze, lange Sekunden, nicht realisiert, dass sie das zur Zeit am meisten umjubelte Skeith Neopias statt einer Menschenfrau vor sich hatten.
Die viereinhalb Takte des Genusses verhallten, Daemiette verfiel in ihre Rolle. Sie war kein Skeith, keine Schauspielerin. Sie war nun tatsächlich ein Mensch, eine unglücklich verliebte Frau, die ihrem Kummer in glockenklaren Gesang Ausdruck gab. Sie fühlte den Schmerz, eine Träne rann ihre Wange herab und versiechte wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Eine volle Stunde lang ergoss sich Daemiette in Kummer, der nicht der ihre war und ließ sich von Liebe und Hass verzehren. Dann schloss sich der Vorhang. Ende des Aktes, Pause.

- "Wie oft denn noch? Ich gebe keine Autogramme an solch kriecherische Speichellecker!", knurrte sie wütend.
- "Aber Daemiette! Diese kriecherischen Speichellecker sind deine Fans! Du brauchst sie, ohne sie bist du nichts!"
- "Ich brauche niemanden! Niemanden! Weder dich schändlichen Regisseur, noch meinen Therapeuten, der ständig meint, mir sagen zu müssen, wie ich mich fühle, noch diese Pseudo-Intellektuellen, die vorgeben, sich für das Theater zu interessieren, wo sie doch eigentlich nur auf Sensation und Kommerz aus sind. Ich bin kein Massenprodukt, das man sich in einem Pfotenabdruck aus Tinte übers Bett hängen kann wie irgendeine Leinwandhupfdohle aus den Kinos!", konterte Daemiette aufgebracht. Sie war wieder die Diva, die sich selbst als transzendente Gottheit sah. Von Leid und Kummer keine Spur. Dass eine Traube von Fotographen und Journalisten um sie herumwuselte, hielt sie nicht im geringsten davon ab, sich arrogant, überheblich und unverschämt zu geben. Sie warf den Kopf in den Nacken und schenkte dem Blitzlichtgewitter um sie herum keinerlei Beachtung.
Der Regisseur, ein Mann in den Vierzigern, der langsam lichtes Haar bekam, schüttelte nur ungläubig den Kopf. Er war nicht als Daemiettes Besitzer eingetragen, niemand war das. Offiziell gehörte dieses Skeith niemandem, doch er hatte gehofft, sogar erwartet, es sich hörig machen zu können. Als er Daemiette die Hauptrolle in seiner Oper gegeben hatte, hatte er nicht damit gerechnet, wie gerecht sie ihrem Ruf als kratzbürstige Diva mit Allüren werden würde.
- "Ich versteh dich nicht.", sagte er. "Merkst du nicht, was du dir selbst antust? Niemand kommt mit deiner Arroganz zurecht, wenn du in ein paar Jahren mal keinen Erfolg mehr haben solltest, hast du niemanden mehr. Du bist unerträglich und irgendwie machst du dich damit auch noch lächerlich."
Daemiette hielt den Kopf schief und musterte ihn eindringlich. Dann machte sich ein seltsam flaues Gefühl in ihrer Magengegend breit, ihre Lefzen zitterten und entblößten unweigerlich ihre scharfen, weißen Zähne. Ein fremdartiges Geräusch drang aus ihrer Kehle, ein Knurren. Ihre Muskeln spannten sich an. Ein Sprung, und sie könnte diesen Mann zu Boden stürzen. Ein Zusammenklappen ihrer Kiefer, eine ruckartige Bewegung ihres Kopfes… Sie könnte ihm das Fleisch von den Knochen reißen, wenn sie wollte. Und sie wollte. Schon oft war sie verletzt worden, aber noch nie auf diese Weise. Der Kerl hatte recht, alles, was er gesagt hatte, entsprach der Wahrheit. Und nichts tat mehr weh als die Wahrheit. Sie nahm das Klicken und Blitzen der Kameras um sich herum gar nicht wahr. Sie sah nur die Panik, die in den Augen des Regisseurs aufflackerte, dem ihre Angriffstellung nicht entgangen war. Sie roch seine Angst, seine widerliche, stinkende Angst. Sie wusste, dass sie ihm jetzt den Tod bringen konnte. Oder nie. Und entschied sich für nie.

