|
|
Hallo! Ich bin kettenkarussell!
Ich bin ein riesengroßer Fan von Alexander Kaschte, Samsas Traum und Weena Morloch. Mein Lieblings-Album ist a.Ura und das Schnecken.Haus und eben diesem widme ich diese Seite!
Viel Sapß!

Das "Medium", Alexander Kaschte! *schwärm*
Samsas Traum wurde im Jahre 1996 von Alexander Kaschte gegründet, der die Lyrics fast komplett selber zu Papier bringt. Die Band bestand zunächst aus insgesamt 3 Leuten: Alexander Kaschte, Simone Stahl und Johannes Welsch.
Simone Welsch verließ die Band allerdings im Jahre 2001, nachdem das Album "Die Liebe Gottes" veröffentlich wurde. Auch Johannes Welsch verließ Samsas Traum, aufgrund von gesundheitlichen Problemen, schon vor der ersten gemeinsamen Tour.
Alexander griff dann auf Gastmusiker zurück, zu denen er auch Größen in der deutschen Gothic-Szene zählen kann. Unter anderem waren das Dirk Riegert und Susanne Stierle. Auch Kaschtes Freundeskreis wirkte ab und zu mit. In den vielen Jahren der Bandgeschichte soll Kaschte sogar Straßenmusiker engagiert haben um die Projekte finanziell tragen zu können und so enstand im Jahre 2004 das Meisterstück, verteilt auf 2 CDs, "a.Ura und das Schnecken.Haus".
Samsa ist eine Figur die Franz Kafka geschaffen hat, 'die sich eines morgens, nach einer unruhigen Nacht in einen Käfer verwandelt hat'.
Und hier geht's los mit a.Ura:

Kenne ich Dich?
Und schon war ich verloren,
Alle Lieder schwiegen still;
Die größte Liebe
Fing am allerkleinsten an.
Vielleicht flüstert irgendwann,
Wenn's der Lauf der Dinge will,
Diese Stimme Nacht für Nacht
In meinen Ohren.
Ein einziges Wort von mir,
Sagst Du, das hätte ausgereicht,
Damit die Sehnsucht in Dir
Ihrer Erfüllung weicht.
Streck' noch mal die Hände aus,
Denn ich war da;
Du hast nicht aufgehört,
Nach mir zu suchen.
Ja, ich war Dir
Schon einmal nah,
Als ich Dich vor Jahren sah,
Da nahmst Du mich gefangen.
Wir sind aneinander
Vorbeigegangen;
Heute weiß ich nicht woher,
Aber unser Anfang, er wird schwer
Ein einziges Wort von Dir,
Sag' ich, das hätte ausgereicht,
Damit der Wunsch in mir
Endlich seiner Erfüllung weicht
Mit der Zukunft in der Hand,
So stand ich da,
Dir längst verbunden;
Du hast gesucht, und ich
Hab' nur gefunden.
Kein einziges Wort von uns
Wird jemals dem einen gleichen,
Das mein Herz Dir entgegen schrie,
Als ich damals
Sprachlos vor Dir stand.
Mit der Feder in der Hand
Sitze ich da und such' vergebens
Nach dem Wort uns'res Lebens.
Kenne ich Dich?
Und schon war ich verloren
Die Musik schwieg plötzlich still;
Auch große Liebe fängt
Mit kleinen Schritten an.
Vielleicht finden irgendwann,
Wenn's der Lauf der Dinge will,
Diese Lieder ihren Weg
In Deine Ohren

Den Hut tief ins
Gesicht gezogen,
Mantelkragen
Hochgeschlagen,
Cello-Kasten in der Hand:
So steht der junge, fremde Mann
Unter'm erlosch'nen Lichterbogen.
Schelmisch, könnte man fast sagen,
Lehnt er an der Budenwand
Und blickt das Riesenrad stumm an.
Im Schutz blauer Dunkelheit,
Der Himmel leicht, die Sterne schwer,
Ist er der, der die Formel kennt
Und beginnt mit dem Zaubertrick:
Der Cello-Koffer macht leis' "Klick
Und öffnet sich; kein Instrument
Ruht in ihm.
Bodenlos und leer
Gähnt er und speit
Unendlichkeit.
Unweit des Geschehens,
Von dem Koffer erweckt,
Wird ein Köpfchen mit Vorsicht
In die Nacht gestreckt;
Mit Augen so braun
Wie Kandis und Kastanien,
So sanft wie Milchschaum und Café.
Eine Stimme erklingt
Und teilt der Stille Wogen;
Wir sollten zusammen nicht fahren.
Nimm das Rad und
Flieg' mit ihm auf einem Drachen
Zu dem Mädchen
Mit den roten Haaren.
Ein gleißend helles Blitzgewitter
Schießt dem Rad entgegen,
Zerrt an Bolzen, Trägern und Stangen
Und der Attraktion Metall.
Und der Mond betrachtet bitter
Wie der Cello-Mann verwegen,
Klack", Im Koffer hält's gefangen
Und der Prater um den Sinn bestahl.

Das Mädchen aus dem Inneren des Ketten.Karussells
Von den Eltern einst vergessen,
Von den Menschen unentdeckt,
Hat sich im Maschinenraum
Des Karussells ein Kind versteckt.
Dort verbrachte es die Tage,
Hat den andr'ren Mädchen zugeschaut
Und sich erst wenn es dunkel war
Aus seinem Haus heraus getraut.
Kettenkarussell.
Man entkommt nie seiner Mitte,
Denn für kleine Schritte
Dreht es sich zu schnell.
(Im Kreis herum...)
Wenn die Sterne in der Nacht
Die Ketten mit Mondlicht umhüllten,
War' n es böse Mächte, die die
Gondeln mit Fahrgästen füllten.
Sie schlossen das Kind ein,
Trotz aller List und Tücke
Fand es zwischen ihnen
Zum Entkommen keine Lücke.
Kettenkarussell,
In den Gondeln sitzen Geister,
Und sie drehen sich - um das Kind
Viel zu schnell.
(Immer im Kreis...)
Wann hält man das Karussell an?
Wann hört es auf, sich zu drehen,
Wann bleibt es stehen?
Farben fließen ineinander,
Und im Bauch wird den
Schmetterlingen schwindlig,
Spürst du es auch?
Wie hält man das Karussell an?
Wie beendet man den Taumel,
Wie sieht man wieder klar?
Hals über Kopf,
Herz vor Verstand?
Welten entfernt,
Zum Greifen nah,
Gelogen oder wahr?
So verging ein ganzes Jahr,
Dann musste es passieren:
Sie begann damit, die Geister
Im Uhrzeigersinn zu demaskieren.
Sie stellte sich der Angst
Und all den scharfen Blicken
Um sich, endlich von der Last befreit,
Durch den Kettenwald zu schicken.
Kettenkarussell,
Jetzt sind alle ausgestiegen,
Und am Horizont wird es
Schon langsam hell.
(Schon langsam hell...)
Kettenkarussell, im Kreis herum...
Kettenkarussell, immer im Kreis...
Kettenkarussell, dreh' Dich im Kreis.

Fernab der guten Hoffnung,
Gleich hinter dem Karussell,
Da ist ein alter Brunnen,
Bewohnt von einem Jungen.
Er wartet auf den Regen,
Er wartet auf den Sturm,
Er wartet darauf,
Dass das Wasser steigt
Und ihn heraus schwemmt
Aus dem Turm.
Komm', Regen, komm'!
Schwimm', Bursche, schwimm'!
Er hat oftmals versucht,
Die Wände raufzuklettern,
Er hat versucht, eine Leiter zu bauen,
Aus alten, morschen Brettern.
Doch er hat keine Nägel,
Er hat auch keinen Hammer.
Er hat nur seine Kummertränen,
Mein Gott, was für ein Jammer.
Kommt, Tränen, kommt!
Fließt die Wangen herunter,
Und tragt mich wie durch ein Wunder
An das Tageslicht.
Wenn die Dämme brechen,
Stürzen alle Mauern ein.
Alle schranken, alle Grenzen
Werden dann vergangen sein.
Wenn die Dämme brechen,
Waschen wir uns in den Fluten rein,
Wir werden glücklich wie die Fische
Auf dem Weg zu
Uns'ren Träumen sein.
Dann, eines schönen Tages,
Er traute fast den Augen nicht,
Sah er oben am Brunnenrand
Ein wunderschönes Mädchengesicht.
Sie hatte keine Leiter,
Sie hatte keine Seile,
Sie hatte nur die Kleider am Leib
Und blieb für eine Weile.
Er rief zu ihr hinauf:
Wir schaffen es zusammen,
Wir erzählen was uns traurig macht,
Bis tief hinein in die Nacht.
Sie antwortete zärtlich:
Die Gedanken,
Die ich an Dich richte,
Sind von allem,
Was auf der Welt passiert,
Die traurigste Geschichte.
Wein', Mädchen, wein'!
Schwemme mich aus diesem Loch
Hinauf zu Dir, Du liebst mich doch
Siehst Du das denn nicht?