Sie atmete tief durch. Jetzt gleich musste sie wieder hinaus auf die Bühne, musste wieder die Leid geplagte Menschenfrau spielen. Aber sie wollte nicht. Sie fühlte sich dazu nicht mehr fähig.
Sie hatte geknurrt. Sie hatte wirklich und wahrhaftig geknurrt, sich geduckt, zum Sprung angesetzt. Ihre Drohung war nicht unbemerkt geblieben, die Anspannung, die jetzt in der Luft lag, war anders als vor dem Beginn des Stücks. Einige Zuschauer hatten den Aussetzer mitbekommen, binnen Sekunden hatte Daemiette es geschafft, ihr Image zu ruinieren. Wie sie es über sich gebracht hatte, sich zurückzuhalten und diesen Mann, der definitiv die Grenze überschritten hatte, nicht in Stücke zu reißen, wusste sie nicht. Sie wusste nur, dass ihre Gebärden gefilmt und fotografiert worden waren. Und morgen durch die Medien ihren Weg in die Welt finden würden.
- "Mach dich bereit.", delegierte der Regisseur kühl. Der Schreck saß ihm wohl noch immer in den Knochen.
Daemiette schluckte. Das war nicht der richtige Zeitpunkt, ihre Rolle als Diva zu spielen. Aber welche denn dann? Wer sollte sie sein? War das der richtige Moment, um irgendetwas zu fühlen? Oder sollte sie jetzt lediglich ignorant sein? Sie wusste es nicht. Und plötzlich stand sie wieder im Scheinwerferlicht. Wann war sie wieder auf die Bühne getreten? Sie sah sich um, meinte in steinerne Gesichter zu blicken. Natürlich konnte sie die Mienen im Publikum nicht erkennen, da dieser Teil des Raumes dunkel war, aber das spielte im Moment keine Rolle. Daemiette fühlte sich hilflos ausgeliefert und hatte keine Ahnung, wie sie handeln sollte. Vermutlich hätte sie sich selbst in eine Bewusstlosigkeit versetzen können, doch sie war nicht sicher, ob die Situation passend war. All ihre Rollen zogen sich zurück und ließen sie, Daemiette, vollkommen allein und der Peinlichkeit preisgegeben. Sie fühlte sich wie die Karikatur einer Persönlichkeit, die es nie gegeben hatte.
- "Ich kann das nicht!", jaulte sie auf und flüchtete aus dem erbarmungslosen Licht des Scheinwerfers ins schützende Dunkel.
Buhrufe ließen die Holzlatten unter ihren Pfoten erzittern.

Niemand fing ihren Fall auf. All jene, die sie bewundert hatten, ließen sie eiskalt auf die harten Trümmern ihrer Seele aufprallen. Daemiette war ein Psycho. Ein Freak. Ein naives Dummchen, das sich nicht mehr kontrollieren konnte. Ganz Neopia lachte über sie, ihren verzweifelten Versuch, sich durch leere Drohungen Respekt zu verschaffen, wo sie doch nicht einmal genug Rückgrat besaß, ihren Job als Schauspielerin durchzuziehen.
Daemiettes Therapeut, der sie schon seit dem Beginn ihrer Karriere betreut hatte, erleichterte sie um ihre letzten Neopoints, um ihren Zustand schließlich als unheilbar zu definieren. Psychisch absolut instabil, dauerhafte Betreuung sei unverzichtbar. Sie wollte ihn feuern, doch er hielt sich hartnäckig und ihr fehlte es an der nötigen Kraft, sich durchzusetzen. Bis sie die entscheidenden Worte sagte: "Mein Geld ist weg."
- "Dann musst du ab heute wohl aufhören, wie ein Mensch zu leben. Du bist ein Neopet. Ich habe übrigens über deinen Vorschlag, unsere Zusammenarbeit zu beenden, nachgedacht. Du hast recht, du brauchst keinen Therapeuten."

Es kam nie so weit, dass Daemiette das Theater verlassen musste. Kurz nach ihrem Zusammenbruch war sie dort noch notdürftig wieder aufgepäppelt worden, niemand wollte es verantworten, sie auf die Straße zu setzen.
Ihr Name verschwand von den Spielplänen und langsam auch aus den Medien.
Das Theater musste schließen, da die Vorstellungen kaum mehr besucht wurden.

Rollenprofil


Name: Daemiette ("Däimijett")
Spezies: Skeith
Spitzname: Dae, bevorzugt aber ihren vollen Namen
Geschlecht: Weiblich
Alter: Darüber spricht eine Dame nicht
Körpertyp: Französische Bulldogge
Stockmaß: 94 cm
Durchschnittsgewicht: Darüber spricht eine Dame erst recht nicht!
Augenfarbe: Blau-grau
Felllänge und -Beschaffenheit: Sehr kurz, glatt
Farbe: Weiß mit ganz dezentem Rotstich
sonstige Körpermerkmale: Langer Schweif mit keilartiger Endung; Flügel
Sonstiges: trägt gerne "Menschensachen" wie Kleidung und Schmuck

Krakheitsbild: Schizophren und weist zeitweise Ansätze einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung auf. Leidet unter starken Stimmungsschwankungen, ist stets unausgeglichen und unfähig, in irgendeiner Hinsicht einen Mittelweg zu finden ("Schwarz-Weiß-Denken"). Außerdem machen sich bei der Patientin starke Verlustängste bemerkbar.
Leidenschaften: Das Theater und "die schönen Künste" allgemein
Abneigungen: Jegliche Kritik an ihrer Person; grelle Farben
Träume: Eines Tages wieder im Theater spielen zu können
Ängste: Nicht geliebt zu werden; nie wieder ihrer Berufung, der Schauspielerei, nachgehen zu können; in Vergessenheit zu geraten
Stärken: Sich in andere Personen hineinzuversetzen; Fassaden aufzubauen
Schwächen: Viele, aber nicht alle sind ihre eigenen

Lieblingsfarbe: Manchmal Schwarz, manchmal Weiß. Oder auch Hellrosa.
Lieblingspflanze: weiße Lilien, rote Rosen
Lieblingsessen: Alles, was fettarm ist
Lieblingsduft: Chanel °5



INTERLUDE
Eine Boa ist viel zu locker um ihren Hals geschlungen, ihre obere Gesichtshälfte wird von einer pastellfarbenen Maske bedeckt. An drei ihrer vier Pfoten trägt sie weiße Spitzensöckchen, eine Halskette balanciert sie um ihre Schwanzspitze. Zwischen ihren Flügeln liegt ein weißer Schleier, der langsam aber sicher zur einen Seite herunterzufallen droht.
Daemiette macht ein paar unbeholfene Tanzschritte; nach links, nach rechts, nach links- sie scheint vollkommen verrückt geworden zu sein. Das imaginäre Publikum lacht sie aus, die Hündin kriecht auf dem Bauch zum vordersten Rand der Bühne.
- "Das ist nicht fair. Will jemand von euch mit mir tauschen und den Blicken aller ausgesetzt sein?", ruft sie über die Reihen hinweg. Ihre Stimme klingt weinerlich, Daemiette hat sich in ihrer Zeit als Schauspielerin wirklich sehr vermenschlichen lassen. Sogar lächeln kann sie, wie sich plötzlich zeigt. Ihre Augen, die gerade noch trüb schienen, leuchten plötzlich auf und ihre Lefzen ziehen sich nach oben, als Glitter auf sie herabrieselt.
- "Wie schön…", sagt sie tonlos und erhebt sich langsam. Wieder beginnt sie zu tanzen- diesmal weniger unbeholfen. Sie dreht einige Pirouetten, was auf Grund ihrer massigen Figur ein wenig komisch aussieht, und schwebt leichtfüßig über die Bühne. Die Musik ist beschwingt, Daemiettes Pfoten berühren teilweise schon gar nicht mehr den Boden, wenn sie mit ihren Flügeln schlägt. Sie hat die Augen geschlossen, lässt sich einfach nur von der Musik leiten, Musik, die eigentlich gar nicht existiert. Doch Daemiette zu betrachten, ihr Taktgefühl, ihre Bewegungen; Daemiette zu betrachten ist, wie die Musik tatsächlich zu hören.
Der Schleier, der wie zufällig zwischen den Flügeln des Skeiths gelegen hatte, ist mittlerweile zu Boden gefallen. Auch die Boa hat sich vollständig gelöst. Von der Tatsache, dass Daemiette nur drei Socken trägt mal abgesehen, sieht sie wirklich elegant aus. Je länger sie tanzt, desto unbedeutender wird ihre nicht gerade zierliche Statur. Die Hündin ist nach wie vor wirklich hübsch und sie zu beobachten, wie sie sich bewegt, in sich versunken und während Glitter-
Staub. Nur Staub. Der Zauber ist so jäh verflogen, wie er entstanden ist. Aller Staub auf dem Holzbalken über der Bühne ist heruntergewischt, die imaginäre Musik verstummt und Daemiette legt sich winselnd nieder. Es war ein so schöner Moment gewesen… Jetzt liegt der Staub auf ihrem Fell und ein glanzloser Schleier trübt ihren Blick. Grau sind ihre Augen, trist, schon immer gewesen. "Gewitterblau" hatte lediglich besser geklungen.
Auf dem Balken, von welchem der Staub herabfiel, steht eine kleine Kreatur. Aus großen, gelben Augen schaut sie aufmerksam auf das am Boden liegende, winselnde Skeith herab. Kopf und Beine des kleinen Wesens sind wie mit schwarzem Samt bedeckt, der Rest des Körpers ist umhüllt von einem langen, seidigen, grünen Haarkleid. Das Wesen ist ein Petpet, ein Drugal. Drugals sind allgemein keine netten Kreaturen. Man sagt, sie schließen sich Neopets an, um von deren Leid zu zehren. Wie Parasiten, die bei einem Wirt bleiben, solange es dort etwas zu holen gibt. Ob dieses Drugal von Daemiettes Leid zehrt? Jedenfalls hat es ihr eine Freude gemacht, indem es den Staub aufwirbelte.
Mit einem Satz ist das zierliche Geschöpf lautlos neben der Hündin auf dem Boden aufgekommen. Es stupst sie vorsichtig an, Daemiette schaut auf. Zärtlich berührt das Drugal mit einem seiner kleinen Pfötchen die Wange des Skeiths. Daemiette hört sofort zu wimmern auf und lächelt. Kühl, vollkommen unpassend zu ihrem Gesichtsausdruck, sagt sie: "Bella Feo, ich wünschte, ich hätte dich niemals getroffen. Du bist das Einzige, das meinem Leben noch einen Sinn gibt. Möglicherweise gefallen mir weiße Lilien besser als rote Rosen."
Daemiettes Reaktionen auf irgendetwas erscheinen oft wie zufällig.