Und so schlendern
Sie zusammen,
Wie auf Wolken,
Durch die Welt.
Ohne Umweg führt der Abend sie
Vor ein knallbuntes Zirkuszelt.
Man kämpft sich
Durch's Gedränge,
Hält sich eisern an der Hand
Und nimmt in der ersten Reihe Platz,
Direkt an der Manege Rand.
„Werte Damen, meine Herren,
Wir heißen Sie willkommen!
Bevor Sie geblinzelt haben,
Hat die Show auch schon begonnen.
Wir entführen Sie in Welten
Fernab aller Wirklichkeit:
Seien Sie darauf gefasst! Sind Sie bereit?
Aufgepasst!
Hier kommt ein Messerwerfer
Mit verbund'nen Augen.
Eines von fünf Messern trifft!
Das Publikum ist amüsiert!
Und zwei und drei und vier...trifft!
Aufgepasst!
Hier kommt ein Zauberer,
Der Jungfrau'n in der Mitte durchsägt.
Es ritscht und ratscht
Und spritzt bis in das Publikum,
Das lauthals applaudiert
Und klatscht.
„Mein Gott, sind Sie von Sinnen?
Die Artisten bringen sich - um
Und wälzen sich wie Wahnsinnige
Am Boden herum!
„Mein Herr, ich muß Sie bitten:
Zurück auf den Platz,
Sonst gibt es Ärger!
Und so starren sie zusammen,
Angsterfüllt und kreidebleich,
Mit weit aufgeriss'nen Augen
Und Knien, wie Butter weich,
Auf des Tummelplatzes Mitte,
Den man eilig präpariert,
Bevor sich auf ihm mit einem Knall
Ein buckeliges Weiblein präsentiert.
„Ich bin die Hellseherin,
Ich bin Gitana!
Ich kann das Unsichtbare seh'n
Und mit Dir ein paar Schritte weit
In Deine Zukunft geh' n!
Ich seh' ein seltsames Gebäude,
Wie das Haus von einer Schnecke,
Ich seh' unendliche Freude,
Doch aus einer dunklen Ecke
Heraus lauert etwas Böses,
Ein Name, den man oft schrie,
Und dann erklingt dort diese kleine,
Sterbende Melodie...
Ich seh' Katzen, klug wie Menschen,
Ich seh' Gelsen an der Wand,
Ich sehe Staub auf Klaviertasten
Und ein weites, ödes Land,
Grelles Licht und einen Spiegel,
Der mit seinen Bildern droht,
Und jene Melodie berichtet leise
Von Liebe und Tod...
„Ich will Dir nicht mehr erzählen.
All das ergibt keinen Sinn,
Doch Du gehst da besser nicht hin...
Aufgepasst!
Man zwingt den Jungen auf das Seil,
Er droht zu fallen.
Eben war er noch Gast,
Nun zittert er illuminiert
Unter dem Dach des Zeltes.
Wie ein Clown
Versucht er, mit den Armen rudernd,
Die Balance zu halten.
Stürzt er ab?
Vom höchsten Gipfel
Der Empfindsamkeit
Hinab ins kalte Grab.
Bergab, bergauf,
Bergab, bergauf,
Bergab und aus.

Im freien Fall
Dem Boden entgegen,
Ich stürze ab,
Vom Gipfel ewigen Lebens
Ins kalte Grab.
Hast Du bei einem Verlierer
Wie mir geglaubt,
Dass mir ein Dolchstoß wie dieser
Den Willen raubt?
Hör mir zu:
Nichts hält mich dieses Mal zurück,
Es folgt mein Sieg oder mein Ende.
Denn auf dem Gipfel liegt mein Glück
Ich will zurück in meine Hände.
Nichts hält mich dieses Mal zurück,
Ich will bei Dir sein.
Denn auf dem Gipfel liegt mein Glück,
Lass mich nicht allein.
Mit mir zerschellen dir Träume,
Ich heb' die Trümmer auf.
Ob tot oder lebendig;
Ich will wieder hinauf.
Mit meinen Händen und Füßen,
Stück für Stück,
Kämpfe ich gegen die Zeit an,
Ich komme zurück.
Hör mir zu...
Nichts hält mich dieses Mal zurück,
Diese Geschichte hat ein falsches Ende,
Denn auf dem Gipfel liegt mein Glück,
Mein Herz gehört in Deine Hände.
Nichts hält mich heute Nacht zurück,
Nichts kann mehr das Ende abwenden.
Auf diesem Berg dort ruht mein Glück.
Begrab' mein Herz mit Deinen Händen.

Ich reib' den Staub aus
Meinen Augen, blicke auf:
Für dieses Ziel nahm ich
Den allerlängsten Weg in Kauf.
Um mich herum verbrennt die Welt,
Das Stück Papier
Halte ich noch fest umklammert,
Allein deshalb bin ich hier.
Ich weiß noch immer nicht,
Was tief in mir geschah,
Als ich wegen Dir mein ganzes Leben
Vor mir ausgebreitet sah.
Die Zukunft lag bereits
In den Momenten vor mir brach,
Bevor ich zum ersten Male
Zu Dir sprach.
Was hast Du mir angetan?
Gehe hinein in das Schneckenhaus,
In diesen Mauern haust der Tod,
Er wartet schon so lang' auf Dich,
Auf Dein Kommen.
Die Spirale, die sich abwärts dreht,
Hat Dich ergriffen und ihr Sog
Zieht Dich hinunter in den Wahnsinn.
Wieso drang über Nacht
Die Angst in unsere Geschichte ein?
Wie konnte ein Mensch, schön wie Du,
Innerlich nur so hässlich sein?
Von allen Menschen auf der Welt
Hab' ich Dich auserwählt,
Die Mörderin zu sein,
Die meine Tage rückwärts zählt.
a.Ura kennt dieses Schneckenhaus,
Durch ihre Adern fließt der Tod,
Sie wartet schon so lang auf Dich,
Auf Dein Kommen.
Ihre Augen sind stärker als
Dein Wille und Deine Vernunft,
Du wirst ihr in die Hölle folgen.
Ich sehe Haut, so weiß wie Schnee,
Und ein Gesicht, aus dem
Die seelenlose Stimme einer
Abgelegten Puppe spricht,
Ich hielt trotz allem an Dir fest,
Ich hielt Dich um's Verderben,
Weil ich zu blind vor Liebe war,
Zu feige um zu sterben.
a.Ura stirbt dort im Schneckenhaus,
Durch ihre Adern fließt der Tod,
Sie bittet Dich zu ihr zu kommen.
a.Ura stirbt dort im Schneckenhaus...
a.Ura lebt in dem Schneckenhaus,
In Deinen Händen liegt die Macht,
Gott selbst und die Zeit zu überwinden.
Sieh' das Unheil, das Euch nun droht,
Du hast sie für Dich auserwählt,
So wag' den Schritt über die Schwelle.