AKT IV
-Dämonen-

All ihre Dämonen hatten sich gegen sie verschworen.
Lass uns fliegen, dazu haben wir doch Flügel. Ja, fliegen wir! Erheben wir uns in die Lüfte, lassen wir diesen Ort des Vergessens hinter uns! Flieg, Daemiette, flieg in die Ferne, ins Ungewisse. In die Zukunft oder ins Verderben.
Jener Teil, der vermutlich noch am ehesten ein Stück von Daemiette selbst war, sträubte sich dagegen. "Ich kann nicht fliegen, es ist zu lange her, dass ich es versucht habe."
Genau, du versuchst es nicht. Sicherlich können wir noch fliegen. Wir müssen es nur einmal ausprobieren. Was soll schon passieren? Wir sind nur Stimmen, nichts kann uns zustoßen…
- "Aber mir! Mir kann etwas zustoßen!"
Aber das ist nicht schlimm. Wir brauchen dich nicht unbedingt, um zu existieren. Und was diesen geschundenen, abgenutzten Körper betrifft- das ist kein Verlust, den es zu betrauern gälte.
Daemiette sträubte sich mit all ihrer verbliebenen Kraft, doch diese reichte nicht aus. Kurze Zeit später fühlte die Hündin den Wind über ihr Fell streichen. Sie blinzelte, das Licht erschien ihr gleißend hell nach all der Zeit, die sie in den dunklen Räumen des Theaters verbracht hatte. Dabei war die Sonne schon fast versunken und ein gedämpftes Zwielicht hüllte die Sphäre ein. Sofort sah Daemiette Bilder vor ihrem inneren Auge aufflackern, Bilder von bunten, hellen Orten. Bunte Blumen, glitzerndes Wasser, saftiges Gras, schillernde Insekten. Dinge, die ihre Seele nicht verkraften würden. Doch es blieb keine Zeit, darüber nachzudenken, denn schon bald schwand ihr Bewusstsein und ihre Dämonen trugen sie fort aus Zentral Neopia, weit weg vom geliebten Theater.