Die Spiegelbilder:
Tot, tot, tot, tot,
Geschah ein Mord
Im Schneckenhaus?
Hass, Hass, Hass, Hass,
Der Mörder ist noch immer da.
Zorn, Zorn, Zorn, Zorn
Hat seinen Namen eingeritzt.
Blut, Blut, Blut, Blut
An jeder Wand!
Der Protagonist:
Wie eine Leiche wandle ich
Durchs Schneckenhaus.
Die Spiegelbilder:
Eine unsichtbare Macht bläst langsam,
Doch bestimmt, die Kerzen aus.
Der Protagonist:
Den Mann im Spiegel hab' ich
Vorher nie geseh'n
Ich kenn' ihn nicht!
Die Spiegelbilder:
Nicht seine Augen, seine Hände,
Seine Stimme, sein Gesicht?
Der Protagonist:
Der Spiegel sieht mich!
Die Spiegelbilder:
Oh nein, der Spiegel sieht Dich nicht.
Tot, tot, tot, tot!
(Hass, Hass, Hass, Hass!)
Der Protagonist:
Oh ja, sie liebt mich,
Oh ja, sie liebt mich!
Die Spiegelbilder:
Oh nein, sie liebt Dich nicht.
Der Protagonist:
Ist dies der Bastad, der bei Nacht...
Die Spiegelbilder:
...wie ein Phantom
Ums Bettchen schleicht?
Der Protagonist:
Ist er das Monstrum, das selbst tags...
Die Spiegelbilder:
...niemals von Deiner Seite weicht?
Ja, das ist der Mann,
Sieh' ihn Dir in Ruhe an,
Um den Hals trägt er ein Schild,
Auf dem man „Ratte" lesen kann.
Der Protagonist:
Ich weiß, was man mit Ratten macht,
Ratten werden umgebracht.
Man knüpft sie an den höchsten Baum
Und weidet sie aus,
Genau so wie in meinem Traum...
Das da ist ein Mann,
Sie' ihn Dir noch einmal an,
Der mit langen oder kurzen Messern
Brot in Scheiben schneiden kann.
Doch wer nicht einmal das schafft,
Hat erst recht nicht die Kraft
Dazu, fünf Kinder zu ernähr'n
Und eine Frau so zu begehr'n
Wie sie es mag, Tag für Tag.
Die Spiegelbilder:
Mord im Schneckenhaus!
Tot, tot, tot, tot,
Geschah ein Mord im Schneckenhaus?
Hass, Hass, Hass, Hass,
Der Mörder ist noch immer da.
Blut, Blut, Blut, Blut
An jeder Wand!
Der Protagonist:
Der Spiegel sieht mich!
Die Spiegelbilder:
Oh nein, der Spiegel sieht Dich nicht.
Tot, tot, tot, tot!
Der Protagonist:
Oh ja, sie liebt mich,
Oh ja, sie liebt mich!
Die Spiegelbilder:
Oh nein, sie liebt Dich nicht.
Der Protagonist:
Sie liebt mich, sie liebt mich nicht,
Sie liebt mich, sie liebt mich nicht.

Der Protagonist:
Nachts sitzt Du
Auf meinen Lungen,
Den Schweif
Um meinen Hals geschlungen;
Du erstickst mich,
Stiehlst mir den Atem.
Die Königin:
Nur Du sollst ein König sein,
Ich will Dich ganz für mich allein.
Deine Hände, gib' mir die Hände.
Der Protagonist:
Dein Speichel tropft auf meine Brust,
In Deinen Augen brennt die Lust;
Die Sehnsucht, das Verlangen,
Leidenschaft.
Die Königin: (Miau, Miau)
Ich strecke meine Krallen aus,
Miau, immer tiefer in Dein Fleisch.
Der Protagonist:
Dein Kuss entzieht mir alle Macht,
Schwarz wie der Tod,
Süß wie die Nacht.
Ich bitte Dich um Gnade.
Die Königin:
Du wirst neues Leben nähren,
Ich werde Dir Kinder gebären,
Unzählige kleine Kätzchen.
Der Protagonist:
Du frisst mich auf
Wie eine Maus,
Verschluckst mich und
Würgst mich heraus.
Lass mich nicht
Länger leiden.
Die Königin:
Im Sterben liegt des Lebens Sinn,
Knie nieder vor der Königin,
So gib' Dich mir gänzlich hin.
Ich bin Deine Königin!
Der Chor der Kinderkatzen:
Hei der Königin,
So lebe hoch, hoch, hoch!
Hel dir, Königin der Kinderkatzen,
Hei, Hei, Hei!
Du hast uns das Leben geschenkt,
Wir verehren Dich,
Bis der Mond am Himmel
Wieder Feuer fängt.
Lebe hoch!
Der Protagonist:
Lauter Katzen!
Alles voller Katzen!
Hier ist alles voller Kinderkatzen!
Überall sind Katzen!

Ich stehe ratlos,
Wie vor Jahren schon,
Erneut gab ich
Auf mich nicht Acht,
Vor einem Scherbenhaufen,
Spott und Hohn:
Ich hab' den einen Fehler
Einmal mehr gemacht.
So kommt, ihr Krähen,
Kommt und hebt mich auf,
Und tragt mich auf den Winden fort,
Schafft mich weit weg von hier
In eine Welt.
In der ein anderer als ich
Über mich das Urteil fällt.
An jedem Morgen, in jeder Nacht
Halte ich schlaflos
Am Fenster die Wacht.
Ich seh' die Krähen
Am Himmel vorüberzieh'n
Und wünschte, ich könnte
Dem Schicksal entflieh'n.
Von meinen Händen
Rinnen Pech und Blut,
Ich war zum Unheil
Stets verdamt.
Auf meinen Wegen
Hat des Zornes Glut mir
Unzählige Schwerter durch mein
Stolzes Herz gerammt.
So kommt, ihr Krähen,
Nehmt mich mit Euch mit, ich
Verlange nach mehr als dem Tod,
Ich will Unendlichkeit,
Das eine Wort,
Ohne dessen Klang mir
Schlimmeres als
Aller Höllen Feuer droht.
Eins, zwei, jetzt ist es vorbei,
Drei, vier, nimmer mehr bei Dir,
Fünf, sechs, mit Erde bedeck's,
Sieben, acht, hab' es umgebracht,
Neun, zehn, kann die Krähen seh'n

Der Wald der vergessenen Puppen
Der Feuervögel Krallen
Ließen mich im
Sturmgetöße los,
Aus luft'ger Höhe fallen;
Der Sturz gebremst
Von weichem, dichtem Moos.
Ich steh' auf, blick' mich um,
Und ich erkenne, dass der Wind
Mich dorthin trug, wo ich als Kind,
Unbeschwert, ungestört,
Die Zeit verschlief.
Dies ist der Ort, wo es begann,
an dem ich viel verlor,
Doch noch viel mehr gewann.
Hier starben meine Träume,
Im Schatten stummer Apfelbäume,
Hier wurde ich ermordet,
Meine Seele aus dem Leib geschnitten,
Hier wurde ich durch Menschenhand
Gequält, gepeinigt und verbrannt...
...Denn weit im inneren des Waldes
Lag ein Pilz, wo kaum das Licht
Durch die Wipfel alter Eichen drang,
Man sah die Hand fast nicht mehr
Vor den Augen. Kahle Äste
Streckten ihre Klauen vor,
Das Wurzelwerk wuchs fordernd
Aus dem Unterholz empor.
Hinter den Stämmen,
Unter dem Laub,
In einem Erdloch:
Wie Sternenstaub
Glitzerten gläserne Augen
Und zerbrochene Gesichter
Aus Keramik, und sie zogen
Ihre Kreise um den Jungen
Immer dichter.
Hast Du uns schon vergessen?
Hast du an uns gedacht?
Wir werden auferstehen,
In jeder Vollmondnacht.
In der Mitte der Lichtung
Steht sie mit stolz erhob'nem Kinn,
Man sieht gleich: von allen Puppen
Ist sie die Anführerin.
Ihre Locken wallen
Über ihre Schultern, weiß wie Maden,
In der Brust steckt ihr die Nadel,
In der Hand hält sie den Faden.
Schmales Mündlein,
Stummes Leid,
Angenähte Beine,
Ein verdrecktes, blaues Kleid.
Sie hebt die Ärmchen,
Formt den Blick zu einer Frage,
Und aus jeder Himmelsrichtung
Tost wie Donner die Anklage:
„Hast Du mich schon vergessen?
Hast du an mich gedacht?
Ich werde auferstehen,
In jeder Vollmondnacht.
Hast Du verstanden?
Nimm die Nadel und den Faden,
Näh' sie zusammen,
Leg Dich zu ihr in die Maden.
Du musst die Nadel
Tiefer in sie rammen,
Komm', nimm den Faden
Und nähe sie zusammen.
„Hast Du mich schon vergessen?
Hast du an mich gedacht?
So nähe mich zusammen,
In dieser Vollmondnacht."