Sie öffnete die Augen und fühlte sich leer. Viel zu schwach, um sich darüber zu freuen, dass man sie an einen finsteren Ort ohne grelle Eindrücke gebracht hatte. Wo waren die Stimmen, die Dämonen? Fort… Daemiette war allein und unfähig, Entscheidungen zu treffen. Ihr überstrapazierter Körper zitterte unkontrolliert und Tränen rannen über ihre Wangen, völlig unnatürlich für ein Skeith. Allein, hilflos und der Fremde ausgeliefert sah sie sich schüchtern um. Wie schön, ein Friedhof. Daemiette mochte Friedhöfe. Sie mochte die Ruhe und die selige Leere der Toten- oft wünschte sie sich, auch so selig zu sein, wenn ihre Dämonen sie als leere Hülle zurückließen.
Die Rührseligkeit versiechte mit jedem weiteren Atemzug. Friedhöfe waren schön, doch hier zu sein war nicht gut. Wie sollte sie je den Weg zurück finden? Das Theater war doch ihr Zuhause, nicht diese laute, viel zu intensive Welt hier draußen. Wo waren die Stimmen, die sie zurückbringen konnten?
Plötzlich vermeinte sie, ein Flüstern zu hören. Kein wirkliches Flüstern, sondern eines, das sich im Kopf abspielt- man hatte sie also doch nicht vollkommen allein gelassen! Wie schön du bist… Noch nie ist mir eine Kreatur begegnet, die sich derartig quälte!
Nein, das war keine Stimme, die Daemiette kannte. Auch die Worte waren so andersartig… Bitte, es sollte sich nicht noch eine Persönlichkeit in ihren Körper einbrennen!
- "Geh weg, bitte!", rief sie panisch ohne zu wissen, ob sie nicht vielleicht doch anders reagieren sollte.
Du willst, dass ich gehe? Aber du bist allein, ich könnte dir Gesellschaft leisten. Ich will nicht viel im Gegenzug, nur, dass du mich ein wenig von deinem Leid zehren lässt.
- "Wer ver.dammt noch mal bist du?"
Sieh mich doch an.
Ansehen? Das war mehr als merkwürdig. Wie sollte…? Plötzlich nahm Daemiette eine kleine Silhouette im Schatten eines Grabmales wahr. Leuchtend gelbe Augen hatten die Hündin fixiert. "Bist du die Stimme, die da spricht?" Lächerlich, die Stimme war nur in ihrem Kopf.
Ja, das bin ich. Ich bin ein Drugal.
- "Ein Petpet? Aber Petpets können nicht sprechen! Ich meine, du sprichst ja nicht einmal…"
Dennoch verstehst du mich. Frag nicht wieso, denn das kann ich dir auch nicht beantworten. Konzentriere dich lieber auf den Schmerz, der dich zerfrisst. Das Petpet trat vorsichtig, aber keinesfalls ängstlich, aus dem Schatten. Obwohl es viel kleiner war als Daemiette, betrachtete es die Hündin mit einer gewissen Erhabenheit.
Daemiette legte sich auf den Boden, um mit dem grazilen Wesen einigermaßen auf Augenhöhe zu sein. "Der Schmerz?", fragte sie. "Der ist immer da, aber ich weiß nicht, woher er kommt. Ich war einst eine erfolgreiche Schauspielerin, jetzt bin ich ein Nichts… Ich habe niemanden, weißt du? Mein ganzes Leben lang habe ich nach Anerkennung und Zuneigung gelechzt, aber niemand gönnte mir das. Ich erwarte nicht, dass man mich liebt. Aber ich habe selbst so viel Zuneigung in mir, die ich gerne irgendjemandem geben würde. Egal wem und ohne Bedingungen. Ich weiß nicht wohin mit all dieser unangetasteten, mich erstickenden Liebe." Das Theater hatte Daemiette eine dramatische, fast schon schwulstige Sprache einverleibt.
Das Drugal hielt den Kopf schief. Weißt du, was mich glücklich macht? Das Leid anderer. Ich möchte selbst niemanden verletzen, aber es ist so unbeschreiblich schön, Leiden zu sehen. Wie ich bereits erwähnte, bist du die schönste Kreatur, die mir je begegnet ist. Du bist zutiefst verletzt und daran kann ich mich erfreuen… Wenn du nichts als Gegenleistung erwartest, erlaube ich dir, mich zu lieben. Ich werde immer bei dir sein, wenn du das möchtest, und mich an deinem Leid ergötzen.
Daemiette erhob sich wortlos. Langsam strich sie um die Gräber herum, versuchte im Dunkeln die Inschriften auf den Grabsteinen zu entziffern.
Eine lange Zeit ging vorüber, ehe das Drugal ungeduldig wurde. Was tust du denn da?
- "Ich suche mein Grab. Ich bin schon lange nicht mehr ich selbst und hätte doch zumindest ein schönes Grab verdient… Aber ich kann meinen Namen nirgendwo lesen."
Wie heißt du? Ich kenne alle Gräber hier, ich lebe hier und warte auf Trauernde, um von ihnen zu zehren.
- "Daemiette."
Tut mir leid, dein Name steht tatsächlich auf keinem der Steine. Wenn du um dich trauern willst, könnten wir eine Zeremonie abhalten.
Daemiette musste plötzlich lachen. Das Petpet schaute sie ein wenig irritiert an, vermutlich war es solch menschliche Gesten von Neopets nicht gewohnt. Die Hündin fühlte tatsächlich so etwas wie Zuneigung für dieses kleine Wesen in sich aufkeimen- es schien eine merkwürdige Persönlichkeit zu sein. "Wie heißt du?", fragte das Skeith.
Ich bin ein Petpet, wir haben keine Namen, wenn man uns keinen gibt. Also heiße ich, wie auch immer du willst.
Daemiette überlegte kurz. Sie wusste nicht, ob sie das Petpet mögen wollte oder nicht- dass sie es mochte, konnte sie nicht kontrollieren. "Bella Feo.", sagte sie schließlich, sich durchaus bewusst, dass das in etwa "Schöne Hässlicher" hieß; was durch und durch paradox war, in ihrem verwirrten Hirn aber Sinn hatte.
Gestattest du mir also, bei dir zu bleiben? Du wirst es bereuen, denn Drugals sind nicht nett. Man muss schon eine besonders krankhafte Natur haben, wenn man uns als Weggefährten duldet.
- "Sag so etwas nicht, das verletzt mich."
Bella Feo drehte den Kopf zur Seite und vielleicht begriff Daemiette in diesem Moment, was für zerstörende Bande sie da gerade einging. Falls sie tatsächlich realisierte, worauf sie sich einließ, hielt sie das nicht davon ab, eine Art Freundschaft mit dem Petpet zu schließen.
Dann wurde ihr schwindelig, ihre Dämonen kehrten wieder, beraubten sie erneut ihrer Kräfte und brachten sie zurück ins Theater. Als Daemiette in den frühen Morgenstunden zu sich kam, war sie um eine Erfahrung und einen Dämon, von ganz anderer Natur als jene in ihrem Kopf, reicher.