Von Anfang an,
ein Leben lang,
Du bist ein
Echter Freund.
Von einem, der mich so
Wie Du versteht,
Hab' ich lange nur
Vor mich hin geträumt.
Dein weiser Blick
Zeigt mir meine Grenzen auf,
Du gibst wortlos auf mich Acht.
Ohne Dich hätte ich das letzte Jahr
Mehr schlecht als recht nur
Hinter mich gebracht.
Diese treuen Augen
Haben die ganze Welt geseh'n,
Du kennst die Wege,
Meine Richtung, alle Straßen.
Wie oft hat sich meine Seele
Von dem grenzenlosen Mut in Dir
Auf Deine Reisen mitnehmen lassen.
Seitdem Du nachts bei mir warst,
Könnte ich in dem
Schlimmen Zimmer schlafen.
Gott hat dich mir bestimmt
Zur Seite gestellt, Du beschützt mich
Und weißt wieso wir uns trafen.
Diese treuen Augen haben
Tief in mich hineingeseh'n,
Sie kennen meine leisesten Gedanken.
Der kleine Feigling in mir,
Er liebt den Helden in Dir,
Um den sich Abenteuer
Und Legenden ranken.
Ich weiß, dass Du unsterblich bist,
Du wirst immer bei mir sein.
Ich kann Dich über uns atmen hören
Und schlafe friedlich ein.

Tief aus einer Höhle
Kam gemächlich
Und schwer,
Am einem Stock gehend,
Ein Käfer daher.
Er neigte den Kopf und sprach:
„Tritt doch herein,
ich lade Dich auf
Eine Tasse Tee ein.
Wir saßen zusammen
Und tranken sehr viel,
Da fragte der Käfer:
„Wie wäre ein Spiel?
Er stand ächzend auf.
Zog mich lächelnd am Ohr,
Holte aus einer Truhe
Eine bleierne Kugel hervor.
Betrachte den Klumpen,
Was denkst Du dabei?
Ist er aus Kristall gemacht,
Oder aus Blei?
Wäre dieses Gebilde
Ein Klotz Dir am Bein,
Oder könnte es Dich aus
Der Schwermut befrei'n?
Eines Tages wirst Du klarer sehen,
Irgendwann, da wirst auch Du verstehen
Dass, ob Liebe oder Hass überwiegt,
Nur im Auge des Betrachters liegt.
Vergiss alle Grenzen,
Vergiss auch die Regeln,
Um schadlos durch des
Lebens Meere zu segeln,
Bedarf es weit mehr als
Nur Unbeugsamkeit:
Gib Dein Steuerrad in die
Hände der Zeit.

Komm' ein bisschen näher,
Es ist zeit, mich anzuseh'n;
Schärfe Deine Sinne, es gilt
Jede Silbe zu versteh'n:
Der Name im Kristall steht für
Den Hochmut, Verrat, Betrug,
Das Paradies.
Gott hätte gut daran getan,
Wenn er die Frau und auch den Mann
Ausgelöscht hätte, anstatt dass er sie
Entkommen ließ...
Den Namen im Kristall
Erkennst du nicht,
Der Hass in Deinem Blick
Nimmt Dir die Sicht.
Den wahren Namen
Erkennt man erst dann,
Wenn man auch
Ohne Augen sehen kann.
Verzweifelst Du am Rätsel,
Wird die Lösung mit dem
Wind verweh'n;
Hinter dem Kristallglas gilt es
Neun Buchstaben so zu verdreh'n,
Dass das Wort, das sie ergeben,
wie ein Urteil über Leben
Oder Tod den Himmel teilt
Und dann verstummt.
Das eine Kreuz ist ausradiert,
Glaubst Du, dass Dir
Nichts mehr passiert,
Bloß weil der Regen heute Nacht
Nicht Deinen Namen summt?
Den Namen im Kristall
Erkennst du nicht,
Der Hass in Deinem Blick
Nimmt Dir die Sicht.
Den wahren Namen Gottes
Kennt man dann,
Wenn man auch
Ohne Augen sehen kann.
Trotz aller Guten Hoffnung
Brennt die Schmach
In meiner Seele noch wie
Öl in einem Feuer,
Und die Flamme,
Sie erkaltet nie.
Trotz allen Lichts
Seh' ich noch Deinen Schatten
Um die Kerzen schleichen;
Eines Tages wirst Du
Wie ihr Wachs
Aus meinem Leben weichen.
So, wie man dem Opferlamm
Mit einem Keil den Schädel teilt,
Ein Sperlingsschwarm aus Pfeilen
Federleicht durch Kinderrippen eilt,
Blut sich mit trock'ner Erde mischt
Und Kain Abel erschlägt:
Am Ende ist' s der Kaiser,
Der den Heiligen zu Grabe trägt.
Schuld ist für die Schwachen,
Schuld wiegt leichter als der Erblast
Tiefe Spuren in dem Mauerwerk,
Das Du um mich errichtet hast.
Ich werde meine Schuld wie meine
Frau und meine Kinder lieben,
Außer ihr ist mir
Nichts mehr geblieben,
Was sich ziemt, und:
Nichts hast Du mehr
Für Dein Leben
Als den Tod verdient.
Erkenne mich.
Begib' Dich auf die Reise
In mein Ich.
Den Riss im Herzen
Erkennt man erst dann,
Wenn man sich ohne Hass
Betrachten kann.
Deinen Namen im Kristall,
Du siehst ihn nicht,
Der Hass in Deinem Blick
Nimmt Dir die Sicht.
Den eig'nen Namen
Erkennt man erst dann,
Wenn man sich ohne Hass
Betrachten kann.

K.haos-Prinz und Wind-Prinzessin
Ich höre Dich noch rufen:
„Lauf um Dein Leben,
So schnell Du kannst,
Ich bin nicht die,
Die Du verlangst.
Auch wenn Gott oftmals vor mir steht
Und mir die Hölle prophezeit,
Es ist das Größte,
Denn wir brennen dort zu zweit.
Es ist die Angst vor meiner Nähe,
Die mich fester an Dich kettet
Und der Zorn in Deinen Augen,
Der mich vor der Wut in mir errettet.
Ich bin Du, und wir sind wir,
So sehr es mich zerreißt;
K.haosprinz an Wind-Prinzessin,
Ich will, dass Du weißt:
In Deinen Augen nur
Kann ich mich seh'n,
In Deinem Herzen
Kann ich mich versteh'n,
In Deinen Händen erst
Kann ich mich spür'n,
In Deiner Seele
Will ich Dich berühr'n.
Wie oft im Leben habe
Ich mich in mein Herz vorgewagt?
Ich kenne keine Antwort,
Wenn man danach fragt.
Wie oft habe ich in Dir
Nur nach mir selbst gesucht,
Mich nicht gefunden
Und uns dann feige verf!ucht?
Es ist die Angst vor Deiner Stärke,
Die zurückkommt, wenn es tagt,
Es ist die Furcht vor Deiner Ruhe,
Die am Krieg in meiner Seele nagt.
Du bist wie ich, und wir sind wir,
Auch wenn es uns zerreißt;
K.haosprinz an Wind-Prinzessin,
Ich will, dass Du weißt:
In Deinen Augen nur
Kann ich mich seh'n,
In Deinem Herzen
Kann ich mich versteh'n,
In Deinen Händen erst
Endet die Qual,
In Deiner Seele
Genieß' ich den Fall.