Rollenprofil


Name: Bella Feo
Spezies: Drugal
Geschlecht: Unbekannt
Alter: Unbekannt
Körperbau: Klein und zierlich
Stockmaß: 22 cm
Durchschnittsgewicht: 975 g
Augenfarbe: gelb
Fellänge und -Beschaffenheit: an Kopf und Beinen ähnlich Samt, restlicher Körper wird von sehr langen, seidigen Haaren bedeckt
Farbe: Kopf und Beine schwarz, langes Haarkleid grün

Leidenschaften*: Das Leid anderer
Abneigungen*: Nässe, die sein Fell verfilzen könnte; Lärm; Heiterkeit
Träume*: Daemiette wenigstens ein bisschen glücklich zu machen
Ängste*: Dass Daemiette zu leiden aufhört
Stärken*: Überdurchschnittliche Intelligenz (für ein Petpet); Fähigkeit, über Gedankenübertragung mit Daemiette zu kommunizieren
Schwächen*: Obsessiver Hunger nach Energie, wofür es sogar seine beste Freundin quält; Eitelkeit; überzogener Egoismus

(Bei den mit * markierten Punkten ist nicht sicher, ob es sich hierbei wirklich um Eigenschaften von Bella Feo handelt oder lediglich um Hirngespinste Daemiettes.)



AKT V

-Hinfort!-

Sie zischten und knurrten, fauchten und grollten, quäkten und maunzten. Bohrten ihre Krallen in Daemiettes Hirnmembran, rissen mit ihren rasiermesserscharfen Zähnen daran herum. Sie missbrauchten die Venen als Strohhalme, um das heiß durch den Körper pulsierende Blut zu schlürfen. Sie saugten das Mark aus den Knochen. Doch der Körper blieb unbeschädigt. Er schwitzte, ließ sich jedoch nicht zerstören. Stattdessen entzogen die Dämonen des Unterbewussten, die sich auf allzu grausame Weise ins Bewusstsein gedrängt hatten, der zitternden Hülle aus dampfendem Fleisch die letzten verbliebenen Tröpfchen Verstand.
Daemiette quiekte, wälzte sich herum, schüttelte ihre Extremitäten- vergeblich. Was in ihr war, konnte sie nicht abschmeißen. Alles, was sie jemals verkörpert hatte, jede noch so unbedeutende Rolle, rächte sich dafür, in diesem zuckenden Körper eingesperrt zu sein. Dabei hätte Daemiette all diese Monster nur zu gern in die Freiheit entlassen. Die Stimmen in ihrem Kopf überschlugen sich, bereiteten ihr Ohrenschmerzen, waren nicht zu unterscheiden geschweige denn zu verstehen. Wie lange es wohl noch dauern würde, ehe Daemiettes Schädel in abertausend winzigste Fragmente zerbersten würde?

Bella Feo saß einige Meter abseits und musterte seine Gefährtin mit erschreckender Faszination. Seine Augen strahlten vor Glück, während es beobachtete, wie die Hündin sich quälte. Sie war in jenen Augenblicken vermutlich nicht fähig, das Gaffen zu realisieren, doch das machte keinen Unterschied. Daemiette wusste, dass Bella Feo ein Blutsauger war, der den roten Saft des Lebens in Form von Energie in sich aufnahm. Energie, die durch Schmerzen erzeugt wurde. Bella Feo war nicht nett. Und dennoch hatte es seiner Gefährtin schon öfter kleine Freuden bereitet. Absichtlich. Offenbar war die Zuneigung des Drugals aufrichtig, auch wenn das völlig entgegen seiner Natur war.