Er wollte es
Mit eig'nen Augen sehen,
Am Tag zuvor sah er's
Auf einer Hauswand stehen:
Auf einem Berg vor Wien
In Österreich
Macht die Maschine
Tiere dem Erdboden gleich.
So hat er abends
Seinen Rucksack gepackt,
Den Hut genommen
Und zu seiner Frau gesagt:
Das Wetter ist schlecht,
Warte auf die Sonne;
Das ist der Tag,
an dem ich wiederkomme.
Und die Wolken zogen
Über ihn hinweg,
Die Hände in der Tasche,
Die Füße im Dreck.
Viele Male haben sich vor ihm
Die Straßen verzweigt,
Viele Finger haben ihm
Die rechte Richtung gezeigt:
Marschiere, marschiere,
Nimm' die Beine in die Hand,
Und verlasse unser Land.
Marschiere, marschiere,
Ja, dort oben sterben Tiere.
Aus Regentagen wurden Regenwochen,
Da hat er aus der Ferne
Kaltes Blut gerochen.
Der Wind hat totgeglaubte
Lieder dirigiert, den Mann direkt vor
Die Maschine geführt:
Und die Wolken zogen über ihn hinweg,
Die Hände in den Haaren,
Die Füße im Dreck.
Viele Male haben sich vor ihm
Die Straßen verzweigt,
Viele Finger haben ihm
Die rechte Richtung gezeigt:
Marschiere, marschiere,
Nimm' die Beine in die Hand,
Und verlasse unser Land.
Marschiere, marschiere,
Vor Deinen Augen sterben Tiere.
Er wollte es mit eig'nen Augen seh'n,
So musste er durch die Maschine geh'n.
Beim Lärm der rastlosen Motoren
Hat er beinahe den Verstand verloren,
Es pochte ihm in seiner Stirn:
Wie lange wirst Du funktionier'n?
Und alle Rohre ächzten laut:
Es werden immer mehr
Maschinen gebaut.
Auf dem Weg zurück,
Da zog der Regen weg,
Die Sonne trocknete
An seinen Schuhen den Dreck.
Er ist ins Haus gerannt, hat Luft geholt,
Die Frau am Feuer angeschrie'n:
Pack' Deine Sachen ein,
Bevor die Wolken wieder aufzieh'n!
Marschiere, marschiere,
Nimm' die Beine in die Hand,
Wir verlassen dieses Land.
Marschiere, marschiere...
eines Tages sind wir Tiere.

Ich wünsch' mir dass das Zebra schweigt
Im Wald über uns'rer Stadt,
Den noch kein
Mensch gesehen hat,
Haben all die lieben Tiere
Das Zebra endgültig satt.
Die Pferde, welch ein Gespann,
Zieh' n ein jedes, so schnell es kann,
Eine große Guilloutine
Laut schnaubend heran.
So seht Euch das Zebra an,
Das nichts als Lügen sprechen kann,
Groß ist die Not – dem Zebra der Tod!
Das Zebra ist schlecht, schlecht, schlecht,
Kommt, seid gerecht, -recht, -recht;
Rächt Eure Not: Dem Zebra der Tod!
Die flauschigen kleinen Katzen
Purzeln über ihre Tatzen,
Denn sie wollen dem Ungeheuer
Die Augen auskratzen.
Die Vögelein in den Bäumen
Wollen das Fest nicht versäumen,
Ihre spitzen Schnäbel glitzern,
Als sie Totenlieder zwitschern.
Das Schweinchen im Dreck
Hebt den Kopf keck:
„Hätte ich nur einen Wunsch frei,
Das Zebra wäre weg.
Wir haben das Zebra satt,
Weil's uns betrogen hat,
Groß ist die Not – dem Zebra der Tod!
Das Zebra ist schlecht, schlecht, schlecht,
Kommt, seid gerecht, -recht, -recht;
Rächt Eure Not: Dem Zebra der Tod!
Die Schlange schleicht sich heran,
Sie züngelt und zischt sodann:
„Ich will nicht, dass
Des Zebras Lebenslicht
Durch mein edles Gift erlischt.
Der dicke, alte Bär
Hasst das Zebra gar so sehr,
Dass es laut im Bärenbauch brummt
Und alles ringsum verstummt.
Der Wolf mit dem bösen Blick
Packt das Zebra fest am Genick,
Und er zerrt es, immer dichter,
Zum Scharfrichter auf das Schafott.
Und oben, kurz vor dem Ende,
Sieht sich das Zebra noch einmal um;
Es blickt gepeinigt in die Menge,
Doch alle Tiere bleiben stumm.
Da erhebt es seine Stimme,
Und schreit gegen den Himmel,
Gegen das Schweigen an:
„Aber ich bin doch nur ein Zebra,
Und ich habe Euch nichts getan!
Gusch! Hurra!
Seht Euch das Zebra an,
Wir war' n sein Untergang,
Groß uns're Not: Jetzt ist das Vieh tot!
Wir sind gerecht, -recht, -recht,
Zebras sind schlecht,
Schlecht, schlecht:
Weiß wie ein Tor,
Uns schwarz wie ein Mohr.

Vor ein paar Jahren noch,
Da sahst Du aus wie ich:
Ein altes Bild in einem Rahmen,
Das an meiner Wand verblich.
Bei manch' einem stirbt die Liebe,
So manch and'rem bricht das Herz;
Ich weiß genau, wie es sich anfühlt,
Ich behüte meinen Schmerz
Wie einen chatz: Du warst ein Niemand,
Heute sieht Du aus wie sie,
Manche Wunden heile ich nie...
...ich warte auf Dich. (Endstation, Endstation...)
Endstation Eden
Mein Zug, er endet hier.
Endstation Eden
Ich bin nicht mehr bei Dir.
Endstation Eden
Mein Zug er endet hier,
Endstation Eden
Heute Nacht sterben wir.
Du bist der Größte;
Wenn ich will, dann bist Du klein.
Wie oft hab' ich mir gewünscht.
Unter Deiner Haut zu sein.
Du bist alles, was ich hasse.
Nimmst mir Kraft, Du gibst mir Mut,
Du bist der Dorn in meiner Seele,
Du bist meine Zornesglut.
Du bist ich selbst, wenn Du so dastehst,
Mir ein Lächeln abverlangst;
Und von all dem weißt Du nichts,
Du kennst mich nicht...
Diese Geschichte macht mir Angst.
Die Fee war eine Hexe,
Der Zaubertrank war Gift.
Die drei Nüse waren Kugeln,
Eine jede ihr Ziel trifft.
Anstatt Funken fiel die Asche.
Meines Traums auf meinen Kopf,
Und die Knochen meiner Hoffnung
Trieben im eisernen Topf.
Die drei Raben pickten mir
Mit ihren Krallen meine Augen aus,
Das Tischlein deckte sich
Im Handumdreh'n
Mit meinem Leichenschmaus.
In meinem Bettchen lag der Teufel
Unter Decken, scharlachrot:
Meine Goldmarie war Pechmarie
Und Pechmarie der Tod!
Endstation Eden
Mein Zug, er endet hier.
Endstation Eden
Ich bin nicht mehr bei Dir.
Endstation Eden
Mein Zug er endet hier,
Endstation Eden
Heute Nacht sterben wir.

Als kleines Mädchen
Hast Du Dich
Gern auf dem
Heuboden versteckt
Und dort geduldig
Trock'nen Mohnblumen
Die Köpfe abgerissen.
Das Geräusch hat in Dir Sehnsucht
Nach dem Himmelreich erweckt,
Deine Nägel hast du Dir
Wie Karamelbonbons zerbissen.
Dann hast Du im Zuckerstaub gemalt,
Die Schätze vorgezeigt:
„Liebe Mutter, lieber Vater,
Hört die Samen darin rasseln!
Du hast Dir ein Leben vorgeträumt,
Das Deines übersteigt
Und sahst Hagel nachts
Wie Plastikperlen an
Dein Fenster prasseln:
Soma, kannst Du mich hören?
Ich bin gekommen um Dich
Und Deine Welt zu zerstören,
Hier spricht Soma,
Kannst Du mich hören?
Ich bin gekommen um Dich
Und Dein Leben zu zerstören.
Mit den Jahren lebt's sich leichter,
Zeit verbirgt jedes Geheimnis,
Heute mauerst Du die Türen
Gleich mit Deinen Schritten zu.
Du bedeckst den Sarkophag
Mit Mohn und blendend weißen Laken
Und glaubst fester an den Regen,
Denn der Regen ist wie Du.
Es gibt tausend Möglichkeiten,
Deinem Leben auszuweichen,
Doch Du wählst den einen Weg,
Auf dem Du glaubst,
Dass Du Dich führst.
So lenkst Du Dich in die Irre,
Blind und glücklich ohne gleichen,
Als Du einmal mehr das Rasseln
Jenes Samens in Dir spürst:
Soma, kannst du mich hören?
Ich drück' Dich in mich hinein,
Um meine Seele zu zerstören.

Ich bin ein bisschen hässlich
Und auch ein bisschen dumm,
Ich hab' nicht viel zu Lachen,
Aber Himmel, sei es 'drum,
Ich leb' in einer Traumwelt,
Und hier träum' ich auch für Dich,
Doch Regeln mache ich.
Wie oft war ich nicht schwierig,
Wie oft war ich Dir nicht fremd?
War ich auch hin und her gerissen,
Ich blieb immer konsequent.
Schlimme Dinge, die ich sagte,
Zielten sicher nie auf Dich,
Doch Regeln mache ich.
Ich war ein Tölpel,
Ein Idealist und ein Idiot,
Der über die eig'ne Leiche ging,
Auf seiner Suche nach dem Tod.
Doch durch den Glanz In Deinen Augen
Wurde ich erst richtig groß,
Ich hab' gelebt, geliebt, gelitten,
Doch all das ist nun bedeutungslos.
Du warst nicht immer ehrlich,
Zwar hast Du mich nie wirklich betrogen,
Doch das Bild von dir In meinem Kopf,
Es hat mich angelogen.
Doch wen ich liebe, wann ich sterbe,
Das entscheide allein ich,
Denn die Regeln,
Die ich mache,
Gelten hauptsächlich
Für mich.
Manchmal ist das Meer zu weit,
Der Horizont erdrückt mich,
Und ich atme Einsamkeit.
Die Zeit verrinnt,
Je mehr man nach ihr sinnt,
Und in der Waschmuschel
Klebt Blut.
Manchmal ist des Lebens Lauf
Ein Labyrinth,
Geschichten hören einfach auf.
Ich wollte Sterne seh'n,
Mit Dir durch' s Universum geh'n,
Nun ist die Waschmuschel
Voll Blut.
Auch wenn ich Dich bekämpfte,
Meine Liebe, sie war echt,
Doch selbst mit ihr
An meiner Seite
Verlor ich jedes Gefecht
Mit der Erinnerung an damals,
Sie ließ mich nie den Morgen seh'n;
Wie soll ich so jemals vor uns und
Der Zukunft mit Dir besteh'n?
Diese Spiegelscherbe
Blendet Dich mit Deiner Angst,
Glaub' mir, ich hab' nie gewollt,
Dass Du so um Dein Leben bangst.
Doch wie wir lieben,
Wie wir sterben,
Das entscheide allein ich,
Denn nach den Regeln,
Die ich mache,
Nach diesen Regeln
Handle ich.
Heute ist das Meer nicht weit,
Der Horizont umschließt uns,
Und wir atmen Zweisamkeit.
Das Ende naht,
Ich schreite stolz zur Tat,
Und töte Dich und mich...
Für uns.
Endlich kannst Du die Wellen seh'n,
Wir woll'n auf Zehenspitzen
Durch das Universum geh' n.
In Deinen Augen
Erlischt die Glut,
Komm, spuck die Zähne aus,
In der Muschel
Steigt das Blut.
Manchmal ist des Lebens Lauf
So wie die Zeit, so wie die Liebe,
Er hört trotz allem niemals auf.
Ich habe Dich gesehen,
Also soll' n wir untergehen,
Und alles andere ist egal.

Der Morgen dämmert leise,
Ich klopfe viermal
An die Tür.
Meine Finger
Umschließen sanft die Klinke,
Ich kann doch nichts dafür.
Ich setzte meinen Fuß ins Zimmer,
Und schleich' mich an das Bett heran.
Dort liegt sie,
Zwischen zerwühlten Laken
Und fleht mich
Mit geschloss'nen Augen an:
Spül' mir den Mund
Mit Seifenwasser aus,
Streue meine Asche
In ein kleines Schneckenhaus,
Nimm' meine Hände,
Und hacke sie mir ab,
Bedecke mit Vergissmeinnicht
Und Kornblumen mein Grab.
Am Tag als ich geboren ward
Verbrannten die Weltmeere,
Der Racheengel Heere
Entstiegen schwarzem Sand.
Ich schneid' Dir
Meinen Namen ins Gesicht,
Ein Datum, das Du nie vergisst,
An jenem Tag
Flogen die ersten Motten
Lebend aus dem Licht.
Gleich neben ihr schläft friedlich
Eine bleiche Gestalt,
Mit Augen schmal wie Mandeln;
Bei ihrem Anblick wird mir kalt.
Der Körper ist von Narben
Und Brandmalen bedeckt.
Das Etwas hat die Arme
Um das Mädchen gestreckt.
Meine Gedanken,
Dieser Mensch hat sie gedacht,
Über fast ein ganzes Jahr hinweg
Gewährte ich ihm Macht
Über mich und mein Leben,
Was hätte ich gegeben
Um mich eine Stunde lang nur
Über mich selbst zu erheben.
Dort liegt mein Körper,
Meine Liebe, meine Seele;
Sie allein ist es, die ich mit meinen
Worten immer wieder quäle.
Wie besessen stürz' ich
Blindlings in den Wahn:
Was haben wir uns,
Gott verdamme mich, nur angetan?
Nimm' seine Zunge,
Und schneide sie ihm ab,
Bereue seine Sünden,
Leg' ihn zu ihr in das Grab.
Leg' Dich zu ihr in das Grab.
Wach' endlich auf und kämpfe,
Mit dem Rücken an der Wand
Schlage ich noch fester zu,
Mit meinen Zähnen in der Hand.
Auf mich wartet schon die Hölle,
Ich kann Dir niemals verzeih'n,
Mit dem letzten Atemzug
Will ich Dir Hass entgegenspei'n.
Wach' endlich auf und kämpfe,
Mit dem Rücken an der Wand
Schlag' ich fester auf Dich ein,
Mit meinen Zähnen in der Hand.
Meine Wut ist unersättlich,
Heute werden wir' s beenden,
Ich hör' nicht auf, bevor ich hab
Was ich will:
Deine Zähne in den Händen.
An meinen eig'nen Regeln
Hab' ich meine Schuld zu messen,
Vor lauter Zorn in mir hab
Ich die ganze Zeit vergessen:
Sprichst Du von mir,
So meinst Du Dich,
Der Weg zu Dir
Führt über mich.
All das Unrecht beging ich,
Um, einsam und allein,
Zum Schluß mit meinem größten Feind,
Mit mir selbst konfrontiert zu sein.
Die Zeit ist abgelaufen,
Deine Willkür währte lang.
Will ich weitergeh'n, verlangt das
Leben Deinen Niedergang.
Der morgen dämmert leise,
Dieses Ende gehört mir,
Von draußen drischt der Tod
Mit meinen Fäusten an die Tür.

Draußen vor'm Schneckenhaus
kniet in der Erde, nass und kalt,
ein Kind mit Augen gar so braun
wie Kandis und
wie gebrannte Mandeln.
Sie hat ihr Köpfchen
in ihre Hände gelegt
und hofft, dass sie
endlich ein Mondenstrahl
federleicht weit davon trägt.
Neben dem Schneckenhaus
liegt keuchend, blutend im Staub,
von all dem Geschrei
noch ganz taub,
eine Gestalt: ja, es ist der Junge.
Bleich wie der Nebel am See,
wie ein weißes Kaninchen
im Schee,
haucht er mit letzter Kraft:
Wir schaffen es zusammen.
Dort vor dem Scheckenhaus
hält man sich eng aneinander fest,
fern vom Rest der Welt,
die nur die Flucht in die Wolken zulässt.
So wie ein Märchenbuch,
wie der Besuch
von einem bösen Traum,
endet die Unschuld stets
am Ende der Geschichte.
Wir haben viel gesehen
und noch viel mehr gefühlt,
uns mit Händen und mit Füßen
durch die Erde
der Vergangenheit gewühlt,
wir haben nicht begriffen
und auch nicht verstanden,
dass die Geister, die wir riefen,
einen neuen Körper fanden,
in dem sie sich niederließen,
den sie wie ein Bild verzerrten,
während wir uns wie die Narren
aus dem Schneckenhaus aussperrten.
Wir sind an uns selbst gescheitert,
an Dämonen, die erschienen,
trotzdem spendet dieses Opfer
mehr Trost als wir je verdienen.
Aus deinen treuen Augen
starrt mich uns're Torheit an,
ich ertrage nicht, dass man uns
so viel Schuld abnehmen kann;
für die Umkehr gebe ich
Gott ohne Zögern meine Hände,
dann bestimmte ich und nicht du
über der Erzählung Ende.
Dann wär ich zur rechten Zeit
am rechten Ort gewesen,
anstatt wie gelähmt nur mir selbst
uns're Zukunft vorzulesen
und von ihr das, was ich selbst nicht konnte
feige zu verlangen:
einmal mehr wurde
ein größter Fehler
rücksichtslos begangen.
Wir war'n Mörder und wir haben
uns wie Diebe einander vergiftet,
einem Schiff gleich, das vom Kurs
der Wahrheit immer weiter abdriftet,
und unaufhaltsam, einsam,
seinem Ende still entgegentreibt.
Wieso sind wir noch am Leben,
wenn uns nichts und niemand stützt,
wenn uns eine Katze mehr als alle
Menschen auf der Welt beschützt?
Wenn ich mich zu dir lege
und in deine treuen Augen seh,
dann tut mir dieses Ende
mehr als alle and'ren Enden weh.
Fürchtet euch nicht,
denn ich hab keine Angst,
so ruf ich die Krähen,
tragt mich davon,
Unsere Zeit nimmt dem Ende den Sinn,
weil ich in euren Herzen
unsterblich bin.
Am Ende der Geschichte
blicke ich in ein Gesicht,
aus dem die hoffnungsvolle Stimme
meiner Liebe aller Leben spricht.
Am Ende der Geschichte
lässt uns unser Engel leise
mit uns selbst allein und setzt sie fort,
seine lange Reise.
Ich wünsche mir, dass er erneut
zwei Menschen wie uns beide findet,
die er dann durch seine Kraft
so fest wie uns zusammenbindet,
um sie am Fuße eines Berges
auf den Weg zu schicken,
damit sie eines Tages auf das Tal
zu ihren Füßen blicken.
Am Tag, als du geboren warst,
sangen alle Meere,
der Wind blies dir zur Ehre
die Wellen an das Land.
Ich schreibe uns're Namen
in den Sand,
damit das Wasser uns vermischt.
Durch dich allein flogen wir
lebend und verwandelt
aus dem Licht.