Minuten verstrichen, Daemiettes Widerstand wurde geringer. Sie ließ immer mehr zu, was diese Dämonen dort in ihrem Inneren taten. Auf der Seite liegend, alle vier Pfoten von sich gestreckt, hechelnd. Ihre Augen waren verschlossen, aber ihre Lider zuckten. Unter ihrem schönen Fell traten wulstige, wild pochende Adern hervor. Die Hündin atmete stoßweise.
Bella Feo erhob sich und ging langsam auf Daemiette zu. Vorsichtig berührte es mit der Pfote ihre Flanke, dann stupste es ihre Nase an. Sie öffnete die Augen, in denen die Kapitulation geschrieben stand.
Was willst du jetzt tun? Hier liegen bleiben und darauf warten, dass du stirbst?
Es tat so gut, bei all dem Geschrei in ihrem Kopf endlich eine Stimme zu vernehmen, die ihr vertraut war. Nein, vertraut waren ihr alle Stimmen, aber nur dieser vertraute sie.
Dae! Ich habe dir eine Frage gestellt!
- "Was?" Sofort schwand jegliches Gefühl von Demütigung. Daemiette hob den Kopf, von den gerade eben noch erlebten Qualen fühlte sie nichts mehr. Nur ihr schweißnasses Fell schien sich zu erinnern.
Was willst du tun? Sicherlich kann das noch ewig so weiter gehen, ich genieße jede Sekunde, die du leidest. Aber zu sehen, dass du dich irgendwelchen Hirngespinsten unterwirfst, ist für mich nicht gerade eine Befriedigung. Also bitte, hör auf damit.
Daemiette schüttelte nachdenklich den Kopf- wieder eine äußerst menschliche Geste- dann erwiderte sie traurig: "Ich kann nicht. Diese Dämonen sind da und sie werden nicht weg gehen."
Ich weiß. Aber vielleicht kannst du gehen.
Das Skeith hielt kurz die Luft an, aber Bella Feo äußerte sich nicht weiter. Es blickte Daemiette nur erwartungsvoll an.
Ja, vielleicht sollte sie gehen. Vielleicht war es gar nicht ihr Körper, den diese Kreaturen begehrten. Vielleicht war es dieser Ort. Immerhin hatte man sie schon einmal versucht von hier fortzubringen. Und sie zurückgeholt. Vielleicht, weil sie es so gewollt hatte. Weil sie es nicht akzeptiert hatte, das Theater zu verlassen. Weil es sie wieder dorthin zurückgezogen hatte. Die Dämonen lebten in ihr, und sie würden bleiben, solange auch Daemiette es vorzog, zu bleiben.
- "Das Theater verlassen…", flüsterte sie ungläubig.
Nicht nur das Theater. Vor allem die Dämonen.
- "Nein. Nein, das kann ich nicht. Dann müsste ich mich mit mir selbst auseinandersetzen und dazu wäre ich nicht imstande. Ich kenne mich kaum, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich eine schwache Persönlichkeit bin." Noch während Daemiette sprach, fühlte sie, dass das wieder diese anderen Wesen waren, die da von ihr Besitz ergriffen. Vermutlich war es an der Zeit, dass sie es zuließ, sich selbst kennen zu lernen.
Ein gellender Schrei hallte durch ihren Kopf. Sie zuckte erschrocken zusammen. Ja, sie hatte eine Entscheidung getroffen. Und einige der Stimmen in ihr drin wollten das nicht wahrhaben.
Sie wollte etwas sagen, doch ihre Zunge fühlte sich an wie ein geschwollener Klumpen. Anscheinend waren Worte auch gar nicht nötig, denn das Glitzern in Bella Feos Augen zeigte, dass das Petpet begriffen hatte.

Epilog

Nicht jede begnadete Schauspielerin ist so erfolgreich, wie sie es verdient hätte. Nicht einmal, wenn sie das Glück hat, gut auszusehen. Genauso wie Schönheit ist auch Erfolg oft reine Glückssache. Und natürlich jede Menge Arbeit. Aber wie viele wunderschöne, talentierte Schauspielerinnen arbeiten hart und haben am Ende nichts?
Daemiette hatte das Glück, einer Spezies anzugehören, die sich nicht gerade durch Anmut auszeichnet. Skeiths werden oft als Objekte gemeiner Scherze missbraucht, sie gelten als faul, verfressen und ungehobelt. Daemiette war hübsch- für ein Skeith. Sie erfüllte keines der Klischees, war damenhaft und talentiert und dennoch immer ein ungeschliffener Diamant. Ihre Karriere lässt sich zumindest ein Stückweit erklären. Sie war eben anders als das, was man gekannt hatte. Sie hatte einen ganz eigenen Reiz, der ihr Schlüssel zum Erfolg war. Zweifellos war sie talentiert, auch wenn ihr das anfangs niemand hatte zugestehen wollen, doch schlussendlich war auch ihr Leuchten am Theaterhimmel zu einem Großteil reines Glück.
All das Glück, das Daemiette in ihrem jungen Leben hold gewesen war, hatte es nicht geschafft, sie glücklich zu machen. So paradox wie diese Tatsache war auch ihr gesamtes Seelenleben. Vielleicht wird die Zukunft alles ändern. Vielleicht wird Daemiette zu sich selbst finden. Vielleicht war es gut, dass sie Bella Feo, dieses Wesen, dass es liebt, sie leiden zu sehen, getroffen hat. Vielleicht meint Bella Feo es gut mit ihr. Vielleicht hat es sie aber auch nur überredet, das Theater zu verlassen, um sie in noch mehr Leid zu treiben. Vielleicht, vielleicht… Vielleicht wird Daemiettes Leben endlich seine widerliche Hinterhältigkeit abwerfen und sie wirklich glücklich werden lassen.

Das Theater ist tot. Das ausgestorbene Gebäude modert vor sich hin, der Schimmel frisst sich die Wände entlang und die Geister singen engelsgleich Oden an die Traurigkeit. Geister können sehr charmant sein. Geister? Ja, Geister, denn nun, wo kein Sterblicher mehr im Theater verweilt, erinnern Schatten an die schillernden Zeiten von Glanz und Gloria.