Ich bin kein Kind
von Traurigkeit.
Bin zu jeder Schandtat bereit,
um dich mit einem Kuss ins
Traumland zu entführ´n.
Denn wer nicht wagt,
der nicht gewinnt,
deshalb sind wir das, was wir sind,
es ist egal, wie tief man fällt,
zu uns´ren Füßen liegt die welt.
A.a.a.:
All das ist nicht umsonst gescheh´n
Wir tanzen durch das Weltall
Mit Sternschnuppen an den Zeh´n
A.a.a.:
Auf Wiederseh´n und Dankeschön,
ich kann uns Ansichtskarten
an uns selbst
aus unserer Zukunft schreiben seh´n
In uns´ren Seelen tobte Krieg,
es ging um uns,
nicht um den Sieg,
Der ganze Himmel war
Als Schlachtfeld noch zu klein.
Mit den Herzen in den Händen
Und der Macht, das Blatt zu wenden,
reißt uns das Meer mit sich fort...
Liebe ist mehr als nur ein Wort
A.a.a.:
All das ist nicht umsonst gescheh´n
Wir tanzen durch das Weltall
Mit Sternschnuppen an den Zeh´n
A.a.a.:
Auf Wiederseh´n und Dankeschön,
ich kann uns Ansichtskarten
an uns selbst
aus unserer Zukunft schreiben seh´n
Mit den Herzen in den Händen
Und der Macht, das Blatt zu wenden,
reißt uns das Meer mit sich fort...
Liebe ist mehr als nur ein Wort
A.a.a.:
All das ist nicht umsonst gescheh´n
Wir tanzen durch das Weltall
Mit Sternschnuppen an den Zeh´n
A.a.a.:
Auf Wiederseh´n und Dankeschön,
ich kann uns Ansichtskarten
an uns selbst
aus unserer Zukunft schreiben seh´n

„a.Ura und das Schnecken.Haus" erzählt eine Liebesgeschichte. Im Grunde kann man jede der 23 Titel als alleinstehende Kurzgeschichte betrachten, jedoch erkennt man beim näherer Analyse des Textes eine fortlaufende Handlung.
Die Ausgangssituation besteht darin, dass ein Junge, der in ein Mädchen verliebt ist, in ein anderes Land zieht. Er will den Weg zur Liebe zu ihr finden. Dazu müssen sie vorerst beide ihre Gegenwart, ihre Vergangenheit sowie auch ihre Zukunft auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Im zweiten Stück, „Der Riesenraddieb", wird beschrieben, wie der Riesenraddieb (eine Metapher für die unglücklichen Umstände) den beiden ihr „Glück" stiehlt.
Im Weiteren werden die Charaktere in ihrer Kindheit vorgestellt (siehe „Das Mädchen aus dem Inneren des Ketten.Karussels" und „Der Junge lebt im Brunnen"). Von diesem Zeitpunkt werden die wichtigsten Abschnitte im Leben des Protagonisten (welcher Alexander Kaschte symbolisiert) behandelt. Dieser Handlungsabschnitt beginnt mit dem Stück „Flohzirkus", in dem eine Hellseherin den Zuhörer darauf vorbereitet, was dem Protagonisten zustoßen wird. Nennenswertesten Teile dieses Handlungsabschnittes sind „Der Spiegel sieht mich nicht", „Der Wald der vergessenen Puppen", „Ein Kater kennt den Weg", „Ein Name im Kristall", „K.haos-Prinz und Wind.Prinzessin" sowie „Dort oben sterben Tiere". Hier wird unter anderem beschrieben, wie der Protagonist sich selbst hinter seinem innerlichen Hass wiedererkennt, wie er auf Spuren aus seiner Vergangen- und Kindheit stößt und wie er zum Vegetarier wird. Diese Titel beziehen sich allesamt auf Alexander Kaschtes Leben.
Im nächsten Handlungsabschnitt, „Die Zähne in der Hand", erhebt er sich über den Feind, der sich die ganze Zeit nicht um ihn, sondern tief in ihm befand. Er besiegt diesen Teil seines Charakters.
Das Finale bildet „A.usgesperrt". In diesem Part machen die beiden zusammen noch mal eine Abhandlung des ganzen, schließlich haben sie sich noch gefunden und sperren sich aus dem Schneckenhaus aus.
Das letzte Stück ist eine Art Abspann, welcher vor allem musikalisch dem ganzen Stück ein fröhliches Ende gibt, so war die Stimmung in dem vorletzten eher düster und nachdenklich. Der, eine Moral oder einen abschließenden Satz bildende Wortlaut heißt: „Liebe ist mehr als nur ein Wort."
From Wikipedia

Ein Auszug aus einer wahren Geschichte von Alexander Kaschte
[Eine längere Version dieses Textes ist im Booklet der 4fach DVD/CD-Box "Einer gegen Alle" zu finden]
Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern, an dem wir abgefahren sind. Ich bin am frühen Morgen über Champs Grab gekniet und habe geweint - später würde ich wegen meiner deshalb geschwollenen Augen die einzige Einstellung, in der mein Gesicht auf der Fahrt nach Augsburg zu unserem ersten Konzert zu sehen ist, nicht in unser filmisches Tourtagebuch mit aufnehmen wollen; zu Recht, denn ich habe mich selten hässlicher und verbrauchter gesehen als an diesem Vormittag.
Die Wochen vor der „a.Ura"-Tour waren für mich die Hölle. Die Produktion des Albums hatte sowohl an meinen Nerven als auch an meiner Geduld und meiner Ausdauer gezerrt; ich fühlte mich selbst nicht mehr, war gereizt, ungehalten und überreagierte, wo immer ich konnte, um den Druck in mir abzubauen. Alle an der Produktion beteiligten Menschen arbeiteten auf Hochtouren und waren nicht selten meinen Selbstzweifeln und meiner Launenhaftigkeit ausgesetzt. Im Studio musste sich mein Aufnahmeleiter und Toningenieur Bernd Mazagg von mir oftmals die gegensätzlichsten Meinungen über meinen Gesang anhören. Hielt ich mich eben noch für den großartigsten Künstler der Welt, so war ich im nächsten Augenblick auf jedes Kompliment angewiesen und fischte in den Augen meines Gegenübers nach der wahren Beurteilung der bisherigen Aufnahmen. Ich betrachtete Aussagen wie: „Ich weiß nicht, was Du hast, das war doch gut!" als Lüge. Ich wusste mit der Zeit weder, wo oben noch wo unten war, was mich aus heutiger Sicht nicht verwundert, haben wir doch aus Zeit- und Budgetgründen innerhalb von 10 Tagen sämtliche Gesangsstimmen des „a.Ura"-Albums eingesungen und sechs Songs gemischt; ein Unterfangen, von dessen Umsetzung ich am Anfang der Produktion ohne mit der Wimper zu zucken überzeugt gewesen bin. Parallel zu unserer Arbeit im Studio zeichnete sich Ingo Römling, der für die Illustrationen und das Layout der limitierten „a.Ura"-Box verantwortlich war, in den Wochen vor seinem Abgabetermin die Finger wund. Unmittelbar vor der Deadline beschloss ich in einem für mich typischen Anfall von Perfektionismus, Ingo sämtliche von ihm gesetzten Zeilenumbrüche so korrigieren zu lassen, wie es das Versmaß und das Metrum meiner Texte vorsahen. Während eines dreistündigen Telefongesprächs klickten wir uns durch jede einzelne Zeile des „a.Ura"-Albums, und ich murmelte durch den Hörer, an welcher Stelle Worte vorgezogen oder Absätze gemacht werden mussten.
Dann sass ich da: sämtliche Aufnahmen waren im Kasten, das Artwork war fast fertig und innerhalb von 20 Tage sollte ich 18 Lieder mixen. Mein Equipment wurde aus meinem Musikzimmer in die Küche verfrachtet, da dies der einzige Raum in unserer damaligen, recht kleinen Wohnung war, an dem die Monitorboxen in einem für den Endmix unerlässlichen, korrekten Abstand und Winkel zueinander aufgestellt werden konnten. Die Mikrowelle und der Wasserkocher wichen dem Computerbildschirm, um an Teller und Müllsäcke zu gelangen musste ich mich durch Kabel kämpfen. Draußen war es herbstlich und ungemütlich, in der Studio-Küche war es heiß wie in der Hölle. Wir hatten mit Holz zu heizen, und mein abgehalfterter Chefsessel musste aus Platzgründen direkt neben dem Ofen stehen. So wie ich oft während dem Produzieren oder Komponieren das Essen vergesse, so oft habe ich es versäumt, Holz nachzulegen, und das Feuer ging aus. Ich habe diesen Ofen gehasst, auch wenn ich im vergangenen Winter manchmal vor ihm sass, durch die Glasscheibe in die Flammen starrte und meinen Gedanken nachhing. Alles in allem hat mir die Produktion von „a.Ura und das Schnecken.Haus" alles andere als Spaß gemacht. Morgens wollte ich nicht aufstehen, ich hätte am liebsten vor dem riesigen Berg Arbeit, den ich mir aufgehalst hatte, resigniert; abends wollte ich nicht ins Bett gehen, da ich unberechtigterweise nie das Gefühl hatte, etwas geleistet zu haben.
Während dieser drei Wochen sind etliche Dinge passieren, die mein angekratztes Nervengerüst weiter strapaziert haben. Eines Abends wurde der Computer-Bildschirm plötzlich schwarz, der Rechner startete sich neu und zeigte nichts weiter als das Logo eines Prozessorherstellers an; Schweigen machte sich breit und wich langsam blankem Entsetzen, als trotz aller Versuche, die Störung zu beheben, nichts mehr zu funktionieren schien. Der Computer wollte nicht weiterarbeiten und hielt meinen Bemühungen trotzig das Surren seiner Lüftung entgegen. Die Frau am Telefon des Kundendienstes verlangte mir eine Serien-Nummer ab, ich kroch wieder einmal durch Kabel, kritzelte die Nummer auf einen kleinen gelben Zettel, rief sie zurück und erfuhr, dass ich den Computer zur Reparatur in einem 70 Kilometer entfernten Laden abgeben solle, er würde dann eingeschickt werden. Vorher hätte ich gemäß der Geschäftsbedingungen alle Daten von der Festplatte zu löschen und den Auslieferungszustand herzustellen. Ich beendete das keine Hilfe versprechende Gespräch, man wünschte mir mitleidig viel Glück. Ich rannte zurück in die Küche, der Bildschirm blieb weiterhin schwarz. Ich startete der Computer eine halbe Ewigkeit lang immer wieder erfolglos neu. Irgendwann rief ich die Plattenfirma an und berichtete von dem Vorfall. Die Euphorie der vergangenen Wochen und der Glaube an meine Band verfolgen am anderen Ende der Leitung in wenigen Sekunden, plötzlich war von der Rückzahlung von Vorschüssen die Rede, bisher geschaltete Werbung habe im Falle einer durch den System-Crash verursachten Verschiebung des Veröffentlichungstermins von mir erstattet zu werden. Ich wollte in den Wald rennen und ein Erdloch graben, um mich hineinzulegen und zu warten, bis jemand kommen und mir sagen würde, was ich als nächstes tun solle. Nach dem Telefonat ging ich, bis in die letzte Haarspitze mit einem Gemisch aus Panik und Wut erfüllt, wieder in die Küche und sah meinen blauen Desktop: gerade so, als wäre nie etwas passiert. Alle Programme liefen wie zuvor, es war nichts verloren oder kaputt gegangen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich den Rechner bis zum Ende der Produktion nicht mehr ausgeschaltet; er arbeitete weiterhin reibungslos. Mir war mittels dieses Zwischenfalls eine Lektion verpasst und kurzzeitig die Freude an meiner Arbeit zurückgeben worden.
48 Stunden vor dem Moment, in dem der Kurier laut unserer Planung vor meiner Tür stehen sollte, um von mir einen die Master-CDs beinhaltenden Umschlag entgegen zu nehmen, statteten wir einem befreundeten Produzenten einen Besuch ab, den ich auf eine Empfehlung und diverse Referenzen hin mit den Arbeiten an zwei Stücken des „a.Ura"-Albums beauftragt hatte. Leider sollte sich herausstellen, dass seine Arbeitsweise bei einer anderen Band zwar ausgezeichnet funktioniert hatte, auf SAMSAS TRAUM übertragen aber alles andere als meinem Geschmack entsprach: ich konnte und wollte die von ihm angefertigten Mixe auf keinen Fall verwenden. Auf meinem Zeitplan standen deshalb nicht mehr drei, sondern fünf verbleibende, ausgerechnet lange und komplexe Lieder, die innerhalb von zwei Tagen fertig zu sein hatten. Ich habe in der folgenden Zeit sehr viel Koffein zu mir genommen und wenig geschlafen; die Nacht vor der für 8.00 Uhr verabredeten Ankunft des Kuriers habe ich durchgearbeitet. Den vorangegangenen Tag über hatte ich mit „A.usgesperrt" zu kämpfen, bis in die Morgenstunden sass ich an „Blut ist in der Waschmuschel". Als endlich alles vorbei war, tanzte ich durch unsere Wohnung und machte Fotos von der Studio-Küche, damit ich mich immer an diese Nacht erinnern würde. Es war ein letzter Höhenflug vor dem totalen Zusammenbruch, denn wenig später triumphierte mein Körper über meinen Willen und schickte mich fiebrig ins Bett. Dass der Kurier erst gegen 14 Uhr eintraf, war mir gänzlich egal; das Album war fertig, und zu diesem Zeitpunkt brachte ich bereits auf Grund der Erschöpfung keinen zusammenhängenden Satz mehr heraus.
Während der Zeit der Produktion leistete mir hauptsächlich Vivian Gesellschaft, was mich sehr überraschte, denn bisher hatte sie ihre Zuneigung zurückgehalten. Champ, zu dem ich die intensivste Beziehung aufgebaut hatte, zog sich zunehmend zurück, wurde von den anderen Katzen gemieden und suchte die Einsamkeit. Wir wussten seit geraumer Zeit, dass er an chronischem Nierenversagen litt, einer Krankheit, bei der das Gewebe der Nieren langsam zerstört wird und deshalb Schadstoffe nicht mehr aus dem Blut gefiltert werden können, während der Körper kontinuierlich an Flüssigkeit verliert. Bei rechtzeitigem Erkennen der Krankheit kann die noch gesunde Niere durch die entsprechende Medikation dazu angeregt werden, die Nierenfunktion der erkrankten Niere zu übernehmen. Champ verweigerte allerdings oft die Aufnahme seines mit Medizin versetzten Futters; seine Nierenwerte verschlechterten sich mit der Zeit drastisch. Er verlor zunehmend an Gewicht, sein Fell wurde struppig, er trocknete langsam innerlich aus.
[...]
Quelle: Die offizielle a.Ura-Homepage


Music, Pictures & Lyrics ©Samsas Traum