Adoptables


Daemiette
Pfoten weg!/ Paws off!


Taldrey
Pfoten weg!/ Paws off!


Gorbatov
for nyctosaurus


T3RR0R_0F_D34TH
for celestiallonging


Ein Mopsdrache
für winfola


Malwares
für jasmin07092000


Fursona
für elfenwespe


Rot/ Red


Blau/ Blue


Gelb/ Yellow


Grün/ Green


Braun/ Brown


Gespenst/ Ghost


Grau/ Grey


Lila/ Purple


Rosa/ Pink


Silbern/ Silver


Weiß/ White


Gefleckt/ Spotted


Schatten/ Shadow


Leuchtend/ Glowing


Tyrannianisch/ Tyrannian


Stinktier/ Skunk


Gesprenkelt/ Speckeled

Adopted



Sedcard

Daemiette war schon immer sehr professionell. Sie hat nie nur auf ihren Bekanntheitsgrad gesetzt, sondern sich grundsätzlich mit Bildern, die ihre Vielseitigkeit zum Ausdruck bringen, um eine Rolle beworben. Mittlerweile sind viele ihrer Fotos durch die Feuchtigkeit, die tief in den Wänden des alten Theaters sitzt, verfault, aber einige lassen sich durchaus noch rekonstruieren.

Dieses Bild wurde nach der Premiere des Dramas Eine einzige Perle gemacht. Das Stück selbst war einer der Höhepunkte in Daemiettes Karriere, auch heute stellt die Skeithhündin die Schlüsselszene noch gerne vor einem imaginären Publikum nach. Urheberin des Bildes ist _morrogh_, der es hier wunderbar gelungen ist, die Magie des Momentes einzufangen.

Auf diesem Foto scheint Daemiette mit der Kamera zu flirten. Das Bild wurde von nyctosaurus gemacht und stellt wunderbar dar, dass die Schauspielerin nicht nur in tragischen Rollen glänzt, sondern auch fähig ist, das niedliche Naivchen in heiteren Stücken zu verkörpern.


Die Rolle der Prinzessin im Drama Ritter von Qasala war zwar eine verhältnismäßig kleine, dafür aber für das Stück sehr bedeutende Rolle. Dieses von jaelli gemachte Szenenfoto zierte unzählige Werbeplakate und trug sicherlich nicht unwesentlich dazu bei, dass die Vorstellungen grundsätzlich ausverkauft waren.

Eine Schauspielerin mag für die Bühne leben, aber ein Star lebt für den Ruhm. Es gibt unzählige Fotos von Daemiette, die nichts mit ihrer Arbeit als Theaterdarstellerin zu tun haben, sondern einfach nur ihre Schönheit abbilden. Wie z. B. dieses von nirwana (evansces), das die Hündin in selbstbewusster, leicht überheblicher Pose zeigt. Den Fans gefällt es, denn es ist genau diese Arroganz, die Daemiettes Image ausmacht.
Eleganz ist keine Frage der Statur. Und keine Frage der psychischen Ordnung. Eleganz kann ein flüchtiger Augenblick sein, eine Momentaufnahme, so wie diese von tywyllwch.

Daemiette auf der Verleihung der Neopies und dem Höhepunkt ihrer Karriere. Der tiefe Fall kam schnell danach, auch wenn diese Fotografie von pajama_333 nicht danach aussieht, als ob es der Hündin schlecht erginge. Aber vielleicht ist es gerade dieses strahlende Lächeln, das zeigt, dass Daemiette zu jener Zeit schon für ein Skeith viel zu vermenschlicht war...
Selten sieht man die Grundlage für Autogrammkarten ohne den berühmten Pfotenabdruck. Vermutlich handelt es sich um ein Einzelstück, jenes Original, das waschbaer09 in Daemiettes besten Zeiten kreiert hat.
Es ist lange her, dass die Portraits seiner Stars die Wände des Theaters zierten. Jenes von Daemiette, welches von elfenwespe angefertigt wurde, ist leider nur noch ein fauliger Fetzen Leinwand: Das Glas ist gebrochen und Nässe hat es ruiniert. Dennoch erinnern sich viele ehemalige Theatergänger an den stolzen Blick der Skeithhündin, die einst in der Eingangshalle auf ihre Fans heruntersah.


Der Welpe, der zur Diva wurde: Noch blutjung und unerfahren posierte Daemiette in ihrem ersten Lehrjahr an der Neopianischen Schauspielschule. Dieses Bild von fresca186 ist das früheste Bild, das von Daemiette existiert. Private Welpenfotos sind, trotz des Hypes um die Hündin, nie ans Licht der Öffentlichkeit geraten.



Auszeichnungen

Man zeigt sich ja nicht umsonst auf dem roten Teppich.


Vielleicht denkst du an mich...


...oder du gehst und vergisst.

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